Entwicklung und Struktur von Sport und Leibeserziehung


Hausarbeit, 2001
26 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sport
2.1 Der Sportbegriff
2.2 Sport im indirekten Verständnis

3. Kultur
3.1 Kultur damals
3.2 Kultur heute

4. Gesellschaftliche Veränderungen

5. Sport und Kultur
5.1. Körperkultur
5.2. Sport als Kultur

6. Zusammenfassung und Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wir leben heute in einer Gesellschaft, in der es darauf ankommt, flexibel zu sein und sich den sich immer schneller verändernden Situationen anzupassen. Bei der Betrachtung der verschiedenen Veränderungen kann man erkennen, dass diese sich in den unterschiedlichsten Bereichen vollziehen und zusätzlich noch Auswirkungen selbst auf starre Strukturen haben. In dieser Arbeit wird von allen Veränderungen, die sich in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten vollzogen haben, der Schwerpunkt der Betrachtung auf die Veränderungen in Kultur und Sport gelegt. Es geht um das Thema ‚Sport als Kultur’.

Es wird zunächst in Kapitel 2 und 3 verdeutlicht werden, was die Begriffe ‚Sport’ und ‚Kultur’ im einzelnen bedeuten. Bei der Betrachtung des Wandels der Gesellschaft und der daraus resultierenden Veränderungen für das Verständnis von Sport und Kultur wird in Kapitel 4 die Brisanz, die sich hinter diesem Thema verbirgt, deutlich werden. Kapitel 5 wird sich anschließend zunächst mit dem Begriff der Körperkultur auseinandersetzen und damit einen Bogen spannen zu dem Thema ‚Sport als Kultur’, wie es Ommo Gruppe aufgeworfen hat. Kapitel 6 rundet die Arbeit mit einer Zusammenfassung und einer Schlussfolgerung ab.

Ziel der Arbeit ist es, die Brisanz des Themas sowie seine Aktualität hervorzuheben, um anschließend herauszustellen, inwieweit und ob Sport und Kultur in der Phrase ‚Sport als Kultur’ miteinander vereinbar sind.

2. Sport

Der Sport, so wie er heute betrieben wird, hat sich selbst und seine Stellung in der Gesellschaft im Laufe der Zeit stark gewandelt. Um aufzuzeigen, dass sich hinter dem kurzen Wort eine große Palette von Verständnisunterschieden und Definitionen verbergen, wird im Folgenden der Begriff Sport an sich, aber auch der gesellschaftliche Wandel im Bezug auf Sport beschrieben.

2.1 Der Sportbegriff

Das Wort „ Sport“ stammt ursprünglich aus dem mittelalterlichen „disportare“ (sich zerstreuen, vergnügen). Über das altfranzösische „desport“ (Erholung, Zerstreuung) entwickelte sich der Begriff zum englischen ‚sport’[1], der im 19. Jahrhundert in den deutschen Sprachgebrauch übernommen wurde. In dem Seminar „Entwicklung und Struktur von Sport und Leibeserziehung“ wurde Sport folgendermaßen erläutert:

Sport als Norm und Maßstab sinnvoller Alltags- und Lebensgestaltung, ist ein zunehmend vereinheitlichter Sektor im normativen Vergesellschaftungsprozess. Der Moderne Sport ist Ausdruck von Eigenverantwortlichkeit für die Gesundheit. Man spricht von ‚Sportivität’ als einen neuen kulturellen Habitus im Sinne von ‚postmaterieller’ Lebensorientierungen wie zum Beispiel geistige Flexibilität, soziale Offenheit, Eleganz und Sensibilität, Individualität und Aktivität, aber auch von einem neuen, umfassenden Leitmuster unserer Alltagskultur.

Sport wurde letztlich bezeichnet als Feld symbolischer Aufarbeitung von Wirklichkeit (Bedürfnisse und Konflikte), die aus den anderen Bereichen des Arbeits- und Familienlebens, der Erziehungsinstitution und der Politik auf den Freizeitsektor abgedrängt worden sind.

2.2 Sport im indirekten Verständnis

Hinter ‚Sport’ verbirgt sich noch eine weite Bandbreite von Nebenerscheinung, die die Ausübung mit sich bringt. So verbindet man z. B. auch die Organisationsformen wie Vereine, Verbände und Sportbünde mit dem Begriff Sport[2]. Sportveranstaltungen waren immer schon Anziehungspunkt für ‚Nichtsportler’, die als Zuschauer an den Kämpfen um Siege und Preise teilnehmen. Im Laufe der Zeit hat sich diese Massenanziehungskraft auch als sehr werbewirksam erwiesen. Diese Seite des Leistungssports wird als Mediensport bezeichnet.

Schon um die Jahrhundertwende berichteten die Tageszeitungen von Sportveranstaltungen und neuen Rekorden. Es gab eine Vielzahl an Sportillustrierten[3]. Die Verbreitung von Radio und Fernsehen verstärkte diese Entwicklung, so dass sich der Sport heute in einer engen Verflechtung zu den Medien präsentiert. Sport, Medien und Wirtschaft verbinden sich zu einer Art ‚Marketing-Symbiose’.[4] Wirtschaft und Medien profitieren vom Sport als Werbeträger und Zuschauermagneten. Der Sport finanziert sich weitgehend über den Verkauf von Übertragungsrechten, Einnahmen aus dem Sponsoring und aus der Sportwerbung.

Im Vergleich zu anderen Ländern entwickelte sich der Mediensport in Deutschland erst spät. Die Aufhebung des staatlichen Rundfunkmonopols und das Auftreten von frei finanzierten privaten Sendern Mitte der 80er Jahre führte zu einer Entfesselung der Marktkräfte[5] Ende der 80er Jahre war ein harter Kampf der öffentlich- rechtlichen und privaten Fernsehsender um die Publikumsgunst entbrannt. Um Zuschauer zu gewinnen, wurde das wachsende Sportinteresse der Bevölkerung systematisch zur Eroberung von TV-Marktanteilen genutzt[6].

Die ‚Privaten’ Übernahmen schnell Marktanteile und dominierten das Themenfeld Sport. 1993 gingen bereits eigene freie Sportkanäle wie das Deutsche Sportfernsehen (DSF) oder der paneuropäische Sportsender Eurosport auf Sendung.[7] Medien, Hersteller, Markenartikel und Zuschauernähe stellen oft schon eher eine Einschränkung anstatt einer Unterstützung für den Leistungssportler dar.

3. Kultur

In der Gesellschaft beobachtet man eine zunehmende Individualisierung und Differenzierung. Gesellschaftlich vorgegebene Verhaltensmuster, die bisher oft unmittelbar mit der Zugehörigkeit an eine soziale Schicht, an eine berufliche Gruppe, an Merkmale des Geschlechts und des Alters zusammenhingen, verlieren an bindender Kraft und Instanzen wie Religion, Tradition, Familie und Beruf haben längst ihre sinnstiftenden Funktionen verloren.[8] Unterschiedliche Lebenskonzepte wie beispielsweise das ‚freizeitorientierte’ bzw. das zwischen Arbeit und Freizeit ausbalancierte Lebenskonzept[9] zeigen den Wandel der ‚traditionellen Arbeitsorientierung’ des Lebens an. Zur Verdeutlichung des Wandels werden im Folgenden zunächst die unterschiedlichen Definitionen des Kulturbegriffs damals und heute aufgezeigt.

3.1 Kultur damals

Georg Simmel[10] formulierte Kultur 1919 wie folgt:

„Der Geist erzeugt unzählige Gebilde, die in einer eigentümlichen Selbständigkeit fortexistieren, unabhängig von der Seele, die sie geschaffen hat, wie von jeder anderen, die sie aufnimmt oder ablehnt.

Der Kultur liegt eine innere Tatsache zugrunde, die man als Ganze nur gleichnisweise und etwas verschwimmend ausdrücken kann: als den Weg der Seele zu sich selbst;(...) Nicht ein benennbares, an irgendeiner Stelle der geistigen Welt fixiertes Ideal ist hier gemeint; sondern das Freiwerden der in ihr selbst ruhenden Spannkräfte, die Entwicklung ihres eigensten, einem inneren Formtrieb gehorsamen Keimes.“

Kultur war nach der Auffassung von Hans Steinitzer[11] etwas ‚höheres’ als der Sport. Kultur hatten vor allem die ‚Oberen’, die ‚Gebildeten’, die ‚Satisfaktionsfähigen’, wie Norbert Elias die wilhelminische Oberschicht genannt hat[12]. Diese bestimmten, was Aufnahme in das kulturelle Geschehen finden durfte. Der ‚ungebildete’ Sport gehörte nach ihrer Auffassung nicht dazu. Der Sport war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus England nach

Deutschland herübergekommen und verbreitete sich schnell, vor allem in der Jugend. Der Sport verherrlichte den Körper und seine sportliche Übung und war noch dazu so frech, dafür kulturellen Wert zu beanspruchen.[13] Dass Tänze als ein kulturelles Phänomen zu sehen sind, darin bestand in der Geschichte nie ein Zweifel,[14] eher kämpfte das Tanzen darum, als Sport anerkannt zu werden.

OMMO GRUPE bezeichnet das gegenwärtige Verständnis von Kultur als normativ. Verdeutlicht soll dabei das wertende Element sein, das in dem damaligen Kulturverständnis wichtig war, und zwar wertend im Sinne der bürgerlichen Klassengesellschaft. Durch diese Kulturauffassung hatte der Sport es in seinem Bemühen schwer, als Kulturgut anerkannt zu werden. Angestrebt war dabei zum Beispiel, ein Teil von Bildung und Erziehung in der Schule zu sein, als akademisches Studienfach an der Universität anerkannt zu werden, oder auch als Gegenstand schriftstellerischer, dichterischer und künstlerischer Bearbeitung berücksichtigt zu werden: Kultur stand für anspruchsvolles Theater, für gute Literatur, Dichtung, klassische Musik und Kunst, was immer gut dabei heißen mag. Und Kultur besaß man, indem man über diesen Typ von kulturellen Gütern verfügte, nicht aber, indem man sportlich aktiv oder interessiert war.

Das normativen Kulturverständnisses machte die Argumentation für die kulturelle

Ausgrenzung des Sports sehr einfach. Sport hatte nichts an kultureller Qualität zu bieten. Um das zu erkennen, brauchte man nur „in laute Fußballstadien, dreckige Boxarenen und in nach Schweiß riechende Umkleidekabinen, auf grölende Zuschauer, geisttötende Sportberichte, Gewalttätigkeiten bei Sportveranstaltungen und die deformierten Körper mancher Athleten zu blicken. Was konnte daran schon kulturell wertvoll sein? Im Grunde nichts.“[15] Von Steinitzer, aber auch Thorstein Veblen, dem amerikanischen Kultursoziologen, und Friedrich Georg Jünger bis hin zu manchen Vertretern der ‚Neuen Linken’ findet sich ein Bild des Sports, das von der Auffassung geprägt ist, dass er mit der eigentlichen Kultur nichts zu tun hat.

[...]


[1] Park 1995, S.9

[2] Sport-Brockhaus, 1989

[3] vgl. Krueger, Michael 1993

[4] Holderbach 1998; 51

[5] Dinkel, Kratz 1998; 62

[6] Opaschowski 1997; 6

[7] Dinkel, Kratz 1998; 63)

[8] Heinemann 1999; 25

[9] Opaschowski 1993; 19

[10] Georg Simmel 1919, 223-253

[11] Steinitzer 1919

[12] vgl. Elias 1989

[13] Grupe 1987

[14] Wohl, Andrezej 1979; 88

[15] Grupe, Ommo Münster/ Hamburg 1993, 12

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Entwicklung und Struktur von Sport und Leibeserziehung
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Sportwissenschaft)
Veranstaltung
Historische und soziologische Aspekte des Sports
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
26
Katalognummer
V13263
ISBN (eBook)
9783638189576
Dateigröße
1110 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziologie, Geschichte, Sport
Arbeit zitieren
Jana Beauvais (Autor), 2001, Entwicklung und Struktur von Sport und Leibeserziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13263

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