Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema Rassismus in Kinderbüchern. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Frage: Inwiefern spiegelt sich Rassismus in Kinderbüchern wider und wie sollte der pädagogische Umgang mit diesen Büchern erfolgen? Um diese Frage zu beantworten, wird mit einer ausgiebigen Betrachtung von Rassismus begonnen. Hierfür wird der Begriff Rassismus zunächst erläutert und anschließend die Entstehung von Rassismus genauer betrachtet. Weiterhin sollen einige Formen des Rassismus dargestellt werden. Im Anschluss wird untersucht, inwiefern Kinder mit dem Thema Rassismus in Berührung kommen. Hierfür wird auf Erfahrungen eingegangen, die Kinder bereits machen oder gemacht haben und anschließend wird ein Bildungskonzept zur vorurteilsbewussten Erziehung vorgestellt. Der sogenannte Anti-Bias-Ansatz soll in einem kurzen Exkurs veranschaulicht werden. Der zweite Teil der Arbeit konzentriert sich auf den Rassismus in Kinderbüchern. Dieser soll anhand von vier Beispielbüchern analysiert werden. Darunter befinden sich "Die kleine Hexe", geschrieben von Otfried Preußler, "Jim Knopf" von Michael Ende, "Pippi Langstrumpf" von Astrid Lindgren und "Der Struwwelpeter", der vom Autor Heinrich Hoffmann stammt. Im dritten Teil der Arbeit werden Vorgehensweisen und ein pädagogischer Umgang mit diesen und entsprechenden Büchern dargelegt. Ein abschließendes Fazit mit zusätzlicher Stellungnahme der Autorin rundet die Arbeit ab.
Es ist eine wohlbekannte Tatsache, dass unzählige Nuancen von Hautfarben auf der Welt existieren. Anhand dieser vielfältigen Farbtöne wurden die Menschen in früheren Jahren eingeteilt. Es entstanden Bezeichnungen wie ‚Weiße‘, ‚Gelbe‘, ‚Schwarze‘ und ‚Rote‘. Doch sind sind diese Titel mit Vorsicht zu benutzen, da sie rassistisch behaftet sind. Mit den Jahren haben sich Vorurteile entwickelt, die auf diese sogenannten „Rassen“ zutreffen sollen. Bereits Kinder werden sehr früh mit diesem sogenannten Rassismus konfrontiert und erkennen diesen oftmals in sehr jungen Jahren. Spiele oder Essensprodukte degradieren andere Hautfarben. Die Folgen sind Mobbing und Ausgrenzung auf dem Schulhof. Doch schon vor der Einschulung können Kinder mit Rassismus in Berührung kommen. Dies geschieht häufig durch Kinderbücher, die ihnen die Eltern wohlwollend vorlesen oder ab einem gewissen Alter selbst gelesen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rassismus
2.1 Begriffserklärung
2.2 Entstehung
2.3 Formen
2.3.1 Direkter Rassismus
2.3.2 Indirekter Rassismus
2.3.3 Personaler Rassismus
2.3.4 Struktureller Rassismus
2.3.4.1 Institutioneller Rassismus
2.3.4.2 Symbolischer Rassismus
2.3.5 Umgekehrter Rassismus
2.4 Kinder und Rassismus
2.4.1 Erfahrungen
2.4.2 Exkurs: Anti-Bias-Ansatz
3. Rassismus in Kinderbüchern anhand von Beispielen
3.1 Die kleine Hexe von Otfried Preußler
3.2 Jim Knopf von Michael Ende
3.3 Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren
3.4 Der Struwwelpeter von Heinrich Hoffmann
4. Pädagogischer Umgang mit rassistischen Kinderbüchern
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, inwiefern sich Rassismus in ausgewählten Kinderbüchern widerspiegelt und welche pädagogischen Handlungsmöglichkeiten bestehen, um den Umgang mit diesen Werken zu gestalten.
- Grundlagen und Definitionen verschiedener Erscheinungsformen von Rassismus.
- Analyse rassistischer Stereotype in klassischen Kinderbuchwerken wie "Die kleine Hexe", "Jim Knopf", "Pippi Langstrumpf" und "Der Struwwelpeter".
- Diskussion über die pädagogische Bedeutung und den Einfluss dieser Bücher auf die Identitätsentwicklung von Kindern.
- Vorstellung von Konzepten zur vorurteilsbewussten Erziehung, insbesondere des Anti-Bias-Ansatzes, als pädagogische Antwort auf rassistische Inhalte.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die kleine Hexe von Otfried Preußler
Deutlich wird dies besonders, als im Dorf der kleinen Hexe Fastnacht gefeiert wird. Alle Kinder sind verkleidet, doch die Kostüme entsprechen nicht denen, die heutzutage üblich sind. Stattdessen stehen auf der Straße Kinder, die aussehen, als kämen sie aus anderen Ländern. Zumindest dann, wenn den Klischees und Vorurteilen treu geblieben wird. Die kleine Hexe wundert sich über diese Ansammlung und fragt ihren Raben: „Wie kamen die beiden Negerlein auf die verschneite Dorfstraße? Und seit wann gab es Türken und Indianer in dieser Gegend? Türken mit roten Mützen und weiten Pluderhosen – und Indianer, die gräulich bemalte Gesichter hatten und lange Speere über den Köpfen schwangen? […] Auch die kleinen Chinesinnen und der Menschenfresser, die Eskimofrauen, der Wüstenscheich und der Hottentottenhäuptling stammten nicht aus der Schaubude“ (Preußler 1957, S. 86).
Obgleich diese Bezeichnungen den Rassismus bereits verdeutlichen, folgen daraufhin die Handlungen der verkleideten Kinder, die jeweils auf die verkörperte Person und ihre Herkunft zutreffen soll: „Die kleinen Türken warfen Papierschlangen. Der Hottentottenhäuptling brüllte: ‚Uaaah! Uaah!‘ Der Menschenfresser schrie: ‚Hungärrr! Hungärr! Wer will sich frrressen lassen?‘ Die Chinesenmädchen kreischten auf Chinesisch, die Eskimofrauen quietschen in der Eskimosprache und die Cowboys schossen mit Stöpselpistolen in die Luft“ (ebd., S. 86 f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Allgegenwärtigkeit von Rassismus und dessen frühzeitige Konfrontation für Kinder, unter anderem durch Kinderliteratur, und führt in das Thema der Arbeit ein.
2. Rassismus: Dieses Kapitel definiert Rassismus als ideologisches Konzept und stellt verschiedene Formen dar, darunter direkten, indirekten, personalen, strukturellen (inkl. institutionellem und symbolischem) sowie umgekehrten Rassismus.
2.4 Kinder und Rassismus: Es wird analysiert, wie Kinder Rassismus wahrnehmen, welche emotionalen Folgen dies hat und welche Rolle pädagogische Konzepte wie der Anti-Bias-Ansatz spielen.
3. Rassismus in Kinderbüchern anhand von Beispielen: Hier erfolgt eine kritische Untersuchung von vier Kinderbuchklassikern auf rassistische Klischees und Vorurteile in der literarischen Darstellung.
3.1 Die kleine Hexe von Otfried Preußler: Das Kapitel analysiert, wie die Fastnachtsszene rassistische Stereotype und koloniale Fremdbezeichnungen in einer Fantasiewelt reproduziert und wie diese in Neuausgaben modifiziert wurden.
3.2 Jim Knopf von Michael Ende: Die Untersuchung befasst sich mit der Repräsentation von Hautfarbe und ethnischen Klischees sowohl in der Darstellung von Jim Knopf als auch des Landes China/Mandala.
3.3 Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren: Analysiert werden die kolonialen Erzählmuster, die den Vater als "Negerkönig" und die Bewohner der Insel als unterwürfig darstellen, sowie die Debatten um textliche Anpassungen.
3.4 Der Struwwelpeter von Heinrich Hoffmann: Es wird untersucht, wie "Die Geschichte von den schwarzen Buben" durch die stigmatisierende Bestrafung Schwarzer Hautfarbe rassistische Vorstellungen im Kontext des 19. Jahrhunderts konserviert.
4. Pädagogischer Umgang mit rassistischen Kinderbüchern: Dieses Kapitel diskutiert Strategien, wie Pädagogen vorurteilsbewusst mit rassistischer Literatur im Lernumfeld umgehen können.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass ein reflektierter Umgang mit rassistischen Inhalten in Kinderbüchern notwendig ist, wobei die Entscheidung über den Einsatz letztlich den Pädagogen und Eltern obliegt.
Schlüsselwörter
Rassismus, Kinderliteratur, Vorurteile, Anti-Bias-Ansatz, Stereotype, Rassifizierung, Kindheitspädagogik, Identitätsentwicklung, Diskriminierung, Kolonialismus, Diversität, Machtverhältnisse, Sprachsensibilität, Klassiker, Intersektionalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit untersucht, wie rassistische Stereotype und Klischees in bekannten Kinderbüchern dargestellt werden und welche Auswirkungen diese auf die Wahrnehmung von Kindern haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Definition von Rassismus, dessen historische Entwicklung, die psychologischen Auswirkungen von rassistischen Erfahrungen auf Kinder und pädagogische Ansätze zur vorurteilsbewussten Erziehung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Inwiefern spiegelt sich Rassismus in Kinderbüchern wider und wie sollte der pädagogische Umgang mit diesen Büchern erfolgen?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse sowie die Untersuchung exemplarischer Textpassagen und Abbildungen aus vier ausgewählten Kinderbuchklassikern, um rassistische Darstellungsformen kritisch zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Fallbeispiele in den Büchern "Die kleine Hexe", "Jim Knopf", "Pippi Langstrumpf" und "Der Struwwelpeter" und diskutiert deren rassifizierte Narrative.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Rassismus, Kinderliteratur, Vorurteile, Anti-Bias-Ansatz, Identitätsentwicklung, Diskriminierung und Stereotype.
Wie gehen Verlage heute mit rassistischen Begriffen in Klassikern um?
Verlage reagieren unterschiedlich: Einige streichen rassistische Begriffe, andere ersetzen sie durch neutralere Ausdrücke, während wieder andere die Originaltexte beibehalten und die Debatte als Teil der Historie betrachten.
Warum ist der Anti-Bias-Ansatz für die pädagogische Arbeit relevant?
Dieser Ansatz bietet Strategien, um Vorurteile bei Kindern abzubauen, ein starkes Selbstbewusstsein zu fördern und Kindern Werkzeuge zu geben, sich gegen diskriminierendes Verhalten zu positionieren.
Warum kritisieren manche Autoren eine "politisch korrekte" Umschreibung von Klassikern?
Kritiker argumentieren, dass dadurch die künstlerische Werktreue verloren geht und dass die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Buches wichtiger ist als das bloße Tilgen historisch gewachsener Begriffe.
- Arbeit zitieren
- Lisa-Marie Mühlender (Autor:in), 2020, Rassismus in Kinderbüchern anhand von konkreten Beispielen. Ein Bildungskonzept zur vorurteilsbewussten Erziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1316593