Wie gelingt es, die vielen Eltern mit ihren individuellen Schicksalen zusammenzubringen? Was macht es mit den Eltern? Wie stehen die Trauerbegleiter:innen und Ehrenamtler:innen zu dem Konzept, dass alle an der Trauerarbeit in der Selbsthilfe teilhaben? Diese Fragen sollen in dieser Arbeit genauer betrachtet werden.
Ausgangspunkt der Herangehensweise ist die Definition der Sozialraumorientierung, um zu erläutern, warum es wichtig ist, auf den Willen und die Mitwirkung der Betroffenen in diesem Prozess der Trauer einzugehen. Da es in der Fachliteratur bislang keine Zuordnung des Themas Trauer zur Sozialraumorientierung gibt, wird diese Hausarbeit ein erstes Herantasten an eine Einordnung an einem Beispiel darstellen.
Das Praxisbeispiel des Aufbaus einer Familienberatungsstelle im Umfeld des Bundesverbandes Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e. V. wird über das Gelingen berichten und einen Einblick in die Methodik geben, wie sich Sozialraumorientierung im Alltag umsetzen lässt und wie dies in der Trauerarbeit von Eltern und Geschwisterkindern einen bedeutenden Raum einnimmt.
Inhaltsverzeichnis
1. Sozialraumorientierung
1.1 Begriffsbestimmung Sozialraumorientierung
1.1.1 Die historische Entwicklung des Fachkonzeptes der Sozialraumorientierung aus der Gemeinwesenarbeit
1.1.2 Inhalt des Fachraumkonzeptes Sozialraumorientierung
1.2. Begriffserklärung Trauerarbeit
1.3 Die Trauerarbeit als Bestandteil der Sozialraumorientierung
2. Zur Bedeutung der Sozialraumorientierung am Beispiel des Bundesverbandes Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e. V.
2.1 Der VEID als Säule der Trauerarbeit beim Tod eines Kindes
2.2 VEID in der Praxis – Sozialraumorientierung in der Familienberatungsstelle
2.1.1 Familienberatungsstellen im Allgemeinen
2.2.2 Die fünf Prinzipien der Sozialraumorientierung in der Familienberatungsstelle unter dem Dach des VEID
3. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit des Fachkonzepts der Sozialraumorientierung nach Wolfgang Hinte auf das Arbeitsfeld der Trauerbegleitung, insbesondere am Beispiel einer vom Bundesverband Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e. V. (VEID) in Leipzig eingerichteten Familienberatungsstelle.
- Grundlagen der Sozialraumorientierung und deren historische Entwicklung.
- Verknüpfung der theoretischen Prinzipien von Hinte mit den Anforderungen der Trauerarbeit.
- Analyse des VEID als organisatorischen Rahmen und Säule der Trauerhilfe.
- Umsetzung sozialraumorientierter Prinzipien in der Praxis der Familienberatungsstelle Leipzig.
- Bedeutung von Vernetzung und Zielgruppenorientierung in der Beratung nach dem Verlust eines Kindes.
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Die fünf Prinzipien der Sozialraumorientierung in der Familienberatungsstelle unter dem Dach des VEID
Eine Familienberatungsstelle wurde am 1. Juni 2021 unter dem Dach des VEID in Leipzig eingerichtet. Sie wird für einen Zeitraum von fünf Jahren (2021 – 2026) durch die Aktion Mensch gefördert. Sie richtet sich vorrangig an Familien der Stadt Leipzig – damit ist ein wichtiger Punkt der Sozialraumorientierung durch die räumliche Einordnung erfüllt. Nach dem Tod eines Kindes richtet sich die Unterstützung an betroffene Eltern, Geschwister und weitere Familienangehörige sowie das soziale Umfeld wie Freunde, Nachbar:innen, Kolleg:innen und Mitarbeiter:innen und schließlich auch an involvierte Berufsgruppen, die Ärzt:innen, Geburtshelfer:innen, Lehrer:innen und Erzieher:innen sowie weitere umfassen können, da die Familie als Ganzes in den Mittelpunkt gestellt wird. Die Angebote der Familienberatungsstelle stehen dabei allen Familien, unabhängig vom Alter und den Todesumständen des Kindes, kostenfrei zur Verfügung.
Prinzip 1: Der Wille und das individuelle Interesse der Trauernden
Der Ausgangspunkt, warum die Familienberatungsstelle gegründet wurde, ist in der 25-jährigen Arbeit des VEID zu finden. Die Tätigkeit der Trauerbegleiter:innen in den Selbsthilfegruppen belegt, dass der Wille der Betroffenen darauf abzielt, wie eingangs beschrieben, ein „Geländer“ zu finden, um wieder am gesellschaftlichen und beruflichen Leben teilhaben zu können. Es geht nicht darum, die Trauer über den Verlust eines Kindes zu überwinden, sondern mit der Trauer umgehen zu können und sich selbstbestimmt im Alltag zu bewegen. Dabei werden die individuellen Trauerbedürfnisse aller Mitglieder des Familiensystems berücksichtigt. Diesen individuellen Willen respektierend erfüllt die Beratungsstelle unter dem Dach des VEID das erste Prinzip der Sozialraumorientierung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Sozialraumorientierung: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Sozialraumorientierung, ihre Ursprünge in der Gemeinwesenarbeit und definiert die zentralen Prinzipien nach Hinte sowie das Verständnis von Trauerarbeit.
2. Zur Bedeutung der Sozialraumorientierung am Beispiel des Bundesverbandes Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e. V.: Hier wird die praktische Anwendung des Konzepts analysiert, indem die Rolle des VEID sowie der spezifische Aufbau und die Arbeitsweise der Familienberatungsstelle Leipzig anhand der fünf Prinzipien dargestellt werden.
3. Schlussbemerkung: Der Schlussteil reflektiert die Anwendbarkeit der Sozialraumorientierung im Kontext der Trauerhilfe und betont die Bedeutung von Aktivierung zur Selbsthilfe und Vernetzung für die nachhaltige Unterstützung Betroffener.
Schlüsselwörter
Sozialraumorientierung, Trauerarbeit, VEID, Familienberatung, Selbsthilfe, Netzwerkarbeit, Aktivierung, Trauerbegleitung, Sozialpädagogik, Lebenswelt, Gemeinwesenarbeit, Verlust, Kinder, Unterstützung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Integration des Fachkonzepts der Sozialraumorientierung in das Feld der Trauerarbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Sozialraumorientierung nach Wolfgang Hinte, die Trauerbegleitung bei Kinderverlust und die organisatorische Arbeit des Bundesverbandes Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister (VEID).
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das theoretische Konzept der Sozialraumorientierung auf ein praktisches Beispiel der Trauerhilfe zu übertragen und dessen Anwendung in der Familienberatungsstelle Leipzig aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse zu theoretischen Grundlagen der Sozialraumorientierung und einer fallbezogenen Untersuchung der Organisationsstruktur des VEID sowie deren Umsetzung in der Familienberatungsstelle.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Definitionen als auch die operative Umsetzung der fünf Prinzipien der Sozialraumorientierung auf die Arbeit mit trauernden Familien konkretisiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sozialraumorientierung, Trauerarbeit, Hilfe zur Selbsthilfe, VEID, Vernetzung und Aktivierung.
Wie unterscheidet sich die Arbeit des VEID von klassischen Beratungsstellen?
Der VEID stützt sich primär auf die Expertise von Betroffenen und Ehrenamtlichen, die durch professionelle Qualifizierungen und einen wissenschaftlichen Beirat in das Konzept der Sozialraumorientierung eingebunden sind.
Welche Rolle spielt die räumliche Einordnung für die Familienberatungsstelle Leipzig?
Die räumliche Einordnung ermöglicht eine passgenaue Unterstützung im direkten Lebensumfeld der betroffenen Familien, was den Zugang zu Hilfe erleichtert und die soziale Teilhabe stärkt.
Warum ist die Einbeziehung der Familie als Ganzes so bedeutsam?
Da der Tod eines Kindes das gesamte Familiensystem erschüttert, ist ein ganzheitlicher Ansatz entscheidend, um sowohl Eltern als auch Geschwisterkinder in ihrer spezifischen Lebenslage zu unterstützen.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Zukunftsfähigkeit des Modells?
Die Autorin sieht die Familienberatungsstelle Leipzig als potentielle Musterinstitution, die zeigt, dass sozialraumorientierte Ansätze in der Trauerhilfe essenziell für die Aktivierung zur Selbsthilfe sind.
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- Silke Friederici (Author), 2022, Sozialraumorientierung und Netzwerkarbeit in der Trauerarbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1341872