Welche Bedeutung hat Scham im Supervisionsprozess?
Hierfür wird zunächst auf das Thema Scham eingegangen, indem phänomenologische und soziale Aspekte der Scham, Schamangst und Selbstwertgefühl, Schamaffekte und psychoanalytische sowie soziologische Sichtweisen dargestellt werden. Im Anschluss wird der Supervisionsprozess erläutert, um in Kapitel vier die potentiellen Schamquellen und -situationen in der Supervision darzustellen, wobei der Fokus auf Gruppensettings liegt. Das Ziel dieser Arbeit ist es, ein Verständnis für die schamsensible Beratungssituation zu erhalten.
Insbesondere im beruflichen Alltag wird das Erleben von Scham tabuisiert und verdrängt, obwohl sie vor allem in den Berufsfeldern, in denen Konkurrenz und Leistung relevant sind, von besonderer Bedeutung ist.
Das Wort Scham stammt ursprünglich von der germanischen Wurzel „skam/ skem“ und bedeutet „Schamgefühl, Beschämung, Schande“ (Wurmser 1990). Dieses indogermanische Wort steht für das Verschleiern und Verbergen. Scham ist mit der Vorstellung, sich selbst zu verbergen verbunden, um die eigene Person zu schützen.
Supervision ist ein Konzept, welches sich mit der Beratung von Organisationen und Institutionen (und daher auch mit Leistung und Konkurrenz) befasst, sodass die Merkmale von Scham(-dynamiken) in der Supervision berücksichtigt werden sollten. Im Verlauf der Arbeit wird dargestellt, welche zentrale Rolle unteranderem Rahmenbedingungen des Supervisionsprozesses hinsichtlich des Entstehens der Scham darstellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Scham
2.1 Phänomenologische Aspekte der Scham
2.2 Schamangst, Schamaffekt und Scham als vorbeugende Haltung
2.3 Der soziale Aspekt der Scham
2.4 Die acht Schamaffekte
2.5 Schamangst und Selbstwertgefühl
2.6 Scham aus psychoanalytischer Sicht
2.7 Scham aus soziologischer Sicht
3 Supervision
3.1 Gegenstand der Supervision
3.1.1 Ziele der Supervision
3.2 Das Phasenmodell
3.2.1 Erstkontakt
3.2.2 Sondierungsgespräch
3.2.3 Kontrakt
3.2.4 Prozessverlauf und Auswertung
4 Scham im Supervisionsprozess
5 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Scham innerhalb des Supervisionsprozesses. Das primäre Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die schamsensible Beratungssituation zu entwickeln, um supervisorspezifische Schamdynamiken zu identifizieren und professionell damit umzugehen.
- Phänomenologische, psychoanalytische und soziologische Aspekte der Scham.
- Die theoretische Einordnung und das Phasenmodell der Supervision.
- Identifikation potenzieller Schamquellen und Schamsituationen in der Supervision.
- Förderung einer schamsensiblen Beratungshaltung durch den Supervisor.
Auszug aus dem Buch
4 Scham im Supervisionsprozess
Scham ist insbesondere im beruflichen Kontext von hoher Relevanz und somit auch für die Supervision, da diese vorwiegend im beruflichen Rahmen stattfindet. Die Scham kann sich in Leistungsbeurteilungen oder in hierarchischen Strukturen zeigen. Hierdurch können Gefühle der Abhängigkeit und Unterlegenheit entstehen. Daher ist der/die Supervisor/in in seinem/ ihrem Handeln ebenfalls mit Scham(-konflikten) konfrontiert. Dabei gilt zu beachten, dass bereits das Setting, die Rahmenbedingungen, als auch die Supervision an sich eine Schamquelle darstellen können (vgl. Friesel-Wark 2013, S. 19). Ferner komme dem/der Supervisor/in eine „maßgebliche und aktive Rolle“ bei der „Regulierung der Schamaffekte[n]“ zu (ebd., S. 19). In der Supervision kann der/die Professionelle mit den (in-)direkten Folgen von Scham konfrontiert sein. Darüber hinaus ist es zentral, dass ein/eine Supervisor/in nicht nur bei den Supervisand/innen Schamaffekte und –quellen erkennt, sondern fähig ist, eigene Schamquellen wahrzunehmen und zu reflektieren.
Die Supervision kann bei Teilnehmenden Scham auslösen, da es sich um eine Beratung im Arbeitskontext handelt. Im Beruf nehmen die Arbeitnehmenden ihre eigene Abhängigkeit sowie Begrenzung war, da sie sich anpassen und konform ihrer beruflichen Rolle verhalten müssen. Dies wird durch die gegebenen Macht- und Hierarchieverhältnisse verstärkt, sodass es zu beschämenden Situationen kommen kann. Die Abhängigkeit von der Arbeit ist existentiell, da mittels Arbeit der Lebensunterhalt, der eigene Status sowie die persönliche Stellung innerhalb der Gesellschaft gesichert werden. Friesel-Wark (2013) schreibt hierzu: „Supervision berührt sensible und existentielle Thematiken. Die Tatsache überhaupt in der Position des Hilfesuchenden zu sein, kann bei Betroffenen schon starke Scham auslöse[n] [sic!]“ (S. 23). Hilgers konkretisiert diesbezüglich, dass durch die Inanspruchnahme die Abhängigkeits- und Inkompetenzscham ausgelöst würden, weil die betreffende Person offenbar relevante (existentielle) Lebensbereiche nicht selbstständig lösen könne.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung legt den Fokus auf die Tabuisierung von Scham im Berufsalltag und definiert die zentrale Fragestellung der Arbeit bezüglich der Bedeutung von Scham in der Supervision.
2 Scham: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Fundierung des Schambegriffs durch die Betrachtung phänomenologischer, psychoanalytischer und soziologischer Perspektiven sowie der Differenzierung verschiedener Schamaffekte.
3 Supervision: Es erfolgt eine Einführung in das Konzept der Supervision, deren Gegenstand, Ziele und ein zentrales Phasenmodell für den Beratungsprozess.
4 Scham im Supervisionsprozess: Der Hauptteil analysiert spezifische Schamsituationen in der Supervision, insbesondere im Kontext von Gruppensettings und der Rolle des Supervisors im Umgang mit Schamdynamiken.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Relevanz der schamsensiblen Beratung zusammen und betont die Notwendigkeit einer professionellen Haltung sowie einer klaren Kontraktierung zur Rahmung des Supervisionsprozesses.
Schlüsselwörter
Scham, Supervision, Schamaffekte, Beratung, Beratungsprozess, Schamquelle, Professionalität, Schamtoleranz, Gruppensetting, Supervisionstheorie, Identität, Machtgefälle, Kontraktierung, Selbstwertgefühl, berufliches Handeln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Phänomen Scham im beruflichen Kontext, insbesondere wie Scham in Supervisionsprozessen entsteht, wahrgenommen wird und welche professionelle Haltung Supervisoren einnehmen sollten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Scham aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven, die Grundlagen der Supervision sowie die Verknüpfung dieser beiden Bereiche im Supervisionsalltag.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Welche Bedeutung hat Scham im Supervisionsprozess?“ Ziel der Arbeit ist es, ein fundiertes Verständnis für eine schamsensible Beratungssituation zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und theoretischen Analyse, die Definitionen und Konzepte der Schamforschung mit aktuellen Modellen der Supervisionspraxis verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden potenzielle Schamquellen im Supervisionsverlauf, insbesondere in Gruppensettings, analysiert und Handlungsoptionen für Supervisoren abgeleitet, um schamsensible Dynamiken professionell zu regulieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind vor allem Scham, Schamaffekte, Supervision, Beratungsprozess, Schamtoleranz, Machtgefälle und professionelle Distanz.
Wie spielt das Honorar in die Schamthematik der Supervision hinein?
Das Honorar stellt eine potenzielle Schamquelle dar, da es als bewertendes Element in einer professionellen Beziehung fungiert, für das es oft keine einheitlichen Standards gibt, was bei Fehleinschätzungen zu Beschämungen auf beiden Seiten führen kann.
Warum ist das "Szenische Verstehen" für den Supervisor wichtig?
Das szenische Verstehen kann eine entlastende und schamreduzierende Funktion haben, da es dem Supervisor ermöglicht, Schamsituationen in der Gruppe zu reflektieren und eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich die Teilnehmenden sicher und nicht entwertet fühlen.
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- Anonym (Author), 2019, Scham in der Supervision, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1320348