In dieser Hausarbeit soll das Regime General Stroessners in Paraguay untersucht werden. Ausgehend von einer eingehenden Beschreibung seiner historischen Entwicklung sollen dessen Besonderheiten erläutert werden. Einen besonderen Schwerpunkt wird dabei dessen Analyse hinsichtlich diktatorischer, beziehungsweise autoritärer Merkmale darstellen.
Dieses Herrschaftssystem war nur ein Glied in einer langen Reihe lateinamerikanischer Zwangs- und Gewaltherrschaften. Betrachtet man die Geschichte des Subkontinents, dann fällt auf, dass so geartete Formen der Regierung dort eher die Regel, als die Ausnahme sind. Insofern kann der Einzelfall Paraguay, trotz seiner spezifischen Besonderheiten sicherlich auch als Modell dienen, um einen Einblick in die politische Wirklichkeit und Herrschaftspraxis Lateinamerikas zu gewinnen.
Ebenso möchte ich in diesem Rahmen auf den für Südamerika so typischen Begriff des Caudillos und der damit verbundenen, besonderen Art der Herrschaftsausübung eingehen. Dieser eigene Typ der Regierungsform ist zwar in einem besonderen Maß charakteristisch für den amerikanischen Subkontinent, jedoch auch sehr schwierig zu definieren oder abzugrenzen.
Sowohl in Paraguay, als auch in den meisten anderen lateinamerikanischen Ländern gab es eine Vielzahl von unterschiedlich ausgeprägten Diktaturen und autoritären Regimen. Ihre Vielfalt ist so groß, dass die exakte wissenschaftliche Definition ihrer Herrschaftsform und die Einordnung bezüglich staatspolitischer Modelle sehr schwer fallen.
Die Herrschaft General Stroessners in Paraguay bestand ganze 35 Jahre und ist damit, abgesehen von der Fidel Castros, die längste in Lateinamerika. Somit halte ich es für sinnvoll, anhand eben dieses Beispiels ein Stück der politischen Verhältnisse auf diesem Kontinent zu untersuchen.
Wie durch die dortige Vielzahl nicht demokratisch legitimierter Regime deutlich wird, stellt diese Form der Herrschaft sogar heute noch einen besonderen Wesenszug der südamerikanischen Realität dar.
Dieser unverkennbare Charakterzug fand schließlich auch Eingang in die Literatur des Erdteils, in einer eigenen Gattung, der novela del dictador.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
II. 1. PARAGUAY – GESCHICHTLICHE UND POLITISCHE GRUNDZÜGE
II. 2. DAS REGIME GENERAL STROSSNERS
II. 3. UNTERSUCHUNG DER HERRSCHAFTSFORM
III. Fazit
IV. Resumen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Hausarbeit analysiert das autoritäre Regime von General Alfredo Stroessner in Paraguay (1954–1989), untersucht dessen historische Einordnung und beleuchtet die besonderen Herrschaftsstrukturen im Kontext lateinamerikanischer Diktaturen.
- Historische Entwicklung und politische Grundzüge Paraguays
- Analyse des Herrschaftssystems von General Stroessner
- Klassifizierung der Herrschaftsform (Autoritarismus vs. Totalitarismus)
- Rolle von Militär, Colorado-Partei und USA bei der Machtsicherung
- Einfluss des Caudillismo auf die paraguayische Politik
Auszug aus dem Buch
II. 3. UNTERSUCHUNG DER HERRSCHAFTSFORM
Wie bereits erwähnt, wird Stroessner in der betreffenden Literatur fast durchgängig als Diktator bezeichnet. Diese Titulierung ist, politikwissenschaftlich betrachtet, jedoch ziemlich problematisch.
Bezogen auf die Ursachen einer Diktatur, unterscheidet die diesbezügliche Theorie zwei gegensätzliche Modelle, die Beharrungsdiktatur und die Entwicklungsdiktatur. Die erstere ist darauf ausgerichtet, die sozialen und wirtschaftlichen Zustände, samt der herrschenden Schicht zu erhalten.
Diese Definition trifft nicht auf das Regime Stroessner zu, da es ja dessen erklärtes Ziel war, die bisherigen chaotischen Zustände zu ändern. 40 Präsidenten in nur 84 Jahren, ständige innen- und außenpolitische Konflikte hatten das Land an den Rand des Ruins gebracht. Dies sollte geändert werden. Auch wurde zu Beginn seiner Herrschaft ein großer Teil der alten Elite ausgeschaltet, um die Macht des neuen Präsidenten zu sichern. Somit kann man dieses Regime nicht als Beharrungsdiktatur klassifizieren.
Als Alternative bliebe also nur die Entwicklungsdiktatur. Diese wird definiert durch das Drängen bisher rechtloser Klassen auf radikale gesellschaftliche Veränderungen und Modernisierung. Dies trifft ebenso wenig auf die Herrschaft Stroessners zu. Zwar leitete er eine wirtschaftliche und infrastrukturelle Modernisierung ein, beließ aber die gesellschaftlichen Verhältnisse auf ihrem rückständigen Niveau. Auch setzte er sich nicht an die Spitze der Bestrebungen Rechtloser oder Ausgebeuteter, um so die Macht zu erlangen, sondern stützte sich auf das Militär und tat alles, um etwaigen radikalen gesellschaftlichen Veränderungen entgegenzuwirken.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung gibt einen Überblick über die Zielsetzung der Arbeit, das Regime Stroessners in den regionalen Kontext Lateinamerikas einzuordnen und dessen autoritäre bzw. diktatorische Merkmale zu untersuchen.
II. Hauptteil: Der Hauptteil beschreibt die geschichtlichen Hintergründe Paraguays, analysiert das Etablierungssystem des Stroessner-Regimes durch Militär und Partei sowie die spezifische Herrschaftsform unter Rückgriff auf politikwissenschaftliche Theorien.
III. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass es sich um ein autoritäres Regime handelte, das sich durch Modernisierung und Stabilitätsversprechen legitimierte, obwohl es auf Staatsterror und der Unterdrückung politischer Freiheiten basierte.
IV. Resumen: Das Resumen fasst die zentralen Untersuchungsergebnisse der Arbeit auf Spanisch zusammen und betont den Preis des wirtschaftlichen Fortschritts durch den Verlust demokratischer Rechte.
Schlüsselwörter
Paraguay, Stroessner, Diktatur, Autoritarismus, Caudillismo, Colorado-Partei, Militär, Menschenrechte, Staatsterror, Geschichte Lateinamerikas, Politische Herrschaft, Modernisierung, Demokratisierung, Entwicklung, Machtstruktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der 35-jährigen Herrschaft von General Alfredo Stroessner in Paraguay und der politikwissenschaftlichen Einordnung seines autoritären Regimes.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen historische Grundlagen, der Aufbau des autoritären Herrschaftssystems, die Rolle von Eliten und Institutionen sowie der sozioökonomische Wandel unter Stroessner.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Regime von Stroessner theoretisch präzise zu klassifizieren und aufzuzeigen, warum gängige Diktaturmodelle bei diesem konkreten Einzelfall nur teilweise greifen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine systemtheoretische und historisch-analytische Herangehensweise, indem sie das Regime an Idealtypen wie der "Beharrungs-" oder "Entwicklungsdiktatur" sowie den Begriffen "Autoritarismus" und "Caudillismo" misst.
Was wird im Hauptteil analysiert?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung Paraguays, die detaillierte Analyse der Machtsicherung (durch Militär, Partei und USA) und die formale Untersuchung der Herrschaftsstruktur.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Paraguay, Stroessner, Diktatur, Autoritarismus, Caudillismo sowie die spezifischen sozio-politischen Spannungsfelder der Ära.
Warum war die Quellenlage zu Stroessners Regime so schwierig?
Wie der Autor Hubert Krier feststellte, gab es kaum system-kritische Dokumente, da der Diktator Informationen streng kontrollierte und erst mit dem Fund der "Archivos del Terror" 1992 eine differenzierte Aufarbeitung möglich wurde.
Was bedeutet der Begriff "somatische Kultur" im Kontext der Arbeit?
Die "somatische Kultur" beschreibt die inszenierte physische Präsenz des Herrschers, etwa durch persönliche Inspektionen von Garnisonen, um den Mythos der Allgegenwärtigkeit und persönlichen Kontrolle zu manifestieren.
Wie endete die Herrschaft von Stroessner?
Trotz seiner langen Amtszeit und scheinbarer Stabilität wurde das Regime durch einen Staatsstreich unter Führung von General Andrés Rodríguez im Februar 1989 jäh beendet, begünstigt durch den veränderten internationalen Druck.
Inwiefern beeinflusste der "Caudillismo" das Regime?
Die Arbeit arbeitet heraus, dass Stroessners Herrschaft stark personenzentriert war und auf einem Gefolgschaftsverhältnis basierte, was den klassischen Zügen eines autoritären Caudillo entspricht.
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- Anonym (Autor), 2008, Diktatur in Paraguay. Stroessner 1954-1989, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1322514