Habituelle körperliche Aktivität in der Freizeit

Eine Voruntersuchung zum Gesundheitsverständnis von Studierenden der Sportwissenschaften


Forschungsarbeit, 2005
26 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Forschungsfragen

3 Forschungsstand
3.1 Habituelle korperliche Aktivitat
3.2 Zusammenhang von Gesundheit und Sport/Bewegung
3.3 Gesundheit als Motiv korperlicher Bewegung
3.4 Gesundheitsbildung

4 Weitere Eingrenzung des Forschungsinteresses

5 Hypothesen

6 Untersuchungsgruppe

7 Methoden

8 Ergebnisse, Auswertung, Diskussion
8.1 Zur Untersuchungsgruppe
8.2 Sport vs. andere Facher
8.3 Methodenreflexion
8.4 Fazit

9 Seminarreflexion

10 Literatur

11 Anhang

1 Einleitung

Sport ist gesund und wer Sport treibt lebt bewusster. — So oder ahnlich lautet wohl eine Binsenweisheit. Kann man daraus schlieBen, dass Menschen, fur die Sport und Bildung eine zentrale Frage ihres Lebens ist — zum Bespiel Sportstudierende —, also auch im Alltag sich mehr bewegen um gesunder zu leben?

Die vorliegende Arbeit, welche sich an die Ubung „Einfuhrung in spezifische wissen- schaftliche Arbeitsmethoden“ anschlieBt, mochte sich dieser Frage mit den Methoden em- pirischer Sozialforschung annahren. Hierbei soll die Bewegungsaktivitat in der Freizeit sowie die ihr zugrundeliegenden Motive von Sportstudierenden und Studierenden anderer Facher untersucht werden. Nach genauerer Klarung der Forschungsfragen (2.) und des theoretischen Hintergrunds (3.) soll das Forschungsinteresse (4.) bis zur Hypothesenbil- dung (5.) weiter eingeschrankt werden; es wird um Fortbewegungsroutinen gehen. Nach Klarung der Untersuchungsgruppe (6.), ca. 100 Studierende der Philipps-Universitat Mar­burg, und der Begrundung der gewahlten Messmethode (7.) zur Erhebung der Daten, ein Fragebogen mit offenen und geschlossenen Items, sollen die Ergebnisse diese Pretests schlieBlich vorgestellt und diskutiert werden (8.).

2 Forschungsfragen

Im Zentrum der vorliegenden Pilotstudie stehen die zwei folgenden Fragenstellungen:

1. Unterscheiden sich die habituellen Bewegungen in der Freizeit von Studierenden der Sportwissenschaften signifikant von Studierenden anderer Facher?

2. Deutet dies auf eine vertiefte Sensibilitat fur die eigene Gesundheit und das Wohlbefinden hin?

Das Untersuchungsobjekt sind also Studierende. Die zu untersuchenden Variablen sind die Art der habituellen Bewegungen, das Verhaltnis von motorisierten und nicht- motorisierten Bewegungsroutinen sowie das Gesundheitsmotiv, welches dahinter steht. Die Ergebnisse sollen in einem groBeren Kontext zur Diskussion uber Gesundheitsbil- dung beitragen. Dabei ist die Problematik des Transfers von Interesse: Ist es wirklich so, dass sportlich bewegungsaktive Menschen, im vorliegenden Falle Sportstudenten, auch in ihren Alltagsroutinen auBerhalb von Sport ein hoheres MaB an Bewegungsaktivitat besit- zen? Und wenn ja warum? Gilt hier das populare Argument eines Gesundheitsmotivs?

Das Forschungsinteresse ist dabei ein doppeltes: Neben einem sportpadagogischen In­teresse an Fortbewegungsroutinen und den dahinter stehenden Motiven scheint es auch interessant zu sein zu prufen, ob die zu wahlende Methode erfolgsversprechend ist. Glei- ches gilt fur die Auswahl der Zielgruppe. Die Untersuchung hat also den Stellenwert eines Pretests, welcher das Gelande fur eine groBere Untersuchung teilweise abzustecken ver- sucht.

3 Forschungsstand

Soweit festgestellt werden konnte, sind Alltagsbewegungen und Gesundheitsmotive von Sportstudierenden in der einschlagigen Forschungsliteratur noch nicht untersucht worden. Grundsatzlich fallt es schwer die Brucke zwischen Alltagsbewegungen und Gesundheit zu schlagen. Allein die Messung habitueller Aktivitat scheint noch sehr in ihren Kinderschu- hen zu stecken. Daher soll zunachst ein Blick auf eine Pilotstudie zu habitueller Aktivitat geworfen werden. Im Weiteren wird dann der in der Sportwissenschaft breit diskutierte Gesundheitsbegriff kurz skizziert. Dabei soll auf die Problematik des Zusammenhangs von Sport bzw. Bewegung und Gesundheit hingewiesen werden. Der theoretische Rahmen wird schlieBlich geschlossen durch den Blick auf eine Studie zu Motiven sportlicher Akti­vitat und einen kurzen Ausblick auf Gesundheitsbildung.

3.1 Habituelle korperliche Aktivitat

Die Begrifflichkeit habitueller korperlicher Aktivitat lehnt sich an Wagner/Singer (2003) an. Sie unterteilen diesen Terminus in drei Bereiche: Arbeit, Freizeit und Sport.[1] Sport bezeichnet dabei strukturierte korperliche Aktivitaten mit Anpassungserscheinungen. Frei­zeit umfasst hingegen eher unstrukturierte korperliche Aktivitaten wie „Gehen, Radfahren, Treppensteigen, Gartenarbeiten, Putzen“ (Wagner/Singer 2003, 383). Wagner/Singer un- tersuchen den Zusammenhang zwischen vier Aspekten von Gesundheit: korperlich, psy- chisch, sozial und Gesundheit insgesamt. Sie belegen mit ihrer Untersuchung, dass die einzelnen Dimensionen des Gesundheitsbegriffs in den drei Bereichen Arbeit, Freizeit und Sport eine unterschiedliche Rolle spielen (Ebd., 393). Die groBte Bedeutung von psychi- scher und korperlicher Gesundheit wird mit dem Feld Sport zusammengebracht. Bei der Freizeit zeigt sich lediglich in der sozialen Gesundheit eine starkere Relevanz. Sie weisen allerdings darauf hin, dass in der aktuellen Diskussion die „gesundheitsfordernde korperli­che Aktivitat“ (ebd. 384) keine unwichtige Rolle spielt: „Damit findet auch der gesund- heitsorientierte, aktive Lebenstil, d. h. der Einbau von mehr Bewegung (weitere FuB- oder Radwege, Treppensteigen usw.) in den Alltag Beachtung“ (ebd. 384).

3.2 Zusammenhang von Gesundheit und Sport/Bewegung

3.2.1 Gesundheit

Der Gesundheitsbegriff ist ein auBerst komplexes Phanomen, dem gerade in den letzten Jahrzehnten eine hohe Bedeutung beigemessen wurde. Die vorliegende Arbeit kann daher keinen differenzierten Gesundheitsbegriff definieren. Es sollen lediglich skizzenhaft drei Erklarungsansatze fur Gesundheit nachgezeichnet werden (das Folgende soweit nicht an­ders angegeben nach Knoll 1993, 18-19).

„Gesundheit als objektiver, bio-medizinisch uberprufbarer Status“ (Ebd., 18): Hierbei wird Gesundheit negativ definiert, und zwar als Abwesenheit von Krankheit. Wenn die Prozesse des Korpers problemlos funktionieren, spricht man dieser Auffassung nach von Gesundheit. Die scharfste Kritik an diesem Begriff richtet sich gegen die physische Ein- dimensionalitat des Gesundheitsverstandnisses.

„Gesundheit als Potential zur optimalen Anpassung an Umweltanforderungen“ (Ebd., 18): Dieser Begriff hebt den Bezug auf lediglich korperliche Faktoren auf. Gesundheit liegt in der individuelle Verantwortung und ist damit „der Zustand des volligen korperli- chen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen“ (WHO, zitiert nach Knoll 1993, 18). An diesem Begriff wird meist eine Idea- lisierung des Gesundheitsbegriffes kritisiert; ein solches Ideal ist nur schwer zu erreichen. AuBerdem wird durch die Einfuhrung des unscharfen Begriffs „Wohlbefinden“ das Defi- nitionsproblem nur verlagert.

Dem versucht die Auffassung Rechnung zu tragen, die „Gesundheit als ProzeBgesche- hen zur Selbstverwirklichung im Sinne aktiver, zielgerichteter Umweltveranderung“ (Ebd., 19, das Folgende auch nach Kolb 1995, 346-7) betrachtet. Damit ist gemeint, dass Ge­sundheit kein starrer Zustand ist, sondern sich standig gemaB den aktuellen Anforderun- gen herausbildet. Gesundheit und Krankheit lassen sich nicht mehr exakt voneinander trennen. Sie sind lediglich Extrempole eines Kontinuums. Statt gesund oder krank ist man nach dieser Auffassung also „mehr oder weniger gesund bzw. krank“ (Knoll 1993, 19)

3.2.2 Sport und Bewegung

Da sich die vorliegende Arbeit mit Alltagsbewegung, gerade auBerhalb des Sports beschaf- tigt, soll an dieser Stelle versucht werden ein kurze Arbeitsdefinition von Alltagsbewegung zu geben. In Anlehnung an das Englische (Knoll, 17) unterscheiden sich Alltagsbewegun- gen als ein Teil von korperlicher Aktivitat (physical activity) prinzipiell von Sport (excercise) durch die Abwesenheit des Ubungscharakters.

Fur unsere Uberlegungen zu Gesundheit und Alltagsbewegungen mussen wir den Weg uber Sport und Gesundheit gehen, da dies in der Literatur wesentlich prasenter ist. Es wird im zweiten Schritt erst uberlegt, inwieweit sich die sportbezogenen Aspekte auf All- tagsbewegung ubertragen lassen.

3.2.3 Zum Zusammenspiel von Gesundheit und Sport

„Die Beziehung von Sport und Gesundheit ist kompliziert“ (Balz 1992, 58, das Folgende soweit nicht anders angegeben nach ebd., vgl. auch Rothing/Prohl 1992, 172—179). Gegen die weitlaufige Meinung, Sport sei gesund, gibt es ebenso viele Gegenargumente: Gesund­heit beruht auf so vielen verschiedenen Faktoren, dass ein eindeutiger Zusammenhang verkurzt ware. Sport bringt oft nicht nur akute Verletzungen mit sich, sondern ist auch in langerfristiger Hinsicht ungesund; dies gilt vor allem im Leistungssport. Selbst fur das Jog- gen sind gesundheitsschadliche Aspekte nachgewiesen worden.

Und doch gibt es auch eindeutige Belege, die fur eine gesundheitsforderliche Wirkung des Sports sprechen: Sport schafft allgemeinen korperlichen Ausgleich, er bietet die Mog- lichkeit die individuelle Belastbarkeit herauszufinden, sorgt fur psychische Entlastung und Stabilisierung, regt Wahrnehmung und Selbsterfahrung an, kann biologische Anpassungen und praventive Trainingseffekte bewirken und zu personlicher Sinnfindung im Handeln beitragen (vgl. auch Fuchs 2003, 79—100). Allerdings lasst sich global „kein Zusammen­hang zwischen sportlicher Aktivitat und Parametern physischer Gesundheit nachweisen“ (Knoll 1997, 154). Das Zusammenspiel Sport und Gesundheit ist also ambivalent und kann nur im Einzelfall beantwortet werden. Fur unseren Kontext ist daher ein Perspekti- venwechsel vonnoten; bei der Untersuchung geht es somit gar nicht um die Frage, ob Sport gesund ist oder nicht, und zwar aus dem folgenden Grund: Es geht es nicht um Sport, sondern um Bewegung auBerhalb von Sport. Hier sei angemerkt, dass korperliche Aktivitat hier ebenso vorhanden ist, jedoch wie bereits erwahnt weniger trainingswissen- schaftlich strukturiert und nicht autotelisch: Das Fahrradfahren zum Supermarkt richtet sich nicht unbedingt nach einem Trainingsplan. Trotzdem fallt die Entscheidung, ob man mit dem Fahrrad oder dem Auto zum Supermarkt fahrt, moglicherweise nicht ganz ohne gesundheitliche Motive.

Ob diese Aktivitat nun gesunder ist, als das Fahrradfahren beim Ironman, kann in der vorliegenden Arbeit ebenfalls nicht beantwortet werden. Es geht namlich vielmehr um die

Frage, ob hinter der Wahl, ein Fahrrad zum Einkaufen zu nehmen, eben auch ein Ge- sundheitsmotiv steckt. Nicht die objektive Wirkung, sondern die subjektive Motivation steht im Zentrum unserer folgenden Uberlegungen.

3.3 Gesundheit als Motiv korperlicher Bewegung

Auch hier sind in der Forschung nur Ergebnisse zu Motiven sportlicher Aktivitat gefunden. Zu korperlicher Aktivitat im Alltag konnten keine Veroffentlichungen gefunden werden. D as Gesundheitsmotiv ist beim Ausuben von Sport eines unter vielen (Das Folgende nach Steffgen et al. 2000, 408—421). Andere Motive fur sportliche Betatigung sind Span- nung/Risiko, soziales Miteinander, asthetischer Ausdruck, Katharsis — also Zerstreuung — und asketische Erfahrungen in Leistungs- und Wettkampfsituationen. Steffgen et al. argu- mentieren, dass Gesundheit und Katharsis im hohen MaBe korrelieren. Auch im Sinne des oben angedeuteten ganzheitlichen Gesundheitsbegriffs, der auf korperliche, geistig und seelische Gesundheit zielt und sich auch der Begrifflichkeit des Wohlbefindens nicht ent- zieht, ist daher eine Zusammenlegung dieser zwei Felder zu einem breiter verstandenen Gesundheitsmotiv sinnvoll.

Nach Balz (1992, 269) nimmt das Gesundheitsmotiv je nach Art und Auspragung sport- lich Aktivitat die verschiedensten Range ein: Bei Einstieglaufern bspw. auf sehr hohen Rangen, bei leistungsorientierten Ausdauerlaufern eher niedriger. Zu der Frage inwieweit Gesundheit bei Alltagsbewegungen eine Rolle spielt, konnten keine Quellen in der Litera- tur gefunden werden.

In Alltags- und Freizeitbewegungen kann man jedoch einige der Motive fur Sport strukturell ausschlieBen. So ist es wohl unwahrscheinlich, dass man sich fur Spaziergang oder das Fahrradfahren in die Stadt oder zum Backer aus Spannungs-/Risikomotiven oder Wettkampfmotiven entscheidet. Zum einen fehlt in der Regel der notige Herausforde- rungscharakter, zum anderen ist die Bewegung wie oben schon angesprochen nicht autote- lisch. Das soziale Motiv hangt stark davon ab, inwieweit es im Alltag uberhaupt verfugbar ist: Moglicherweise wahlt man den Fahrradweg gemeinsam mit der Nachbarin, aber genau- so konnte man sich auch mit ihr fur eine Autofahrgemeinschaft zur Uni aus sozialen Grunden verabreden. Insofern bleibt auch dieses Motiv bei unserer Betrachtung unbeach- tet. Bleibt noch der asthetische Ausdruck und die asthetische Wahrnehmung, also die sinnliche Erfahrung bspw. des Fahrradfahrens bei verschiedenem Wetter, in verschiede- nen Jahreszeiten, der Fahrtwind usw. Es scheint nicht irrelevant zu sein, ob jemand es einfach schon findet sich zu bewegen, und zwar nicht nur im sportiven Kontext, sondern auch und gerade in Fortbewegungsroutinen.

Ebenso scheint das Argument der asketische Erfahrungen nicht ganz auszuschlieBen zu sein: Zwar liegen im Alltag keine eigentliche Leistungs- und Wettkampfsituationen im en- geren Sinne des Sports vor, allerdings ist es sicherlich moglich im Sinne der Auseinander- setzung mit dem „inneren Schweinehund“ auch bei schlechtem Wetter das Auto stehen zu lassen.

Fur die Untersuchung konnte es daher interessant sein, neben dem Gesundheits- und Katharsismotiv, auch die Motive Asthetik und die Askese sozusagen als Kontrollwerte mit einzubeziehen.

3.4 Gesundheitsbildung

Ebenso wie bei den bisherigen theoretischen Ausfuhrungen kann auch in diesem Ab- schnitt der Grundbegriff der Gesundheitsbildung nur angerissen werden. Der Bildungs- begriff im Allgemeinen und die Gesundheitsbildung im Speziellen sind in ihrer Ganze viel zu komplex um hier dargestellt werden zu konnen. Fur die folgenden Uberlegungen soll- ten folgende Momente jedoch nicht unbeachtet bleiben.

Bildung und Gesundheit gehen miteinander einher: Versteht man Bildung im neu- humanistischen Sinne und seiner spateren kritisch-konstruktiven Erweiterung, so ist Bil­dung der leiblich vermittelte, wechselseitige Aneignungsprozess von Mensch und Welt (das Folgende soweit nicht anders angegeben nach Kruse 1991, 9—14, vgl. auch Klafki 1959, 25—37). Der Mensch bildet sich, indem er sich kritisch mit der Welt auseinandersetzt und auf sie einwirkt. Diese sehr grundsatzliche Definition zeigt eine strukturelle Kon- gruenz zu der oben beschrieben Gesundheitsauffassung als „ProzeBgeschehen zur Selbst- verwirklichung im Sinne aktiver, zielgerichteter UmweltveranderungA Im Sinne eines un- abgeschlossenen Bildungsprozesses, formt der Mensch somit auch seine Gesundheit stan- dig neu wieder heraus, und zwar im Wechselspiel mit seiner Umwelt.

Fur die demgemaCe Neufassung eines gesundheitsorientierten Bildungsbegriffs hieCe das insbesondere, die krankmachenden Bedingungen der Gesellschaft, vor allem der Arbeitswelt, eines ungehemmten Konsums und einer ausgebeuteten Umwelt als situativen Kontext einzubeziehen (Kruse 1991, 12).

Hieraus folgt, dass Gesundheitsbildung nicht in der unreflektierten Teilnahme an der Sportwelt geschieht, sondern diese gerade darin besteht, sie in ihren gesundheits- und krankheitsfordernden Aspekten zu durchschauen. Fur die Hypothesen wird angenommen, dass Sportstudenten durch die multidimensionale und reflektierte Beschaftigung mit der Sport-, Bewegungs-, ja Korperwelt in Praxis (Schwerpunkt und Grundsportarten) und Theorie (Sportmedizin, Sportsoziologie, Sportpadagogik etc.) sich auf einem hoheren Ni­veau von Gesundheitsbildung befinden. Der ganzheitliche und allgemeine Anspruch von

Bildung legt dabei nahe, dass ein Transfer von der Sportwelt auf die bewegte Alltagswelt nicht unwahrscheinlich ist. Kurz: Wer in kritisch-reflexiver Beschaftigung mit der Sport­welt ein Gesundheitsbewusstsein herausbildet, wird dies auch in anderen Bereichen zeigen, das ist zumindest die Grundannahme unseres weiteren Vorgehens.

4 Weitere Eingrenzung des Forschungsinteresses

Es hat sich gezeigt, wie komplex der Themenzusammenhang ist, daher mussen fur das Forschungsinteresse folgende Einschrankungen in vorgenommen werden:

1. Wie bereits andere Studien gezeigt haben, ist es schwierig, alle habituellen Aktivita- ten erschopfend zu erheben. Besonders das Instrument der Selbsteinschatzung scheint hierbei problematisch, denn wie lasst sich die Bewegungsaktivitat bspw. beim Hausputz standardisiert messen? Daher scheint es sinnvoll nur einen Teil habitueller Aktivitat abzu- fragen. Hierfur eigenen sich wohl am ehesten Fortbewegungsroutinen. Sie sind gut zu be- schreiben und lassen zugleich gewisse Ruckschlusse auf die Einstellung zur habituellen Aktivitat zu.

2. In den Andeutungen zum Gesundheitsbegriff ist klar geworden, dass wir den objek- tiven Zusammenhang zwischen Bewegung und Gesundheit nicht untersuchen konnen. Es geht vielmehr um die Motivation hinter der Bewegung und dabei vor allem um den Stel- lenwert des Gesundheitsmotiv. Hierfur scheint sich die Selbsteinschatzung durchaus zu eignen.

Die Gesundheitsbildung kann aus Komplexitatsgrunden nicht eigens untersucht wer­den. Sie soll vielmehr im Sinne eines Ausblicks im Fazit abermals angerissen werden.

5 Hypothesen

Es ergeben sich folgende zwei Hypothesen:

1. Sportstudierende haben einen deutlichen hoheren Anteil an nicht-motorisierter Fort- bewegung in ihrem Alltag als Studierende anderer Facher (deutlich hoher > 1 Skalenpunkt und > 15 % mehr Nennung bei der Priorisierung).
2. Bei der Selbsteinschatzung der Motive fur ihren Entscheidungen zu Alltagsbewegun- gen hat das Gesundheitsmotiv bei Sportstudierenden einen deutlich starkeren Stellenwert als bei Studierenden anderer Facher. (deutlich starker > 1 Skalenpunkt Unterschied)

6 Untersuchungsgrnppe

Als Untersuchungsgruppe stehen Sportstudierende sowie Studierende mit Facherkombina- tionen ohne Sport zur Verfugung. Alle Studierenden sind an der Philipps-Universitat Mar­burg eingeschrieben. Fur unseren Pretest wird angestrebt, jeweils 50 Fragebogen aus bei- den Gruppen zu erhalten, wobei das Verhaltnis von Frauen zu Mannern einigermaBen ausgeglichen sein soll.

7 Methoden

Wie schon angedeutet entscheiden wir uns fur einen Fragebogen zur Selbsteinschatzung der eigenen habituellen Fortbewegungen und der dafur zugrundeliegenden Motivation (vgl. Anhang 1). Die ersten zwei Items fragen nach Geschlecht und Studienfachern. Items 3 und 4 sind Priorisierungsaufgaben, bei denen die Haufigkeit der Verwendung einzelner Fortbewegungsarten sowie Motive zur Wahl zwischen motorisierter und nicht- motorisierter Fortbewegungsart deutlich werden sollen. Sie sind offene Items, um mogli- cherweise auch weitere Aspekte zu beleuchten. Item 5 fragt schlieBlich nach der Lange der Strecke, die maximal zu FuB oder mit dem Fahrrad zuruckgelegt wird.

In einem zweiten Teil geht es dann um Zustimmung und Ablehnung auf einer sieben- fach untergliederten Skala. Hierbei werden einerseits die Bereitschaft zur Bewegungsaktivitat im Alltag abgefragt (Items 6, 7, 8, 11) als auch verschiedene Motive, in Anlehnung an Steffgen et al. (418—419): Askese (10, 17), Asthetik (9, 16) sowie Gesundheit (12, 14) und Katharsis (13, 15).

[...]


[1] Der Bereich „Arbeit“ soll fur die Untersuchung im Folgenden keine Rolle spielen, da die Zielgruppe sich ja aus Studierenden zusammensetzt. Wagner/Singer (392—393) stellen relevante korperliche Aktivi­tat im Feld ,,Arbeit“ lediglich in vorwiegend niederen Bildungsschichten und den damit verbundenen handwerklichen Berufen fest.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Habituelle körperliche Aktivität in der Freizeit
Untertitel
Eine Voruntersuchung zum Gesundheitsverständnis von Studierenden der Sportwissenschaften
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Institut für Sportwissenschaften und Motologie)
Veranstaltung
Einführung in spezifisch wissenschaftliche Arbeitsmethoden
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
26
Katalognummer
V132220
ISBN (eBook)
9783640381173
ISBN (Buch)
9783640380848
Dateigröße
2167 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sportwissenschaft, empirische Sozialforschung, Sport und Gesundheit, Fortbewegung, Sportstudenten, Sportstudierende
Arbeit zitieren
Michael Koehler (Autor), 2005, Habituelle körperliche Aktivität in der Freizeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132220

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