Der außerschulische Lernort Zoo – Eine fachdidaktische Konzeption für die Sekundarstufe 1

Die Anpassung der Vögel an ihren Lebensraum, als kritische Unterrichtseinheit unter neurobiologischen Aspekten


Examensarbeit, 2008

166 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

A THEORETISCHER TEIL

1. Lernorte außerhalb der Schule
1.1. Lernen
1.1.1. Allgemeines Verständnis
1.1.2. Neurobiologische Grundlagen des Lernens im Kontext des Unterrichtskonzepts
1.2. Außerschulische Lernorte
1.2.1. Allgemeines Verständnis
1.2.2. Didaktische Ziele und Möglichkeiten außerschulischer Lernorte
1.2.3. Der außerschulische Lernort im Schulalltag
1.3. Der Zoo als außerschulischer Lernort
1.3.1. Zoologische Gärten
1.3.2. Zoopädagogik
1.3.2.1. Allgemeines Verständnis
1.3.2.2. Entwicklungslinie
1.3.2.3. Ziele, Aufgaben und Methoden der Zoopädagogik für die Schule
1.3.3. Der Zoo Neuwied als Beispiel eines außerschulischen Lernortes
1.3.3.1. Chronik des Zoos Neuwied
1.3.3.2. Zoopädagogik im Zoo Neuwied
1.3.3.3. Artenvielfalt im Zoo Neuwied unter besonderer Berücksichtigung der Vögel

2. Wissenschaftliche Betrachtung des Unterrichtsinhaltes „Vögel“
2.1. Phylogenie und Systematik
2.2. Skelett und Muskulatur
2.3. Exkretion
2.4. Organsysteme
2.5. Feder
2.6. Schnabel und Ernährung
2.7. Fortbewegung
2.7.1. Fortbewegung in der Luft
2.7.2. Fortbewegung auf dem Land und im Wasser
2.8. Lebensraum und Lebensweise
2.9. Vogelschutz

3. Planerische Vorüberlegungen und Vorbereitungen
3.1. Rechtliche Grundlagen zum außerschulischen Lernort
3.2. Didaktische Analyse
3.2.1. Begründung der Unterrichtseinheit
3.2.2. Bildungsstandards und Lehrplanbezug
3.2.3. Allgemeine Lernzielformulierungen
3.2.4. Analyse der Lerngruppe
3.3. Methodische Analyse
3.4. Rahmenbedingungen und Darstellung der Unterrichtseinheit

B PRAKTISCHER TEIL

4. Ausführliche Darstellung der Unterrichtseinheit
4.1. Erwartungen der Schüler an den Unterricht und den außerschulischen Lernort
4.1.1. Ziel der Befragung
4.1.2. Durchführung und Material
4.1.3. Auswertung
4.2. Stunde 1 und 2: Einführungsstunde
4.2.1. Lernzielformulierung
4.2.2. Methodische und didaktische Analyse
4.2.3. Didaktische Reduktion
4.2.4. Unterrichtsverlaufskizze
4.2.5. Material der Stunde pro Klasse:
4.2.6. Reflexion der Klasse 6F
4.2.7. Reflexion der Klasse 6 E
4.2.8. Gesamtreflexion der Stunde beider Klassen
4.3. Stunde 3: Zooexkursion
4.3.1. Lernzielformulierung
4.3.2. Methodische und didaktische Analyse
4.3.3. Didaktische Reduktion
4.3.4. Unterrichtsverlaufskizze
4.3.5. Material der Stunde pro Klasse:
4.3.6. Reflexion der Zooexkursion
4.4. Stunde 4: Nachbesprechung der Zooexkursion
4.4.1. Lernzielformulierung
4.4.2. Methodische und didaktische Analyse
4.4.3. Didaktische Reduktion
4.4.4. Unterrichtsverlaufskizze
4.4.5. Material der Stunde pro Klasse:
4.4.6. Reflexion der Klasse 6 F
4.4.7. Reflexion der Klasse 6 E
4.4.8. Gesamtreflexion beider Klassen
4.5. Stunde 5: Das Skelett des Vogels
4.5.1. Lernzielformulierung
4.5.2. Methodische und didaktische Analyse
4.5.3. Didaktische Reduktion
4.5.4. Unterrichtsverlaufskizze
4.5.5. Material der Stunde pro Klasse: Vogelskelett z.B. aus Claus und Haala
4.5.6. Reflexion Klasse 6 F
4.5.7. Reflexion Klasse 6 E
4.5.8. Gesamtreflexion beider Klassen
4.6. Stunde 6 und 7: Doppelstunde - Fliegen und Ernährung
4.6.1. Lernzielformulierung
4.6.2. Methodische und didaktische Analyse
4.6.3. Didaktische Reduktion
4.6.4. Unterrichtsverlaufskizze
4.6.5. Material der Stunde pro Klasse:
4.6.6. Reflexion Klasse 6 F
4.6.7. Reflexion Klasse 6 E
4.6.8. Gesamtreflexion beider Klassen
4.7. Stunde 8: Anpassungen an den Lebensraum
4.7.1. Lernzielformulierung
4.7.2. Methodische und didaktische Analyse
4.7.3. Didaktische Reduktion
4.7.4. Unterrichtsverlaufskizze
4.7.5. Material der Stunde pro Klasse:
4.7.6. Reflexion Klasse 6 F
4.7.7. Reflexion Klasse 6 E
4.7.8. Gesamtreflexion beider Klassen

5. Gesamtreflexion der Unterrichtseinheit

6. Ausblick

7. Zusammenfassung

8. Stichwortverzeichnis

9. Danksagung

10. Literaturverzeichnis
10.1. Literatur
10.2. Internetquellen
10.3. Weitere Medien
10.4. Weiterführende Literatur und Internetadressen

11. Abbildungsverzeichnis

12. Tabellenverzeichnis

13. Anhang
13.1. Anhang A – Gesamtmaterialaufwand pro Klasse
13.2. Anhang B - Erhobenes Datenmaterial
13.2.1. Erhebung des Fragebogens: „Deine Meinung zählt...“
13.2.2. Erhebung Stunde 1 und 2: Einführungsstunde
13.2.3. Auswertung Stunde 3: Zooexkursion
13.2.4. Auswertung Stunde 4: Nachbesprechung der Zooexkursion
13.2.5. Auswertung Stunde 5: Das Skelett des Vogels
13.2.6. Auswertung Stunde 6 und 7: Fliegen und Ernährung
13.2.7. Auswertung Stunde 8: Anpassungen an den Lebensraum
13.2.8. Erhebung „Wissenstest Vögel“ drei Wochen nach Beendigung der Unterrichtseinheit

Einleitung

Der Schulunterricht muss den Schüler im Fokus der Betrachtung haben. Die Aufgabe der Lehrer besteht darin, die Schüler im demokratischen Sinne zu erziehen, ihnen Fachwissen zu vermitteln und ihnen alltagstaugliche Fähigkeiten und Fertigkeiten zu vermitteln, die sie auf die Berufs- und Lebenswelt vorbereiten. Nicht nur die PISA– Studien, sondern auch der alltägliche Blick auf Realitäten, die Resonanz der Wirtschaft und die Resonanz der Weiterbildenden Institutionen zeigt, dass dies derzeit nicht immer gelingt. Daher liegt in der Verbesserung der Unterrichtsqualität für Lehrer, aber insbesondere für die Schüler eine kontinuierliche Aufgabe vor. Neben der Umsetzung von Erkenntnissen der Forschung aus dem Bereich der Lernpsychologie, Soziologie, Lernbiologie, Neurodidaktik und Evaluationen zur Leistungsfähigkeit der Schüler, sollte die Selbstreflexion der Schüler ebenfalls in die Betrachtung mit einbezogen werden. Individuelle und gruppendynamische Lernprozesse gelingen in einem klientelbezogenen Umfeld besser, als wenn die Wünsche und Bedürfnisse derer, um die es geht, außen vor gelassen werden. Daher besteht die Frage im Kontext dieser Arbeit: Wie empfinden und wie stellen sich die Schüler guten und produktiven Unterricht vor? Im Rahmen dieser Arbeit wird geprüft, inwieweit eine auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende Konzeption den Bedürfnissen der Schüler gerecht wird. Teil dieser wissenschaftlichen Erkenntnis ist, dass praktisches Lernen nachhaltiger ist als theoretisches Lernen. Die Schule bietet für theoretische Grundlagen und praxisnahes Lernen einen guten Lernort. Realitätsnähere und arbeitsrealistische Lernorte, besonders für die naturwissenschaftlichen Fächer, können Lernorte außerhalb der Schule sein, wie z.B. der Zoologische Garten. Eine Einbindung dieser Lernräume in den Schulalltag bildet den Hauptuntersuchungsgegenstand dieser Arbeit, mit einem praxisbezogenen Resümee. Daher besteht die Motivation des Verfassers für diese Arbeit darin, unter Einbeziehung der subjektiven Reflexion der Schüler zu prüfen, wie tauglich der Lernort Zoo im alltäglichen Unterricht ist und wie er Lernprozesse unterstützen kann.

A Theoretischer Teil

1. Lernorte außerhalb der Schule

1.1. Lernen

1.1.1. Allgemeines Verständnis

Lernen bzw. den Lernprozess präzise und prägnant zu definieren birgt Probleme in sich. Zum allgemeinen Verständnis dieses Vorganges sind die zentrale Begriffe Veränderung und Erfahrung zu nennen. Erfahrung bezieht sich dabei auf die Aufnahme von Umwelteinflüssen, die zu einer Veränderung im Verhalten bzw. in der Verhaltensbereitschaft führen. Im Unterschied zum lernfähigen Tier ist der Mensch in der Lage Umweltreize auf die Symbolebene zu übertragen und Probleme ebenfalls auf der Symbolebene zu lösen. Damit verfügt der Mensch über ein effektiveres und größeres Lernpotential gegenüber dem Tier (Böhm 2001). In diesem Verständnis schließt Lernen Verhaltensänderungen aus, die von temporalen anormalen psychophysischen Verfassungen (Müdigkeit, Drogen, pathologische Einflüsse...) oder aus determinierten physiologischen Reifungsprozessen herrühren. Grundlegende Voraussetzung des Lernens ist die Lerndisposition. Durch sie ist genetisch vorgegeben, in welcher Qualität Informationen aufgenommen und verarbeitet werden können. Hierbei kommt es zu einem unterschiedlichen Vermögen und zu Differenzen zwischen Arten und Unterarten sowie zwischen Individuen. Die Lernbegabung resultiert aus der Lernkapazität und der Qualität des effektiven Lernvermögens (Freudig 2002).

Individuen sind damit in unterschiedlichem Maße in der Lage Informationen aus der Umwelt im Gedächtnis zu speichern, die zudem reproduziert werden können. In Abhängigkeit früherer Erfahrungen (gespeicherte Informationen) ergibt sich daraus ein verändertes Verhalten. Auf neuronaler Ebene kommt es dabei zu einer verbesserten Signalübertragung zwischen Synapsen (Hebbsche Regel) durch biochemische Veränderungen (synaptische Plastizität). Das Lernen ist damit „sowohl ein Prozess (Informationsaufnahme, -verarbeitung und –speicherung) als auch ein Produkt (Die Disposition, künftiges Verhalten an den gemachten Erfahrungen zu orientieren und eventuell zu modifizieren oder zu lassen)“ (Freudig 2002). Für den Organismus bedeutet das eine Möglichkeit der Einflussnahmen und der anpassungsfähigen Reaktion auf Umwelteinflüsse (Adaption). Der Zugriff auf gespeicherte Informationen wird Performance genannt.

Lernen wurde zunächst als Reiz–Reaktion–Komplex verstanden. Kontinuierlich wurde dieses theoretische Verständnis ausgeweitet. Heute werden unter Lernen auch „die inneren Repräsentationen der Umwelt sowie weitere kognitive Operationen [...] Wahrnehmung, Denken, Vorstellung, Sprache, Bewusstsein, Einsicht...“ (Freudig 2002) mit einbezogen. Grundlegend wird Lernen in zwei Dimensionen unterschieden: zum einen in einfache Formen wie Prägung, Habituation und Sensitivierung, zum anderen in assoziatives Lernen, das in die klassische Konditionierung, instrumentelles Lernen (operantes Lernen), Nachahmungslernen, kognitives Lernen, implizites Lernen und in maschinelles Lernen unterteilt werden kann. Verschiedene wissenschaftliche Fachdisziplinen, aus der Soziologie, der Psychologie, der Pädagogik, den Wirtschaftswissenschaften oder den naturwissenschaftlichen Neurowissenschaften, erforschen das Lernen und greifen auf verschiedene Lerntheorien, die grundsätzlich in die Behavioristische Lerntheorie und die Theorie der kognitiven Organisation unterschieden werden können, zurück (Lenzen 2005).

1.1.2. Neurobiologische Grundlagen des Lernens im Kontext des Unterrichtskonzepts

Kleinste Einheit der menschlichen Wahrnehmungs-, Denk- und Lernleistung bilden die Neuronen, die mittels Nervenfasern miteinander verknüpft sind. Ein Neuron kann millionenfache Verknüpfungen mit anderen Neuronen des Gehirns aufweisen.

Die Informationsübertragung zwischen Neuronen verläuft nach digitalem Prinzip, durch Aktivierung oder Hemmung. Die Informationsverarbeitung und mentale Repräsentation verläuft aber nicht nach Zuordnungsregeln oder Rechenvorschriften, sondern hängt von dem Grad der interneuralen Verknüpfungen und der Häufigkeit synaptischer Verbindungen ab.

Für das Lernen neuer Inhalte spielt der Hippocampus eine zentrale Rolle. In Tierversuchen lässt sich beweisen, dass dieser Bereich für die Ortsorientierung zuständig ist. Die Orientierung an neuen Orten wird durch eine neue Repräsentation dieser Orte im Hippocampus sichtbar. Für Menschen lässt sich nachweisen, dass z.B. das Lernen von neuen Vokabeln und Begriffen, von „der Entstehung von Repräsentationen im Hippocampus abhängt“ (Spitzer 2002). Über die neuronale Aktivität im Hippocampus kann man Vorhersagen treffen, ob eine neue Vokabel gelernt wurde oder nicht. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass dieses Hirnareal für das Lernen neuer und evidenter Informationen zuständig ist. Zudem werden dort unvollständige Informationen ergänzt und mit gespeicherten Informationen verknüpft.

Beim Menschen lassen sich diese Hirnaktivitäten mittels
Positronenemmissionstomographie (PET) und der Magnetresonanztomographie (MRT) bildlich darstellen. Zur Auswertung werden Bilder, die aus dem Ruhezustand resultieren, mit Bildern unter geistiger Aktivität verglichen.

Der Mensch ist in der Lage einen sehr hohen oder auch einen niedrigen Wissensstand zu haben. Das Grundprinzip dieses Könnens hängt von der Geschwindigkeit ab, auf eine Wahrnehmung (Input) eine abstrakte Reaktion (Output) folgen zu lassen. Dies wird durch das synaptische Netzwerk gewährleistet. Das menschliche Lernen und damit einhergehend die Überlebensfähigkeit in der Umwelt, hängt nicht davon ab, jede Einzelheit abzuspeichern. Sie hängt davon ab, Einzelheiten in ein Regelsystem einzuordnen, das es ermöglicht die Einzelheit zu abstrahieren und in ein verallgemeinerndes Verständnis einzuordnen. Zur Veranschaulichung bedient sich der Autor eines Beispiels Manfred Spitzers (Spitzer 2002): Die Kenntnis einer Tomate in Aussehen, Geruch, Geschmack, Anwendungsbereiche, Entstehung, etc. resultiert nicht aus der neuronalen Speicherung einer jeden bisher gesehenen Tomate, sondern aus der Einordnung jeder gesehenen Tomate in ein Regelsystem, das eine allgemeine Kenntnis der Tomate zulässt. Anhand dieser allgemeinen Kenntnis kann eine neuerlich gesehene Tomate (Einzelheit) als Tomate (Allgemeinheit) erkannt werden und muss nicht als neues Objekt, mit all seinen Daten, einzeln gespeichert werden. Würde das menschliche Gehirn Einzelheiten abspeichern, würde es über Billionen Informationen verfügen, die zusammenhangslos nebeneinander stehen und damit nutzlos sind.

Eine Steigerung des Lernerfolges bzw. von Lernprozessen kann durch eine Steigerung der Aufmerksamkeit erreicht werden. Die Aufmerksamkeit kann in zwei Dimensionen unterteilt werden. Zum einen in die physische Vigilanz und die selektive Aufmerksamkeit auf bestimmte Sachverhalte, Materialien und Gegenstände. Je höher die Vigilanz und die selektive Aufmerksamkeit eines Menschen sind, desto höher ist der nachhaltige Lernerfolg. Insbesondere werden durch die selektive Aufmerksamkeit die Hirnareale aktiviert, die für die entsprechende Informationsverarbeitung zuständig sind, z.B. in Bezug auf Farben, Formen, Orte, Bewegung etc. In Bezug auf abstrakte Umwelteinflüsse z.B. in der Wahrnehmung von Zahlen oder Buchstaben lässt sich ein gleicher Effekt nachweisen. Für einen Lehrer bedeutet dies, dass Gedächtnisinhalte dann gespeichert werden, wenn die Schüler die entsprechenden Informationen mit einer hohen Vigilanz und hohen selektiven Wahrnehmung verarbeiten. Dabei ist die Gestaltung von Lernarrangements, bei denen die Schüler mit einer hohen selektiven Vigilanz reagieren, um den Lernerfolg zu steigern, sehr schwierig. Weitere wichtige Einflussfaktoren rühren aus der Motivation und Emotion.

Die Wahrnehmung von Umwelteinflüssen erfolgt beim Menschen nicht rein faktisch, sondern er unterfüttert diese mit Emotionen, in Form von Unbehagen, Angst, Freude, etc. Die entwickelten Emotionen können einen weiteren emotional wahrgenommenen Zustand auslösen: Stress. Dieser kann in seiner Wirkung auf den Menschen akut sein oder aber chronisch persistieren. Während akuter Stress eine biologisch notwenige Reaktion auf Gefahr bzw. Angst darstellt, die zu einer Symphatikuserhöhung führt und sogar Lernen beschleunigt, stellt chronischer Stress eine Gefahr für den Körper dar. Langfristig erhöhte Konzentrationen an Neurotransmittern, z.B. Glutamat, oder an Hormonen, wie Clucocorticoide, haben einen neurotoxischen Einfluss, insbesondere im Hippocampus. Darüber hinaus wirken sie systemisch und haben negative Auswirkungen auf das Organsystem. Dies bedeutet das lang anhaltender Stress negative Auswirkungen auf das Lernen hat. Positive Emotionen vermindern bzw. heben Stress auf und tragen somit zu einem nachhaltigen Lernerfolg bei. In der Gestaltung der Lernumgebung und im Umgang mit den Schülern kann der Lehrer hierauf einen großen Einfluss nehmen.

Ebenso wie Emotionen über Neurotransmitter stimuliert werden können, sorgen Neurotransmitter für die Motivation des Menschen, Handlungen durchzuführen. Dopamin nimmt dabei die Schlüsselrolle ein. Die Ausschüttungen erfolgen, um Umweltreizen Bedeutungen zu verleihen. Insbesondere sind die Dinge von Bedeutung, die Neues oder eine Verbesserung des erwarteten Zustandes erhoffen lassen. Über ein Belohnungssystem wird der Mensch zu Handlungen und Wahrnehmungsprozessen motiviert. Es darf aber nicht vergessen werden, dass völlig neue Situationen und Umgebungen als unbekannt erlebt werden. Dies löst häufig Ängste aus und damit Stress. Daher bezieht sich Neues auf neue Aspekte bekannter und vertrauter Anknüpfungspunkte (Vester 2000).

Effizienter als individuelles Lernen ist kooperatives Lernen, da der Schüler mit anderen Schülern in Kommunikation treten muss. In Kommunikation müssen Neues bzw. Lerninhalte nicht nur vermittelt, sondern auch reflektiert werden. Findet dies in einer kleineren Gruppe statt (2-5 Schüler) muss jeder Schüler den kommunizierten Gegenstand erst einmal interpretieren und verarbeiten, um diesen zu verstehen. Dies bedeutet aber gleichzeitig, dass er eine vielfache Sicht auf dasselbe Phänomen erhält. Kennzeichen der Kooperation ist aber nicht nur der Erhalt von Nutzen, sondern auch die Abgabe, die zu einer Nutzenerhöhung des anderen Individuums führt (Verzicht). Der Mensch als sozial interagierendes Wesen muss diese Kooperation erst erlernen und verstehen, dass der Nutzen den Verzicht bei der Kooperation überwiegt.

Der im Stirnbereich gelegene orbitofrontale Kortex, steuert die Bewertung von Informationen im Gehirn. Übt der Körper Bewegungen aus, erlebt er Erinnerungen oder agiert er in einer unbekannten Situationen, gleicht der orbitofrontale Kortex diese Ereignisse mit gespeicherten Bewertungen ab und ordnet diese Ereignisse entsprechend ein. Daraus entstehen im Gehirn „stabile Repräsentationen von Bewertungen“ (Spitzer 2002), die dem Menschen erst eine Orientierung in der massenhaften Informationsflut (Input) eines Zeitraumes ermöglichen. Die Wertungsinformationen werden aber nicht isoliert gespeichert, sondern sind mit dem dopaminergen Belohnungssystem gekoppelt. Dadurch wird es dem Mensch möglich Informationen nach gut und schlecht, angenehm und unangenehm, etc. einzustufen.

Je mehr Wertungsinformationen vorhanden sind, desto schneller kann eine übergeordnete Einstufung in ein Wertesystem erfolgen, die Handlungen und emotionale Bindungen zu erlebtem verstärken. Lernen im Kontext der Schule bedeutet, aus dieser neurobiologischen Sicht heraus, nicht einzelne Fakten zum Lernen zu präsentieren, sondern Fähigkeiten und Fertigkeit zu vermitteln, die einen Umgang mit Einzelfakten ermöglichen. Daher besteht ein Lernerfolg, wenn Wissen beispielhaft und repetitiv zur Verfügung gestellt wird und der Schüler daraus automatisch, zudem eigenständig, dieses Wissen in ein allgemeines Regelwerk überträgt. Konsequenz dieser Erkenntnis ist, dass Schüler qualitativ ein hohes Maß an unbewusstem Lernzuwachs brauchen, das beispielhaft und problemorientiert erreicht werden kann. Der schulische Lernerfolg lässt sich daher weniger in einem quantitativen Faktenwissen messen. Um den Lernerfolg möglichst hoch ausfallen zu lassen, sollte die Motivation des Schülers, die emotionale Bindung an den Lehrinhalt und die Reduktion von Stressfaktoren im Lernarrangement nicht vergessen werden. Der außerschulische Lernort Zoo bietet aus neurodidaktischer Sicht einige Vorzüge, um diesen im Schulalltag einzusetzen.

Vielen Schülern ist der Zoo aus der Freizeitgestaltung bekannt und mit positiven Emotionen belegt. Er bietet ein Neues im Schulalltag und gibt Raum kooperativ in einer Umgebung zu lernen, die in ihrer Ausgestaltung einen hohen Freizeitwert hat und daher der Stressreduktion dient. Ebenso haben Tiere ähnliche positive Eigenschaften, insbesondere in der Kenntnis der Schüler, dass auch gefährliche oder unattraktive Tiere in sicherer Entfernung zu beobachten sind. Der zeitliche Aspekt und der Schweregrad von Aufgaben oder praktischen Tätigkeiten sollten nicht zu eng gesteckt sein. Wenn man aus der neurobiologischen Sicht zusammenfassend festhält, dass ein hoher Lernerfolg dann einsetzt, wenn Schüler handeln, ist dieses Konzept im Zoo sehr gut zu verwirklichen. Die von den Schülern neu gewonnenen Erkenntnisse im außerschulischen Lernort lassen sich im nachfolgenden Unterricht, der der Vertiefung dienen sollte, gut anwenden.

1.2. Außerschulische Lernorte

1.2.1. Allgemeines Verständnis

Der Begriff des außerschulischen Lernortes setzt sich aus verschiedenen einzelnen Wörtern zusammen, die in sich verschiedene Definitionen beherbergen. Zum einen impliziert der Begriff das Wort Lernort und zum anderen das Wort Schule sowie das Wort außerhalb.

Die Schule ist eine Einrichtung, die dem Zweck des Unterrichts dient. Unter dem Begriff Unterricht ist eine systematische Organisation von geplanten Lernprozessen zu verstehen, die auf eine bestimmte Lerngruppe ausgerichtet ist. Die zu einer Lerngruppe zusammengefassten Personen werden Schüler genannt, die von einer Lehrperson, dem Lehrer unterrichtet werden. In modernen Staaten stehen öffentliche und private Schulen in der Regel mindestens unter staatlicher Aufsicht und haben den Zweck den Schülern eine allgemeine Grundbildung, die an die gesellschaftlichen Erfordernisse adaptiert sind, zu vermitteln. Hiervon sind Spezialschulen, die entsprechende Spezialqualifikationen vermitteln (Fahrschulen, Musikschulen,...), abzugrenzen. Der Unterricht in Schulen wird in speziellen Räumen, die meist in spezifischen Gebäuden untergebracht sind, durchgeführt. Die Schule hat für die Schüler edukative (Unterricht und Erziehung richten sich auf die individuelle kognitive Entwicklung aus), kompensatorische (Lern- und Sozialisationsdefizite werden individuell zu mindern versucht) und präventive Funktion (die dem Individuum ein sozialverträgliches Verhalten ermöglicht). Damit wird deutlich, dass die Aufgaben des Unterrichts über die reine fachliche Unterweisung hinausgehen (Lenzen 2005).

Nach den Beschlüssen des Deutschen Bildungsrates von 1974 fallen unter den Begriff des Lernortes neben allgemein bildenden Schulen der Arbeitsplatz (Betrieb), die Berufsschule, die Lehrwerkstatt und das Studio. Diskutiert wird, ob es sich hierbei um primäre Lernorte handelt, die neben sekundären Lernorten existieren, wie z.B. das Sportzentrum oder Jugendwohnheime, etc.

Im Kontext der allgemein bildenden Schulen, zurückgehend auf die Reformpädagogik, wird mit Lernorten in der Regel der außerschulische Lernort gleichgesetzt. Dabei handelt es sich um Orte, die nicht zum Lernzweck eingerichtet sind, aber für eben diesen Zweck, durch Exkursionen oder Projekte, genutzt werden, wie z.B. das Einkaufszentrum, Betriebe etc. Von außerschulischen Lernorten werden Lernstandorte bzw. Lernzentren unterschieden, „die unter didaktisch–methodischen Gesichtspunkten adressatengerecht für aktive Erkundungs- und Lernprozesse eingerichtet werden und auf Dauer zur Verfügung stehen“ (Böhm 2001). Museen, Naturparks, ökologische Stationen und viele andere können hier als Beispiele genannt werden. Für die sinnvolle Nutzung des außerschulischen Lernortes sind die Techniken des Protokollierens, Beobachtens, Dokumentierens (Foto, Zeichnung) und Interviews wichtig. Für den modernen Unterricht gewinnt der außerschulische Lernort zunehmend an Bedeutung (Böhm 2001).

In diesem Verständnis ist der Zoo dann ein außerschulischer Lernort, wenn von dem vorhandenen pädagogischen Angebot kein Gebrauch gemacht wird, sondern der didaktische Rahmen von dem Lehrer und den Schülern geleistet wird. Der außerschulische Unterricht bezieht sich daher im Kontext dieser Arbeit nicht auf einen Unterrichtsprozess, der unabhängig von der Institution Schule verläuft, sondern sich auf eine räumliche Distanz zum Schulgebäude bzw. zum Klassenzimmer bezieht.

1.2.2. Didaktische Ziele und Möglichkeiten außerschulischer Lernorte

Die Wurzeln der Einbindung von Erfahrungsorten, die außerhalb des Klassenzimmers liegen, sind in der Reformpädagogik zu suchen. Das Motiv, das den Überlegungen zu Grunde liegt, ist die Förderung der Selbstständigkeit in der Wahrnehmung der Umwelt, unter Einbezug aktiver körperlicher und multisensorischer Erfahrungen (hören, sehen, fühlen, riechen). Die Notwendigkeit dazu ergibt sich aus einer veränderten Beziehung von Kindern, Jugendlichen, aber auch Erwachsenen, zu ihrer Umwelt. Im Zuge der fortschreitenden Automatisierung, Technisierung und Ökonomisierung von Arbeits- und Schulprozessen, erlebt der Mensch seine Umwelt zunehmend durch künstlich gestaltete Medienräume. Dieser Trend, der in seiner Aktualität an Schärfe gewinnt, entfremdet den Menschen progressiv von natürlichen Realitäten. Dabei soll die Medialisierung nicht als durchweg negativ verstanden werden. Allerdings ist eine einseitige und übermäßige Nutzung mit der Gefahr verbunden, dass insbesondere Kinder und Jugendliche sich in ihren Vorstellungen und Erfahrungen zu stark von idealisierten und verzerrten Realitätsvorstellungen leiten lassen. Die verstärkte Einbindung von außerschulischen Lernorten in den alltäglichen und zunehmend medialisierten Schulunterricht soll diese Kluft mindern. Die Institution Schule wird damit, in ihrer theoretisch und künstlich ausgelegten Lernwelt, wieder zurück in den gesellschaftlichen Erfahrungsraum gebracht. Die Schule öffnet sich damit der realen Welt und ermöglicht ein lebensweltbezogenes Lernen, das den Schülern „im Kontext der Sache als wichtig und bedeutsam erscheint“ (Killermann et al. 2005). Das Aufsuchen von außerschulischen Lernorten, eventuell in Kombination mit einem fächerübergreifenden Lernziel, dient der Annäherung an komplexe Wirklichkeiten (Burk und Claussen 1994).

Zwei Aspekte sollen klar herausgestellt werden: Der außerschulische Lernort ist nicht per se lernförderlich und die Schule als Lernort nicht per se abträglich. Die Schule leistet ein systematisches und strukturiertes Lernen, das die zentralen und wichtigen Aspekte von notwendigen Erfahrungen fokussiert, die für eine eigenständige Lebensführung notwendig sind. Der außerschulische Lernort ist in der Regel dem Klassenraum hinsichtlich der räumlichen und zeitlichen Reglementierungen überlegen. Darüber hinaus wird dem Lernenden oftmals ermöglicht, biologische Phänomen und Lebewesen im Original zu begegnen, das neben den fachlichen Informationen „ein lebendiges Bewusstsein für den Wert der Natur“ (Eschenhagen et al. 2006) hervorrufen kann. Die meist offenen und kooperativen Sozialformen, die sich für den Besuch eines Lernortes anbieten, können nicht nur das Gemeinschaftsgefühl stärken, welches sich auf den weiteren Unterricht im Klassenraum positiv auswirken kann, sondern ermöglicht auch den Schülern, entsprechend ihrer individuellen Fähigkeiten und Interessen zu handeln. Werden zur Durchführung der Exkursion Experten hinzugezogen, wird der Lehrer auch zum Lernenden, das den eigenen Horizont ebenfalls positiv erweitern kann.

In Abhängigkeit von Alterstufe, Thema und Lernziel kann die Nutzung eines außerschulischen Lernortes zu Beginn, innerhalb oder zum Ende einer Unterrichtsreihe erfolgen. Entscheidender Punkt ist die Verzahnung und Strukturierung der Lerngegenstände in der Unterrichtsreihe innerhalb und außerhalb der Schule, so dass sich Lernaktivitäten ergänzen und begünstigen (Wissen, das aus direkten Erfahrungen resultiert, prägt sich stärker ein als Wissen, das aus sekundären Erfahrungen, die medial oder verbal vermittelt werden, stammt. Siehe dazu: Abschnitt 1.1.2). Dies fordert planerische und organisatorische Vorarbeiten. Der Einbezug des außerschulischen Lernortes in den Schulalltag empfiehlt sich nach einer Gliederung in drei Schritten. Zuerst sollten die Schüler auf den Besuch eines außerschulischen Lernortes vorbereitet werden. Den Schülern sollte deutlich sein, worauf sie ihre Aufmerksamkeit richten sollen, in welchem thematischen und zeitlichen Rahmen sie sich bewegen. Sind den Schülern die gemeinsame Fragestellung und die Handlungsziele (beobachten, sammeln, ordnen, suchen, fragen, neue Arbeitstechniken und Geräte...) sowie die Verhaltensregeln (Sicherheit, Freizeit, Gruppenbildung, Besonderheiten des Ortes,...) klar, folgt im nächsten Schritt die Durchführung und die praktische Auseinandersetzung mit dem Lernort. Nachstehend folgt eine Aufarbeitung der Erlebnisse und Vertiefung des Lerngegenstandes. Hierbei sollte darauf geachtet werden, dass die Schüler das Erlebte in vielen Variationen in neue Beziehungen zum Thema setzen können und dadurch weiterführende Zusammenhänge erkennen. Ob diese Vertiefung mittels Unterrichtsgesprächen, in der Erstellung von Wandzeitungen, zeichnerisch oder Ähnlichem erfolgt, ist abhängig vom Thema, dem Lernort, der Alterstufe und der Geübtheit der Schüler (Burk und Claussen 1994).

Die Fülle an Lernorten und deren thematische Nutzung ist schier unbegrenzt. Viele Lernorte lassen sich unter einem thematisch anderen Aspekt immer wieder neu entdecken. Dennoch sollte ein Lehrer unter didaktischen Aspekten abwägen, in welchem Verhältnis der zu betreibende Aufwand und der zu erwartende Nutzen stehen. So kommen z.B. der Zoo, Botanische Gärten, Museen, der Schulgarten, der Wald, die Wiese, der Bach, verschiedene Arbeitsplätze (Metzgereien, Bäckereien, Großbetriebe, Kläranlagen, Forstamt...) als Lernorte ebenso in Frage wie bauliche Neuerungen, Straßenführungen (z.B. Umgehungstrassen, Autobahnen,...), Denkmäler, Ruinen, andere Bildungseinrichtungen (Universitäten, Umweltzentren Öko-Stationen, Freilandlabore...) oder die Fußgängerzone. Liegen die Orte in Schulnähe und sind leicht erreichbar, lassen sie sich umso leichter und schneller in den Schulalltag integrieren. Insofern die Möglichkeit besteht, bieten sich längerfristige Kooperationen und Kontaktpflege mit außerschulischen Lernorten und Experten, mit denen solche Orte zusätzlich zugänglich werden, an. Dies gestattet zudem die Möglichkeit aus fehlgeschlagenen Exkursionen zu lernen, diese neu zu arrangieren und damit zu verbessern. Darüber hinaus lassen sich außerschulische Lernorte auch längerfristig nutzen, z.B.: können in nahe gelegen Biotopen regelmäßig Messungen oder Beobachtungen durchgeführt werden, die zu einem langfristigen Ergebnis führen können. Ebenso ist die Anlage bzw. Nutzung von Lehrpfaden (Baumlehrpfad, Vogellehrpfad, Weinlehrpfad, Stadtlehrpfad...) eine weitere Möglichkeit außerschulische Räume zu nutzen.

Außerschulische Lernorte müssen im Kontext des Biologieunterrichtes nachfolgende Ansprüche erfüllen: Für das Thema muss der Lernort repräsentativ und exemplarisch sein. Des Weiteren sollte die Möglichkeit des selbständigen Erwerbs von Kenntnissen und Fertigkeiten transparent bestehen. Der organisatorische Aufwand sollte so gering wie möglich gehalten werden. Die Schüler sollten zu eigenständigen Beobachtungen, Untersuchungen, Erkundungen und Nachdenken stimuliert werden (Killermann et al. 2005).

Zusammenfassend ist festzustellen, dass erst die didaktische Planung und die entsprechende Durchführung ein Exkursionsziel zum Lernort und nicht zum Ausflugziel werden lässt (Eschenhagen et al. 2006).

1.2.3. Der außerschulische Lernort im Schulalltag

Die Durchführung einer Exkursion an einen außerschulischen Lernort kann, je nach Dauer und Ausmaß, einen deutlichen Eingriff in den Schulalltag bedeuten. Allerdings wird die Durchführung von Exkursionen im rheinland – pfälzischen Lehrplan auch gefordert. Kann die Exkursion an einem Ort durchgeführt werden, der in unmittelbarer Nähe zur Schule liegt und innerhalb einer Fachstunde oder Fachdoppelstunde durchgeführt werden kann, wird dies für den innerbetrieblichen Unterrichtsablauf kaum merklich sein. Geht die Planung aber so weit, dass eine Klasse den ganzen Tag oder mehrere Tage nicht in der Schule ist, bedeutet dies einen deutlichen Zuwachs an organisatorischen Vorleistungen und wird auch für den alltäglichen Schulablauf deutliche Folgen haben. Jede Exkursion muss bei der Schulleitung angemeldet und genehmigt sein. Diesbezüglich sollten Fristen gewahrt werden, die sich auf den Voranmeldezeitraum und die zu erwartende Bestätigung beziehen. Neben rechtlichen Überlegungen sind in diesem Zusammenhang auch organisatorischen Gründe zwingend. Falls es zu unerwarteten Ereignissen kommt, sollte die Schulleitung darüber informiert sein, wo sich eine Klasse mit dem zugehörigen Lehrer befindet und wie eine Kontaktaufnahme zu dem Lehrer oder zu den Schülern möglich ist. Während der Planungsphase muss koordiniert werden, wie der Unterrichtsausfall durch das Fehlen eines oder mehrerer Lehrer in anderen Klassen kompensiert werden kann. Zudem muss darauf geachtet werden, dass der Exkursionstermin nicht auf Klassenarbeitstermine oder sonstige schulische Verpflichtungen der Klasse (Sportfest, schulische Veranstaltungen, Klassenfahrten, besondere Unterrichtsangebote wie Bewerbungstraining, Methodentrainingstage, etc.) fällt. Neben der Absprache mit der Schulleitung ist an die Organisation von Verkehrsmitteln bzw. an andere Anreisemodalitäten zu denken und die Information der Eltern unerlässlich. Dies kann im Rahmen eines Elternbriefes erfolgen, in dem Exkursionsziel, Kosten und sonstige Informationen vermerkt sind, oder im Rahmen eines informierenden Elternabends bzw. einer Kombination aus beidem. Der Vorteil eines Infoabends besteht darin, die Eltern nicht nur persönlich vom Inhalt und Ziel der Exkursion zu begeistern, sondern auch wichtige organisatorische Absprachen zu treffen. Hier könnten z.B. weitere Begleitpersonen (neben Lehrkräften) gefunden werden, die Eltern könnten auf die notwendigen mitzuführenden Arbeitsmaterialien (Stifte, Block, Klemmbretter, Fotoapparat, Fernglas, Werkzeug,
Sammelbehältnisse...) und die Ausrüstung (Kleidung, Schuhwerk, Verpflegung, Medikamente, Taschen/Rucksäcke...) aufmerksam gemacht werden, die Kostenfrage kann geklärt werden und es besteht die Möglichkeit sich auf ein einheitliches Taschengeld zu einigen, das den eventuellen Neid innerhalb der Klasse vermeidet. Des Weiteren können Eltern den Lehrer nochmals an potentielle Erkrankungen oder Allergien einzelner Schüler erinnern. Zusätzlich kann der Lehrer über eine eventuelle Unterkunft informieren. Um den reibungslosen Ablauf der Exkursion zu gewährleisten, kann der Lehrer die Eltern über disziplinarische Regeln und Maßnahmen informieren, mit der Absicht, dass sich die Eltern vor der Exkursion auch mit ihren Kindern darüber unterhalten und verständigen. Bei längeren Exkursionen ist es sinnvoll, dass Eltern und Lehrer Kontaktadressen austauschen, um in unvorhergesehenen Fällen Absprachen treffen zu können. In jedem Fall muss das Einverständnis der Eltern dokumentiert sein. Die enge Kontaktaufnahme mit den Eltern ist für das Gelingen solcher Vorhaben in jedem Fall vorteilhaft, da die Eltern sich mit den Kindern gut informiert über solche Veranstaltungen austauschen und besprechen können. Um alle organisatorischen Notwendigkeiten im Blick zu behalten, bietet sich für den Schulalltag eine Checkliste an, an der man praktisch abarbeiten kann, was erledigt wurde und welche Aspekte noch ausstehen.

Checkliste:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Checkliste außerschulischer Lernort

Für den Lehrer ergeben sich weitere spezifische Fragen, z.B.: Wie lange muss eine Exkursion vorgeplant sein? Nimmt man bspw. das pädagogische Angebot eines Zoos, eines Museums oder einer ökologischen Station wahr, muss sich der Lehrer nicht nur über den Inhalt informieren, sondern auch mit einbeziehen, wann dort freie Termine zu haben sind bzw. wie weit im Voraus Anmeldungen notwendig sind. Dies hat maßgeblichen Einfluss auf die Unterrichtsgestaltung. Sind die Voranmeldungszeiten lang, muss der Lehrer gewährleisten, dass das bezügliche Thema auch dann behandelt wird. Jahreszeitliche Besonderheiten, Öffnungszeiten bzw. die Zugänglichkeit des Lernortes (z.B. Besuch des Waldes oder Felder, während Jagdsaison und/oder Erntezeiten) und aktuelle Besonderheiten fallen ebenso in die Vorüberlegungen. In diesem Rahmen sei an die Problematik der Vogelgrippe erinnert, die eine Zooexkursion mit dem Thema Vögel auch scheitern lassen kann.

Die oben angeführten Informationen sollten nicht nur den Eltern zugänglich sein, sondern auch den Schülern. Hier steht die Vermittlung des Sinnes und des Zweckes ebenso im Vordergrund wie organisatorische Besonderheiten. Den Schülern sollte vor der Exkursion klar sein, dass Schule und Lernen auch hier im Zentrum stehen und weniger die freizeitliche Aktivität.

Die Unterrichtsdurchführung an außerschulischen Lernorten bedarf einer gründlichen Vorüberlegung. Ebenso sollten die Vor- und Nachteile, den der Lernort aufweist, in Abhängigkeit von dem nötigen organisatorischen Aufwand und dem Eingriff in den Schulalltag, abgewägt werden, insbesondere wenn man mit einbezieht, das die empirischen Forschungsbelege für die Lernwirksamkeit nicht eindeutig positiv sind (Eschenhagen et al. 2006). Gerade bei Tagesexkursionen bietet es sich gelegentlich an Wandertage oder Schulfahrten zu nutzen. Somit bedeutet die Durchführung von Exkursionen an außerschulische Lernorte im Schulalltag einen hohen Aufwand an Vorplanungen, aber der Nutzen bei einer erfolgreichen Durchführung ist ebenfalls hoch. Der Nutzen ist, neben der Vermittlung von Fachwissen und Fachkenntnissen, in einer Stärkung der Klassengemeinschaft und der Schüler–Lehrer–Beziehung zu suchen. Ebenso werden den Schülern Inhalte und Erfahrungen zuteil, die im Klassenzimmer nicht zu generieren sind. Daher wird sich die Nutzung außerschulischer Lernorte im weiteren schulalltäglichen Unterrichtsgeschehen nachhaltig positiv auswirken.

1.3. Der Zoo als außerschulischer Lernort

1.3.1. Zoologische Gärten

Zoos, Tiergärten oder zoologische Gärten unterliegen keinem geschützten Namen oder einer engen und einheitlichen Definition. Diese Einrichtungen werden in der Regel erklärt als „öffentliche, meist wissenschaftlich geleitete und veterinärmedizinisch betreute Einrichtung zur Haltung einheimischer und fremdländischer (exotischer) Tiere in Freigehegen, Käfigen oder Gebäuden [...], die oft in großzügig gestalteten gärtnerischen Anlagen eingefügt sind“ (Brechner 2002). Der Verband der deutschsprachigen Zoopädagogen (VDZ) sieht die Aufgaben moderner Zoos in Freizeit und Erholung, Forschung und Wissenschaft, Arten- und Populationsschutz sowie Bildung und Erziehung. Die überwiegende Zahl der Zoos in Deutschland ist in dem seit 1887 gegründeten Verband Deutscher Zoodirektoren zusammengeschlossen. Allerdings gehören dem Verband auch zoologische Einrichtungen aus Dänemark, der Schweiz, Frankreich und Österreichs an. An den Zoobetrieb stellt der Verband folgende Ansprüche:

- Die geltenden Gesetze und Vorschriften werden eingehalten. Die Sicherheit der Besucher und des Personals ist stets zu gewährleisten.
- Es werden nur Tiere gehalten, denen unter Berücksichtigung ihres Verhaltens, ihrer Sozialstruktur, ihrer räumlichen und klimatischen Ansprüche, ihrer Ernährung sowie der notwendigen Hygiene und medizinischen Versorgung artgerechte Lebensmöglichkeiten geschaffen werden können.
- Die Betreuung der Tiere erfolgt durch gut ausgebildetes Fachpersonal. Der Wissensstand des Personals wird durch Fortbildung auf dem neuesten Stand gehalten.
- Unter den Zoos findet ein umfangreicher Erfahrungsaustausch statt. Regelmäßig veröffentlichte Jahresberichte geben Aufschluss über die Arbeit (www.zoodirektoren.de).

Der Zoo übernimmt darüber hinaus für den Natur- und Artenschutz, in der Durchführung von internationalen Zuchtprogrammen und dessen Dokumentation in Zuchtbüchern, in Verbindung mit Auswilderungsbestrebungen, maßgebliche Verantwortung.

1.3.2. Zoopädagogik

1.3.2.1. Allgemeines Verständnis

Basierend auf der Aufgabe der zoologischen Gärten zur Bildung und Erziehung legitimieren die Zoos die Einrichtung und den Betrieb eigener didaktischer Konzepte und organisatorischer Strukturen, die dem Zoo eine Bildungsarbeit für die Öffentlichkeit ermöglichen. Der Begriff der Zoopädagogik differenziert sich in die Wörter Zoo und Pädagogik. Mit dem Wort Zoo wird die zoologische Einrichtung räumlich und institutionell eingegrenzt. Das Wort Pädagogik rechtfertigt sich aus dem deutschsprachigen mehrdeutigen Verständnis, das neben der Theorie erzieherischen Handelns auch die praktische erzieherische Tätigkeit, im Gegensatz zum Verständnis in anderen Ländern, mit einschließt. Die Erziehung richtet sich in ihrer Zielvorstellung, seit der Aufklärung, auf die Bildung mündiger Bürger (Böhm 2001).

Die Zoopädagogik leistet einen wesentlichen Beitrag zur Welt–Zoo– Naturschutzstrategie, die rechtlich auf EG–Richtlinien (Richtlinie über die Haltung von Wildtieren im Zoo, durch den EG–Rat vom 29.03.1999) und den Selbstverpflichtungen der nationalen und internationalen Zooverbände (VDZ, EAZA, IUDZG) beruht. Die artgerechte Haltung von Wildtieren, soll die Besucher für die Fragestellungen des Naturschutzes sensibilisieren. In der Regel erfüllen die zoopädagogischen Abteilungen die Aufgabe der Außenrepräsentation eines Zoos, die Erstellung von Informationsmaterial und die Aufklärungsarbeit im direkten Kontakt mit den Zoobesuchern. Da insbesondere letztgenannter Punkt sehr arbeitsintensiv ist, kann diese Aufgabe nur umfassend in einer eigenen und speziellen zoopädagogischen Abteilung erfolgen. Für eine qualitative Arbeit besteht die personelle Notwenigkeit in mindestens einer Vollzeitstelle für einen Kurator/in, sowie festangestellte oder frei mitarbeitende Lehrer bzw. spezielle geschulte Zoomitarbeiter sowie sonstige Wissensmediatoren. Zumindest an den Kurator wird die Anforderung gestellt, über ein Hochschulstudium der Biologie, der Pädagogik in Kombination mit dem Fach Biologie oder über eine vergleichbare Ausbildung zu verfügen.

Zur Durchführung fachgerechter Unterrichtsgänge, Vorführungen oder internen Fortbildungen bestehen die materiellen Erfordernisse in mindestens einem Schulungsraum, einem Büroraum und einer Sammlung.

1.3.2.2. Entwicklungslinie

Mit der Gründung des ersten bürgerlichen Zoos 1828 in London, setzte ein Umdenken in der Funktion der Tierschau ein. Die reine Ausstellung von exotischen Tieren zur Schaulust und Belustigung, die im 16 Jahrhundert mit fürstlichen Tierhaltungen und den daraus abgeleiteten Menagerien eingeleitet wurde, wandelte sich dahingehend, dass nun, mit der Royal Charter von 1929, „gesellschaftsbezogene Aufgaben und Ziele festgeschrieben“ wurden (Kirchshofer 2001). Im selben Jahr wurde von dem New Yorker Bronx Zoo eine Bildungsabteilung (education department) eingerichtet, die ab den 1960ern zum Vorbild für deutsche Zoos wurde. Im Jahr 1960 wurde durch den Frankfurter Zoo eine erste Schulabteilung eingerichtet, der 1964 der Kölner Zoo und 1965 der Zoo Hannover folgte. Die nationalen und internationalen Initiativen der Zoodirektoren forcierten den Aus- und Aufbau der pädagogischen Abteilungen sowie die Qualitätsverbesserung der Tierhaltung in den Zoos. Im Jahr 1972 wurde in Frankfurt der internationale Verband der Zoopädagogen (IAE) gegründet. Dieser internationale Verband, wurde im Jahr 1995 durch den deutschsprachigen Verband, Verband der deutschsprachigen Zoopädagogen e.V., ergänzt. Die besondere Stellung zoopädagogischer Abteilungen wurde bereits 1990 festgeschrieben. Der Verband deutscher Zoopädagogen nahm, unter Mitarbeit der Arbeitsgruppe Zoopädagogik, die Resolution „Lernort Zoo – seine Bedeutung für Biologie und Umwelterziehung“ in die Satzung des Verbandes auf. Durch diese Selbstverpflichtung wurde nicht nur der qualitative Ausbildungsrahmen für Zoopädagogen festgeschrieben, sondern auch die Kooperation mit Universitäten, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen als Bildungsstätte (Kirchshofer 2001).

1.3.2.3. Ziele, Aufgaben und Methoden der Zoopädagogik für die Schule

Der Zoo hat in der Gesellschaft einen historisch gewachsenen hohen Stellenwert. Dabei ist das Verhältnis zur Tiergartenbiologie nicht unkritisch zu sehen. Der Zoo erfreut sich seit einigen Jahren einer wachsenden Beliebtheit. Dies lässt sich aus der zunehmenden Zahl von Zoodokumentationen im öffentlich–rechtlichen Fernsehen erkennen und an den Zoobesucherzahlen ableiten. Nach Schätzungen haben 94% der Bevölkerung mindestens einmal im Leben einen Zoo besucht (Etzold 2007; siehe auch dazu Abschnitt 4.1.3.).

Der Zoo bietet insbesondere für den Biologieunterricht (oder der Biologie ähnliche Fächer) einige Vorteile. Auf relativ kleinem Raum können viele, unter anderem vom Aussterben bedrohte bzw. teilweise in der freien Natur nicht mehr existente, Tiere lebend beobachtet werden. Diese Tiere stammen aus den verschiedensten Regionen der Erde mit klimatischen und ökologischen Differenzen zum heimischen Lebensraum. Die Zoos achten zudem darauf, dass die botanische Ausstattung der Gehege dem natürlichen Lebensraum möglichst nahe kommt oder entspricht. Nach dem Selbstverständnis des Verbandes Deutscher Zoodirektoren (VDZ), werden in einem Zoo nur „Tiere gehalten, denen unter Berücksichtigung ihres Verhaltens, ihrer Sozialstruktur, ihrer räumlichen und klimatischen Ansprüche, ihrer Ernährung sowie der notwendigen Hygiene und medizinischen Versorgung artgerechte Lebensmöglichkeiten geschaffen werden können (www.zoodirektoren.de).“ Dies bedeutet, dass für Schüler die „unmittelbare, voraussagbare und wiederholte Begegnung mit lebenden“ (Kirchshofer 2001) Tieren unter naturähnlichen Bedingungen, möglich wird. Damit ist es praktikabel, dass Schüler Grund- bzw. vertiefte Kenntnisse über „Formen- und Artenkenntnis, Kenntnis von Bauplänen, Verständnis für Systematik und stammesgeschichtliche Abläufe, Bedeutung von Verhaltensweisen und ökologischen Zwängen erwerben“ (Hollstein 1996). Zudem ermöglicht der Zoo, fachbezogene und –typische Arbeitsweisen zu erlernen und intensiv zu üben, bspw. im Bereich der Verhaltensforschung.

Bei vielen Schülern sind das Wissen und das Verständnis über Tiere durch mediale Einflüsse geprägt und oftmals verzerrt. Daher ist sehr wichtig, dass Schüler Tiere im Original beobachten lernen. Hierbei steht aber nicht nur die Wahrnehmung der objektiven Form im Fokus, sondern das „multisensorische Erleben“ (Hollstein 1996), da Gerüche der Tiere, Lautäußerungen, haptische Eindrücke und das Verhalten der Tiere real erlebt werden können. Der Schüler wird im Zoo daher zu einem aktiven Beobachter und entwickelt zudem ein emotionales Erleben mit positiven Folgen für die Lernprozesse (siehe 1.1.2. Neurobiologische Grundlagen des Lernen).

Über die emotionale Bindung zum Erlebten kann bei den Schülern eine Zunahme des Verantwortungsbewusstseins geweckt werden, das sich positiv auf das Umweltbewusstsein und sogar auf eine aktive Beteiligung im Naturschutz auswirken kann.

Ziel einer Zooexkursion unter zoopädagogischen Gesichtspunkten in der Grundschule, des Sekundarbereiches I und II ist es nicht über das gesamte und verfügbare Artenspektrum eines Zoos zu informieren. Dies wäre eventuell im universitären Bereich oder der Erwachsenenbildung bzw. –fortbildung denkbar. Vielmehr stehen spezifische Aspekte eines übergeordneten Themas im Zentrum, das die Schüler an ausgewählten Beispielen möglichst selbstständig erarbeiten. Auf diese Weise wird nicht nur der knapp verfügbaren Zeit eines Zoobesuches Rechnung getragen, sondern auch eine intensive und detailbezogene Tierbeobachtung trainiert. Durch spezifische Tierbeobachtungen und -vergleiche lassen sich begrenzte Probleme bearbeiten, wie beispielsweise das Individuum und die Sozialstruktur, morphologische Anpassungen und Funktion in der Umwelt, Verhaltensweisen, Einflüsse von Umweltfaktoren, Evolution und vieles mehr. Unter gesellschaftsrelevanten Aspekten lassen sich Themen des Artenschutzes, die artgerechte Haltung, der Zoo als Wirtschaftsunternehmen und anderes zentrieren. Methodisch und didaktisch stehen dabei, das eigenständige und handlungsorientierte (spielerische) Lernen sowie das erlebnisreiche und emotionale Lernen im Vordergrund. Schülern werden selbständige Erfahrungen auf allen Sinnesebenen ermöglicht, die ein nachhaltiges Faktenwissen begünstigen und ebenso fachbezogene Fähigkeiten und Fertigkeiten üben. Unabdingbar dafür ist eine großzügige Zeitbemessung für einzelne Aufgaben. In Abhängigkeit von Konzentrationsfähigkeit, Alter und Thema sollte die intensive Arbeitsphase zwischen 40 und 90 Minuten liegen, mit anschließenden Erholungsphasen. Allerdings ist tendenziell festzustellen, dass Schüler gerade von dem zeitlichen Aspekt schnell überfordert sind. Im Alltag sind viele Schüler an schnelle, imposante visuelle Reize gewöhnt, z.B. durch das Fernsehen. Daher muss konzentriertes und genaues Beobachten erst geübt werden. Ebenso frustrierend ist für die Schüler, dass Tiere sehr lange beobachtet werden müssen, bis es zu „aufregenden“ Bewegungen oder Szenen kommt. In der medialen Welt sind sie es eher gewöhnt, dass solche Szenen aneinandergereiht präsentiert werden. Daher ist die Tierbeobachtung für einige Schüler im ersten Moment eher langweilig. Ein weiterer wichtiger Aspekt, der schon in der Organisationsphase bedacht werden muss, ist die Gruppengröße. Je kleiner die Arbeitsgruppen sind, desto höher ist die Konzentrationsleistung. Gruppen sollten eine Stärke von 10 – 14 Schülern nicht übersteigen. Dies erhöht allerdings die Zahl der betreuenden Personen (Hollstein 1996).

Dennoch bleibt festzuhalten, dass der Klassenraum, der die Natur und die damit verbundenen Zusammenhänge nur theoretisch oder modellhaft aufarbeiten kann, in den genannten Punkten, dem außerschulischen Lernort unterliegt.

1.3.3. Der Zoo Neuwied als Beispiel eines außerschulischen Lernortes

1.3.3.1. Chronik des Zoos Neuwied

Der heutige Privat-Zoo Neuwied entstand aus dem privaten „Tierpark Hubertushof“ (1970). Der Gründer entwickelte aus seiner Hühnerfarm rasch eine sehenswerte Einrichtung, die eine starke Ausrichtung auf die australische Fauna hatte. So wurden neben Schnabeltieren (Ornithorhynchidae) und Dingos (Canis lupus dingo) unter anderem die noch heute zu sehenden Kängurus (Macropodidae) gehalten. Das finanzielle Risiko konnte bei der zunehmenden Größe des Tierparks der Privatmann alleine nicht mehr tragen.

Infolgedessen wurde der Tierpark von einem Tierhändler gepachtet, mit der Idee einen Handelszoo zu errichten. Aufgrund der hohen Fluktuation an Tierarten war eine artgerechte Haltung bis zum Weiterverkauf im Zoo nicht möglich, insbesondere von Großtieren wie Elefanten (Elephantidae), Gorillas (Gorilla) oder Flusspferde (Hippopotamidae), die zwischenzeitlich im Zoo zu sehen waren.

Finanzieller und äußerer Druck von Tierschützern hatten zur Folge, dass der Zoo 1985 durch den 1984 gegründeten Förderverein Zoo Neuwied eV. übernommen wurde. Seit diesem Jahr ist der Förderverein der Träger des Zoo. Dieser finanziert sich in der Hauptsache durch Mitgliedbeiträge, Spenden, Tierverkäufe, durch Eintrittsgelder oder Sonderaktionen, wie die Zootombola. Die Struktur des Fördervereins sieht vor, dass der Oberbürgermeister der Stadt Neuwied 1. Vorsitzender ist, sich aus dem Stadtvorstand der 2. Vorsitzende rekrutiert und die Geschäftsleitung in der Hand eines Mitarbeiters der Stadtverwaltung liegt. Geleitet wird der Zoo durch einen Diplombiologen als Direktor und stellvertretenden Direktoren. Derzeit obliegt die Leitung Herrn Dipl.-Biol. Heinrich Klein und den Stellvertretern Herrn Dieter Rollepatz und Herrn Mirko Thiel. Derzeit sind rund 31 festangestellte Mitarbeiter im Zoo Neuwied beschäftigt. Nach der Übernahme des Zoos durch den Förderverein mussten weit reichende Modernisierungsmaßnahmen für eine zeitgerechte Arthaltung durchgeführt werden, die zudem Zuschauerattraktivität aufweisen. Bis 1995 wurden das Exotarium, das Raubtierhaus, die Vogelvolieren, das Gepardengehege modernisiert sowie eine neue Seehundanlage eingerichtet. Seitdem wird die Attraktivität des Zoos kontinuierlich durch eine erweiterte Artenvielfalt und entsprechende Einrichtung neuer Gehege bzw. deren Modernisierung gesteigert.

Zu den wichtigsten Neuerungen zählen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: Auflistung wichtiger baulicher Neuerungen im Zoo Neuwied ( www.zooneuwied.de ).

Die Zahl der Besucher konnte durch diese Modernisierungsmaßnahmen von 1988 mit ca. 140 000 Besuchern bis 2008 mit ca. 220 000 Besuchern pro Jahr stetig gesteigert werden. Auf ca. 13,5 ha können die Besucher rund 1200 Tiere in 150 Arten beobachten. Neben der Möglichkeit zur Tierbeobachtung bietet der Zoo einen großen Spiel- und Freizeitbereich, der insbesondere von Kindern genutzt wird (www.zooneuwied.de).

1.3.3.2. Zoopädagogik im Zoo Neuwied

Der Zoo Neuwied, der heute unter wissenschaftlicher Leitung geführt wird, versteht sich nicht nur als Erholungsstätte und als Zufluchtsstätte für bedrohte Tierarten, sondern auch als Ort der wissenschaftlichen Forschung und als Bildungseinrichtung. Die Zooschule, als eigene Abteilung des Zoos, steht unter der Leitung des Zoopädagogen und stellvertretenden Zoodirektors Mirko Thiel.

Hauptaufgabe der Zooschule ist die Öffentlichkeitsarbeit sowie die Aufklärungs- und Bildungsarbeit für alle Besucher. Credo ist hier, dass nur derjenige den Gedanken des Tierschutzes verinnerlichen kann, der über die Tiere aufgeklärt ist (THIEL, Mirko pers. Mitt.).

Ab den 1960ern sind zunehmend in allen deutschen Zoos und bedeutenden Tiergärten zoopädagogische Einrichtungen etabliert worden. Der Zoo Neuwied folgte dieser Entwicklung erst relativ spät, ab 1989. Externe Lehrer erarbeiteten didaktisches und methodisches Material, anhand dessen pädagogische Arbeit im Zoo möglich wurde. Ab 1993 konnte durch den Förderverein eine feste zoopädagogische Stelle eingerichtet werden. Im Jahr 1996 folgte dann die infrastrukturelle Modernisierung durch die Errichtung eines Schulungsgebäudes. Generell steht das pädagogische Angebot allen Altersstufen offen. Jedoch liegt der Schwerpunkt der Arbeit im Grundschul- und grundschulangrenzenden Alter (6 – 12 Jahre). Für diese Alterstufe steht die Konzeption unter dem Motto: „Zoo und Zoologie zum Begreifen“. Informationen und Zusammenhänge werden daher nicht nur auditiv, sondern ebenso haptisch und visuell vermittelt. Schüler und Kinder können unter anderem Tiere anfassen oder aber bspw. ein Straußenei oder einen Schildkrötenpanzer untersuchen. Im Fokus des Konzepts steht die Begegnung mit dem biologischen originalen (lebenden) Objekt. Dadurch sollen biologische Zusammenhänge und Fakten nachhaltig verinnerlicht werden, die zu einem Umwelt-und Naturschutzverständnis führen sollen. Intensiviert werden die Lernarrangements durch eine selbstständige, spielerische und handlungsorientierte Konzeption.

Ein Bestandteil der Konzeption sind Führungen für alle Alterstufen, die nach besonderen Bedürfnissen speziell abgestimmt werden können. Dauer einer Führung ist rund eine Zeitstunde. Zusätzlich werden Spezialführungen für Tierpaten oder Abendführungen, außerhalb der normalen Öffnungszeiten, angeboten.

Speziell auf die Bedürfnisse von Schülerinnen und Schülern bis zur achten Jahrgangsstufe sind Fragebögen und der Präparatkasten ausgelegt. Lehrer können entsprechend der Jahrgangsstufe Fragebögen bestellen sowie den Präparatkasten vorbuchen. Dies ermöglicht, dass die Klassen frei bzw. mit ihrer vertrauten Lehrperson den Zoo zeitunabhängig erkunden können. Der Präparatkasten beinhaltet z.B. einen Schildkrötenpanzer, Dromedarwolle etc. Am Gehege der Tiere können dann diese Präparate angefasst oder auch berochen werden. Ein weiteres Angebot bietet der Zooschulunterricht. Lehrer können aus sechs lehramtsbezogenen Unterrichtsthemen wählen. Der Unterricht wird durch Zoopädagogen durchgeführt und dauert ca. 2,5 Stunden. Der direkte Vergleich zwischen den Fähigkeiten eines Menschen und denen der Tiere steht bspw. bei den „zoolympischen Spielen“ im Vordergrund, indem sich Schüler mit den Fähigkeiten der Tiere „messen“, z.B. in der Disziplin Riechen, Laufen etc.

Darstellung der lehrplanbezogenen Unterrichtsthemen der Schulstufe entsprechend:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 3: Lehrplanbezogene Unterrichtsthemen ( www.zooneuwied.de ).

Neben der Zoologie bietet der Zoo Neuwied auch einen botanischen Schwerpunkt. Auf dem Baum- und Naturlehrpfad können sich die Zoobesucher über einheimische und exotische Bäume informieren, die auf dem Zooareal wachsen. Insgesamt sind 70 Baumarten beschildert, die nachhaltige Informationen über Besonderheiten der botanischen Vielfalt liefern. Auf dem Naturlehrpfad befinden sich zudem Lehrtafeln, die auf die ökologischen Interdependenzen der verschiedenen Lebewesen hinweisen. Tiefergehende Informationen werden bei speziellen botanischen Führungen angeboten.

In der Gesamtkonzeption bietet die Neuwieder Zoopädagogik neben Vorträgen, Fragebögen und weiterem Unterrichtsmaterial auch einen praktischen Bezug anhand verschiedener Modelle, über die Merkmale der Tiere, Größendimensionen und Besonderheiten erlebt werden können. Botanische und zoologische Führungen ergänzen das Angebot. Die Zoobesucher, die sich unabhängig von diesen Angeboten durch den Zoo bewegen, können sich an Informations- und Lehrtafeln zur Flora und Fauna informieren.

Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeitsarbeit betreut die Zooschule, neben der Online-Repräsentation, auch die Außendarstellung in den Medien und die Steuerung von Werbekampagnen (www.zooneuwied.de).

1.3.3.3. Artenvielfalt im Zoo Neuwied unter besonderer Berücksichtigung der Vögel

Parallel zu den baulichen Modernisierungen wurde der Artenbestand des Zoos kontinuierlich erweitert. Derzeit befinden sich 1.107 Tiere in 146 Arten im Zoo, davon 105 Wirbellose (Evertebrata) in 4 Arten, 87 Reptilien (Reptilia) in 21 Arten, 396 Säugetiere (Mammalia) in 44 Arten und 519 Vögel (Aves) in 76 Arten (Stand 31.12.2007). Die Tiergruppe der Vögel ist in ihrer Artenvielfalt am stärksten vertreten.

Neben dieser Artenvielfalt ist der Zoo ebenso durch seine Nachzuchtprogramme anerkannt. So gelangen bspw. erfolgreiche Nachzuchten von Geparden (Acinonyx jubatus), Straußen (Struthio camelus) in Naturbrut oder von Berberlöwen (Panthera leo leo), die in freier Natur seit 1946 ausgestorben sind.

Auflistung der im Zoo Neuwied gehaltenen Tierordnungen und die Anzahl der Arten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 4: klassische Systematik / Taxonomie der Artenvielfalt im Zoo Neuwied ( www.zooneuwied.de )

Detaillierte Auflistung aller Vogelarten im Zoo Neuwied und deren Einbezug in dieser Arbeit (grau hinterlegt):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 5: Auflistung der Vogelarten im Zoo Neuwied ( www.zooneuwied.de )

Ende der Leseprobe aus 166 Seiten

Details

Titel
Der außerschulische Lernort Zoo – Eine fachdidaktische Konzeption für die Sekundarstufe 1
Untertitel
Die Anpassung der Vögel an ihren Lebensraum, als kritische Unterrichtseinheit unter neurobiologischen Aspekten
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
166
Katalognummer
V132814
ISBN (eBook)
9783640389568
ISBN (Buch)
9783640389841
Dateigröße
3508 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lernort, Eine, Konzeption, Sekundarstufe, Anpassung, Vögel, Lebensraum, Unterrichtseinheit, Aspekten
Arbeit zitieren
Holger Schmidt (Autor), 2008, Der außerschulische Lernort Zoo – Eine fachdidaktische Konzeption für die Sekundarstufe 1, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132814

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