Es gibt sowohl eine Vielzahl risikoerhöhender Faktoren (Risikofaktoren), als auch risikomildernde Faktoren (Schutzfaktoren), die die Entstehung von Jugendkriminalität beeinflussen können. In der vorliegenden Arbeit werden wesentliche Risiko- und Schutzfaktoren vorgestellt. Zu diesem Zweck wurden die personalen, familiären, sowie peer- und freizeitbezogene Risiko- und Schutzfaktoren untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass diese einen erheblichen Einfluss auf die Delinquenzentwicklung bei Jugendlichen haben können.
Es ist mittlerweile unabdingbar, dass sich verschiedene Institutionen, zu denen unter anderem die Schule, Kinder- und Jugendhilfe und Polizei gehören, der Herausforderung stellen, delinquentes Verhalten bei Jugendlichen zu vermeiden und diesem erfolgreich entgegenzuwirken. Die Zusammenarbeit der Organisationen ist für eine erfolgreiche Kriminalprävention besonders wichtig. Dabei gehören die Kooperation und das Verständnis der jeweiligen Professionen darüber, dass es sich bei delinquentem Verhalten von Jugendlichen in erster Linie um ubiquitäres, episodenhaftes und peergruppen bezogenes Verhalten handelt, zu den wichtigsten Aspekten für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Das Bewusstsein darüber, dass es mehrere Einflussfaktoren gibt, die delinquentes Verhalten fördern können, ist ebenfalls fundamental.
Inhaltsverzeichnis
1 Zusammenfassung
2 Einleitung
3 Begrifflichkeiten
3.1 Jugend
3.2 Kriminalität
3.3 Devianz
3.4 Delinquenz
4 Einflussfaktoren auf Jugendkriminalität
4.1 Risikofaktoren
4.1.1 Personale Risikofaktoren
4.1.2 Familiäre Risikofaktoren
4.1.3 Peer- und Freizeitbezogene Risikofaktoren
4.2 Schutzfaktoren
4.2.2 Personale Schutzfaktoren
4.2.3 Familiäre Schutzfaktoren
4.2.4 Peer- und Freizeitbezogene Schutzfaktoren
5 Soziale Arbeit und Kriminalprävention
5.1 Kriminalprävention als interdisziplinäres Arbeitsfeld
5.2 Kriminalpräventive Maßnahmen der Sozialen Arbeit
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die komplexen Einflussfaktoren auf delinquentes Verhalten bei Jugendlichen – spezifisch die Wechselwirkung zwischen risikoerhöhenden und schutzmildernden Faktoren – und analysiert in diesem Kontext die Rolle und die Möglichkeiten der Kriminalprävention durch die Soziale Arbeit.
- Analyse personaler, familiärer sowie peer- und freizeitbezogener Risikofaktoren.
- Untersuchung von Schutzfaktoren als resilienzfördernde Elemente.
- Klärung der Begriffe Jugend, Kriminalität, Devianz und Delinquenz.
- Diskussion der interdisziplinären Zusammenarbeit von Polizei und Sozialer Arbeit.
- Vorstellung kriminalpräventiver Strategien und Maßnahmen in der pädagogischen Praxis.
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Personale Risikofaktoren
Ein ausschlaggebender Risikofaktor, der möglicherweise delinquentes Verhalten hervorbringen kann, ist die genetische Sensibilität. Darunter ist zu verstehen, dass eine genetisch bedingte emotionale Empfindsamkeit mit höherer Wahrscheinlichkeit zu delinquentem Verhalten führt (Baker, Tuvland & Raine, 2010). Dabei ist zu berücksichtigen, dass diese persönlichen Merkmale nicht direkt zu delinquentem Verhalten führen, sondern das Verhalten der Jugendlichen einfacher beeinflussen können. Ein weiterer Faktor ist die Selbstkontrolle, die bei delinquenten Jugendlichen weniger ausgeprägt ist (Connolly & Beaver, 2014). Zudem können bereits in der Schwangerschaft auftretende Komplikationen, wie zum Beispiel eine mangelhafte Sauerstoffversorgung, oder der Konsum von schädlichen Substanzen, wie Zigaretten, Alkohol und Drogen, zu Entwicklungsstörungen führen. Des Weiteren ist auch der IQ ausschlaggebend für die Delinquenzentwicklung, da die Betroffenen meist über ein geringes Verständnis und Reflexionsvermögen verfügen (Farrington, 2010). Demnach fällt es ihnen schwer, das eigene Handeln zu reflektieren und sich über die Folgen ihrer Taten bewusst zu werden (Mash & Wolfe, 2010). Relevant sind überdies soziale Kompetenzen, wie Emotionskontrolle, Verlässlichkeit und ein adäquater Umgang mit Kritik. Sind gewisse soziale Fähigkeiten gering ausgeprägt, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sich die Betroffenen delinquenten Peers anschließen und selbst delinquentes Verhalten entwickeln. Hinzu kommt, dass sich Jugendliche mit gering ausgeprägten sozialen Kompetenzen in ihrem Umfeld unbeliebt machen und somit auf Ablehnung stoßen können. Dadurch konsolidieren möglicherweise delinquente Verhaltensweisen.
Zusammenfassung der Kapitel
Zusammenfassung: Bietet einen Überblick über die zentralen Erkenntnisse der Arbeit bezüglich der Risiko- und Schutzfaktoren sowie deren Relevanz für eine erfolgreiche Kriminalprävention.
Einleitung: Führt in das ubiquitäre und transitorische Phänomen der Jugendkriminalität ein und skizziert die Problematik, dass rein sanktionierende Maßnahmen oft wenig Erfolg zeigen.
Begrifflichkeiten: Definiert die theoretischen Grundlagen der Arbeit, insbesondere die Abgrenzung von Jugend, Kriminalität, Devianz und Delinquenz.
Einflussfaktoren auf Jugendkriminalität: Analysiert detailliert die verschiedenen personalen, familiären und sozialen Faktoren, die delinquentes Verhalten begünstigen oder durch protektive Wirkung abmildern können.
Soziale Arbeit und Kriminalprävention: Beleuchtet das interdisziplinäre Feld der Prävention und die notwendige, wenngleich oft komplexe Kooperation zwischen Polizei und Sozialer Arbeit.
Fazit: Führt die Analyseergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer kontinuierlich angepassten, an den Schutzfaktoren orientierten pädagogischen Arbeit mit Jugendlichen.
Schlüsselwörter
Jugendkriminalität, Risikofaktoren, Schutzfaktoren, Soziale Arbeit, Kriminalprävention, Delinquenz, Devianz, interdisziplinäre Zusammenarbeit, Sozialisation, Selbstkontrolle, Peer-Groups, Erziehungsmaßnahmen, Jugendhilfe, Präventionsstrategien, Rückfallprävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung von delinquentem Verhalten bei Jugendlichen, den zugrunde liegenden Risiko- und Schutzfaktoren sowie der Rolle der Sozialen Arbeit bei der Prävention.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit thematisiert die psychologischen und sozialen Faktoren der Jugendkriminalität, die Bedeutung des familiären und sozialen Umfelds sowie die Strukturen der Kriminalprävention durch Institutionen wie die Polizei und die Jugendhilfe.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen umfassenden Einblick in die Thematik zu geben und aufzuzeigen, welche Aspekte im professionellen Umgang mit delinquenten Jugendlichen besonders beachtet werden sollten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung aktueller kriminologischer Erkenntnisse sowie sozialpädagogischer Fachliteratur, um die Wirkungsweisen von Risiken und Resilienzfaktoren darzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsklärung, eine detaillierte Analyse der Risiko- und Schutzfaktoren (personal, familiär, sozial) sowie die Erörterung der Kooperation und Interventionsmöglichkeiten zwischen Polizei und Sozialer Arbeit.
Wodurch zeichnet sich die Arbeit aus?
Die Arbeit zeichnet sich durch eine klare Strukturierung der Ursachenforschung und eine praxisorientierte Perspektive auf die Grenzen und Möglichkeiten interdisziplinärer Präventionsarbeit aus.
Wie unterscheidet sich die Rolle der Polizei von der der Sozialen Arbeit?
Während die Polizei fallorientiert agiert und repressiv nach Straftaten einschreitet, zielt die Jugendhilfe primär auf langfristige Unterstützung, Förderung der Entwicklung und präventives Eingreifen bei Gefährdungslagen.
Was bedeutet der Begriff "Delinquenz" in diesem Zusammenhang?
Delinquenz wird als eine spezifische Form von Devianz definiert, die sich auf Verstöße gegen kodifizierte Rechtsnormen (Gesetze) bezieht, wobei diese bei Jugendlichen häufig episodisch auftritt.
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- Anonym (Author), 2021, Delinquentes Verhalten bei Jugendlichen. Risiko- und Schutzfaktoren und die Rolle der sozialen Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1334620