In dieser Arbeit soll ein konzeptioneller Vergleich zweier Strategien angestellt werden, um das Potenzial beider hinsichtlich ihrer Gleichstellungsmöglichkeiten in der beruflichen Wirtschaftswelt zu erläutern. Gender Mainstreaming hat sich in der politischen Zielsetzung der Europäischen Union besonders seit der Jahrtausendwende etabliert. Der wesentliche Fortschritt des Konzepts findet jedoch im öffentlichen Sektor statt, da es weiterhin zu Widerständen in der privaten Wirtschaft kommt, um dieses Konzept zu implementieren.
Das Ziel der Gleichstellung der Geschlechter im Arbeitsleben kann sich jedoch nicht nur auf die Ausübung öffentlicher Verwaltungspositionen beschränken. Eine Gleichstellung aller Menschen im Arbeitsleben sollte die Zielsetzung der global umfassenden Wirtschaft sein. Im privaten Wirtschaftssektor wird hierzu eher auf ein anderes Konzept zurückgegriffen, das Diversity Management. Wegen seiner ökonomisch orientierten Aufstellung wird das Konzept des Diversity Management jedoch häufig von Vertretern des Gender Mainstreaming kritisiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gender Mainstreaming – Definition, Geschichte, Umsetzung
3. Diversity Management – Definition, Geschichte, Umsetzung
4. Kritik am Diversity Management
5. Kritik Gender Mainstreaming
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Konzepte des Gender Mainstreaming und des Diversity Management in einem konzeptionellen Vergleich gegenüberzustellen, um ihr jeweiliges Potenzial zur Förderung der Gleichstellung in der beruflichen Wirtschaftswelt zu evaluieren.
- Grundlagen und historische Entwicklung von Gender Mainstreaming und Diversity Management
- Analyse der Implementierungsstrategien beider Konzepte in Organisationen
- Kritische Auseinandersetzung mit der ökonomischen Ausrichtung des Diversity Management
- Diskussion der geschlechtertheoretischen Kritik am Gender Mainstreaming
- Potenziale zur Verknüpfung beider Ansätze im modernen wirtschaftlichen Kontext
Auszug aus dem Buch
Die Herausforderungen der Implementierung von Diversity Management
Um die positiven Aspekte einer vielseitigen Belegschaft im Unternehmen zu fördern, müssen jedoch auch „die aus Heterogenität resultierenden Vorurteile, Stereotype und Konflikte“ aktiv bekämpft werden (Vedder 2005: 239). Ähnlich wie bei GM sind auch hier eindringliche Analyse, Beratung und Fortbildung Pflicht für die erfolgreiche Umsetzung der Strategie.
Einer der größten Kritikpunkte am Konzept des Diversity Management zielt auf den zentralen Punkt der Nutzung der Diversität als Ressource. Anhänger des Gender Mainstreaming sehen eine Unvereinbarkeit der ökonomischen Anwendung und dem Ziel der Gleichgerechtigkeit. Barbara Stiegler befürchtet bei der Realisierung des DM, dass es zur „Essentialisierung“ (S.18) der Andersartigkeit kommt. Da die Diversität als Ressource gilt, wird sich besonders auf die Differenzierung und die Diversität der Akteure versteift, was bedeutet, dass diese Faktoren, die Auslöser für die Ungleichheiten sind, nicht analysiert und bekämpft werden. So kommt es laut Stiegler hierzu, dass sich die Dominanzkultur, aus der diese Andersartigkeit entsteht, viel eher verfestigt und reproduziert wird (vgl. Stiegler S.18f.) Die Rahmenbedingungen, die diese Differenzen und Ungleichheiten hervorbringen, werden bei der DM-Strategie außen vorgelassen, wobei das GM direkt versucht diese zu verändern. Dies ist treffend, da das DM erst durch die Existenz der Vielfältigkeit und Ungleichheit ihre Ergebnisse erzielt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Etablierung von Gender Mainstreaming in der Politik und die Herausforderungen der Umsetzung in der Privatwirtschaft, wo das Diversity Management eine stärkere Rolle spielt.
2. Gender Mainstreaming – Definition, Geschichte, Umsetzung: Dieses Kapitel erläutert die Genese des Gender Mainstreaming, seine Definition durch Institutionen sowie die methodischen Anforderungen für die Umsetzung in Organisationen.
3. Diversity Management – Definition, Geschichte, Umsetzung: Der Abschnitt beschreibt das ursprünglich aus den USA stammende Konzept des Diversity Management, welches auf die Anerkennung von Vielfalt und ökonomischen Nutzen abzielt.
4. Kritik am Diversity Management: Es wird erörtert, inwiefern die Instrumentalisierung von Diversität als Ressource die zugrundeliegenden Machtstrukturen und sozialen Ungleichheiten vernachlässigen könnte.
5. Kritik Gender Mainstreaming: Dieser Teil befasst sich mit der Kritik aus der Geschlechterforschung, die bemängelt, dass das Konzept binäre Geschlechternormen eher festschreibe als aufzubrechen.
6. Fazit: Das Fazit plädiert für einen interdisziplinären Austausch und eine stärkere konzeptionelle Verknüpfung beider Strategien, um Synergien für eine moderne Gleichbehandlungspolitik zu nutzen.
Schlüsselwörter
Gender Mainstreaming, Diversity Management, Gleichstellung, Arbeitsleben, Organisationsentwicklung, Geschlechterforschung, Unternehmenskultur, Diversität, ökonomischer Nutzen, Diskriminierungsschutz, Privater Wirtschaftssektor, Chancengleichheit, Soziale Konstruktion, Personalpolitik, Essentialisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit vergleicht die Konzepte Gender Mainstreaming und Diversity Management im Hinblick auf ihre Anwendbarkeit und ihr Potenzial zur Förderung der Gleichstellung im beruflichen Umfeld.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Die zentralen Themenfelder sind die begriffliche Abgrenzung beider Strategien, ihre historische Entwicklung, ihre Implementierung in Unternehmen sowie die kritische Reflexion ihrer Wirksamkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche Gleichstellungsstrategien in der Wirtschaftswelt funktionieren und ob eine Synergie zwischen dem politisch geprägten Gender Mainstreaming und dem ökonomisch orientierten Diversity Management möglich ist.
Welche methodischen Ansätze werden zur Umsetzung genannt?
Beide Konzepte fordern als methodische Grundlage eine systematische Analyse, prozessbegleitendes Controlling sowie gezielte Schulungen und Sensibilisierungen für das Personal.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Definitionen, die Analyse der Umsetzungsstrategien und eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Kritik an beiden Modellen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gender Mainstreaming, Diversity Management, betrieblicher Nutzen, soziale Konstruktion von Geschlecht und strukturelle Benachteiligung.
Warum wird das Diversity Management besonders in der Privatwirtschaft bevorzugt?
Es wird bevorzugt, da es neben einer personalpolitischen Komponente auch ökonomische Ziele wie Wettbewerbsfähigkeit, Kundenorientierung und Effizienz adressiert.
Welcher Hauptaspekt bildet die Grundlage der Kritik am Gender Mainstreaming?
Kritiker aus der Geschlechterforschung bemängeln, dass das Konzept die Unterscheidung zwischen Mann und Frau durch eine binäre Logik eher zementiert als sie zu dekonstruieren.
- Citation du texte
- Max Becker (Auteur), 2021, Gender Mainstreaming und Diversity Management. Gegenüberstellung beider Konzepte im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1317779