Ich möchte in diesem Essay Reids’ Kritik an Humes’ emotivistischer Position diskutieren. Dabei kläre ich vor welchem Hintergrund beide ihre Theorien aufstellen und welche mir letztlich mehr zusagt und warum. Ich beziehe mich hierbei auf die Texte des Buches „Texte zur Ethik“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. David Hume und der Empirismus
2.1 Die Bedeutung von Sinneserfahrungen und Gefühlen
2.2 Pragmatik der Sittlichkeit und die Rolle der Vernunft
2.3 Tugend und Menschenliebe als moralische Grundlage
3. Thomas Reids Kritik an der emotivistischen Position
3.1 Schottische Common-Sense-Philosophie
3.2 Moralische Werte und die Notwendigkeit des Verstandes
4. Kritische Reflexion und eigene Positionierung
4.1 Vergleich der Ansätze
4.2 Relativismus und die Grenzen starrer moralischer Werte
5. Fazit und Synthese
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Ziel dieses Essays ist die kritische Auseinandersetzung mit der moralphilosophischen Debatte zwischen David Humes emotivistischem Ansatz und der Kritik durch Thomas Reid, um zu klären, inwieweit Gefühle oder Vernunft als Grundlage menschlichen Handelns dienen.
- Gegenüberstellung von Empirismus und Common-Sense-Philosophie
- Analyse der Rolle von Vernunft und Affekten im moralischen Urteil
- Kritik an der Allgemeingültigkeit starrer moralischer Normen
- Diskussion kultureller Perspektiven auf moralische Werte
- Synthese von Gefühl und Vernunft als ganzheitlicher Ansatz
Auszug aus dem Essay
Die Rolle der Vernunft in Humes Theorie
Er sagt dazu folgendes: „Die Vernunft, da sie kalt und gleichgültig ist, ist kein Motiv zum Handeln und lenkt bloß die von der Begierde oder Neigung erhaltenden Impulse, indem sie uns die Mittel zur Erreichung des Glücks und zur Vermeidung des Unglücks weist.“(S.72).
Darüber hinaus argumentiert er mit der Pragmatik der Sittlichkeit. Die Sittlichkeit sei eine praktische Philosophie, die Einfluss nehme auf die Affekte und Handlungen. Ohne diesen Einfluss auf das Verhalten der Menschen sei die Sittlichkeit mit ihren Gesetzen und Verboten sinnlos. Hume sagt also, dass die Vernunft dem Gefühl des Tadels oder der Missbilligung nur einen Rahmen in Form von Gesetzen gebe. Der Ursprung liege aber weiterhin im Gefühl und ließe sich nicht aus der Vernunft herleiten. Deshalb nicht, weil es ein Gefühl des Tadels sei, welches sich nicht aus dem Gegenstand selbst ergebe. Folglich wird jede Handlung im Kern durch ein Gefühl ausgelöst. Er beweist dies durch das Beispiel mit dem Menschen der seinen Körper trainiert. Die Kausalkette endet mit dem Vermeiden von Schmerz. Genauso verhält es sich mit dem Beispiel wozu der Befragte seine Gesundheit erhalte. Diese Befragung endet damit, dass Geld das Mittel zum Vergnügen sei. Schließlich kann diese Befragung logisch nicht weitergeführt werden. Hume meint dazu: „es kann nicht immer ein Ding y geben, um dessentwillen ein Ding x gewünscht wird: Irgend etwas muß um seiner selbst willen und wegen seiner unmittelbaren Harmonie oder Übereinstimmung mit menschlichem Gefühl und menschlicher Neigung wünschenswert sein“(S.71).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Problemstellung und der Absicht, Humes emotivistische Position kritisch gegenüber Thomas Reids Philosophie zu prüfen.
2. David Hume und der Empirismus: Darstellung von Humes Religionskritik und seiner Auffassung, dass Gefühle die Triebfedern des Handelns sind, während die Vernunft lediglich als Werkzeug dient.
3. Thomas Reids Kritik an der emotivistischen Position: Untersuchung von Reids Ansatz, der den gesunden Menschenverstand betont und moralische Grundsätze als ewig gültige, rationale Tatsachen begreift.
4. Kritische Reflexion und eigene Positionierung: Begründung für die Bevorzugung von Humes Theorie und Kritik an der beschränkten Sichtweise starrer, kulturell spezifischer Moralvorstellungen.
5. Fazit und Synthese: Abschließende Einschätzung, dass sich die Ansätze von Hume und Reid sinnvoll ergänzen lassen, indem moralische Werte zwar gefühlsbasiert entstehen, aber verstandesgemäß umgesetzt werden müssen.
Schlüsselwörter
David Hume, Thomas Reid, Emotivismus, Empirismus, Moralphilosophie, Vernunft, Gefühle, Common-Sense-Philosophie, Ethik, Menschenliebe, Sittlichkeit, moralisches Urteil, Relativismus, Affekttheorie, Wertesystem.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Essay primär?
Der Essay befasst sich mit der philosophischen Debatte zwischen David Humes Emotivismus und Thomas Reids Common-Sense-Philosophie im Kontext ethischer Urteilsbildung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Begründung moralischen Handelns, das Verhältnis von Vernunft zu Emotionen sowie die Frage nach der Allgemeingültigkeit von Moralvorstellungen.
Was ist die Forschungsfrage des Autors?
Die Arbeit untersucht, ob die moralische Grundlage eher in affektiven Empfindungen oder in rationalen Urteilen liegt und welche der beiden Theorien eine überzeugendere Erklärung bietet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor wählt einen vergleichenden, textanalytischen Ansatz unter Bezugnahme auf primäre Quelltexte der Ethik sowie ergänzende philosophische Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil des Essays diskutiert?
Der Hauptteil analysiert detailliert Humes These der Gefühlstriebfeder, Reids Kritik an der angeblichen Willkürlichkeit von Emotionen sowie die praktische Anwendung auf moralische Grenzfälle.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Moral, Vernunft, Gefühl, Empirismus, Relativismus, Ethik und das Spannungsfeld zwischen individueller Empfindung und gesellschaftlicher Norm.
Warum lehnt der Autor die absolute Gültigkeit von Reids „zehn Geboten“ ab?
Der Autor argumentiert, dass diese auf einer spezifischen kulturellen Tradition basieren und nicht als universelle, rationale Grundsätze für alle Völker der Welt gelten können.
Wie integriert der Autor das Beispiel des Richters in seine Argumentation?
Das Beispiel dient dazu zu verdeutlichen, dass Urteile in der Praxis weder rein rational noch rein emotional gefällt werden, sondern ein ganzheitliches Zusammenspiel beider Instanzen erfordern.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor für das Zusammenleben in einer Industriegesellschaft?
Der Autor schlussfolgert, dass das Gefühl der Nächstenliebe zwar als emotionaler Kern notwendig ist, die Komplexität moderner Gesellschaften jedoch verstandesgemäße moralische Wertesysteme erfordert.
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- Alexander Schmieding (Author), 2008, Die emotivistische Position von David Hume , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133594