In der vorliegenden Arbeit wird das Thema Armut und Vereinssport behandelt. Es wird untersucht, wie sich Armut auf die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen am Vereinssport auswirkt und wie sich die prekäre Lage auf die Vereine auswirkt. Die Arbeit umfasst eine theoretische Betrachtung der Auswirkungen von Armut auf Kinder und Jugendliche sowie eine empirische Analyse der Vereine aus sozial benachteiligten Stadtteilen. Es werden die Schwierigkeiten untersucht, die armutsbetroffene Kinder und Jugendliche haben, um Zugang zum Vereinssport zu finden, und staatliche Maßnahmen wie das Bildungs- und Teilhabepaket kritisch beleuchtet.
Kinder sind das Musterbild von Bewegungsbegeisterung. Durch Bewegung drücken Kinder Emotionen aus und erschließen sich die Welt. Wo ein Anlass vorhanden ist, rennen sie, springen sie, klettern sie, balancieren sie oder probieren auf andere Art, ihre motorischen Fertigkeiten herauszufordern. Nach wie vor ist der Vereinssport ein beliebter Ort für Kinder und Jugendliche, um sich sportlich zu betätigen. Mit rund 27 Millionen Mitgliedschaften und 90.000 Sportangeboten hat dieser eine hohe gesellschaftliche Bedeutung. Der Kern des deutschen Vereinssports ist dabei der Breitensport, wo es primär darum geht, Spaß an der Bewegung zu vermitteln, Gesundheitsprävention zu betreiben, ein soziales Umfeld und Angebote zur Persönlichkeitsentwicklung zu schaffen.
Das Ziel des organisierten Sports ist, allen Kindern die Möglichkeit zu geben, in einen Sportverein einzutreten und am Vereinsleben aktiv teilhaben zu können (Deutsche Sportjugend o.J). Häufig scheint der Sport sich hierbei als „Aufstiegsmedium“ für benachteiligte Kinder und Jugendliche aller Art zu inszenieren. Doch inwiefern gilt dies noch, wenn die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird. Können alle Kinder und Jugendliche in Deutschland am Vereinssport partizipieren? Inwiefern beeinflussen prekäre Lebenslagen, die Teilhabe von armutsbetroffenen Kindern und Jugendlichen an dem Vereinssport? Und wie betrifft diese vor allen Dingen die Vereine?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Armut: Begriffe, Geschichte, Daten und Kontroversen
2.1 Armut als ein politisch-normativer Begriff
2.2 Armut im Kontext der Sozialgeschichte
2.3 Gegenwärtige Armutsforschung: Absolute- und Relative Armut
2.4 Armut in Zahlen
2.4.1 Armutsrisikogruppe: Erwerbslose
2.4.2 Armutsrisikogruppe: Alleinerziehende
2.4.3 Armutsrisikogruppe: Migrant:innen
2.5 Kinderarmut
2.6 Zusammenhang zwischen Armut und Reichtum
2.7 Vermögensverteilung in Deutschland
3. Armut und Vereinssport
3.1 Vereinssport in der Bundesrepublik
3.2 Positive Effekte durch den Vereinssport
3.3 Kosten und Hürden des Vereinssports
3.4 Bildungs- und Teilhabepaket (BuT)
4. Zwischenfazit
5. Empirische Forschungen
5.1 Forschungsfrage
5.2 Forschungsmethodik
5.3 Planung und Durchführung
5.4 Auswertung der Interviews
5.4.1 Erlebnisse und Erfahrungen
5.4.2 Armutsverständnis
5.4.3 Armutserscheinungsformen
5.4.4 Herausforderungen
5.4.5 Sportangebot
5.4.6 Kooperationsnetzwerk
5.4.7 Erfolge
5.4.8 Maßnahmen
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht explorativ, welche Auswirkungen Armut auf die Teilhabe von armutsbetroffenen Kindern und Jugendlichen am Vereinssport hat und wie sich diese Armutssituation konkret auf die Arbeit der Sportvereine in sozial benachteiligten Stadtteilen auswirkt.
- Armutsbegriffe und die aktuelle Datenlage in Deutschland
- Die Rolle des Vereinssports als Instrument für Integration und soziale Teilhabe
- Finanzielle Hürden und Zugangsbeschränkungen für einkommensarme Familien
- Der Einfluss staatlicher Maßnahmen, insbesondere des „Bildungs- und Teilhabepakets“ (BuT)
- Empirische Fallstudien zur Perspektive von Vereinsfunktionären aus sozial benachteiligten Quartieren
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Kinder sind das Musterbild von Bewegungsbegeisterung. Durch Bewegung drücken Kinder Emotionen aus und erschließen sich die Welt. Wo ein Anlass vorhanden ist, rennen sie, springen sie, klettern sie, balancieren sie oder probieren auf andere Art, ihre motorischen Fertigkeiten herauszufordern (Kuhn 2007, S. 21f.). Nach wie vor ist der Vereinssport ein beliebter Ort für Kinder und Jugendliche, um sich sportlich zu betätigen. Mit rund 27 Millionen Mitgliedschaften und 90.000 Sportangeboten hat dieser eine hohe gesellschaftliche Bedeutung (Breuer et al. 2020, S. 27). Der Kern des deutschen Vereinssports ist dabei der Breitensport, wo es primär darum geht, Spaß an der Bewegung zu vermitteln, Gesundheitsprävention zu betreiben, ein soziales Umfeld und Angebote zur Persönlichkeitsentwicklung zu schaffen.
Allerdings war dies nicht immer so. In den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts stand ein männlich dominierender Wettkampfsport im Vordergrund. Durch die zunehmende Transformierung und Erweiterung dieser hin zu einer Etablierung von breitensportlichen Angeboten, insbesondere in Fitnessstudios und Sportvereinen, entstanden vielfältige Möglichkeiten zur sportlichen Betätigung. Gleichlaufend haben sich die Funktionen des Sports mitverändert. Der Sport bekommt hierbei zunehmend eine universelle Legitimation zur Bewältigung von gesellschaftlichen und gesundheitlichen Problemen (Becker und Häring 2012, S. 261). Immer wieder ist in der Politik die Rede von „Sport als Integrationsmotor“ (Schäuble 2009). Das Ziel des organisierten Sports ist, allen Kindern die Möglichkeit zu geben, in einen Sportverein einzutreten und am Vereinsleben aktiv teilhaben zu können (Deutsche Sportjugend o.J).
Häufig scheint der Sport sich hierbei als „Aufstiegsmedium“ (Morsbach et al. 2021, S. 16) für benachteiligte Kinder und Jugendliche aller Art zu inszenieren. Doch inwiefern gilt dies noch, wenn die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird. Können alle Kinder und Jugendliche in Deutschland am Vereinssport partizipieren? Inwiefern beeinflussen prekäre Lebenslagen, die Teilhabe von armutsbetroffenen Kindern und Jugendlichen an dem Vereinssport? Und wie betrifft diese vor allen Dingen die Vereine?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung motiviert die Fragestellung und beleuchtet die Rolle des Sports für Kinder sowie die Diskrepanz zwischen dem Anspruch als Integrationsmotor und den realen Auswirkungen von Armut auf die Teilhabe.
2. Armut: Begriffe, Geschichte, Daten und Kontroversen: Dieses Kapitel definiert Armut als politisch-normativen und relationalen Begriff und analysiert Ursachen sowie die statistische Datenlage, insbesondere in Bezug auf Kinderarmut und Vermögensverteilung.
3. Armut und Vereinssport: Hier wird der Vereinssport in Deutschland theoretisch verortet, positive Effekte werden den finanziellen Hürden und Zugangsbeschränkungen für arme Familien sowie der Funktionalität des Bildungs- und Teilhabepakets gegenübergestellt.
4. Zwischenfazit: Das Kapitel fasst die theoretischen Erkenntnisse zusammen und betont die Interdependenz von Armut, sozialer Ausgrenzung und eingeschränkter Teilhabe, was die Grundlage für den empirischen Teil bildet.
5. Empirische Forschungen: Der empirische Teil präsentiert die qualitative Auswertung von Experteninterviews mit drei Fußballvereinen, um die konkreten Herausforderungen und Bewältigungsstrategien in sozial benachteiligten Stadtteilen aufzuzeigen.
6. Fazit und Ausblick: Das Fazit führt die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Implikationen für die Vereine und formuliert Handlungsempfehlungen, wie durch Kooperationen und gezielte Förderung das Integrationspotenzial gestärkt werden kann.
Schlüsselwörter
Armut, Vereinssport, Kinderarmut, soziale Teilhabe, Bildungs- und Teilhabepaket, Breitensport, sozial benachteiligte Stadtteile, relative Armut, Integrationsmotor, sportliche Infrastruktur, Soziale Ungleichheit, Vereinsmanagement, quantitative Datenerhebung, qualitative Sozialforschung, Lebensqualität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Armut und Sport und analysiert, welchen Einfluss prekäre ökonomische Lebensbedingungen auf die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen am organisierten Vereinssport haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Themenschwerpunkte liegen auf den Ursachen und Erscheinungsformen von Armut in Deutschland, den Funktionen des Breitensports sowie den praktischen Schwierigkeiten, mit denen Vereine in sozial schwierigen Gegenden im Alltag konfrontiert sind.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel besteht darin, zu ergründen, welche konkreten Auswirkungen Armut auf die Teilhabe armutsbetroffener Kinder und Jugendlicher an Sportvereinen hat und wie sich dies spezifisch auf die Vereine in sozial benachteiligten Stadtteilen auswirkt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine explorative Studie, die einen theoretischen Rahmen mit einem empirischen Teil verknüpft, für den teilstrukturierte Experteninterviews mit Vertretern aus drei verschiedenen Fußballvereinen geführt und qualitativ ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen der Armutsforschung und die Rahmenbedingungen des deutschen Vereinssports dargelegt, gefolgt von einer Analyse der Kostenbarrieren und des Bildungs- und Teilhabepakets, bevor die Ergebnisse der Experteninterviews detailliert ausgewertet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe, die die Arbeit durchziehen, sind Armut, Vereinssport, soziale Teilhabe, Bildungs- und Teilhabepaket, sowie das Konzept der sozialen Segregation in deutschen Städten.
Warum ist die administrative Hürde beim Bildungs- und Teilhabepaket laut den Vereinen so schwerwiegend?
Die Vereinsvertreter kritisieren, dass die Beantragungsprozesse für Eltern sehr komplex sind und die finanzielle Abwicklung durch die direkte Überweisung an die Antragsteller anstatt an die Vereine zu hohen Beitragsausfällen und einem enormen bürokratischen Mehraufwand für die Vereine führt.
Inwiefern beeinflusst das soziale Umfeld die Vereine in ihrer Arbeit?
Die Vereine agieren in ihren Stadtteilen oft als informelle Anlaufstellen, müssen aber gleichzeitig mit maroder Infrastruktur, knappen Budgets und dem Mangel an ehrenamtlichen Kräften kämpfen, die bei der Betreuung von Kindern mit oft prekären familiären Hintergründen stark belastet werden.
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- Muath Ridha (Author), 2022, Auswirkung von Armut auf den Vereinssport, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1337522