Mehrwert und Profit

Untersuchung zweier zentraler Begriffe des marxschen "Kapitals"


Hausarbeit, 2008

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung

1. Erläuterungen zum marxschen Begriff des Mehrwerts
1.1. Geld wird zu Kapital
1.2. Die Quelle des Mehrwerts – die Arbeitskraft

2. Bedeutung des Mehrwerts für die marxsche Kapitalismus-Theorie
2.1. Kapitalistische Produktion ist Mehrwertproduktion
2.2. Mehrwert und Widersprüche des kapitalistischen Systems

3. Erläuterungen zum marxschen Begriff des Profits
3.1. Profit als kapitalistische Form des Mehrwerts
3.2. Variabler Profit bei gleich bleibendem Mehrwert

Schlussbemerkung

Bibliographie

Vorbemerkung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem “Kapital“ von Karl Marx. Genauer genommen sollen zwei durchaus elementare Begriffe dieses wichtigen Werkes Marx´ näher untersucht werden: zum einen der Begriff des Mehrwerts und zum anderen der eng mit diesem verknüpfte Begriff des Profits.

Marx hat sich zeitlebens mit der Analyse und dem Erfassen der gegenwärtigen Funktions-weise und Struktur sowie der notwendigen Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaft beschäftigt, wobei das “Kapital“ das zentrale Werk dieser Anstrengungen darstellt. Nur auf der Grundlage einer solchen Analyse war es Marx möglich, die Widersprüche des gegen-wärtigen Wirtschafts- und (des darauf sich gründenden) Gesellschaftssystems herauszu-arbeiten. Er wies den „kontradiktorischen oder antagonistischen Charakter der kapitalis-tischen Gesellschaft“[1] nach. Das im Folgenden behandelte Phänomen des Mehrwerts bildet in dieser Theorie einen Schlüsselbegriff. Warum es sich so verhält, das soll hier (mit Rücksicht auf die der Kürze des Textes geschuldeten “groben“ Darstellung) aufgezeigt werden. Zudem soll eine Differenzierung zwischen den von „sämtlichen Ökonomen“[2] fälschlicherweise gleichgesetzten Begriffen des Mehrwerts und des Profits erfolgen.

Zunächst geht der erste Abschnitt näher auf die Mehrwerttheorie Marx´ ein. Der Begriff des Mehrwerts wird erläutert und seine Entstehung dargestellt.

Im zweiten Kapitel soll herausgearbeitet werden, welche Bedeutung der Mehrwert in Marx Theorie des Kapitalismus hat, zunächst in rein wirtschaftlicher, dann in gesamtgesellschaft-licher Hinsicht.

Anschließend beschäftigt sich das dritte Kapitel mit dem Phänomen des Profits. Dessen Zusammenhang mit dem Phänomen des Mehrwerts, aber auch die Differenz der beiden Begriffe, sollen geklärt werden.

Zum Schluss erfolgen eine kurze Zusammenfassung und einige allgemeine Bemerkungen zu den behandelten Begriffen.

1. Erläuterungen zum marxschen Begriff des Mehrwerts

1.1. Geld wird zu Kapital

Was verbirgt sich nun hinter dem Phänomen des Mehrwerts? Wie versteht und gebraucht Karl Marx den Begriff? Um eine Antwort auf diese Fragen geben zu können, muss man allererst die Verwandlung von Geld in Kapital eingehender betrachten. Geld dient laut Marx in erster Linie als „allgemeines Maß der Werte“[3] der verschiedenen Waren. Der Wert jeder Ware lässt sich demnach in einer bestimmten Menge (Quantität) Geld ausdrücken. In den vorkapitalis-tischen Gesellschaftsformen fungierte Geld dabei im weitesten Sinne als Vermittler in einem wie folgt gearteten Zirkulationsprozess: Eine Ware wird verkauft, um eine andere kaufen zu können (Ware – Geld – Ware oder W – G – W). Hierbei handelt es sich um die einfache (unmittelbare) Form der Warenzirkulation. Diese bildet den „Ausgangspunkt des Kapitals“[4]. Und in der Tat unterscheiden sich „Geld als Geld und Geld als Kapital [...] zunächst nur durch ihre verschiedne Zirkulationsform“[5], d. h. nur durch ihre unterschiedliche Stellung im Prozess der Zirkulation. Denn wo bisher in der vorangegangenen unmittelbaren Waren-zirkulation als „Ausgangspunkt und Endpunkt der Bewegung“[6] der Zirkulation eine Ware stand, steht in der kapitalistischen Zirkulationsform das Geld. Nicht mehr dieses vermittelt die Zirkulation, sondern eben jene: Die Ware wird ge kauft, um sie wieder verkaufen zu können (Geld – Ware – Geld oder G – W – G). Wo der Nutzen der einfachen bzw. unmittelbaren Zirkulationsform liegt, ist klar ersichtlich: Ein Gebrauchswert, den man besitzt, wird verkauft und somit zu Geld gemacht, um so einen anderen Gebrauchswert, dessen man bedarf, zu erlangen. Worin besteht nun jedoch der Nutzen der kapitalistischen Warenzirkulation? Ein Kapitalist investiert Geld in eine Ware und verkauft diese wieder. Verfährt er dabei den „Gesetzen des Warensaustausches“[7] gemäß, so tauscht er lediglich Äquivalente aus, besitzt also am Ende des Prozesses den gleichen Wert wie zu Beginn. Dass der „Zirkulationsprozess G – W – G abgeschmackt und inhaltslos wäre, wollte man vermittels seines Umweges denselben Geldwert gegen denselben Geldwert [...] austauschen“[8], liegt auf der Hand. Der Sinn dieses Vorgangs kann nur darin bestehen, „der Zirkulation mehr Geld zu entziehen, als anfangs vorgeschossen wurde“[9]. Dann stellt er sich folgendermaßen dar: G – W – G´, wobei G´ eine vergrößerte Geldmenge bedeutet. Der Kapitalist hat am Ende eine größere Geld- bzw.

Wertmenge aus dem Prozess herausgezogen, als er ursprünglich investiert hat. Der auf diese Weise erzielte Wertzuwachs heißt Mehrwert. Der investierte Wert, der sich im Laufe der Bewegung nicht einfach nur erhält, sondern verwertet, d. h. vergrößert, heißt Kapital.

1.2. Die Quelle des Mehrwerts – die Arbeitskraft

Die bisher entwickelte allgemeine Bewegungsformel des Kapitals lässt die entscheidende Frage unbeantwortet, wie „die Verwertung eines gegebenen Wertes vor sich geht“[10], wo also die Quelle des Mehrwerts liegt. Wie im Zusammenhang mit dem Profit (Kapitel 3.2.) noch gezeigt werden soll, vertraten und vertreten immer noch viele Ökonomen die Ansicht, dass sich „der Mehrwert [...] rein aus dem Austausch erklärt“[11], aus „dem Verkauf der Ware über ihrem Wert“[12]. Dieser Tendenz, die Entstehung des Mehrwerts ausschließlich aus der Sphäre der Zirkulation zu erklären, stellt sich Marx entschieden entgegen. Denn sowohl bei Äquivalentaustausch, „wenn sich Angebot und Nachfrage und damit Preis und Wertgröße der verkauften Waren decken“[13], als auch bei Austausch von Nicht-Äquivalenten, „wenn sich die Kapitalisten gegenseitig übervorteilen“[14], kann kein allgemeiner Wertzuwachs erfolgen. Selbst wenn alle Warenbesitzer ihre Waren im Durchschnitt 10% über dem tatsächlichen Wert verkaufen würden, so argumentiert Marx, wären sie wiederum als Käufer gezwungen (und nichts anderes als Käufer wären sie nach dem Verkauf), die benötigten Waren ebenfalls 10% über dem Wert zu erstehen. Damit hätte ein Warenbesitzer 10% Wert zunächst gewonnen, aber lediglich, um den Gewinn im nächsten Schritt wieder zu verlieren, womit praktisch nichts gewonnen wäre. Also kann die Entstehung des Mehrwerts nicht allein aus dem Prozess der Zirkulation erklärt werden, auch wenn dieser den Ausgangspunkt der Entstehung bildet. Die Wertveränderung muss nach Marx gleichzeitig „in der Zirkulationssphäre und nicht in der Zirkulationssphäre vorgehn“[15]. Unterzieht man die Bewegung G – W- G´ nochmals einer eingehenderen Betrachtung, so lässt sie sich leicht in „zwei Teilprozesse“[16] gliedern: G – W, was den Kaufvorgang, und W´ - G´, was den Ver-kaufsvorgang bezeichnet. W´ weist hier darauf hin, dass sich eine Veränderung mit der im Kaufvorgang erworbenen Ware W zugetragen haben muss, „aber nicht mit ihrem Wert, denn [...] die Ware wird zu ihrem Werte bezahlt“[17]. Dieser bezahlte Wert ist nämlich nur der Tauschwert der Ware und wie eben dargelegt wurde, ist dieser nicht in der Lage Mehrwert zu produzieren. Es muss also eine Ware geben, die durch ihren Ver –oder Gebrauch selber Wert hervorbringt, und diese Ware existiert auch auf dem Markt. Es handelt sich dabei um „das Arbeitsvermögen oder die Arbeitskraft“[18]. Und genau hier liegt nun der springenden Punkt, von dem aus die marxsche Mehrwerttheorie erst möglich wird. Marx entdeckt das “Geheim-nis“ der Ware Arbeitskraft, die Quelle von Wert- und somit auch von Mehrwert zu sein. Da die „Arbeitskraft als Ware [...] eine historische Kategorie [ist], die nur im Kapitalismus“[19] vorkommt, muss es spezielle Voraussetzungen geben, wodurch das menschliche Arbeits-vermögen erst den Status einer Ware erhalten kann. Vereinfachend kann man sagen, dass zunächst die Institution des Privateigentums die Grundlage der kapitalistischen Wirtschaft bildet. Den Kapitalisten ist das Eigentum an den Produktionsmitteln vorbehalten, sie werden daher auch Produktionsmittelbesitzer genannt. Die Arbeiter (auch Proletarier) haben, die Gründe hierfür seien erst einmal dahingestellt, keinen Besitz an Produktionsmitteln, ergo auch keine Möglichkeit, ihre eigenen Waren, z. B. die zum Überleben notwendigen Lebensmittel, herzustellen. Um aber die zum Lebensunterhalt (der sich in den verschiedenen historischen Entwicklungsstufen einer Gesellschaft ganz anders gestalten kann) nötigen Waren erwerben zu können, muss der Arbeiter die Ware, welche sozusagen sein einziger privater Besitz geblieben ist, auf dem freien Markt anbieten: seine Arbeitskraft. An dieser ist der Kapitalist als Käufer außerordentlich interessiert, da sie für ihn den Gebrauchswert hat, Wert und schließlich Mehrwert zu erzeugen; nichts anderes hatte er im Sinn, als er sein Geld investierte. Dass Proletarier und Kapitalist sich „als ebenbürtige Warenbesitzer [...], juristisch gleiche Personen“[20] auf dem Markt begegnen, ist hier vorausgesetzt. Die Ware Arbeitskraft, die der Arbeiter Tag für Tag verkauft (wenn er das “Glück“ genießt, regelmäßig einen Käufer zu finden), wird also zu ihrem vollen Wert bezahlt; d. h. der Arbeiter erhält als Lohn den Wert, der zur (Re-)produktion der geleisteten Arbeitskraft nötig ist. Da die Arbeitskraft jedoch „nur als Anlage des lebendigen Individuums“[21] (=des Arbeiters) existiert, setzt deren (Re)produk-tion die Existenz des Individuums voraus und folglich „besteht die Produktion der Arbeits-kraft in [der] Reproduktion oder Erhaltung“[22] dieser Existenz. Dazu wird ein bestimmtes Quantum an Lebensmitteln benötigt, das genügen muss, damit der Arbeiter tagtäglich mit derselben Intensität seine Arbeit verrichten kann.

[...]


[1] Aron, Raymond: Hauptströmungen des soziologischen Denkens, 2 Bände, Köln 1971, Band I, S. 135.

[2] Marx, Karl: Theorien über den Mehrwert, 3 Bände, Berlin 1956, Band I, S. 6.

[3] Marx, Karl: Das Kapital, Erster Band, Berlin 1971, S. 109.

[4] Ebd., S. 161.

[5] Ebd., S. 161.

[6] Neelsen, Karl: Kapital und Mehrwert, Berlin 1973, S. 9.

[7] Marx, Karl: Das Kapital, Erster Band, Berlin 1971, S. 209.

[8] Ebd., S. 162.

[9] Neelsen, Karl: Kapital und Mehrwert, Berlin 1973, S. 9.

[10] Neelsen, Karl: Kapital und Mehrwert, Berlin 1973, S. 11.

[11] Marx, Karl: Theorien über den Mehrwert, 3 Bände, Berlin 1956, Band I, S. 7.

[12] Ebd.

[13] Neelsen, Karl: Kapital und Mehrwert, Berlin 1973, S. 11.

[14] Ebd.

[15] Marx, Karl: Das Kapital, Erster Band, Berlin 1971, S. 181.

[16] Neelsen, Karl: Kapital und Mehrwert, Berlin 1973, S. 12.

[17] Marx, Karl: Das Kapital, Erster Band, Berlin 1971, S. 181.

[18] Ebd.

[19] Neelsen, Karl: Kapital und Mehrwert, Berlin 1973, S. 16.

[20] Marx, Karl: Das Kapital, Erster Band, Berlin 1971, S. 182.

[21] Ebd., S. 185.

[22] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Mehrwert und Profit
Untertitel
Untersuchung zweier zentraler Begriffe des marxschen "Kapitals"
Hochschule
Freie Universität Berlin
Veranstaltung
Kapital-Lektüre
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V131789
ISBN (eBook)
9783640376049
ISBN (Buch)
9783640376278
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mehrwert, Profit, Untersuchung, Begriffe, Kapitals
Arbeit zitieren
Timo Weißberg (Autor:in), 2008, Mehrwert und Profit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131789

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