Der europäische Binnenmarkt verkörpert eine der größten Errungenschaften der Europäischen Union. Neben politischen Motiven wie dem der Friedenssicherung sind es vor allem wirtschaftliche Beweggründe, die die europäische Integration immer wieder vorangetrieben haben.
Der im Jahre 1988 veröffentlichte Cecchini-Bericht, welcher dieser Arbeit als Grundlage dient, gab zum damaligen Zeitpunkt einen ausschlaggebenden Anstoß, die Integration weiter voranzutreiben. Er prognostizierte erhebliche Wachstums- und Beschäftigungseffekte, die ein vollkommen umgesetzter Binnenmarkt zur Folge haben würde. Ob und in welchem Ausmaß diese Effekte seit 1993 Wirklichkeit geworden sind, soll Gegenstand dieser Arbeit sein. Des Weiteren soll ein Bogen gespannt werden zwischen den Aufbruchsjahren, in denen die ersten Schritte in Richtung eines Gemeinsamen Marktes unternommen wurden und der heutigen Situation.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1 Begriffliche Abgrenzungen
2.2 Historische Betrachtung des europäischen Binnenmarktes
2.3 Charakteristika des gemeinsamen Binnenmarktes
2.4 Makroökonomische Größen
3. Ausgangslage: Der Cecchini-Bericht - Die Kosten der europäischen Marktfragmentierung
3.1 Entstehungskontext
3.2 Wirtschaftliche Marktintegration als Ausgangspunkt
3.3 Kernbereiche
3.3.1 Bürokratie und Grenzformalitäten
3.3.2 Protektionismus im öffentlichen Auftragswesen
3.3.3 Liberalisierung der Finanzdienstleistungen
3.3.4 Angebotsseitige Effekte
3.3.5 Abweichende technische Vorschriften und Normen
3.3.6 Barrieren für grenzüberschreitende Unternehmenstätigkeit
4. Makroökonomische Auswirkungen
4.1 Schaffung binnenmarktrelevanter Rahmenbedingungen
4.2 Wachstum und Beschäftigung
4.2.1 Arbeitslosenquote, Beschäftigungsquote und BIP
4.2.2 Europäischer Arbeitsmarkt: Beschäftigungsstrategie, Lohnpolitik und Migration
4.3 Preisniveau
4.3.1 Preisentwicklung und Inflationsrate
4.3.2 Die Rolle der Europäischen Währungsunion
4.3.3 Geldpolitik
4.3.4 Die Eignung der Geldpolitik zur Bekämpfung globaler Schocks
4.4 Entlastung der öffentlichen Haushalte
4.4.1 Haushaltsdefizite
4.4.2 Fiskalpolitik
4.4.3 Steuern: Wirkungen der Binnenmarktmaßnahmen und Handlungsbedarf
4.5 Die Rolle einer koordinierten Makropolitik
4.6 Leistungsbilanz
4.7 Stand der wirtschaftlichen Integration
4.8 Ungenutzte Potenziale: Die Schlüsselrolle des Dienstleistungssektors
4.9 Kritik am Cecchini-Bericht
4.10 Abschlussbetrachtung
5. Entwicklungstendenzen: ein Blick in die Zukunft
5.1 Bestehende und zukünftige Herausforderungen
5.2 Lissabon-Strategie: Fortsetzung des Cecchini-Berichts?
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die makroökonomischen Auswirkungen des europäischen Binnenmarktes seit seiner Implementierung im Jahr 1993, wobei insbesondere die im Cecchini-Bericht prognostizierten Wachstums- und Beschäftigungseffekte evaluiert werden, um Diskrepanzen zwischen Theorie und tatsächlicher wirtschaftlicher Entwicklung sowie bestehende strukturelle Hindernisse aufzudecken.
- Analyse des Cecchini-Berichts und dessen ökonomischer Wirkungsmodelle
- Untersuchung makroökonomischer Auswirkungen wie BIP-Wachstum und Beschäftigungsentwicklung
- Diskussion der Rolle der Europäischen Währungsunion und der koordinierten Makropolitik
- Identifikation von Hindernissen im Dienstleistungssektor und bei der Richtlinienumsetzung
- Betrachtung zukünftiger Herausforderungen im Kontext der Lissabon-Strategie
Auszug aus dem Buch
3.1 Entstehungskontext
Im Folgenden sollen die Motive sowie die Entstehungsgeschichte des Cecchini-Berichts dargestellt werden. Bei der Charakterisierung der prognostizierten Auswirkungen liegt der Fokus auf globalen Tendenzen. Die Darstellung quantitativer Effekte erfolgt im sich anschließenden Kapitel.
Nachdem die politische Entscheidung über das Binnenmarktprogramm auf der Grundlage des Weißbuchs gefallen und die Einheitliche Europäische Akte unterzeichnet worden war, wurde von der Europäischen Kommission ein großes Forschungsprogramm über die „Kosten der Nichtverwirklichung Europas“ gestartet, dessen Ziel eine Illustration der noch bestehenden Marktzersplitterung und eine quantitative Abschätzung der Wirkungen des Binnenmarktprogramms war. Unter der Koordination von Paolo Cecchini wurden über 20 Einzeluntersuchungen durchgeführt, die 1988 abgeschlossen waren und im Cecchini-Bericht zusammengefasst worden sind (Nienhaus 2003a, S. 578). Dieser kurze Bericht hatte die Intention, die Daten einem breiten europäischen Publikum zugänglich zu machen (Hölscher 1992, S. 27). Anfang der neunziger Jahre war die Europadebatte von Optimismus geprägt; ganz im Gegensatz zur ersten Hälfte der achtziger Jahre, als eine pessimistische Stimmung den Euroraum beherrschte. Im Zuge dieses aufkommenden Optimismus sollten nun die Symptome der bereits erwähnten Eurosklerose, nämlich niedrige Wachstumsraten, hohe Arbeitslosigkeit und Konkurrenzängste gegenüber den USA und Japan, überwunden werden (Rode 1992, S. 71). Der von Cecchini verfasste Bericht verfolgte somit auch das Ziel, diesen Stimmungswandel zu unterstützen und die Öffentlichkeit für den erhofften positiven Wandel affin zu machen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung des Binnenmarktes dar und definiert die Zielsetzung der Arbeit, die makroökonomischen Effekte seit 1993 unter Berücksichtigung des Cecchini-Berichts zu untersuchen.
2. Grundlagen: Hier werden die begrifflichen Voraussetzungen, die historische Entwicklung sowie die relevanten makroökonomischen Variablen für die weitere Analyse definiert.
3. Ausgangslage: Der Cecchini-Bericht - Die Kosten der europäischen Marktfragmentierung: Dieses Kapitel erläutert den Entstehungskontext und die theoretischen Modelle des Cecchini-Berichts sowie die identifizierten Kernbereiche der Marktfragmentierung.
4. Makroökonomische Auswirkungen: Dieser Hauptteil analysiert die tatsächlichen Auswirkungen des Binnenmarktes auf Wachstum, Beschäftigung, Preisniveau und Haushalte sowie die Rolle von Währungsunion und Makropolitik.
5. Entwicklungstendenzen: ein Blick in die Zukunft: Das Kapitel diskutiert zukünftige Herausforderungen und evaluiert die Lissabon-Strategie als weiteren wirtschaftspolitischen Rahmen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Diskrepanz zwischen der ursprünglichen Vision des Binnenmarktes und der realwirtschaftlichen Entwicklung.
Schlüsselwörter
Europäischer Binnenmarkt, Cecchini-Bericht, Makroökonomik, Wirtschaftsintegration, BIP-Wachstum, Arbeitslosenquote, Währungsunion, Fiskalpolitik, Preisniveau, Dienstleistungssektor, Lissabon-Strategie, Strukturreformen, Wettbewerbsfähigkeit, Marktzersplitterung, Europäische Kommission.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung der makroökonomischen Auswirkungen des europäischen Binnenmarktes seit der Implementierung des Cecchini-Bericht-Projekts im Jahr 1993.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die wirtschaftliche Integration, das Wachstum von BIP und Beschäftigung, die Rolle der Währungsunion, die Geld- und Fiskalpolitik sowie die Hindernisse im Dienstleistungssektor.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, zu klären, inwieweit die im Cecchini-Bericht prognostizierten positiven Effekte eingetreten sind und welche Faktoren die heutige wirtschaftliche Lage der EU bestimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine ökonomische Integrationsanalyse durchgeführt, die auf makroökonomischen Daten basiert und sowohl statische als auch dynamische Effekte bewertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Auswirkungen in verschiedenen Politikbereichen, von der Marktintegration über die Geldpolitik bis hin zu den Herausforderungen durch die demografische Entwicklung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Binnenmarkt, Cecchini-Bericht, makroökonomische Auswirkungen, Währungsunion und Lissabon-Strategie.
Wie bewertet der Autor die Wirksamkeit des Binnenmarktes bisher?
Der Autor kommt zu einem differenzierten Bild: Während in einigen Bereichen Fortschritte erzielt wurden, blieb das Wirtschaftswachstum insgesamt hinter den Erwartungen zurück, was durch strukturelle Probleme und Defizite in der Umsetzung erklärt wird.
Warum wird die Lissabon-Strategie kritisch betrachtet?
Die Lissabon-Strategie wird kritisch gesehen, da sie nach bisherigen Erkenntnissen nur geringe Erfolge bei den notwendigen Strukturreformen für ein nachhaltiges, langfristiges Wachstum erzielt hat.
- Quote paper
- Christine Müller (Author), 2005, 12 Jahre Europäischer Binnenmarkt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133627