Textsorten sind nicht nur historisch sondern auch kulturell geprägt. Dieser Aspekt führt dazu, dass sie sich laufend verändern und sprachliche Gegebenheiten innerhalb der Textsorten sich ebenfalls im ständigen Wandel befinden. Eine genaue Definition des Terminus Textsorte zu geben, ist problematisch, da man nicht exakt festmachen kann, welche Komponenten eines Textes obligatorisch sind. Auch heute sind Wissenschaftler sich noch nicht darüber einig, welche Eigenschaften ein Text beinhalten muss. Herausgestellt wurde, dass Texte ein sprachliches Gebilde mit kommunikativer Funktion sind. Textsorten lassen sich in verschiedene Klassen einteilen. Innerhalb dieser Klassen gibt es allerdings noch weitere Abgrenzungen. Durch eine sich immer im Wandel befindende Gesellschaft, sind Textsorten einer ständigen Veränderung unterworfen. Deshalb ist es wichtig, dass Untersuchungen im Forschungszweig der kontrastiven Textologie, auch in Zukunft, nicht in den Hintergrund geraten. Bei einer genaueren Untersuchung der Textsorte Kontaktanzeige wird deutlich, dass es sich um eine Textsorte handelt, die heutzutage zu einem wichtigen Bestandteil der Textsortenkategorie ist. Sie hat sich mit den Jahren entwickelt und deckt heute zahlreiche Interessengebiete der Inserenten ab. Somit existieren neben Kontaktanzeigen, die dazu dienen einen Lebenspartner zu finden, ebenfalls Inserate, die andere Absichten verfolgen, beispielsweise Partner für Freizeitaktivitäten kennenzulernen. Aufgrund der enormen Abgrenzung zur gewöhnlichen Zeitungsannonce, stellt die Kontaktanzeige eine Subtextsorte dar, die sich in mehrere Subrubriken einteilen lässt. Um Texte interlingual zu vergleichen ist es wichtig auf formale und inhaltliche Faktoren zu achten. Von besonderer Bedeutung ist es, besondere Stilzüge und Formulierungsbesonderheiten mit in Betracht zu ziehen. Das Arbeiten von der makrostrukturellen zur mikrostrukturellen Ebene ist hier sinnvoll. Auch der kulturelle Faktor ist ein nicht außer Acht zu lassender Aspekt, da sich Veränderungen oder Gegebenheiten innerhalb einer Gesellschaft auf die Sprache auswirken. Die Bindung zwischen Gesellschaft und Sprache war schon in früheren Zeiten sehr eng. Die erarbeiteten Aspekte werden bei dem Vergleich von deutschen und französischen Kontaktanzeigen besonders verdeutlicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Ziele der Arbeit
1.1 Die Thematik Textsorte
1.2 Die Textsorte Kontaktanzeige
2. Der interlinguale und interkulturelle Vergleich von Textsorten
2.1 Der interlinguale und interkulturelle Vergleich von Kontaktanzeigen
2.2 Eine Analyse deutscher und französischer Kontaktanzeigen
3. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Kontaktanzeigen als spezifische Textsorte im kontrastiven Vergleich zwischen dem deutschen und französischen Sprachraum, wobei der Fokus auf den interlingualen und interkulturellen Differenzen liegt. Ziel ist es, die strukturellen, inhaltlichen und stilistischen Besonderheiten dieser Kommunikationsform herauszuarbeiten und zu analysieren, wie kulturelle Einflüsse und soziologische Faktoren die Ausgestaltung der Anzeigen prägen.
- Grundlagen der Textsortentheorie und deren Definitionsproblematik
- Entwicklung und Funktion der Textsorte Kontaktanzeige
- Methodik des interlingualen und interkulturellen Textsortenvergleichs
- Kontrastive Analyse von französischen und deutschen Kontaktanzeigen
- Einfluss kultureller Faktoren auf Kommunikationsmuster in Partneranzeigen
Auszug aus dem Buch
2.1 Der interlinguale und interkulturelle Vergleich von Kontaktanzeigen
Jede Kultur verfügt über eigene Besonderheiten, die sich besonders in der strukturell sprachlichen Spezifik der Textsorten widerspiegeln, wenn diese Kommunikationsbereiche betreffen, die in Relation zu zwischenmenschlichen Beziehungen stehen. Die Kontaktanzeige ist in anderen Ländern, im Gegensatz zu Deutschland, eher unbekannt und wird nicht verwendet. Gründe hierfür liegen darin, dass in manchen Ländern der religiöse Faktor eine entscheidende Rolle spielt und die Kontaktanzeige deshalb als moralisch anstößig aufgefasst wird. Beim interlingualen Vergleich stellt sich heraus, dass die vorhandenen Konventionen stark differieren. Die deutsche und französische Kontaktanzeige folgt dem analogen Textmuster jedoch deutlich. Um Kontaktanzeigen interlingual vergleichen zu können, ist es wichtig eine Inhaltsanalyse durchzuführen, wobei es entscheidend ist, neben den formalen die rein inhaltlichen Strukturmerkmale mit in Betracht zu ziehen.
Ebenfalls ist eine sinnvolle Kategorisierung der einzelnen Informationseinheiten einer Anzeige unabdingbar, um inhaltlich analysieren zu können. An dieser Stelle führt Riemann ein Zitat von Schneider-Ziegenhagen an, der die Kategorisierung der Kontaktanzeige folgendermaßen beschreibt: „Die Struktur der Anzeige selbst und deren Informationseinheiten lassen sich in ihren Grundzügen mit der von Lasswell beschriebenen Formel: ‚wer sagt was zu wem mit welcher Wirkung’ erfassen.“ Diese Aussage ist allerdings nicht hinreichend um die Struktur der Kontaktanzeige umfassend zu beschreiben. Eine Anzeige gibt weder Aufschluss darüber, wer Rezipient ist, noch wer tatsächlich antwortet. Die Inhaltsanalyse lässt vier Fragen zu: Wer sagt was in welchem Medium, und wen will er erreichen? Hier wird noch einmal deutlich, dass eine Analyse auf formaler sowie inhaltlicher Ebene stattfinden muss. Die formale Ebene umfasst Informationen darüber, welches Medium, welche Rubrik für die Anzeige ausgewählt wurde. Außerdem sind das Erscheinungsdatum der Anzeige sowie der Umfang zu nennen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Ziele der Arbeit: Diese Einführung erläutert die kontrastive Textologie, definiert den Begriff Textsorte und steckt den Rahmen für den anschließenden Vergleich von Kontaktanzeigen ab.
1.1 Die Thematik Textsorte: Dieser Abschnitt beleuchtet die theoretischen Grundlagen von Textsorten als historisch und kulturell geprägte Muster sprachlichen Handelns.
1.2 Die Textsorte Kontaktanzeige: Es wird die historische Entwicklung und die spezifische Funktion der Kontaktanzeige als informative und appellative Subtextsorte dargelegt.
2. Der interlinguale und interkulturelle Vergleich von Textsorten: Das Kapitel führt in die wissenschaftlichen Methoden des Sprachvergleichs ein, insbesondere das unilaterale Verfahren zur Abbildung von Sprachmerkmalen.
2.1 Der interlinguale und interkulturelle Vergleich von Kontaktanzeigen: Hier werden die Voraussetzungen für die Inhaltsanalyse von Kontaktanzeigen diskutiert, um strukturelle Unterschiede zwischen den Sprachen greifbar zu machen.
2.2 Eine Analyse deutscher und französischer Kontaktanzeigen: Der praktische Vergleich von Anzeigen aus Zeitungen beider Länder offenbart deutliche Unterschiede in Formalität, Stil und Kreativität.
3. Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass die Kontaktanzeige eine dynamische Textsorte ist, die stark von gesellschaftlichen Werten und kulturellen Normen beeinflusst wird.
Schlüsselwörter
Textsorte, Kontaktanzeige, kontrastive Textologie, interkultureller Vergleich, interlingualer Vergleich, Inhaltsanalyse, Sprachvergleich, Texttypologie, Partnervermittlung, Selbstdarstellung, kommunikative Funktion, Kommunikationsmuster, kulturelle Prägung, Zeitungsanzeige, kontrastive Linguistik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem kontrastiven Vergleich von Kontaktanzeigen im deutschen und französischen Sprachraum, um die textsortenspezifischen Unterschiede herauszuarbeiten.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die theoretische Bestimmung des Begriffs Textsorte, die historische Entwicklung der Kontaktanzeige sowie der Einfluss von Kultur und Gesellschaft auf die Struktur solcher Anzeigen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die formalen und inhaltlichen Differenzen zwischen deutschen und französischen Kontaktanzeigen zu untersuchen und zu zeigen, wie Sprache und kulturelle Hintergründe die Ausgestaltung dieser Textsorte beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt Ansätze der kontrastiven Textologie, insbesondere das unilaterale Verfahren, bei dem Merkmale einer Ausgangssprache auf die Zielsprache abgebildet und verglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Im Hauptteil werden methodische Ansätze zum Vergleich von Texten vorgestellt und anschließend anhand konkreter Anzeigenbeispiele aus Zeitungen die Unterschiede in Struktur, Wortwahl und Stil analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die Untersuchung lässt sich vor allem durch Begriffe wie Kontaktanzeige, kontrastive Textologie, interkultureller Vergleich und Textsortenanalyse charakterisieren.
Welchen Einfluss hat das kulturelle Umfeld auf die Gestaltung der Anzeigen laut der Autorin?
Kulturelle Faktoren prägen das Maß der Kreativität und die Offenheit der Anzeigen; in manchen Ländern verhindern religiöse oder moralische Vorbehalte die Existenz solcher Texte sogar vollständig.
Wie unterscheidet sich die deutsche von der französischen Kontaktanzeige im Ergebnis?
Die deutsche Kontaktanzeige zeigt sich meist kreativer und persönlicher mit längeren Texten, während die französische Anzeige häufig durch eine gradlinige, schematisierte Struktur und eine höhere Abkürzungsdichte gekennzeichnet ist.
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- Anonym (Author), 2008, Textsorten im interkulturellen und interlingualen Vergleich am Beispiel von französischen und deutschen Kontaktanzeigen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134154