Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Theology - Miscellaneous

Wo war Gott in Auschwitz? Wandel in der Beantwortung der Theodizeefrage im Judentum

Title: Wo war Gott in Auschwitz? Wandel in der Beantwortung der Theodizeefrage im Judentum

Academic Paper , 2020 , 12 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Julia Möller (Author)

Theology - Miscellaneous
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die monotheistischen Religionen haben im Laufe der Zeit Theorien aufgestellt, wie scheinbar sinnloses Leid mit einem gütigen, allwissenden und allmächtigen Gott in Einklang gebracht werden können. Der Versuch der Vereinbarung des Gottesbildes mit schwerem Leid wird als "Theodizee" bezeichnet. Doch können die traditionellen Theorien angesichts der schrecklichen Taten der Shoa überhaupt noch Antwortmöglichkeiten bieten?

Diese Frage hat sich auch der deutsch-jüdische Philosoph Hans Jonas gestellt. Er versucht in seiner Rede "Der Gottesbegriff nach Auschwitz" eine Antwort auf die Theodizeefrage zu finden. Jonas geht zunächst auch von den Voraussetzungen der traditionellen Theodizeen aus, kommt aber, geprägt von der jüdischen Theologie und den Ereignissen des Zweiten Weltkrieges, zu eigenen Erkenntnissen. Dieser Wandel der Beantwortung der Theodizee aus der Sicht des Judentums ist Gegenstand dieser Arbeit.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. THEODIZEE

3. AUSERWÄHLUNG UND BUNDESCHLUSS DES VOLKES ISRAEL

4. TRADITIONELL JÜDISCHE THEOLOGIE

4.1 HIOBSFRAGE ALS BEANTWORTUNG DES LEIDENS DER GERECHTEN?

5. INNERJÜDISCHE ANTWORTVERSUCHE

5.1 DER GOTTESBEGRIFF NACH AUSCHWITZ. EINE JÜDISCHE STIMME

6. FAZIT

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel in der jüdischen Beantwortung der Theodizeefrage infolge der Shoa, wobei der Fokus insbesondere auf dem philosophischen Entwurf von Hans Jonas liegt, der Gott als ohnmächtig gegenüber seiner Schöpfung neu interpretiert.

  • Grundlagen der Theodizee und das jüdische Gottesbild
  • Die traditionelle jüdische Straftheodizee und ihre Krise nach Auschwitz
  • Die Hiobsfrage als Auseinandersetzung mit Leiden ohne Sinn
  • Der philosophische Entwurf von Hans Jonas: Gott nach Auschwitz
  • Die radikale Neuinterpretation göttlicher Allmacht und Selbstentäußerung

Auszug aus dem Buch

Der Gottesbegriff nach Auschwitz. Eine jüdische Stimme

Hans Jonas war ein deutsch – jüdischer Philosoph der 1984 in seinem Vortrag anlässlich der Verleihung des Dr. Leopold-Lucas-Preises der Evangelisch-theologischen Fakultät der Eberhard-Karls-Universität Tübingen „Der Gottesbegriff nach Auschwitz“ versuchte, eine Antwort auf die Theodizeefrage nach Auschwitz zu geben. Er gab diese Antwort als Philosoph des 20ten Jahrhunderts, aber auch als Jude, der das Leiden seines Volkes in der eigenen Familie durchlitt (Rommel, 2011, S.165).

In diesem Vortrag möchte Jonas einen Gott verstehen, der angesichts des Millionenfachen Mordes an den in Europa lebenden Juden nicht eingegriffen hat. Solch einen Gott kann Jonas nicht weiter als gut, allwissend und allmächtig ansehen. Trotzdem möchte er nicht vom Gottesbegriff an sich ablassen. Da Jonas mit den alten jüdischen Glaubensgrundsätzen zu keiner Klärung der Theodizeefrage kommt, entwickelt er einen eigenen „Mythos“ (Gross & Kuschel, 1992, S.170f.). Jonas selbst weiß, dass er nur ein „ein Stück unverhüllt spekulativer Theologie“ (Jonas, 1987, S.7) bieten kann. Er sieht das Leid in Auschwitz und das Scheitern der Erklärungsversuche der traditionellen theologischen Antwortversuche als einen Anlass, das Verhältnis von Gott zur Welt neu zu überdenken (Gross & Kuschel, 1992, S.174).

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Shoa als radikalem Bruch, der die traditionelle Frage nach der Vereinbarkeit von Leid und einem allmächtigen Gott im Judentum neu stellt.

2. THEODIZEE: Definition des Theodizee-Begriffs und Erläuterung der klassischen drei Formen des Übels nach Leibniz sowie der logischen Problematik des monotheistischen Gottesbildes.

3. AUSERWÄHLUNG UND BUNDESCHLUSS DES VOLKES ISRAEL: Analyse der Bedeutung des Bundes zwischen Gott und Israel sowie die daraus erwachsende, verschärfte Perspektive auf das radikale Leid der Shoa.

4. TRADITIONELL JÜDISCHE THEOLOGIE: Untersuchung klassischer jüdischer Deutungsmuster wie der Tun-Ergehen-Theodizee und der Straftheodizee im Kontext der biblischen Überlieferung.

4.1 HIOBSFRAGE ALS BEANTWORTUNG DES LEIDENS DER GERECHTEN?: Betrachtung des Buches Hiob als Verkörperung des Leidens-Problems, das keine einfache Antwort liefert, sondern klagendes Ringen zulässt.

5. INNERJÜDISCHE ANTWORTVERSUCHE: Überblick über verschiedene Ansätze innerhalb des modernen Judentums, auf die Erfahrung des Holocaust theologisch zu reagieren.

5.1 DER GOTTESBEGRIFF NACH AUSCHWITZ. EINE JÜDISCHE STIMME: Darstellung des philosophischen Ansatzes von Hans Jonas, der Gott als leidenden, aber nicht allmächtigen Schöpfer begreift.

6. FAZIT: Zusammenfassende Einschätzung, dass Auschwitz eine eindeutige Theodizee-Antwort verunmöglicht und der Versuch von Jonas als philosophischer Diskussionsbeitrag zu verstehen ist.

Schlüsselwörter

Theodizee, Shoa, Hans Jonas, Judentum, Auschwitz, Gottesbegriff, Allmacht, Bundesschluss, Leid, Hiobsfrage, Straftheodizee, Selbstentäußerung Gottes, TaNaCH, Religion, Philosophie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie die Theodizee – also die Rechtfertigung Gottes angesichts des Leids in der Welt – nach dem Zivilisationsbruch durch die Shoa innerhalb des Judentums neu gedacht werden kann.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind der jüdische Gottesglaube, die Idee des Bundes, traditionelle Konzepte der Straftheodizee sowie die philosophische Auseinandersetzung mit der Ohnmacht oder dem Rückzug Gottes in der Moderne.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Hans Jonas durch eine radikale Neuinterpretation göttlicher Eigenschaften versucht, das jüdische Gottesbild angesichts der Shoa zu bewahren, ohne es zu verharmlosen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Publikation ist eine geisteswissenschaftliche Analyse, die philosophische Texte und theologische Diskurse, insbesondere die Schriften von Hans Jonas, interpretiert und in den Kontext der jüdischen Tradition setzt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die Grundlagen der Theodizee sowie traditionelle jüdische Vorstellungen erläutert, bevor der Fokus auf die Versuche gelegt wird, die Shoa theologisch zu verarbeiten, gipfelnd in Jonas’ Entwurf eines mit-leidenden Gottes.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Theodizee, Shoa, Hans Jonas, Judentum, Allmacht, Leid, Hiobsfrage und Selbstentäußerung Gottes sind die bestimmenden Kernbegriffe.

Wie begreift Hans Jonas die göttliche Allmacht nach Auschwitz?

Jonas revidiert den traditionellen Allmachtsbegriff und stellt die These auf, dass Gott durch die Schöpfung bewusst auf seine Eingriffsmöglichkeit verzichtet hat, um dem Menschen Freiheit und Eigenverantwortung zu gewähren.

Warum reicht die traditionelle Straftheodizee laut der Autorin nach der Shoa nicht mehr aus?

Die Autorin argumentiert, dass die ungeheure Dimension und Sinnlosigkeit der Shoa nicht durch menschliches Fehlverhalten oder kollektive Schuld erklärt werden kann, da dies das Leid der Opfer zusätzlich abwerten würde.

Gilt das Buch Hiob als direkte Lösung für das Leid in Auschwitz?

Nein, das Buch Hiob bietet keine rationale Erklärung für das Leid an. Vielmehr dient es als Vorbild dafür, dass der leidende Mensch Gott gegenüber klagen und ihn ansprechen darf, ohne eine einfache Antwort zu erwarten.

Excerpt out of 12 pages  - scroll top

Details

Title
Wo war Gott in Auschwitz? Wandel in der Beantwortung der Theodizeefrage im Judentum
College
University of Education Heidelberg
Course
Grundwissen zu Weltreligionen
Grade
1,0
Author
Julia Möller (Author)
Publication Year
2020
Pages
12
Catalog Number
V1324889
ISBN (PDF)
9783346810007
ISBN (Book)
9783346810014
Language
German
Tags
Hans Jonas Auschwitz Theodizee Gott Shoa
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julia Möller (Author), 2020, Wo war Gott in Auschwitz? Wandel in der Beantwortung der Theodizeefrage im Judentum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1324889
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  12  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint