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Gespräch? Dialog? Konversation?

Probleme der Zuordnung frühneuzeitlicher Werke zu modernen systematischen Forschungsgebieten am Beispiel von Castigliones ‚Hofmann’ und Guazzos ‚Zivilisierter Konversation’ (IV. Buch)

Titel: Gespräch? Dialog? Konversation?

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2007 , 43 Seiten

Autor:in: Dominic Hand (Autor:in)

Rhetorik / Phonetik / Sprechwissenschaft
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Jede Sprache verfügt über zentrale Vokabeln, deren Bedeutungs- und
Anwendungsbereiche offensichtlich jedermann klar erscheinen. In
Wirklichkeit ist eine derartige Klarheit nur möglich, da diese
Begriffe über die Zeit hinweg einem Automatismus in Semantik und
Gebrauch zum Opfer fielen, der sich jeder kritischen Prüfung wie
Definierbarkeit entzieht – so ist dies auch im Deutschen.1
Es wird die Aufgabe dieser Arbeit sein, die Begriffe Gespräch, Dialog
und Konversation aus diesem semantischen Sumpf zu befreien und sie
einer längst fälligen, differenzierenden Analyse zu unterziehen.
An deren Ende werden insbesondere drei grundlegende Fragen geklärt
sein:
(i) Anhand welcher greifbaren Kriterien können Gespräch, Dialog
und Konversation definiert werden?
(ii) Ist eine Systematisierung der Begriffe mittels dieser
möglich?
(iii) Welchen Nutzen hat die entworfene Systematik für die Praxis
und welche Schlüsse lässt sie über die Kommunikation bei
Castiglione und Guazzo zu?

Kapitel 2 formuliert zunächst anhand von Beispielen aus Wissenschaft und Alltag einen Ist-Zustand, der deutlich macht, in welchem diffus-semantischen Spannungsfeld sich die Worte Gespräch, Dialog und Konversation aktuell befinden.
In Kapitel 3 werden anschließend die bedeutendsten Richtungen der
Gesprächsforschung mit ihren unterschiedlichen Ansätzen, Zielen und Wurzeln dargestellt.
Nachdem Kapitel 2 und 3 die nötigen Hintergrundinformationen
bereitgestellt haben, rücken im nachfolgenden Kapitel 4 die Fragen
(i) und (ii)in den Fokus.
Es wird der Versuch unternommen - unter Berücksichtigung
verschiedener linguistischer Ansätze -, handfeste Kriterien zu
formulieren, mittels derer zwischenmenschliche Kommunikation entweder als Gespräch, Dialog oder Konversation kategorisierbar sein soll.
Die Antwort auf die dritte Frage, hält Kapitel 5 bereit. Einerseits
wird die Praktikabilität der zuvor erarbeiteten Klassifizierung zurDiskussion gestellt, indem versucht wird, diese auf zwei
frühneuzeitliche Werke - Castigliones ,Hofmann’ und Guazzos
,Zivilisierte Konversation’(IV. Buch)- anzuwenden.
Andererseits wird hinterfragt, ob die Einordnung der beiden Werke als „Konversationsliteratur“ nicht nur inhaltlich, sondern auch
kommunikationstheoretisch haltbar ist.
In Kapitel 6 sollen die im Verlauf der Arbeit gewonnenen Erkenntnisse
abschließend interpretiert, und in gegenwärtiger wie prospektiver
Dimension diskutiert werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Zu eruierende Problematik und Vorgehensweise dieser Arbeit

2. Gespräch, Dialog, Konversation - Definitorisches Dilemma in der alltäglichen wie epistemologischen Wortverwendung

3. Die bedeutendsten Richtungen der Gesprächsforschung im Überblick

3.1. GS – Forschung

3.2. conversational analysis

3.3. Sprechaktforschung / discourse analysis

4. Gespräch, Dialog, Konversation – Ein Versuch

4.1. oberflächenstrukturelle Kriterien von Gespräch, Dialog und Konversation

4.1.1. Beteiligung mindestens zweier Interaktanten / Notwendigkeit mindestens eines Sprecherwechsels

4.1.2. Identität des Zeitraumes

4.2. tiefenstrukturelle Kriterien

4.2.1. Gespräch

4.2.2. Dialog

4.2.3. Konversation

4.3.Die definierenden und differenzierenden Kriterien der einzelnen Kategorienim Überblick

4.4. Anmerkung zum Kriterium „Natürlichkeit“

5. Anwendung der Systematik auf Castigliones ,Der Hofmann’ und Guazzos ,Zivilisierte Konversation’(IV. Buch)

5.1. Analyse zu Castigliones ’Hofmann’

5.1.1. Makroanalyse

5.1.1.1. Gespräch

5.1.1.2. Dialog

5.1.1.3. Konversation

5.1.1.4. Ergebnisüberblick Makroanalyse

5.1.2. Mikroanalyse

5.1.2.1. Gespräch

5.1.2.2. Dialog

5.1.2.3. Konversation

5.1.2.4. Ergebnisüberblick Mikroanalyse

5.2. Guazzo – ’Zivilisierte Konversation’ (IV. Buch)

5.2.1. Analyse zu ’Zivilisierte Konversation’

5.2.1.1. Gespräch

5.2.1.2. Dialog

5.2.1.3. Konversation

5.2.1.4. Ergebnisüberblick

6. Ergebnisbilanzierung und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Begriffe Gespräch, Dialog und Konversation einer präzisen linguistischen Analyse zu unterziehen, um eine operationalisierbare Systematik zur Klassifizierung zwischenmenschlicher Kommunikation zu schaffen. Dabei wird untersucht, wie diese Begriffe theoretisch definiert und in der Praxis auf frühneuzeitliche Werke wie Castigliones ‚Hofmann‘ und Guazzos ‚Zivilisierte Konversation‘ angewendet werden können.

  • Kritische Analyse des definitorischen Dilemmas dieser Begriffe in Alltag und Wissenschaft.
  • Überblick über bedeutende Richtungen der Gesprächsforschung (GS-Forschung, Konversationsanalyse, Diskursanalyse).
  • Entwicklung eines Modells zur Differenzierung durch Oberflächen- und Tiefenstrukturen.
  • Empirische Anwendung der entwickelten Systematik auf Fallbeispiele der Literatur.
  • Reflexion über die Anwendbarkeit linguistischer Kategorisierungen auf frühneuzeitliche Texte.

Auszug aus dem Buch

3.2. conversational analysis

Wie schon der Ausdruck „Gesprächsforschung“, verleitet auch die Bezeichnung „conversational analysis“ schnell zu Missverständnissen, die es im Vorfeld auszuräumen gilt. Einerseits suggeriert „conversational“, dass sich die Forschung lediglich auf den Kommunikationstyp „Konversation“ konzentriert. Dies ist unzutreffend. Zwar wird dem „[…] informellen-alltäglichen Gespräch […]“28 in der Konversationsanalyse „[…] eine zentrale Bedeutung als Grundform der sprachlichen Interaktion zugeschrieben […]“, doch ebenso wenig wie „Gespräch“ in „Gesprächsforschung“ eine eindimensionale Festlegung impliziert, ist dies für „conversational“ der Fall.

Andererseits legt „conversational“ nahe, dass die wissenschaftlichen Bemühungen ausnahmslos die Sprache zum Gegenstand ihrer Betrachtungen machen. Dies ist ebenfalls falsch. Die Konversationsanalyse hat sich bereits früh auch mimisch-gestischen, proxemischen wie kinesischen Interaktionsaspekten zugewandt.29 Der letzte Punkt der hier präventiv Erwähnung finden soll, bezieht sich auf den terminologischen Gebrauch. Die Bezeichnung „Konversationsanalyse“ wird in der deutschsprachigen Literatur oftmals als Allgemeinbegriff für diejenigen Forschungsansätze gebraucht, welche die Analyse von natürlichen, verbalsprachlichen, Texten zum Inhalt haben. Dies birgt die Gefahr, dass theoretische wie methodologische Charakteristika, die für ein grundlegendes Verständnis der „conversational analysis“ notwendig sind, nicht genug beachtet oder missinterpretiert werden.30 Der Begriff „Konversationsanalyse“ wird in dieser Arbeit im engeren, rein ethnomethodologischen Sinn, geführt.

Die „conversational analysis“ entstand im Verlauf der 60er und 70er Jahren als eine eigene, soziologische Forschungsrichtung innerhalb der USA. Ihre theoretischen wie methodologischen Ansätze gehen auf die Ethnomethodologie Harold Garfinkels zurück, von der sie bis heute geprägt ist.31 Die Ethnomethodologie32 selbst, entwickelte sich, in den 50er und 60er Jahren als soziologische Gegenposition zum dominanten Paradigma des Strukturfunktionalismus33 Talcott Parsons. Außer von Garfinkel, wurde die „Konversationsanalyse“ zudem von der kognitiven Anthropologie, den interaktionsanalytischen Theorien Goffmans und der Philosophie des späten Wittgenstein geprägt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Zu eruierende Problematik und Vorgehensweise dieser Arbeit: Einführung in die sprachliche Unschärfe der Begriffe und Definition der Forschungsfragen sowie methodischen Einschränkungen.

2. Gespräch, Dialog, Konversation - Definitorisches Dilemma in der alltäglichen wie epistemologischen Wortverwendung: Aufzeigen der begrifflichen Diffusität durch Beispiele aus Alltag und Lexikon.

3. Die bedeutendsten Richtungen der Gesprächsforschung im Überblick: Darlegung der theoretischen Ansätze, insbesondere der GS-Forschung, Konversationsanalyse und Diskursanalyse.

4. Gespräch, Dialog, Konversation – Ein Versuch: Konstruktion eines Modells zur Differenzierung der Begriffe mittels Oberflächen- und Tiefenstrukturen.

5. Anwendung der Systematik auf Castigliones ,Der Hofmann’ und Guazzos ,Zivilisierte Konversation’(IV. Buch): Anwendung und Erprobung der entwickelten Kriterien an zwei spezifischen frühneuzeitlichen Werken.

6. Ergebnisbilanzierung und Ausblick: Kritische Reflexion der Ergebnisse, Bewertung der Systematik und Aufzeigen zukünftiger Anforderungen an die rhetorische Gesprächsforschung.

Schlüsselwörter

Gesprächsforschung, Dialoganalyse, Konversationsanalyse, Diskursanalyse, Ethnomethodologie, Gespräch, Dialog, Konversation, linguistische Kriterien, Sprechakttheorie, Makroanalyse, Mikroanalyse, Castiglione, Guazzo, Kommunikationstheorie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der linguistischen Differenzierung und Systematisierung der Begriffe „Gespräch“, „Dialog“ und „Konversation“, die im Alltag und in der Wissenschaft häufig synonym oder unpräzise verwendet werden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die theoretische Abgrenzung der Kommunikationstypen anhand soziolinguistischer Kriterien sowie deren empirische Anwendung auf Literatur aus der frühen Neuzeit.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die Erarbeitung eines handfesten Definitionsmodells, das eine wissenschaftlich operationalisierbare Unterscheidung zwischen Gespräch, Dialog und Konversation ermöglicht.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Es wird ein theoretisches Modell aus Oberflächen- und Tiefenstrukturen entwickelt, das in einer Makro- und Mikroanalyse auf konkrete Textbeispiele angewendet wird, um die Praktikabilität der Kriterien zu prüfen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil erfolgt zunächst die theoretische Herleitung der Systematik (Kapitel 4), gefolgt von einer detaillierten Analyse der Werke von Castiglione und Guazzo zur Überprüfung dieser Systematik (Kapitel 5).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Gesprächsforschung, Konversationsanalyse, Diskursanalyse, ethnomethodologische Ansätze und die spezifische rhetorische Einordnung frühneuzeitlicher Konversationsliteratur.

Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Gespräch und Dialog?

Der Dialog zeichnet sich durch einen regelmäßigen Sprecherwechsel, einen echten Perspektivwechsel und die Kontinuität eines zentralen Themas aus, während das Gespräch primär durch zentrierte Interaktion definiert wird.

Warum ist das Ergebnis bei Castigliones Werk schwierig zu bestimmen?

Die Analyse zeigt, dass bei Castiglione die Kommunikation stark durch soziale Hierarchien und inszenierte Redesituationen geprägt ist, was eine eindeutige Zuordnung zu nur einem der drei Kommunikationstypen erschwert.

Welche Rolle spielt „Natürlichkeit“ in der Systematik?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass „Natürlichkeit“ zwar ein wichtiges Diskussionsthema der Gesprächsforschung ist, aber als Kriterium für die definitorische Systematisierung keine Rolle spielt, da sie eine abhängige, kaum messbare Variable darstellt.

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Gespräch? Dialog? Konversation?
Untertitel
Probleme der Zuordnung frühneuzeitlicher Werke zu modernen systematischen Forschungsgebieten am Beispiel von Castigliones ‚Hofmann’ und Guazzos ‚Zivilisierter Konversation’ (IV. Buch)
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Seminar für Allgemeine Rhetorik)
Veranstaltung
Anfänge der Konversationsrhetorik
Autor
Dominic Hand (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
43
Katalognummer
V134675
ISBN (eBook)
9783640426959
ISBN (Buch)
9783640425198
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gespräch Dialog Konversation Probleme Zuordnung Werke Forschungsgebieten Beispiel Castigliones Guazzos Konversation’ Buch)
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Dominic Hand (Autor:in), 2007, Gespräch? Dialog? Konversation?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134675
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  43  Seiten
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