Die folgende Hausarbeit befasst sich mit der Frage nach einem Geist der Grossen Menschenaffen (Schimpanse, Gorilla und Orang-Utan) und den daraus entstehenden Problemen für die Philosophie des Geistes und die angewandte Ethik.
Um die generellen Fragestellungen eines Geistes der nicht-menschlichen Tiere darzustellen und zu untersuchen, werden Aufsätze aus dem 2005 erschienenen Sammelband „Der Geist der Tiere“ , herausgegeben von Dominik Perler und Markus Wild, herangezogen.
Die speziellen Fragen zum Geist der Grossen Menschenaffen und der daraus folgenden Konsequenzen für die Ethik und die praktische Behandlung dieser Tiere werden durch Einbezug des im Englischen erstmals 1993 erschienenen und von Paola Cavalieri und Peter Singer herausgegebenen Sammelbandes „Menschenrechte für die Großen Menschenaffen! „Das Great Ape Projekt“ untersucht, in dem Grundrechte für diese Lebewesen gefordert werden (das Recht auf Leben, auf Freiheit und auf Schutz vor Folter).
Aufsätze aus beiden Werken sollen, um ein Gesamtbild zu ergeben, aufeinander bezogen werden. Zunächst sollen Fragen der Definition des Denkens und der Sprache bei nichtmenschlichen Tieren unter Einbeziehung der Sprachprojekte mit Großen Menschenaffen und verschiedene Ansichten dazu dargestellt werden.
Dann werden Bewusstsein und Selbstbewusstsein der Tiere untersucht.
Zuletzt sollen eine Analyse der ethischen Konsequenzen für die Einstufung und Behandlung der Grossen Menschenaffen erfolgen sowie eine Einschätzung der von Cavalieri und Singer erhobenen Forderung einer Einbeziehung dieser Wesen in die „Gemeinschaft der Gleichen“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung:
2. Denken und Sprache
2.1.: Denken, Überzeugungen und Begriffe
2.2: Sprache und Kommunikation
3.: Bewusstsein und Selbstbewusstsein
3.1: Bewusstsein der Grossen Menschenaffen
3.2: Selbstbewusstsein
3.3: Gedankenlesen
4.: Moralische Bedenken und Ethische Konsequenzen
4.1: Evolutionsbiologische Einwände
4.2: Ethische Einwände
4.3: Personenstatus
5.: Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die philosophische Frage nach einem Geist bei den Grossen Menschenaffen (Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans) sowie die daraus resultierenden ethischen Forderungen. Das primäre Ziel ist es, den Status dieser Lebewesen in der angewandten Ethik neu zu bewerten und die Argumente für ihre Einbeziehung in eine „Gemeinschaft der Gleichen“ zu analysieren.
- Philosophische Definitionen von Denken, Sprache und Bewusstsein bei nichtmenschlichen Tieren.
- Empirische Erkenntnisse aus Sprach- und Kommunikationsprojekten mit Menschenaffen.
- Analyse von Selbstbewusstsein und der Fähigkeit zum Gedankenlesen bei Primaten.
- Evolutionsbiologische und ethische Argumente gegen einen strengen Speziesismus.
- Diskussion des Personenstatus als Voraussetzung für moralische Grundrechte wie das Recht auf Leben und Freiheit.
Auszug aus dem Buch
3.3: Gedankenlesen
Um Gedanken lesen zu können, muss sich ein Lebewesen sowohl seiner selbst, als auch den Motivationen seines Gegenüber und seiner Manipulationsmöglichkeiten auf die gemeinsame Umwelt bewusst sein.
Kim Sterelny untersucht in seinem Aufsatz über „Primatenwelten“ die Fähigkeit von Affen, die Gedanken anderer zu repräsentieren. Er weist allerdings darauf hin, dass Gedankenleser nicht nur repräsentieren, indem sie sich auf aktuelle und potentielle Handlungen beziehen, sie können auch meta-repräsentieren, sie können sich die geistigen Zustände vorstellen, die diesen Handlungen zugrunde liegen. Der Nutzen liegt nach Sterelny darin, die Handlungen Anderer vorwegzunehmen und somit eine soziale Orientierungsfähigkeit entwickelt zu haben, die bloßen Verhaltenslesern fehlt (die z.B. Wut aus dem Verhalten lesen und dem entsprechend reagieren). Dadurch, dass diese Primaten sich nicht bloß auf direkte sinnliche Kategorien verlassen, um ihre Umwelt zu erfassen, sondern mit abstrakteren Kategorien arbeiten, befinden sie sich demnach weniger oft in einer gänzlich neuen Umwelt.
Des Weiteren können Gedankenleser „von der Fähigkeit profitieren, andere als Instrumente einzusetzen, die ihnen etwas über die Welt sagen.“ Sie sind bei der Erfassung ihrer Umwelt nicht nur auf ihre eigene sinnliche Wahrnehmung beschränkt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Fragestellung nach dem Geist der Grossen Menschenaffen vor und erläutert den methodischen Ansatz unter Einbezug philosophischer Sammelbände und des „Great Ape Projects“.
2. Denken und Sprache: Dieses Kapitel erörtert die Definitionen von Denken, Überzeugungen und Sprache und stellt die unterschiedlichen philosophischen Positionen zur Sprachfähigkeit von Tieren dar.
2.1.: Denken, Überzeugungen und Begriffe: Hier werden die Minimal- und Maximalforderungen für die Zuschreibung eines Geistes sowie die theoretische Debatte über propositionale Einstellungen diskutiert.
2.2: Sprache und Kommunikation: Dieses Kapitel widmet sich der Analyse von Sprachprojekten mit Menschenaffen, den kritischen Einwänden der Forschung und dem kreativen Gebrauch von Gebärdensprache.
3.: Bewusstsein und Selbstbewusstsein: Die Untersuchung befasst sich mit der kognitiven Ethologie und der Frage, wie man tierisches Bewusstsein wissenschaftlich und philosophisch erfassen kann.
3.1: Bewusstsein der Grossen Menschenaffen: Hier werden Anzeichen wie Zeitgefühl, Erinnerungsvermögen und Trauer bei Menschenaffen als Belege für ein bewusstes Erleben angeführt.
3.2: Selbstbewusstsein: Dieses Kapitel dokumentiert Beobachtungen von Selbstgesprächen, Spiegel-Erkennungstests und Verhaltensweisen, die auf ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein hindeuten.
3.3: Gedankenlesen: Der Abschnitt beleuchtet die Fähigkeit zur sozialen Orientierung und das meta-repräsentative Verständnis geistiger Zustände bei Primaten.
4.: Moralische Bedenken und Ethische Konsequenzen: Das Kapitel diskutiert die Auswirkungen der gewonnenen Forschungsergebnisse auf die Ethik und die Forderung nach der Aufnahme von Menschenaffen in die „Gemeinschaft der Gleichen“.
4.1: Evolutionsbiologische Einwände: Hier wird die biologische Kontinuität zwischen Mensch und Menschenaffen betont und die Willkür einer strikten Trennung kritisiert.
4.2: Ethische Einwände: Dieser Teil befasst sich mit dem Speziesismus und dem Argument, dass moralische Rechte auf individuellen Fähigkeiten statt auf der Spezieszugehörigkeit basieren sollten.
4.3: Personenstatus: Das Kapitel erörtert, warum der Personenstatus für Menschenaffen moralisch geboten ist, um sie vor Ausbeutung und Leid zu schützen.
5.: Fazit: Das Fazit zieht eine Bilanz aus den untersuchten Forschungsergebnissen und plädiert für die Leidensfähigkeit als zentrales Kriterium einer verantwortungsvollen Tierethik.
Schlüsselwörter
Grossen Menschenaffen, Philosophie des Geistes, angewandte Ethik, Great Ape Project, Sprachfähigkeit, Bewusstsein, Selbstbewusstsein, Gedankenlesen, Speziesismus, Personenstatus, kognitive Ethologie, Intentionalität, Tierrechte, Evolutionäre Kontinuität, Leidensfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die philosophische Debatte über das Vorhandensein eines Geistes bei Grossen Menschenaffen und die daraus resultierenden ethischen Konsequenzen für ihre rechtliche Behandlung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die Philosophie des Geistes, die kognitive Ethologie, die Sprachphilosophie sowie die angewandte Ethik bezüglich Tierrechten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu klären, ob Grosse Menschenaffen die Kriterien für einen „Geist“ und einen „Personenstatus“ erfüllen, um ihre Einbeziehung in die „Gemeinschaft der Gleichen“ moralisch zu rechtfertigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philosophische Analyse, indem sie aktuelle Fachliteratur und Forschungsergebnisse zur kognitiven Ethologie aufeinander bezieht und kritisch bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Denken und Sprache, die Analyse von Bewusstsein und Selbstbewusstsein bei Primaten sowie die ethische Diskussion über Grundrechte und den Personenstatus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Great Ape Project, kognitive Ethologie, Personenstatus, Bewusstsein, Sprache und ethische Inklusion.
Welche Rolle spielt die „Enkulturation“ bei der Sprachfähigkeit der Affen?
Die Enkulturation bezeichnet den Prozess, in dem Menschenaffen durch intensiven Kontakt mit Menschen eine Sprache (wie Gebärdensprache) erlernen, was wiederum als Hinweis auf ihre kognitiven Fähigkeiten dient.
Wie unterscheidet sich die Argumentation der Evolutionsbiologen von der traditionellen Ethik?
Evolutionsbiologen betonen die genetische Nähe und Kontinuität zwischen Mensch und Menschenaffe, während die traditionelle Ethik oft den Menschen durch radikale, aber biologisch fragwürdige Diskontinuität von Tieren abgrenzt.
- Arbeit zitieren
- Thomas Höller (Autor:in), 2007, Das "Great Ape Project" und die Probleme mit dem Geist der Affen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132458