Das Tschad-Kamerun-Erdöl- und Pipeline-Projekt


Hausarbeit, 2006
13 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Kurzer Überblick über die wirtschaftliche und politische Situation im Tschad
2.2 Präsentation und Ziele des Ölprojektes - Die Rolle der Weltbank
2.3 Die Umsetzung des Projektes
2.3.1 Entschädigung der betroffenen Bevölkerung
2.3.2 Ölprojekt auf Kosten der Urwaldes - Lebensraum der Pygmäen
2.3.3 Das Gesetz 001 – Vertragsbruch der tschadischen Regierung

3 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In der Geschichte und noch heute charakterisieren sich die Großprojekte der dritten Welt mit Firmen des reichen Nordens durch Menschenrechtsverletzungen und einen geringen unbedeutenden ökonomischen Gewinn, der lediglich der korrupten Elite zugute kommt. Im Zentrum dieser Arbeit steht das Tschad - Kamerun – Pipeline – Projekt, das trotz der Kontrolle der Weltbank, nicht dieser Regel entkommt. Von der Weltbank als das Modellprojekt vorgestellt, soll zum ersten Mal in der Weltgeschichte durch Rohstoffförderung die Armut in den Entwicklungsländern besiegt werden.

Der erste Teil der Arbeit gibt einen kurzen Überblick über die schwierige politische und wirtschaftliche Lage des Tschads und damit die problematischen Ausgangsbedingungen für das Projekt. Im Folgenden werden die beteiligten Akteure sowie die fragwürdige Rolle der Weltbank vorgestellt, die trotz der Ergebnisse einer Studie über die sozialen und ökologischen Auswirkungen des Projektes, dieses unterstützt. Wie die internationalen Ölkonzerne letztendlich den gesamten Gewinn aufteilen und wie die von den Bohrungen und dem Pipelinebau betroffene Bevölkerung entschädigt wird, ist Gegenstand des dritten Abschnittes. Besonders durch den Pipelinebau ist der kamerunische Urwald betroffen und damit der Lebensraum der Pygmäen. Die Folgen für Mensch und Natur sind erheblich, doch müssen die Erdölkonzerne nicht viel für diese Zerstörungen zahlen. Die Armutsbekämpfung scheint nicht nur zweitrangig für die Ölkonzerne zu sein, auch der tschadische Präsident verfolgt primärer andere Ziele mit den Einnahmen aus dem Projekt.

2 Hauptteil

2.1 Kurzer Überblick über die wirtschaftliche und politische Situation im Tschad

Der Tschad ist ökonomisch kaum entwickelt. Bei einer Fläche von 1.284.000 km², existieren nur 400 km geteerte Strassen. Doch nicht allein die mangelhaft ausgebaute Infrastruktur, verhindert den Ausbau der Wirtschaft, sondern auch Bürgerkriege und längere Dürreperioden. Die wenigen funktionierenden Wirtschaftselemente befinden sich in den Händen des Clans des Präsidenten. Eine Privatwirtschaft wird vor allem durch Korruption verhindert. So lebt die Bevölkerung zu 80% in absoluter Armut (die meisten Menschen müssen mit weniger als einem US-Doller am Tag auskommen!). Im Gesundheits- und Bildungssektor mangelt es an Material und qualifiziertem Personal. Nur 40% der Bevölkerung können lesen und schreiben.

Innerhalb von 40 Jahren haben sich im Tschad vier Diktaturregierungen abgewechselt! Die Presse- und Meinungsfreiheit existiert nur auf dem Papier. So ist die „demokratische Gewaltherrschaft“ des neuen Präsident Idriss Deby erbarmungslos gegen Journalisten und alle, die sich kritisch zu dem Tschad-Kamerun- Erdölprojekt äußern. 1997 sind bei einem Protest der betroffenen Bewohner des Doba-Beckens 84 Menschen von der tschadischen Armee umgebracht wurden. Obgleich die Weltbank die Interessen der Armen schützen soll, hat bis heute kein Prozess stattgefunden. Soll die Weltbank Großprojekte in der Dritten Welt wirklich unterstützen oder ist sie machtlos gegen die Interessen internationaler Konzerne und autoritärer Regime?

2.2 Präsentation und Ziele des Ölprojektes - Die Rolle der Weltbank

Die permanenten politischen Unruhen in dem Nahen Osten zwingen die internationalen Ölkonzerne ihre Tentakel in Richtung der letzten Ölquellen der Welt, besonders nach Afrika, auszustrecken (Tschad, Sudan, Äquatorialguinea, Angola).Das Tschad – Kamerun – Pipeline – Projekt ist ein Beispiel dieser neuen wirtschaftspolitischen Strategien der Ölfirmen.

Es ist ein Konsortium, bestehend aus dem US-Konzern ExxonMobil, der niederländisch-britischen Firma Shell sowie dem französischen Unternehmen Elf, die Mitte der neunziger Jahre beschließt das Erdöl aus dem Süden Tschads zu fördern. Aufgrund der geographischen Lage[1] muss das Öl aus den Doba-Decken durch eine 1070 km lange Pipeline, die bis an die atlantische Küste durch die kamerunische Stadt Kribi verläuft, abtransportiert werden. Hierfür müssen rund 3,7 Milliarden Dollar bereitgestellt werden. Das Konsortium ist in der Lage ohne die Hilfe der Weltbank, mit privaten Investoren, das Projekt zu finanzieren. Da aber der Tschad ein politisch instabiles Land ist, bittet das Konsortium die Weltbank sich an der Ölförderung zu beteiligen. Die Weltbank sowie der Internationaler Währungsfonds (IWF) können die Kreditnehmerländer an ihre wirtschaftlichen und politischen Bedingungen binden, und somit die Ölverträge zwischen der tschadischen Regierung und dem Konsortium garantieren. Anders als in anderen afrikanischen Ölförderländern, in denen das Erdölgeld in den Taschen der politischen Elite verschwindet, sollen die Erlöse der Bevölkerung zugute kommen. Die Weltbank ist bereit unter der Bedingung der Armutsbekämpfung sich an dem Projekt zu beteiligen. 1999 unterzeichnet die tschadische Regierung das Gesetz 001. Nach diesem sollen 80% der Erlöse aus dem Tschad – Kamerun- Pipeline – Projekt in Bildung, Gesundheit, die öffentliche Infrastruktur und die ländliche Entwicklung investiert sowie 10% für künftige Generationen angelegt werden.

Obwohl es noch nirgends auf der Welt gelungen ist durch Rohstoffförderung Armut zu bekämpfen, sondern solche Projekte zu stärkeren Verarmung und Menschenrechtsverletzungen geführt haben (so das Ergebnis der Abstract of Industry Review Process, einer von der Weltbank eingesetzten Kommission) gab die Weltbank dem Projekt grünes Licht. Ebenso ergab das Ergebnis einer von Esso in Auftrag gegebenen Umweltfolgen – Studie, dass die Region nur wenig von der Erdölförderung profitieren würde, die sozialen und ökologischen Folgen jedoch erheblich sein würden. Das Doba-Becken

ist das fruchtbarste Gebiet des Landes und das am dichtesten besiedelte. Der größte Teil der Nahrungsmittel des Tschads werden hier produziert, sowie Baumwolle, die bisher 54% der Exporterlöse sichert. 300 Bohrtürme sollen über dieses Land verteilt werden und sie werden [...] ca. 1200 ha Fläche dauerhaft verbrauchen […]. […] die traditionell extensive landwirtschaftliche Nutzung des Landes wird ernsthaft beeinträchtigt. [2]

Weiter heißt es, die Flächenreduzierung könnte die Konflikte zwischen den Bauern und unherziehenden Viehzüchtern noch mehr verschärfen. 30000 Menschen müssen sogar aus der Region umgesiedelt werden. Was die drei Milliarden Investitionen anbetrifft, fließen höchstens 17 Millionen US-Dollar an die Regierung. Die autochthone Bevölkerung wird davon nichts haben.

2.3 Die Umsetzung des Projektes

Nach einer Schätzung über die Förderung des Ölvorkommens im Tschad bis ins Jahr 2032 verteilt sich der gesamte Erlös zwischen dem Tschad, Kamerun und dem Konsortium wie folgt: Kamerun bekommt 548 Millionen Dollar für die Durchleistungsgebühr und eine Dividende von seinem Anteil an Cotco[3]. Der Tschad erhält 1800 Millionen Dollar für die Royalitie von 12,5% auf den Ölwert, eine Steuer auf die Gewinne des Konsortiums sowie eine Dividende seiner Beteiligung am Kapital. Das Konsortium bekommt den weitaus größten Anteil: 5760 Millionen Dollar! In Prozenten formuliert, bedeutet dies: 7%, 22% und 71%[4]. Trotz des Engagements der Weltbank, charakterisiert sich auch das Tschad – Kamerun – Erdölprojekt durch eine ungleiche Verteilung des Gewinns. Sollte die Weltbank nicht garantieren, dass die Ölkonzerne des Nordens ihren ungleichen Vertragspartnern des Südens eine Möglichkeit geben sich finanziell zu stabilisieren?

Die Bestrebung der Weltbank ist es mit den Öleinnahmen die Armut im Tschad und in Kamerun zu bekämpfen. Jedoch stellt die Weltbank den beiden Ländern lediglich einen Kredit von 150 Millionen Dollar zu Verfügung. Das sind nicht einmal drei Prozent der gesamten Investitionssumme. Mit dieser Summe konnten der Tschad und die kamerunsche Regierung sich gerade mit 5 Prozent an Firmen beteiligen, die die Pipeline betreiben (Tschad-Oil-Transportation-Company und Kamerun Oil-Transportation-Company). Sie sind nicht direkt am dem Ölprojekt beteiligt!

[...]


[1] Der Tschad ist ein Binnenland.

[2].http://www.kurvewustrow.org/archiv/tschad.html (Zugriff am 3. August 2006)

[3] Cameroon Oil Transportation Company.

[4] Antoine de Revignan, „Tchad-Cameroun. Pour qui le pétrole coulera-t-il ? “Féderation Internationale des Ligues des Droits de l’Homme, N°295, Juli 2000, S. 13.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Das Tschad-Kamerun-Erdöl- und Pipeline-Projekt
Hochschule
Universität Kassel
Note
2
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V133959
ISBN (eBook)
9783640405947
ISBN (Buch)
9783640406029
Dateigröße
597 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tschad-Kamerun-Erdöl-, Pipeline-Projekt
Arbeit zitieren
Michel Yem Yem (Autor), 2006, Das Tschad-Kamerun-Erdöl- und Pipeline-Projekt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133959

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