Der Pflegeberuf wird von der Gesellschaft als wenig attraktiv eingestuft. Vor allem der Altenpflegeberuf stößt auf ein sehr geringes Interesse bei Schüler*innen. Die demografischen Veränderungen, der Mangel an Nachwuchs sowie die Abwanderungen der Pflege in andere Berufe führten ebenfalls zum spürbaren Pflegemangel in Deutschland. Die Aufwertung des Pflegeberufs sowie die Gewinnung der jungen Generation für den Pflegeberuf stellt die Politik sowie die Gesundheitseinrichtungen vor große Herausforderungen. Die aktuellen gesundheitspolitischen Entwicklungen in der Pflege, sowie die Gestaltung von Arbeitsbedingungen, insbesondere der unterschiedlichen Arbeitszeitmodellen werden in der vorliegenden Arbeit anhand der Literaturrecherche zusammengefasst. Zudem werden Aspekte der aktuellen Arbeitszeitmodellen im ambulanten und vor allem im stationären Pflegesektor diskutiert. Wesentliche Entwicklungen bei den Pflegeberufen der letzten Jahre (Demografie, Beschäftigungsgrad, Geschlechterverteilung, Voll- und Teilzeittätigkeiten) werden anhand der aktuellen statischen Daten vorgestellt und analysiert. Darüber hinaus sind bundespolitische Initiativen, neue gesetzliche Rahmenbedingungen zur Gewinnung von in- und ausländischen Pflegekräften, sowie die Maßnahmen zur attraktiven Gestaltung der Pflegetätigkeiten Gegenstand des Artikels. Die Aspekte der Voll- und Teilzeittätigkeit in der Pflege werden aus Sicht der wichtigsten Stakeholder diskutiert. Des Weiteren werden Gestaltungsmöglichkeiten von individuell angepassten Arbeitszeitmodellen als Argument zur Rekrutierung der digital-technologisch sowie Work-Life-Kohärenz orientierten Generationen Y und Z zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Hintergrund
1.2 Aktuelle und künftige Arbeitsmarktsituation des Pflegeberufs
1.3 Beschäftigungsstrukturen in der Pflege
1.4 Ziele und Vorgehen
2 Besonderheiten der Pflegetätigkeiten
2.1 Neue gesetzliche Regelungen zur Aufwertung der Pflege
2.2 Erwartungen der jungen Generation an den Pflegeberuf
3 Personalbedarfsermittlung und Besonderheiten bei Vollzeitbeschäftigung
4 Arbeitszeitmodelle
4.1 Besonderheiten der Schichtdienstmodelle
4.2 Generelle Aspekte der Teilzeittätigkeit
4.3 Arbeitszeitvarianten in Teilzeit
4.3.1 Teilzeit classic
4.3.2 Teilzeit classic vario
4.3.3 Teilzeit invest
4.3.4 Jobsharing
4.3.5 Saisonale Teilzeitmodelle
4.3.6 Gleitzeitvarianten
4.4 Vor- und Nachteile der Arbeitszeitflexibilisierung
4.4.1 Ziele der Arbeitszeitflexibilisierung
4.4.2 Vollzeit
4.4.3 Teilzeit
5 Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert kritisch aktuelle Arbeitszeitmodelle in der Pflege, um vor dem Hintergrund des drohenden Pflegemangels und veränderter Anforderungen der Generationen Y und Z Wege zur Attraktivitätssteigerung des Berufs und langfristigen Mitarbeiterbindung aufzuzeigen.
- Aktuelle Arbeitsmarktsituation und Beschäftigungsstrukturen in der Pflege
- Gesetzliche Rahmenbedingungen und deren Auswirkungen auf die Personalplanung
- Differenzierte Untersuchung von Vollzeit- und verschiedenen Teilzeitmodellen
- Analyse der Vor- und Nachteile aus Sicht der verschiedenen Stakeholder
- Strategien zur mitarbeiterorientierten Dienstplangestaltung
Auszug aus der Arbeit
4.1 Besonderheiten der Schichtdienstmodelle
Traditionell werden die Krankenhausstationen in einem Schichtsystem mit festen Arbeitszeiten (AZ) betrieben. In der stationären Krankenhauspflege sowie in (Alten-) Pflegeeinrichtungen sind die typischen AZ z. B. von 6-14 Uhr im Frühdienst, 14-22 Uhr im Spätdienst und 22-6 Uhr im Nachtdienst. Da innerhalb einer 8-stündigen AZ eine Ruhepause von 30 Min. vorgesehen ist30, kommt es gewöhnlich zu ca. 30 minutigen Überlappungen zwischen den Schichtdiensten, die eine geordnete Übergabe der Stationstätigkeiten ermöglichen. Da die Pausen lt. § 4 ArbZG spätestens nach 6 Stunden AZ genommen werden müssen, erfolgt die Übergabe der Pflegetätigkeiten außerhalb der Pausenzeit.
Da die Pflege an 356 Tagen pro Jahr und rund um die Uhr arbeitet sind mehr als drei Schichten zur vollkontinuierlichen Aufrechterhaltung des Betriebs einer stationären Einrichtung notwendig. Lt. § 3 des ArbZG darf die werktägliche AZ generell acht Stunden nicht überschreiten31, wobei die Werktage insgesamt sechs Tage beinhalten (Montag-bis Samstag).32 Daher darf die wöchentliche AZ einer/-s AN insgesamt 48 Stunden pro Woche nicht überschreiten. Es ist daher offensichtlich, dass bei einer wöchentlichen AZ von 40 Stunden sowie der gesetzlichen Begrenzung der maximalen AZ auf 48 Stunden pro Woche, die Aufrechterhaltung einer rund um die Uhr Patientenversorgung in einem drei-Schichtsystem (entspricht 168 Nettoarbeitsstunden/Woche) nicht gewährleistet werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beleuchtet die aktuelle Wahrnehmung der Pflege, die demografische Entwicklung sowie die resultierende Notwendigkeit, Fachkräfte durch attraktivere Arbeitsbedingungen zu binden.
2 Besonderheiten der Pflegetätigkeiten: Analysiert gesetzliche Regelungen zur Aufwertung der Pflege und die spezifischen Erwartungen der nachrückenden Generationen Y und Z an den Arbeitsplatz.
3 Personalbedarfsermittlung und Besonderheiten bei Vollzeitbeschäftigung: Erläutert die mathematischen Anforderungen an die Dienstplanung zur Sicherstellung der 24/7-Versorgung und notwendige Puffer für Ausfallzeiten.
4 Arbeitszeitmodelle: Diskutiert detailliert verschiedene Schicht- und Teilzeitmodelle, deren Vor- und Nachteile sowie deren Eignung für eine mitarbeiterorientierte Arbeitszeitgestaltung.
5 Schlussbetrachtung und Ausblick: Fasst zusammen, dass eine individuelle und flexible Arbeitszeitgestaltung entscheidend für die langfristige Sicherung der pflegerischen Versorgung ist.
Schlüsselwörter
Pflege, Arbeitszeitmodelle, Dienstplanung, Personalmangel, Teilzeitarbeit, Schichtdienst, Generationswechsel, Work-Life-Balance, Personaleinsatzplanung, Pflegequalität, Gesetzliche Rahmenbedingungen, Mitarbeiterbindung, Arbeitnehmerfreundlichkeit, Demografischer Wandel, Vollzeitbeschäftigung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Analyse von Arbeitszeitmodellen in der pflegerischen Versorgung, insbesondere vor dem Kontext des zunehmenden Fachkräftemangels.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die aktuelle Arbeitsmarktsituation, gesetzliche Regularien, moderne Schichtdienstmodelle sowie verschiedene Teilzeitvarianten wie Jobsharing oder saisonale Modelle.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Lösungsansätze zu identifizieren, wie Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen durch flexible und mitarbeiterorientierte Arbeitszeitgestaltung das Personal langfristig binden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche sowie der Einbeziehung von Expertenwissen und beruflichen Erfahrungen des Autors aus seiner leitenden Tätigkeit im Klinikmanagement.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Basis der Personalbedarfsermittlung, eine detaillierte Differenzierung verschiedener Arbeitszeitmodelle und deren Vor- und Nachteile für Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Patienten.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Wesentliche Begriffe sind Pflege, Arbeitszeitflexibilisierung, Generation Y/Z, Personalerhaltung, Schichtstabilität und Dienstplanoptimierung.
Warum spielt die „Generation Y und Z“ eine besondere Rolle für die Arbeitszeitgestaltung?
Für diese Generationen sind Aspekte wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf (Work-Life-Kohärenz) sowie individuelle Flexibilität bei der Wahl des Arbeitgebers oft wichtiger als rein finanzielle Anreize.
Was ist das Hauptproblem bei der „klassischen“ Vollzeit-Dienstplanung?
Die Vollzeitplanung stößt an Grenzen, da sie oft unflexibler ist, schneller zu Erschöpfung durch hohe Belastung führt und aufgrund der geringeren Mitarbeiterzahl Ausfälle schwerer zu kompensieren sind.
- Arbeit zitieren
- Prof. Dr. med. Dr. h. c. Mathias Strowski (Autor:in), 2021, Kritische Analyse von ausgewählten Arbeitszeitmodellen in der Pflege vor dem Hintergrund eines drohenden Pflegekollaps, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1335653