Latente Steuern, Timing-Konzept, Temporary-Konzept, Abgrenzungsmethode (deferred-method), Verbindlichkeitsmethode (liability-method), Steuerabgrenzung nach HGB de lege lata, Aktive latente Steuern, Konzeption der Steuerabgrenzung nach HGB de lege ferenda, BilMoG
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
Die nationalen Rechnungslegungsnormen erleiden gegenwärtig einen
Bedeutungsverlust durch die zunehmende Orientierung an internationale Normen wie
dem IAS. Dies geht soweit, dass bedeutende Volkswirtschaften wie Kanada und
Australien einen Übergang auf internationale Rechnungslegungsnormen planen. In der
EU besteht sogar bereits seit 2005 für bestimmte Unternehmen die Pflicht einen IFRSAbschluss
aufzustellen. Aufgrund dieses ansteigenden Drucks und zahlreicher
umzusetzender EU-Richtlinien plant nun auch die BRD das Bilanzrecht zu
modernisieren und zwar durch das BilMoG. Dies stellt die größte Reform der
handelsrechtlichen Rechnungslegung seit dem BiRiLiG von 1985 dar.1 Das Ziel des
BilMoG besteht darin, „das bewährte HGB-Bilanzrecht zu einer dauerhaften und im
Verhältnis zu den internationalen Rechnungslegungsstandards vollwertigen, aber
kostengünstigeren und einfacheren Alternative weiter zu entwickeln.“2 Eine
umfangreiche Neuerung des BilMoG betrifft die Steuerabgrenzung gem. der §§ 274 und
306 HGB. Infolgedessen soll die Abgrenzung latenter Steuern internationalen
Grundätzen folgen.3 Die hier vorliegende Seminararbeit befasst sich mit der
Modernisierung des § 274 HGB durch das BilMoG und die daraus resultierenden
Auswirkungen auf die Bilanzierung aktiver latenter Steuern im Einzelabschluss.
1.2 Methodische Vorgehensweise
Die Arbeit lässt sich in zwei Teile untergliedern. Zunächst werden die theoretischen
Grundlagen dargelegt (Teil A). Hierbei wird der theoretische Grundstock für die
Deskription der aktuellen sowie zukünftigen Steuerabgrenzung gelegt sowie die
Auswirkungen der neuen Steuerabgrenzungsregelungen dargelegt (Teil B). Die
geplanten Änderungen des Gesetzgebers gem. des BilMoG-RegE dienen als Grundlage
für die analytische Beurteilung: Wie soll in Zukunft die Abgrenzung aktiver latenter
Steuern nach dem BilMoG-RegE erfolgen? Welche Folgen hat das zukünftige Steuerabgrenzungsrecht für die bilanzierenden Unternehmen? Wie sind die geplanten
Änderungen der Steuerabgrenzung im internationalen Kontext zu beurteilen? Dieser
Ausblick soll für die Zielauslegung dieser Seminararbeit sensibilisieren. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Methodische Vorgehensweise
2. Theoretische Grundlagen latenter Steuern
2.1 Ursache und Zweck latenter Steuerabgrenzung
2.2 Abgrenzungskonzeptionen latenter Steuern
2.2.1 Timing-Konzept
2.2.2 Temporary-Konzept
2.3 Bewertungsmethoden latenter Steuern
2.3.1 Abgrenzungsmethode (deferred-method)
2.3.2 Verbindlichkeitsmethode (liability-method)
3. Derzeitige Stand der Reformaktivitäten
4. Steuerabgrenzung nach HGB de lege lata
4.1 Konzeptionelle Grundlagen
4.2 Aktive latente Steuern
4.2.1 Ansatz
4.2.2 Bewertung
4.2.3 Ausweis
4.3 Anwendungshemmnisse
5.Konzeption der Steuerabgrenzung nach HGB de lege ferenda
5.1 Veränderungen der konzeptionellen Grundlagen
5.2 Aktive latente Steuern
5.2.1 Ansatz
5.2.2 Bewertung
5.2.3 Ausweis
5.3 Konsequenzen
6. Thesenförmige Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) auf die Bilanzierung aktiver latenter Steuern im handelsrechtlichen Einzelabschluss, wobei insbesondere der Übergang vom Timing-Konzept zum Temporary-Konzept und die damit verbundenen Konsequenzen für Unternehmen untersucht werden.
- Vergleich von Timing-Konzept und Temporary-Konzept
- Analyse der Bewertungsmethoden latenter Steuern
- Darstellung der Rechtslage nach HGB de lege lata und de lege ferenda
- Untersuchung der Bilanzierung von aktiven latenten Steuern unter dem BilMoG
- Bewertung des administrativen Mehraufwands für Unternehmen
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Timing-Konzept
Beim Timing-Konzept erfolgt die Abgrenzung von latenten Steuern GuV-orientiert. Das Ziel besteht in der korrekten Abbildung des Steueraufwandes bzw. –ertrages. Das Konzept unterscheidet zwischen drei verschiedenen Ergebnisdifferenzen, nämlich den permanenten-, quasi-permanenten und den zeitlich begrenzten Ergebnisdifferenzen. Bei der Steuerabgrenzung gem. § 274 HGB finden aber nur solche Einzeldifferenzen zwischen Handels- und Steuerbilanz Berücksichtigung, die zum einen erfolgswirksam sind und zum anderen in künftigen Perioden wieder erfolgswirksam umkehren (timing differences). Unter diese Voraussetzungen fallen nach dem Timing-Konzept nur die zeitlich begrenzten Ergebnisdifferenzen. Demnach werden keine Steuerlatenzen für Ergebnisdifferenzen angesetzt, die sich zukünftig nicht umkehren (permanente Differenzen). Permanente Differenzen sind z.B. nichtabzugsfähige Betriebsausgaben. Zudem werden nach h. M. keine Steuerlatenzen für solchen Ergebnisdifferenzen angesetzt, deren Umkehrungszeitpunkt nicht abzusehen ist (quasi-permanente Ergebnisdifferenzen), wie beispielsweise bei Bewertungsunterschieden von Beteiligungen. Quasi-permanente Ergebnisdifferenzen lösen sich erst bei einer speziellen unternehmerischen Disposition oder bei der Liquidation des Unternehms auf.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Bedeutungsverlusts nationaler Rechnungslegungsnormen ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit bezüglich der Reformierung des § 274 HGB durch das BilMoG.
2. Theoretische Grundlagen latenter Steuern: Dieses Kapitel legt den theoretischen Grundstock durch die Definition von Abgrenzungskonzeptionen (Timing vs. Temporary) sowie die Gegenüberstellung von Bewertungsmethoden wie der deferred-method und liability-method.
3. Derzeitige Stand der Reformaktivitäten: Hier wird der Status quo des Gesetzgebungsverfahrens zum BilMoG und die Unsicherheiten bezüglich des Zeitplans durch äußere Faktoren wie die Finanzmarktkrise beschrieben.
4. Steuerabgrenzung nach HGB de lege lata: Es werden die bestehenden konzeptionellen Grundlagen sowie Ansatz, Bewertung und Ausweis von aktiven latenten Steuern nach geltendem Recht unter Berücksichtigung von Anwendungshemmnissen analysiert.
5. Konzeption der Steuerabgrenzung nach HGB de lege ferenda: Dieses zentrale Kapitel behandelt die geplanten Änderungen durch das BilMoG, insbesondere die Umstellung auf das Temporary-Konzept, neue Ausweisvorschriften und deren Konsequenzen für die Unternehmenspraxis.
6. Thesenförmige Zusammenfassung: Diese Zusammenfassung schließt die Arbeit mit der Schlussfolgerung ab, dass die Neuregelungen zu einem erhöhten Ermittlungsaufwand führen und die angestrebte Vereinfachung des Bilanzrechts für Unternehmen in der Praxis nicht erreicht wird.
Schlüsselwörter
BilMoG, Steuerabgrenzung, latente Steuern, HGB, Timing-Konzept, Temporary-Konzept, Verbindlichkeitsmethode, aktive latente Steuern, Bilanzrechtsmodernisierung, Rechnungslegung, Steuerbilanz, Handelsbilanz, Bilanzierungshilfe, Steuerlatenzen, Einzeldifferenzbetrachtung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) geplanten Änderungen auf die Bilanzierung von aktiven latenten Steuern im handelsrechtlichen Einzelabschluss.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind die theoretischen Grundlagen der Steuerabgrenzung, der Vergleich zwischen Timing- und Temporary-Konzept, die Bewertungsmethodik sowie die Analyse des administrativen Aufwands für Unternehmen durch die Reform.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Forschungsfrage lautet, wie die Abgrenzung aktiver latenter Steuern nach dem BilMoG-RegE erfolgen soll und welche Konsequenzen bzw. Folgen diese Rechtsänderungen für die bilanzierenden Unternehmen mit sich bringen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive sowie analytische Methode, bei der die theoretischen Grundlagen mit den geplanten Gesetzesänderungen (BilMoG-RegE) verknüpft werden, um eine kritische Beurteilung vorzunehmen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des aktuellen Rechtsstands (de lege lata), die Analyse der neuen Gesetzesentwürfe (de lege ferenda) sowie eine Untersuchung der resultierenden Konsequenzen für den Abschluss.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Wesentliche Begriffe sind BilMoG, latente Steuern, Steuerabgrenzung, Temporary-Konzept, Verbindlichkeitsmethode und HGB-Rechnungslegung.
Warum wird im BilMoG ein Wechsel auf das Temporary-Konzept vollzogen?
Der Wechsel erfolgt, um das HGB-Bilanzrecht an internationale Rechnungslegungsstandards anzupassen und die Abgrenzung latenter Steuern auf eine bilanzorientierte Basis zu stellen.
Zu welcher Schlussfolgerung kommt der Autor bezüglich des administrative Aufwands?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Zielsetzung des BilMoG, eine kostengünstigere und einfachere Alternative zu schaffen, nicht erreicht wird, da die Reform für Unternehmen zu einem deutlich erhöhten Ermittlungsaufwand führt.
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- Christian Königsmann (Author), 2009, Die Auswirkungen des BilMoG- Entwurfs auf die Bilanzierung aktiver latenter Steuern – Darstellung und Beurteilung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133692