Der Autor und Professor für Musikpädagogik Christian Rolle vertritt die Meinung, dass musikalische Bildung nur dann stattfinden kann, „wenn Menschen in musikalischer Praxis ästhetische Erfahrungen machen“. Weiter führt er aus, dass pädagogisches Handeln demnach Räume schaffen sollte, die ästhetische Erfahrungen und Prozesse ermöglichen und anregen. In der vorliegenden Arbeit geht es um musikalisch-ästhetische Bildungsprozesse bei Kindern. Ausgangspunkt ist dabei eine Beobachtung eines 2-jährigen Mädchens, das in einem Musikkurs für Krippenkinder musikalisch tätig ist. Bei der Beobachtung handelt es sich um eine systematische und verdeckte Beobachtung. Das bedeutet, dass die Beobachtung vorher bereits geplant war und die Beobachterin aus der Distanz beobachten konnte. Sie ist selbstverständlich wertfrei und objektiv, das heißt von den Eindrücken der Beobachterin unbeeinflusst, dokumentiert. Außerdem wurde dem Ablaufplan von Strätz und Demandewitz weitestgehend gefolgt: Zunächst wurde ein Anliegen formuliert, dann ein Beobachtungsziel benannt und die Beobachtungsmethode ausgewählt. Anschließend wurde die Beobachtung durchgeführt und dokumentiert und die Ergebnisse analysiert.
Ziel dieser Arbeit ist es zu überprüfen, inwiefern es sich bei der beschriebenen Beobachtung um einen ästhetischen Prozess handelt und was das Kind dabei gelernt haben könnte. Hierfür wird im ersten Teil der Arbeit die ästhetische Bildung vorgestellt. Der Begriff wird eingangs erläutert, dann folgen die Merkmale eines ästhetischen Prozesses und ästhetische Bildungsprozesse in der frühen Kindheit. Aufbauend auf der ästhetischen Bildung wird die Beobachtung detailliert geschildert und im darauffolgenden Kapitel analysiert. Abschließend folgt ein Fazit, in dem die wichtigsten Punkte zusammengefasst und eventuelle Schlussfolgerungen für die Praxis genannt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ästhetische Bildung
2.1 Begriffserklärung
2.2 Merkmale eines ästhetischen Prozesses
2.3 Ästhetische Bildungsprozesse in der frühen Kindheit
3. Beobachtung
4. Analyse
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die musikalisch-ästhetischen Bildungsprozesse bei Kleinkindern anhand der Fallstudie eines zweijährigen Mädchens während eines Musikkurses. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit die beobachteten Interaktionen als ästhetische Prozesse zu klassifizieren sind und welche Lerngelegenheiten sich daraus für das Kind ergeben.
- Grundlagen der ästhetischen Bildung und deren Merkmale
- Bedeutung ästhetischer Bildungsprozesse in der frühen Kindheit
- Systematische Beobachtung und Analyse einer Kleinkindsituation
- Rolle der Pädagogen bei der Anregung ästhetischer Erfahrungen
- Zusammenhang zwischen Musikausübung und kindlicher Entwicklung
Auszug aus dem Buch
2.2 Merkmale eines ästhetischen Prozesses
Die Kunstpädagogin Kathrin Borg vertritt die Position, dass es zwar unterschiedliche ästhetische Erfahrungen gibt, dieselben aber dennoch verbindende Besonderheiten ausweisen. Aus diesem Grund beschreibt sie vier verschiedene Merkmale eines ästhetischen Prozesses (vgl. Borg 2012, S. 8):
Ein ästhetischer Prozess beginnt meistens mit der Selbstaufmerksamkeit. Das bedeutet, dass sich die Aufmerksamkeit der erlebenden Person auf etwas richtet. Außerdem richtet sie sich auf das eigene Bewusstsein und die damit verbundenen Empfindungen (vgl. ebd, S. 9). Die Autorin Borg verdeutlicht das anhand Beispielen: „Es entsteht […] eine Aufmerksamkeit auf einen Geschmack beim Essen, eine Farbe in der Natur, eine Szene im Film, einen Beat, ein Körpergefühl beim Tanzen usw.“ (ebd.).
Anschließend folgt der Ausdruckscharakter. Hier möchte die Person das Erlebte beziehungsweise den ästhetischen Prozess zum Ausdruck bringen und anderen verbal oder nonverbal mitteilen. Doch auch ein innerer Dialog könnte schon zum Ausdruck des Prozesses führen. Als weitere Beispiele sollen das Singen, Tanzen, Musizieren und Kommunizieren dienen (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert die Relevanz ästhetischer musikalischer Praxis und stellt die Beobachtung eines zweijährigen Kindes als methodischen Ausgangspunkt der Untersuchung vor.
2. Ästhetische Bildung: Der theoretische Teil definiert Ästhetik, beleuchtet die Merkmale ästhetischer Prozesse nach Kathrin Borg und diskutiert die Bedeutung dieser Bildungsprozesse für die frühe Kindheit.
3. Beobachtung: Hier wird das konkrete Beobachtungsprotokoll eines Musikkurses für Krippenkinder wiedergegeben, das Alinas Interaktionen mit Klanghölzern und ihre musikalische Partizipation dokumentiert.
4. Analyse: Das Kapitel analysiert die dokumentierten Sequenzen auf Basis der theoretischen Kriterien für ästhetische Bildungsprozesse und reflektiert die Lernentwicklung des Kindes.
5. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Beobachtung wesentliche Merkmale ästhetischer Erfahrung bestätigt und unterstreicht die Rolle pädagogischer Fachkräfte als Anreger dieser Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Ästhetische Bildung, Musikpädagogik, Frühkindliche Entwicklung, Klanghölzer, Beobachtung, Selbstaufmerksamkeit, Ausdruckscharakter, Musikkurs, Pädagogik, Lernprozesse, Kleinkindforschung, Partizipation, Ästhetischer Prozess, Musikalisches Handeln, Bildungsbereiche
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die musikalisch-ästhetischen Bildungsprozesse eines zweijährigen Kindes in einem Musikkurs und beleuchtet diese durch eine systematische Beobachtung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die ästhetische Theoriebildung, die frühkindliche musikalische Bildung sowie die methodische Beobachtung und Analyse pädagogischer Situationen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geprüft werden, ob die beobachteten Aktivitäten des Kindes als ästhetische Prozesse einzustufen sind und welche spezifischen Lernvorteile diese bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine systematische, verdeckte Beobachtungsmethode angewandt, die im Anschluss theoretisch fundiert analysiert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Diskurs über ästhetische Bildung, ein detailliertes Beobachtungsprotokoll und die anschließende kritische Analyse der gewonnenen Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem ästhetische Bildung, Musikpädagogik, frühkindliche Entwicklung, Selbstaufmerksamkeit und Ausdruckscharakter.
Warum spielt der Unbestimmtheitscharakter bei dem beobachteten Kind keine Rolle?
Dieser Aspekt tritt laut Autorin primär bei Erwachsenen auf, da ihre Reflexionsfähigkeit ästhetische Erfahrungen häufig erst nachträglich durch diffuse Beschreibungen zu greifen versucht.
Welche Rolle spielt die Oma für den Lernprozess des Kindes?
Die Großmutter fungiert als Bezugs- und Sicherheitsperson, die das Kind in Phasen von Erschöpfung unterstützt und dabei hilft, die Anweisungen der Kursleiterin umzusetzen.
- Quote paper
- Lisa-Marie Mühlender (Author), 2019, Krippenkind beim Singen und Musizieren mit Klanghölzern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1316473