Das Epigramm als literarische Gattung am Beispiel des antiken Autors Martial


Facharbeit (Schule), 2004

27 Seiten, Note: 12 Punkte


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INHALTSVERZEICHNIS

EINLEITUNG

1.) Entstehung und Entwicklung des antiken Epigramms

2.) Das Epigramm aus der Sicht Martials am Beispiel der „praefatio“
2.1.) Übersetzung
2.2.) Merkmale von Epigrammen anhand des Briefes
2.3.) Martials Kritiker und seine Rechtfertigung
2.4.) Adressatenkreis

3. Das Leben des Marcus Valerius Martialis am Beispiel von Epigramm 1, 1, seine Bedeutung für das Epigramm und seine Werke
3.1.) Übersetzung und Analyse
3.2.) Interpretation und Martials Lebenslauf
3.3.) Martials Bedeutung für das Epigramm
3.4.) Martials Werke

4.) Martials Ruhm und Umgang mit Neidern (Epigramm 9, 20 )
4.1. )Übersetzung
4.2.) Metrik
4.3.) Inhalt seiner Werke (sehr kurz!):
4.4.) Umgang mit Ruhm und Neid

5.) Martials Leserschaft und seine Intention am Beispiel von Epigramm 1, 118
5.1.) Übersetzung, Analyse und Interpretation

6.) Probleme antiker Schriftsteller am Beispiel der Epigramme 1, 16 + 2, 20 + 1, 52 + 4, 41
6.1.) Undankbare Leser ?
Übersetzung, Analyse und Interpretation von Epigramm 1, 16
6.2.) Plagiatoren
6.2.1.) Übersetzung und Analyse von Epigramm 2, 20
6.2.2.) Übersetzung und Analyse von Epigramm 1, 52
6.2.3.) Interpretation von Epigramm 1, 52 und 2, 20
6.3.) „Möchtegernpoeten“
6.3.1.) Übersetzung, Analyse und Interpretation von Epigramm 4, 41

FAZIT

BIBLIOGRAFIE
Primärliteratur:
Sekundärliteratur:

ANHANG
Text 1: Epigrammaton liber I „praefatio“
Text 2: Epigramm 1, 1
Text 3: Epigramm 1, 16
Text 4: Epigramm 2, 20
Text 5: Epigramm 4, 41
Text 6: Epigramm 10, 9
Text 7: Epigramm 1, 118
Text 8: Epigramm 1, 52
Text 9: Epigramm 6, 60
Text 10: Epigramm 12, 20

Epigrammata

Sprache und Stil

EINLEITUNG

Ich habe mich mit dem Thema „Das Epigramm als literarische Gattung am Beispiel des antiken Autors Martial“ beschäftigt, um Ihnen, lieber Leser, sowohl das Epigramm als auch den antiken Autor Martial näherzubringen.

Ich muss zugeben, dass ich ein wenig beunruhigt war, sollte ich mich doch sechs Wochen lang mit einer mir fast unbekannten und eher „trockenen“ Thematik beschäftigen. Doch je mehr Informationen ich sammelte und je mehr ich mich an die bissige Schreibweise Martials gewöhnte, desto leichter fiel mir die Beschäftigung. Es entstand eine Hassliebe. Die zum Teil kniffligen Übersetzungen und anspruchsvollen, zweideutigen Pointen brachten mich fast zur Verzweiflung. Jedoch bewunderte ich den treffenden, „bösen“ Humor und die kunstvolle Häufung von Stilmitteln oder auch Schlichtheit seiner Gedichte.

Ich habe meine Arbeit so aufgebaut, dass Sie sich zuerst einen Überblick über das antike Epigramm, dessen Entwicklung und verschiedene Erscheinungsformen machen können.

Dann gehe ich auf Martials Sichtweise über das Epigramm ein. Schließlich vollendete der Schriftsteller das Spottepigramm und gilt als dessen Perfektionist. Sie sollen einen Eindruck von seiner Schreibweise, seinen Kritikern und Adressaten gewinnen.

In dem dritten Teil versuche ich Ihnen Martial und seine Lebensweise anhand seiner Biographie näherzubringen. Sie sollen sich seiner nicht aussichtsreichen Herkunft, seinem außergewöhnlichem Ruhm und ungeheurem Einfluss bewusst werden. Auch seine Werke werden aufgezählt.

Ich gehe auch auf die Metrik von Martials Epigrammen ein. Schließlich ist diese eine wichtiger Punkt, da sie zum mündlichen Vortrag notwendig ist. Sie erfahren auch etwas über Martials Reaktion auf neidische Anfeindungen.

Interessant ist auch Martials Intention seiner Gedichte. Sie werden überrascht sein, lieber Leser, welche Absicht der Dichter verfolgte und wie neuartig der Inhalt seiner Werke zur Zeit des ersten Jahrhunderts nach Christus in der römischen Gesellschaft war.

Zum Schluss gehe ich noch auf den Alltag eines römischen Schriftstellers in der frühen Kaiserzeit ein. Anhand von vier Epigrammen des Martial bekommen Sie einen Eindruck, mit welchen Problemen ein antiker Schriftsteller zu kämpfen hatte.

Insgesamt werden auch Sie feststellen, dass das Thema „Das Epigramm als literarische Gattung am Beispiel des antiken Autors Martial“ in keiner Weise „trocken“ ist.

1.) Entstehung und Entwicklung des antiken Epigramms

Das Epigramm kommt von dem griechischen Wort „epigramma“ und bedeutet „Aufschrift“. Die ersten Epigramme stammen aus dem antiken Griechenland (um das 7. Jahrhundert vor Christus) und waren ursprünglich Aufschriften auf Weihgeschenken, mit denen der Spender die Aufmerksamkeit eines Betrachters erregen wollte. Diese kurzen, aber informativen Texte werden als Weihepigramme[1]

bezeichnet. Die Spender verfassten die Epigramme allerdings nicht selbst, sondern gaben diese in Auftrag, so daß eine Berufsgruppe von Schreibern entstand.

Eine weitere, frühe Form des Epigrammes war das Grabepigramm. Mit diesem wollte der Verfasser eine verstorbene Person charakterisieren und seine Leistungen rühmen.

Bald entstand eine „Wettkampfkultur“ um das gelungenste Epigramm und über Jahrhunderte hinweg entwickelte sich eine neue Kunstgattung hinaus. Aus Aufschriften wurden Sinnsprüche in Versform, die auf Festen spontan vorgetragen wurden. Fiel einem Gast kein Vers ein, so zitierte er einen bekannten Dichter. Denn alle dichterischen Größen verfassten auch Epigramme.

Als bedeutendste Epigrammatiker der griechischen Kultur müssen Simonides von Keos (5. Jahrhundert vor Christus), dessen Verse über die gefallenen Spartaner durch Schillers Übersetzung berühmt wurden, und Kallimachos (3. Jahrhundert vor Christus) genannt werden.

Mit dem Verfassen der „Scipionen – Elogien“ entstanden bei den Römern erstmals Versinschriften in lateinischer Sprache. Um das 2. Jahrhundert vor Christus war es Brauch in der römischen Oberschicht, besondere Anlässe mit Epigrammen zu verewigen. Sogar Politiker verfassten neben ihrer politischen Arbeit diese kleinen Gedichte.

Marcus Terentius Varro erstellte im Jahr 39 vor Christus das erste Buchepigramm: In den „imagines“ stellt er die Leistungen von 700 Persönlichkeiten in Versform dar.

Die Blütezeit des Epigrammes war die Kaiserzeit: Lukillios schuf das satirische Epigramm, Martial verfasste nach seinen Vorbildern Kallimachos und Catull seine bekannten Spottgedichte und weitere griechische Dichter entwickelten in Rom das Zeitgedicht. Das satirische Epigramm ist als Zeitkritik anzusehen, in dem Zeit und Gesellschaft wegen ihres Lebensstils angeprangert wurden. Gerade Martial vermochte es mit seinen literarischen Fähigkeiten meisterlich, bestimmte Menschentypen mit ihren Fehlern zu verspotten, wobei er auch trefflich den römischen Alltag vor Augen führte. In Zeitgedichten wurden wichtige, zeitliche Ereignisse wie militärische Erfolge und gesellschaftliche Ereignisse erfasst.

2.) Das Epigramm aus der Sicht Martials am Beispiel der „praefatio“

Dieser Brief bildet ein Vorwort zu Martials erstem Buch. Während die meisten Einleitungen („praefationes“/ „prooemia“) von Dichtungstexten in Versform geschrieben worden sind, wählt Martial einen Prosatext als Einleitung.

Das Vorwort ist an keine bestimmte Person gerichtet, sondern allgemein an den Leser.

Nach der Übersetzung lässt sich der Brief in weitere drei Punkte gliedern.

2.1.) Übersetzung

„Ich hoffe, dass ich in meinen „Bändchen“ einem solchem Mittelweg gefolgt bin, dass man sich nicht über jene beschweren kann, wer auch immer von ihnen sich recht betroffen fühlt, wenn sie auch mit Respekt vor kranken Menschen necken; dieser fehlte bei den alten Schriftstellern so sehr, dass sie nicht nur die wahren Namen benutzten, sondern auch die bedeutenden Namen (= die Namen von bedeutenden Menschen). Es kostet meinen Ruf, und die letzte Begabung wird mir vorgeworfen. Einem bösartigem Übersetzer mangelt es an der Einfachheit unserer Späße und er schreibt meine Epigramme nicht um: er, der in einem fremden Buch geistreich ist, tut unrecht. Ich würde die frivole Wahrheit der Worte entschuldigen, dies ist die Sprache von Epigrammen, wenn es mein Beispiel wäre (= meine Erfindung wäre) : so schrieb Catull, so Marsus, so Pedo, so Gaetulicus, so wird jeder genau durchgelesen. Wenn dennoch irgendjemand derart fanatisch prüde ist, dass es bei jenem Sitte ist, dass auf keinem Blatt offen geredet wird, kann er sich mit einem Brief oder eher einer Überschrift begnügen. Epigramme werden für jene geschrieben, die es gewohnt sind, die Nackttänzerinnen der Flora anzuschauen. Cato soll nicht mein Theater betreten, oder aber, wenn er es betreten haben sollte, er soll zusehen (= bleiben). Mir scheint, es wird mein Recht sein, wenn ich den Brief mit Versen beende:

Du kanntest den reizenden Tempel der neckischen Flora

und die feierlichen Feste und die Freizügigkeit der Masse,

warum bist du dann, ernster Cato, ins Theater gekommen?

Warst du etwa nur gekommen, um wieder zu gehen?“

2.2.) Merkmale von Epigrammen anhand des Briefes

Nach Martials Auffassung sucht der „ideale“ Epigrammatiker einen Mittelweg („temperamentum“), auf dem er eine Person verspotten kann und ihm dennoch seine Würde lässt, so dass dieser sich nicht beschweren kann. Jede Person kann Ziel seines Spottes werden, jedoch ist es ein Tabu, den Namen des Verspotteten zu nennen (Anonymität), kranke Menschen respektlos zu behandeln und wichtige, bedeutende Persönlichkeiten bloßzustellen. Um das Kriterium der Anonymität einzuhalten, benutzt Martial „sprechende Namen“. Er schreibt einer Person somit eine Eigenschaft zu und nennt sie nicht beim Namen. Martial greift nie reale, sondern nur fiktive Personen an.

Die Sprache des Epigrammes ist schonungslos offen („Latine loqui“) und spricht ohne Umschweife die Wahrheit direkt aus ( siehe Seite 14 Epigramm 4, 41 ). Sie kann auch in einem gewöhnungsbedürftigen derben und zügellosen Ton verfasst sein.

Ein weiteres Merkmal ist die Einfachheit („simplicitas“) von Martials Epigrammen. Sie sind zumeist in zwei Teile gegliedert: Der eine enthält Fakten, der andere eine geistreiche Anspielung. Diese Einfachheit spiegelt sich auch in der Satzstruktur und der Wortwahl wider. Martial vermeidet Pathos und „Schwulst“. Er benutzt auch keine mystischen Vergleiche, sondern bleibt bei der Realität. Allerdings enthält die Bezeichnung „simplicitas“ noch eine zweite Bedeutung. Es kann nicht nur „Einfachheit“, sondern auch „Offenheit“ heißen. Ein Epigramm verstellt sich nicht, es sagt offen die Wahrheit (s. „Latine loqui“).

Epigramme versuchen auf kürzeste Art möglichst viele Informationen zu liefern. Sie sind also zumeist kurz gehalten und erfüllen das Kriterium der „brevitas“. Martial hält jedoch nicht konsequent dieses Merkmal ein.[2]

Dafür laufen alle seine Epigramme auf eine Pointe aus („argutia“). Dies wird auch als „intellektueller Humor“ bezeichnet.[3]

Als äußerliches Merkmal ist noch die Versart zu nennen. Martial verwendete bevorzugt das „Distichon“ für die kurzen Epigramme und den „Hendekasyllabus“ für längere.

Fast alle Merkmale von Epigrammen sind im Epigramm des Briefes vorhanden:

Der typische Aufbau von Martials Epigrammen lässt sich äußerlich und innerlich wiederfinden: Als Versart hat der Dichter das Distichon benutzt. Die Fragen bestehen nicht aus schwierigen Konstruktionen, sondern nur aus dem Notwendigstem ( „brevitas“ ) : Subjekt, Prädikat, Objekt. Die Objekte in der ersten Frage sind entweder als Polysyndeton - Wiederholung von „que“ - oder als Polyptoton - Veränderung von „que“ zu „et“ - aneinandergereiht. Antithetisch ist „das Verhalten der Masse“ ( „licentiam“ ) und der Charakter Catos ( „severe“ ) aufgebaut . Eine weitere Antithese liegt in der Wahl der Prädikate in den Fragesätzen vor ( „venisti“ und „exires“), sie sind sogar parallel am Satzende plaziert. Bei „Florae festosque“ und „lusus et licentiam“ liegt eine Alliteration vor.

Dies beweist, dass Martials Epigramme auf den ersten Blick zwar einfach aufgebaut sind ( „simplicitas“ ), deren Komplexität aber erst beim Erfassen der Stilmittel oder in der Deutung erschlossen wird.

Vom Inhalt her ist das Epigramm in zwei Teilen aufgebaut: Es liefert Fakten über die Stimmung im Tempel der Flora während einer Feier zu Ehren der Göttin. Sowohl die Erscheinung des Tempels ( „dulce sacrum“ ) als auch das Aussehen der Tänzerinnen ( „iocosae Florae“ ) bewirken ein derartiges Spektakel, dass sich die Besucher von der Umgebung beeinflussen lassen und ebenfalls offener werden ( „licentiam volgi“ ).

Mit den Fragen wird eine Anspielung, wenn nicht sogar eine Provokation Catos herbeigeführt. Welchen Sinn ergibt dessen Erscheinen, wenn er Feste dieser Art ablehnt und sofort wieder verschwindet?

Dieses Epigramm spielt auf ein Ereignis an, das sich im Zusammenhang mit Cato Uticensis und den Floraspielen im Jahre 55 vor Christus ereignete. Im dritten Jahrhundert vor Christus wurde ihr zu Ehren ein Tempel errichtet. Seitdem wurde jährlich ein ausgelassenes Volksfest veranstaltet, bei dem verkleidete Schauspieler auftraten und Tänzerinnen sich nackt auszogen. In Gegenwart des konservativen Politikers und strengen Moralisten Cato Uticensis ( 95 – 46 v. Chr. ) traute sich das Volk jedoch nicht, die Entkleidung der Tänzerinnen zu fordern. Daraufhin verließ Cato unter Applaus der Menge das Theater, um nicht das Vergnügen der Masse zu behindern. Damalige Zeitgenossen empfanden diese Begebenheit als Beweis für eine gute Beziehung zwischen Adel und Bürgern.[4]

Martial jedoch empfindet „Mitleid“ mit solchen Menschen, die an ihre eigenen Wertevorstellungen gebunden sind und sich nicht an den einfachen Dingen des Lebens erfreuen können. Cato stellt nach Martials Auffassung den Urtypen des traurigen Menschen („homo tristis“) dar.[5]

[...]


[1] Aus: Herausgeber: Friedrich, Wolf-Hartmut / Killy, Walther: „Das Fischer Lexikon: Erster Teil“ Fischer Taschenbuch Verlag Frankfurt am Main 1965

[2] Universität Regensburg: „M. Valerius Martialis“ [http://www.uni-regensburg.de/Fakultaeten/phil_Fak_IV/Klass_Phil/Martialallgemeines.htm] ( Stand: 1.3.2003 )

Ausdruck ist dem Anhang beigefügt

[3] Universität Regensburg: „M. Valerius Martialis“ [http://www.uni-regensburg.de/Fakultaeten/phil_Fak_IV/Klass_Phil/Martialallgemeines.htm] ( Stand: 1.3.2003 )

[4] Walters, Uwe: „M. Valerius Martialis – Epigramme“; UTB 1954

[5] Walters, Uwe: „M. Valerius Martialis – Epigramme“; UTB 1954

27 von 27 Seiten

Details

Titel
Das Epigramm als literarische Gattung am Beispiel des antiken Autors Martial
Note
12 Punkte
Autor
Jahr
2004
Seiten
27
Katalognummer
V133874
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Martial, Epigramm
Arbeit zitieren
Christoph Schiller (Autor), 2004, Das Epigramm als literarische Gattung am Beispiel des antiken Autors Martial, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133874

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