Wenn von institutionellen Arrangements gesprochen wird, bezieht sich dies nicht nur auf die Ebene von Einrichtungen oder Unternehmen. Diese Institutionen bilden sich aus Interaktions- und Transaktionsprozessen zwischen einzelnen Personen (Individuen). Ob ein Geschäftsführer einer Reha-Klinik, ein Vorstand eines Kosten- bzw. Versicherungsträgers oder der einzelne Patient, alle diese Individuen bestreben ihren eigenen Nutzen zu maximieren (im Sinne des Homo Oeconomicus). Dabei verfügen sie jedoch nur über eine begrenzte Rationalität, die sie nur eingeschränkt sachlich handeln lässt.
Dies ist ein Grund dafür, dass in dem stark arbeitsteilig organisierten Rehabilitationsmarkt ausgeprägte Informationsasymmetrien zwischen den Vertragspartnern (Auftraggeber und Auftragnehmer) bestehen und zu Problemen führen. Infolge dessen sind die administrativen Kosten immens und somit die Verschwendung der knappen Ressourcen hoch. Ziel dieser Arbeit ist es, ein Analyseraster zu modellieren, welches Probleme in den unterschiedlichen vertraglichen Beziehungen erklären kann sowie Lösungsmöglichkeiten aufzeigt.
Inhaltsverzeichnis
1. AKTUELLER STAND UND ENTWICKLUNGSTENDENZEN DER REHABILITATION
1.1 Rehabilitation als gesellschaftliche Notwendigkeit
1.2 Chancen für innovative Versorgungskonzepte
1.3 Strukturverschiebungen bei Leistungen der Rehabilitation
2. ZUR THEORIE DER REHABILITATION: DIE WHO ALS IMPULSGEBER
2.1 Die ICIDH der WHO von 1980
2.2 Die ICIDH-2 der WHO von 1997
2.3 Bedeutung der WHO-Klassifikation für die Rehabilitation
2.4 Das Theoriemodell der Rehabilitation nach GERDS & WEIS (2000)
2.5 Rehabilitation als Gegenstand der Versorgungsforschung
3. ÜBERBLICK ÜBER DIE STRUKTUR DES GESUNDHEITSSYSTEMS ZUR EINORDNUNG DER REHABILITATION
3.1 Exkurs zur stationären Versorgung
3.2 Exkurs zur ambulanten ärztlichen und zahnärztlichen Versorgung
3.3 Exkurs zur stationären und ambulanten Pflege
3.4 Exkurs zur rehabilitativen Versorgung
4. STRUKTURELLE MERKMALE DER REHABILITATION
4.1 Träger für Leistungen zur Teilhabe
4.2 Finanzvolumen des Vorsorge- und Rehabilitationsmarktes
4.3 Leistungsbeschreibung nach dem SGB IX
4.4 Leistungen zur Teilhabe: Leistungsgruppen nach § 5 SGB IX
4.4.1 Leistungen zur medizinischen Rehabilitation
4.4.2 Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben
4.4.3 Unterhaltssichernde und andere ergänzende Leistungen
4.4.4 Leistungen zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft
4.5 Zuständigkeiten der Rehabilitationsträger
4.5.1 Zuständigkeit nach dem Versichertenstatus des Betroffenen
4.5.2 Zuständigkeit nach dem Ort der Antragsstellung
4.5.3 Zuständigkeit nach der Richtigkeit des Kostenträgers
4.5.4 Zuständigkeit nach den primären Zieldimensionen
4.5.5 Zuständigkeit bei Leistungen außerhalb der Kernkompetenz
4.5.6 Zuständigkeit nach Begutachtung
4.6 Daten und Fakten des Rehabilitationswesens
5. BEZIEHUNGEN DER REHABILITATIONSBETEILIGTEN UNTER STRUKTURELLER BETRACHTUNG
5.1 Beziehung zwischen Kostenträgern und Leistungserbringern
5.2 Beziehung zwischen Kostenträgern und Versicherten
5.3 Die Beziehung zwischen Leistungserbringern und Patienten
5.4 Zwischenfazit: Die Organisation der Schnittstellen von Rehabilitation
6. ZWISCHENFAZIT
1. ANSÄTZE DER NEUEN INSTITUTIONENÖKONOMIK
2. INSTITUTIONEN
2.1 Allgemeines Verständnis
2.2 Institutionen als Gegenstand der NIÖ
2.3 Entwicklung von Institutionen
2.4 Nutzen von Institutionen
2.5 Anwendung des Institutionenbegriffs
2.6 Zwischenfazit
3. DER VERFÜGUNGSRECHTSANSATZ (PROBERTY RIGHTS)
3.1 Einführung (Grundlagen)
3.2 Verfügungsrechte: Definitionsversuche und Beispiele
3.3 Die Internalisierung externer Effekte
4. DER TRANSAKTIONSKOSTENANSATZ
4.1 Transaktionskostentheorie
4.2 Transaktionskostentheorie und Verträge
4.3 Eigenschaften von Transaktionen
4.3.1 Unsicherheiten
4.3.2 Spezifität
4.3.3 Häufigkeit
4.4 Arten von Transaktionskosten
5. DER PRINZIPAL-AGENT-ANSATZ
5.1 Einführung in die Prinzipal-Agent-Theorie (PAT)
5.2 Vertragliche Gestaltung von Austauschbeziehungen
5.3 Versagen des Marktes
5.4 Vier Problemtypen von Prinzipal-Agent-Beziehungen
5.5 Lock-in Effekt und das Hold up Problem
5.6 Lösungsmöglichkeiten für PA-Probleme
5.6.1 Reduktion von Informationsdefiziten
5.6.2 Zielkonflikte auflösen
5.6.3 Vertrauensbildungen: Reputation und Commitment
1. ANALYSE UND PROBLEMBESCHREIBUNG DER PRINZIPAL-AGENT-BEZIEHUNGEN (PAB)
1.1 Die PAB zwischen Patient und Leistungserbringer
1.1.1 Informationsdefizite des Patienten (Versicherten)
1.1.1.1 Hidden Characteristics des Arztes
1.1.1.2 Hidden Information des Arztes
1.1.1.3 Hidden Action des Arztes
1.1.2 Informationsdefizite des Arztes
1.1.2.1 Hidden Characteristics des Patienten
1.1.2.2 Hidden Information und Hidden Action des Patienten
1.1.3 Das Hold-up Risiko
1.1.4 Die Transaktionsbeziehung zwischen Leistungserbringer und Patient
1.1.5 Die Transaktionsbeziehung zwischen den Leistungserbringern
1.2 Die PAB zwischen Patient und Kostenträger (GKV & DRV)
1.2.1 Hidden Characteristics des Versicherten
1.2.2 Hidden Action und Hidden Information des Versicherten
1.2.3 Die Transaktionsbeziehung zwischen Versicherten und Kostenträgern
1.3 Die PAB zwischen Kostenträger und Leistungserbringer
1.3.1 Hidden Characteristics der Leistungserbringer
1.3.2 Hidden Action der Leistungserbringer
1.3.3 Die Transaktionsbeziehung zwischen Leistungserbringer und Kostenträger
2. LÖSUNGSVORSCHLAG I: ABBAU VON INFORMATIONSDEFIZITEN
2.1 Der mündige Patient
2.2 Monitoring- und Kontrollsysteme
2.3 Informations- und Kommunikationssysteme
2.4 Signalling-Maßnahmen: Im Fokus steht der Patient
3. LÖSUNGSVORSCHLAG II: EINSATZ VON INSTRUMENTEN ZUR STEUERUNG REHABILITATIVER LEISTUNGEN
3.1 Netzwerkmanagement
3.2 Case Management
3.3 Disease Management
3.4 Patientenpfade (Clinical Pathways)
3.5 Entlassungs- und Überleitungsmanagement
3.6 Patientenberatung und -schulung
4. LÖSUNGSVORSCHLAG III: ANREIZORIENTIERTE VERGÜTUNG (IM RAHMEN DER INTEGRIERTE VERSORGUNG)
4.1 Integrierte Versorgung und Rehabilitation
4.2 Integrierte Versorgung und Rehabilitation im Rahmen der DRV
4.3 Alternative Vergütungsformen
4.3.1 Status Quo: Tagesgleiche Pflegesätze
4.3.2 Patientenklassifikationssysteme als Finanzierungsgrundlage
4.3.3 Rehabilitations-Fallpauschalen (Reha-DRG)
4.3.4 Komplexfallpauschalen
4.3.5 Qualitätsorientierte Vergütung
4.3.6 Ergebnisorientierte Vergütung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das deutsche Rehabilitationssystem aus der Perspektive der Neuen Institutionenökonomik (NIÖ) zu analysieren, um strukturelle Ineffizienzen, Informationsasymmetrien und Anreizprobleme in den Vertragsbeziehungen der beteiligten Akteure zu identifizieren und Lösungswege aufzuzeigen.
- Strukturanalyse des deutschen Rehabilitationsmarktes und seiner Akteure.
- Anwendung der Konzepte der Neuen Institutionenökonomik (Property Rights, Transaktionskosten, Prinzipal-Agent-Theorie).
- Untersuchung von Informationsasymmetrien und deren Auswirkungen auf die Versorgungsqualität.
- Entwicklung von Lösungsansätzen zur Effizienzsteigerung durch neue Steuerungsinstrumente und Vergütungsmodelle.
- Diskussion der Bedeutung von Wettbewerb, Transparenz und Anreizstrukturen im Sektor der medizinischen Rehabilitation.
Auszug aus dem Buch
Die PAB zwischen Patient und Leistungserbringer
Die klassischste Beziehung im Gesundheitswesen stellt die Arzt-Patienten Beziehung dar. Diese ist durch einen hohen Anspruch an Vertrauen gekennzeichnet. So besitzt der Arzt durch seine fachspezifische Ausbildung komplexes Wissen über Krankheiten, denen der Patient i.d.R. nur als Laie begegnen kann. Diese Wissensunterschiede zu Gunsten des Arztes, stellen ein wesentliches Merkmal im Leistungsanbieter-Leistungsempfänger-Verhältnis dar. Es existieren auf beiden Seiten Informationsvorsprünge und Informationsdefizite. So kann der Arzt durch seine Diagnostik Informationen zum weiteren Verlauf der Erkrankung generieren, muss diese jedoch auch patientengerecht aufbereiten, um nicht unnötig den Patienten zu verunsichern. Auf der anderen Seite kann der Patient, z.B. aus Angst oder Scham, Informationen zurückhalten, die dem Arzt jedoch in seiner therapeutischen Intervention unterstützen könnten.
Unter institutionenökonomischer Betrachtung spricht man von der Arzt-Patienten-Beziehung als die klassische Prinzipal-Agent-Beziehung. Die beidseitigen Informationsasymmetrien, d.h. die Informationsvorsprünge (liegen überwiegend beim Arzt) führen dazu, dass der Patient diese Beziehung eingeht. Er tritt als Auftraggeber (Prinzipal) auf und hofft auf ein Vertrauensverhältnis zu seinem Agenten, dem Arzt. Das Problem, welches für beide Parteien besteht, ist die Findung einer institutionellen Struktur (vertragliche Regelung), die gewährleistet, dass der Arzt einen Anreiz hat, sich trotz unterstellter Einkommensmaximierung den Interessen des Patienten entsprechend zu verhalten. Jedoch ohne dabei das gesamte Risiko der Behandlung zu tragen, da dessen Höhe nicht nur von seinem Einsatz abhängt, sondern auch vom Verhalten des Patienten sowie von exogenen Faktoren.
Zusammenfassung der Kapitel
AKTUELLER STAND UND ENTWICKLUNGSTENDENZEN DER REHABILITATION: Das Kapitel beleuchtet die Dynamik des deutschen Gesundheitssystems und die wachsende Bedeutung der Rehabilitation als gesellschaftlich notwendige Aufgabe angesichts demografischer Veränderungen.
ZUR THEORIE DER REHABILITATION: DIE WHO ALS IMPULSGEBER: Hier werden die Klassifikationsmodelle der WHO (ICIDH und ICIDH-2) sowie ihre Bedeutung für das moderne Rehabilitationsverständnis in Deutschland und die wissenschaftliche Versorgungsforschung diskutiert.
ÜBERBLICK ÜBER DIE STRUKTUR DES GESUNDHEITSSYSTEMS ZUR EINORDNUNG DER REHABILITATION: Dieses Kapitel liefert eine systemische Analyse der verschiedenen Sektoren (stationär, ambulant, Pflege) und ordnet die rehabilitative Versorgung in dieses Geflecht ein.
STRUKTURELLE MERKMALE DER REHABILITATION: Der Abschnitt erläutert die komplexe Trägerstruktur und die rechtlichen Grundlagen der verschiedenen Rehabilitationsleistungen nach dem SGB IX.
BEZIEHUNGEN DER REHABILITATIONSBETEILIGTEN UNTER STRUKTURELLER BETRACHTUNG: Hier werden die Interaktionen zwischen Kostenträgern, Leistungserbringern und Versicherten analysiert, wobei Ineffizienzen durch sektorale Trennungen hervorgehoben werden.
ANSÄTZE DER NEUEN INSTITUTIONENÖKONOMIK: Es werden die theoretischen Grundlagen der NIÖ (Verfügungsrechte, Transaktionskosten, Prinzipal-Agent-Theorie) dargestellt, die als Analyserahmen für den weiteren Verlauf der Arbeit dienen.
ANSÄTZE EINER INSTITUTIONENÖKONOMISCHEN ANALYSE DES REHABILITATIONSMARKTES: Dieser Teil überträgt die theoretischen Instrumente der NIÖ auf den Rehabilitationsmarkt und leitet konkrete Handlungsempfehlungen zur Effizienzsteigerung ab.
Schlüsselwörter
Rehabilitation, Neue Institutionenökonomik, Prinzipal-Agent-Theorie, Transaktionskosten, Verfügungsrechte, Gesundheitswesen, Versorgungsforschung, Patientenorientierung, Integrierte Versorgung, Informationsasymmetrie, Leistungsträger, Qualitätsmanagement, Anreizstrukturen, Monitoring, Managed Care
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert das deutsche Rehabilitationssystem aus der wirtschaftswissenschaftlichen Perspektive der Neuen Institutionenökonomik, um bestehende Ineffizienzen und Anreizprobleme zwischen den Akteuren aufzudecken.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die strukturelle Organisation der Rehabilitation, die Bedeutung von Verträgen und Transaktionskosten sowie die Analyse der Beziehungen zwischen Patienten, Kostenträgern und Leistungserbringern.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Modellierung eines Analyserasters, mit dem Probleme in den vertraglichen Beziehungen im Rehabilitationsmarkt erklärt und Lösungsmöglichkeiten für eine effizientere Versorgung abgeleitet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Instrumente der Neuen Institutionenökonomik, insbesondere den Verfügungsrechtsansatz, den Transaktionskostenansatz und die Prinzipal-Agent-Theorie, um komplexe Marktmechanismen zu dekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine empirische Bestandsaufnahme des Rehabilitationsmarktes in Deutschland und eine institutionenökonomische Analyse mit daraus abgeleiteten Lösungsvorschlägen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Institutionenökonomik, Rehabilitation, Prinzipal-Agent-Problematik, Transaktionskosten, Integrierte Versorgung und Effizienzsteigerung.
Wie unterscheidet sich die Vergütung in der Rehabilitation von der im Krankenhaussektor?
Während im Krankenhaussektor DRG-Fallpauschalen dominieren, basiert die Vergütung in der medizinischen Rehabilitation traditionell überwiegend auf tagesgleichen Pflegesätzen, wobei neue leistungsorientierte Modelle diskutiert werden.
Welche Rolle spielt die Informationsasymmetrie bei der Arzt-Patienten-Beziehung im Reha-Bereich?
Der Arzt verfügt über einen Informationsvorsprung hinsichtlich der Qualität und Notwendigkeit von Behandlungen, was den Patienten in eine Prinzipal-Agent-Abhängigkeit bringt und Risiken wie Moral Hazard oder angebotsinduzierte Nachfrage birgt.
Warum ist das "Hold up"-Problem für Rehabilitationseinrichtungen relevant?
Da Einrichtungen oft spezifische Investitionen tätigen, um bestimmte Anforderungen von Kostenträgern zu erfüllen, entsteht eine Abhängigkeit, die Kostenträger opportunistisch ausnutzen könnten, was die Einrichtung erpressbar macht.
- Quote paper
- M.Sc. (Master of Public Health and Admin.) Rajko Pflügel (Author), 2008, Institutionenökonomische Analyse des Rehabilitationsmarktes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134283