Am Fehrbelliner U-Bahnhof schließt sich der Kreis zweier spurenhinterlassender Architekten, Leitgebel und Rümmler. Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Umgang von Spolien und Reminiszenzen an Gebäuden und deren geschichtliche Bedeutung. Um den Rahmen der Thematik eingrenzen zu können, wurde sich auf den U-Bahnhof Fehrbelliner Platz im Stadtteil Wilmersdorf in Berlin konzentriert, dessen Bau man grundlegend in zwei Abschnitte unterteilen kann. Der erste Bauabschnitt stand unter der Leitung des Architekten Wilhelm Leitgebel und begann bereits im Jahr 1911.1 Der Entwurf des zweiten Abschnittes unterlag dem Architekten Rainer Gerhard Rümmler und wurde im Rahmen des Ausbaus des Berliner U-Bahnnetzes 1971 umgesetzt.
Da beide Bahnsteige des Fehrbelliner Platzes bis heute in Betrieb sind und die Architekturen somit im Kontrast zueinander stehen, wird in dieser Arbeit gezielt die Verwendung und Bedeutung der jeweils genutzten Spolien und Reminiszenzen analysiert und miteinander in Verbindung gesetzt. Das Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung des Umgangs und der Umgangsweise mit der historischen Architektur des Fehrbelliner Bahnhofes.
Da die Geschichte der Wilmersdorfer U-Bahn einen großen Einfluss auf die Gestaltung des U- Bahnhofes hat, wird diese im ersten Teil der Arbeit beschrieben. Anschließend wird auf die Architektur des U-Bahnhofes sowie die verwendeten Spolien und Reminiszenzen eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1.0 Einleitung
2.0 Die Geschichte der U-Bahnarchitektur Wilmersdorf
2.1 Die Entstehung der Wilmersdorf-Dahlemer Schnellbahn (U3)
2.2 Architektonische Gestaltung der Bahnhöfe Wilmersdorf-Dahlem am Beispiel des Fehrbelliner Platzes
2.3 Die Erweiterung des Fehrbelliner U-Bahnhofs zu einem Kreuzungsbahnhof (U7)
3.0 Spolien und Reminiszenzen am U-Bahnhof Ferbelliner Platz
4.0 Fazit
5.0 Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den bewussten Umgang mit historischer Bausubstanz und architektonischen Spolien am U-Bahnhof Fehrbelliner Platz in Berlin, wobei der Fokus auf dem Kontrast und der Verbindung zwischen den Entwürfen von Wilhelm Leitgebel und Rainer Gerhard Rümmler liegt.
- Geschichte der U-Bahnarchitektur in Wilmersdorf
- Architektonische Differenzierung des Bahnhofs Fehrbelliner Platz
- Bedeutung der Inkorporation von Spolien in moderne Neubauten
- Respektvoller Umgang mit historischer Architektur im 20. Jahrhundert
- Analyse von Symbolik und Reminiszenzen in der Stationsgestaltung
Auszug aus dem Buch
3.0 Spolien und Reminiszenzen am U-Bahnhof Ferbelliner Platz
Wie bereits zuvor erwähnt, legten sowohl Leitgebel 1913 als auch Rümmler 1971 großen Wert auf die Verwendung von Reminiszenzen, die auf bestimmte historische Geschehnisse oder Vergangenes hinweisen sollen und zum Teil auch metaphorisch wirken. Eine andere Form, um dies zu verdeutlichen, liegt in der Verwendung von Spolien, bei denen es sich um wiederverwendete Bauteile aus älteren Bauwerken handelt die zugleich dessen Würde weiter tragen soll.
Wenn man sich die Rahmung der Stationsschilder Leitgebels anschaut, fällt besonders das detaillierte Relief auf (Abb. 5). Zusehen sind neben Leisten und Kartuschen beispielsweise auch Marabus - eine Vogelart, die „als Symbol der Konzentration und Sammlung“ gilt und die verweisen soll auf die „positive Tugend, mit der sich das Wilmersdorfer Bürgertum identifizieren konnte“. Unter den Namensschildern befinden sich im Wechsel kleinere Keramiktafeln auf denen Verkehrsmotive wie Pferdebahnen und Dampfstraßenbahnen zu sehen sind, die einen „konkreten Hinweis auf die eigentliche Zweckbestimmung dieses Bauwerks liefern sollen“ .(Abb.5) Das bereits erwähnte schmiedeeiserne Tor lässt auf die Geschichte des Platzes deuten und ist, herleitend der Schlacht von Fehrbellin 1675, mit Federn und Helmen verziert. (Abb.6)
Rümmler, dessen Interesse und Respekt an historischen Gebäuden groß war, nutze das geschichtsträchtige Tor als Spolie und baute es in seinem neuen Bau erneut mit ein, womit er zugleich den Pop Art-Charakter betonte. Ein weiteres wiederverwendetes Bauteil befindet sich auf dem Bahnsteig Leitgebels, der im Zuge des Umbaus nun eine Verbindung zur neuen U7 benötigte. Rümmler nutze hierfür ein einstmalig an der Charlottenburger Kaiserbrücke stehendes repräsentatives Geländer, das mit Eichenblättern verziert ist und sich in dem Stil des Bahnsteiges eingliedert.
Zusammenfassung der Kapitel
1.0 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der architektonischen Spuren von Leitgebel und Rümmler am U-Bahnhof Fehrbelliner Platz ein und formuliert das Ziel, den Umgang mit historischer Bausubstanz zu untersuchen.
2.0 Die Geschichte der U-Bahnarchitektur Wilmersdorf: Das Kapitel beleuchtet die verkehrstechnischen Hintergründe und das Bedürfnis der Gemeinde Wilmersdorf nach einer eigenen Schnellbahnverbindung zum Berliner Stadtzentrum sowie deren architektonische Umsetzung.
2.1 Die Entstehung der Wilmersdorf-Dahlemer Schnellbahn (U3): Hier wird die Entwicklung der Schnellbahnverbindung von den ersten Planungen 1904 bis zur Eröffnung 1913 unter dem Aspekt des lokalen Wachstums geschildert.
2.2 Architektonische Gestaltung der Bahnhöfe Wilmersdorf-Dahlem am Beispiel des Fehrbelliner Platzes: Das Kapitel beschreibt den Wunsch nach einer repräsentativen Architektur, die sich von zweckmäßigen Industriebauten abhob und durch Materialien sowie gestalterische Details wie Kassettendecken und Reliefs glänzte.
2.3 Die Erweiterung des Fehrbelliner U-Bahnhofs zu einem Kreuzungsbahnhof (U7): Der Fokus liegt auf dem Umbau durch Rainer Gerhard Rümmler ab 1967, der den Bahnhof mit einem markanten Pavillon und einer kontrastreichen Gestaltung im Pop Art-Stil erweiterte.
3.0 Spolien und Reminiszenzen am U-Bahnhof Ferbelliner Platz: Dieses Kapitel analysiert gezielt die Verwendung von historischen Elementen und Symbolen, die sowohl bei der Erstgestaltung als auch beim späteren Umbau zur kulturellen Identität des Bahnhofs beitragen.
4.0 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie Rümmler den historischen Bestand Leitgebels respektvoll in sein neues Konzept integrierte und damit eine doppelte Bedeutung der vorhandenen Spolien schuf.
5.0 Quellenverzeichnis: Hier werden die wissenschaftliche Literatur sowie Internetquellen aufgelistet, die der Arbeit als Grundlage dienten.
Schlüsselwörter
Spolien, Reminiszenzen, U3, U7, Fehrbelliner Platz, Rainer Gerhard Rümmler, Wilhelm Leitgebel, Wilmersdorf, Untergrundbahn, Architektur, Industriebau, Pop Art, Denkmalschutz, Stadtgeschichte, Bahnhofgestaltung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die bauliche Historie und den architektonischen Umgang mit Spolien und Reminiszenzen am Berliner U-Bahnhof Fehrbelliner Platz.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die U-Bahn-Architektur des frühen 20. Jahrhunderts, der Einfluss von Gemeindevertretungen auf den Bau sowie die gestalterische Transformation durch Umbaumaßnahmen in den 1970er Jahren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, wie Architekten (Leitgebel und Rümmler) mit historischer Substanz umgingen und durch gezielte Referenzen die Identität des Ortes bewahrten oder neu interpretierten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine bauhistorische Untersuchung, die auf einer umfassenden Quellenrecherche (Literatur und Internet) basiert, um historische Entwicklungen und gestalterische Absichten nachzuvollziehen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil deckt die historische Genese der Wilmersdorfer Bahn, die spezifische Gestaltung des Bahnhofs Fehrbelliner Platz sowie die detaillierte Analyse der von beiden Architekten verwendeten Spolien ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Spolien, Reminiszenzen, U-Bahnarchitektur, Fehrbelliner Platz und die Architekten Leitgebel sowie Rümmler.
Warum wird der Bahnhof Fehrbelliner Platz als "überdimensionale Spolie" bezeichnet?
Rümmler baute den neuen U7-Bahnhof buchstäblich um den bestehenden Bahnsteig von 1913 herum, sodass dieser in seiner ursprünglichen Form als integraler, historischer Bestandteil im neuen Gefüge erhalten blieb.
Welche Rolle spielt der Pop-Art-Stil bei Rümmlers Entwurf?
Rümmler nutzte den Pop-Art-Stil als Ausdruck der Zeitgeist-Architektur des Jahres 1971 und setzte dabei bewusst durch gedeckte Farben und kontrastreiche Materialien einen bewussten Akzent gegenüber der historischen Bausubstanz.
- Arbeit zitieren
- Jon Lautenschläger (Autor:in), 2022, Bauten des öffentlichen Nahverkehrs in Berlin. Der Umgang mit Spolien und Reminiszenzen am U-Bahnhof Fehrbelliner Platz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1336810