Idealstadt und Stadtutopie in Thomas Morus´ -Utopia- und Thomas Campanellas -Sonnenstaat-


Hausarbeit, 2003
14 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Utopia als Wegbereiter von Darstellungen idealer Gemeinwesen

2. Idealstadt und Stadtutopie in Thomas Morus´ ,,Utopia” und Thomas Campanellas ,,Sonnenstaat”
2.1. Idealstadt und Stadtutopie
2.1.1. Allgemeines zum Begriff der Idealstadt
2.1.2. Formprinzipien der utopischen Idealstadt
2.2. Idealstadt in Thomas Morus´ ,,Utopia”
2.2.1. Raumstruktur Utopias und Amaurotums
2.2.2. Räumliche Gestaltung Utopias und Amaurotums in Beziehung zu Inhalt und Aussagekraft
2.3. Idealstadt in Thomas Campanellas ,,Sonnenstaat”
2.3.1. Raumstruktur der Sonnenstadt
2.3.2. Räumliche Gestaltung der Sonnenstadt in Beziehung zu Inhalt und Aussagekraft

3. Zusammenfassung

4. Quellen - und Literaturverzeichnis
4.1. Quellenverzeichnis
4.2. Literaturverzeichnis

1. Utopia als Wegbereiter von Darstellungen idealer Gemeinwesen

Im Jahre 1516 wurde ein Werk veröffentlicht, dass eine neue Gattung einleiten sollte. Mit seiner ,,Utopia“, oder, wie sie im Original heißt, seiner ,,De optimo rei publicae statu deque nova insula Utopia” schuf Thomas Morus (1478-1535) eine Schrift, deren Typus viele Arbeiten nachfolgender Schriftsteller prägte. In dieser Staatsschrift kreierte Morus in Tradition antiker Staatstheorie, deren Bezugnahme sich bei Morus´ ,,Utopia” auch bei schriftlichen Auseinandersetzungen mit Platon finden lassen, ein Gemeinwesen, das sich dadurch hervorhebt, dass es im spiegelbildlichen Gegensatz zu den real existierenden Missständen seiner Zeit steht. Die Gesellschaft ist angesiedelt auf einer fernen Insel und wird von einem Weltreisenden namens Hythlodeus beschrieben, der diese besucht haben soll. Die Gemeinschaft ist unter anderem besonders gekennzeichnet durch Eigentumslosigkeit, religiöse Toleranz und Selbstverwirklichung durch Bildung. Morus´ Darstellung einer idealen Gesellschaft blieb nicht die einzige. Viele Schriftsteller, wie Johann Valentin Andreae (1586-1654) oder Francis Bacon (1561-1626) entwarfen in ihren Werken ihre eigenen Vorstellungen utopischer Gemeinwesen. Auch Thomas Campanellas (1568-1639) literarische Utopie, ,,Sonnenstaat” stelle ein bedeutendes Werk der literarischen Utopien dar. Hierin wird ein Staat beschrieben, dessen Gesellschaft vorwiegend durch die neue Thematik der Naturwissenschaft ebenso wie durch eine strenge hierarchische Ordnung geprägt wird. Sie wird im Rahmen eines Dialoges mit einem Großmeister von einem genuesischen Seefahrer geschildert. All diese erwähnten Utopien versetzen ihre Idealgesellschaft auf eine Insel, auf der sie eine, bzw. mehrere aber gleiche Städte konstruieren, in denen sich das Leben dieser abspielt. Diese Stadt ist jedoch mehr, als der bloße Schauplatz des Geschehens. Die Architektur und die Beschaffenheit veranschaulichen vielmehr die inhaltlichen Fundamente und die Aussagekraft der Utopien. Die Raumstruktur nimmt also große Bedeutung ein. In dieser Arbeit möchte ich genau hierauf einzugehen versuchen. Vor allem möchte ich hierbei auf die Werke Morus´ und Campanellas Bezug nehmen. Über die Beschreibung der Idealstadt im allgemeinen soll die utopische Stadt bei Morus und anschließend bei Campanella, sowie deren Relevanz für ihr entworfenes Gemeinwesen dargestellt werden.

2. Idealstadt und Stadtutopie in Thomas Morus´ ,,Utopia” und Thomas Campanellas ,,Sonnenstaat”

2.1. Idealstadt und Stadtutopie

2.1.1. Allgemeines zum Begriff der Idealstadt

Der Begriff der Idealstadt setzt sich zusammen aus ,,ideal” und aus ,,Stadt”. Als ideal bezeichnet man vollkommene Dinge und Zustände die so perfekt sind, dass man sich nach ihnen sehnt und sich diese herbeisehnt. Eine Stadt ist ein Ort, an dem eine Gesellschaft gemeinschaftlich zusammenlebt, ein Raum, in dem das Gemeinwesen unmittelbar erfahrbar wird. Eine Idealstadt ist folglich ein Bereich, worin eine Gesellschaft in idealer, in bestmöglicher Form zusammenlebt. Entscheidend hierfür ist aber nicht nur die politische Struktur der Stadt, sondern in großen Maße die bauliche Gestaltung, die das gesellschaftliche Leben, durch einen koordinierten Grundriss, der die stadtprägenden Bauwerke funktional zuordnet, prägt. So wird die Architektur nicht nur von praktischen, wie die Ansiedlung von Hospitälern aus hygienischen Gründen außerhalb der Stadt, sondern vor allem von symbolischen Motiven geleitet. Vor allem die literarischen Utopien konstruieren eine fiktive Stadt, in der sie ihr ideales Gemeinwesen beschreiben. Sie beschreiben einen Stadtstaat, trotz der Realität der zunehmenden und sich ständig vergrößernden Territorialstaaten ihrer Zeit, da eine Stadt der einzige Ort ist, an dem sie ihre ideale Gesellschaft in Einheit mit einer ideal konstruierten Raumgestaltung als harmonisches, perfekt funktionierendes Gemeinwesen darstellen können. Die Stadt ist somit nicht nur der Raum, in dem die vollkommene Gemeinde lebt, sonder sie ist vielmehr Teil dieser Gemeinde. Und so beeinflusst die architektonische Beschaffenheit das Wesen dieser Gesellschaft. Damit wird die Bedeutsamkeit Stadtformation zu der Aussagekraft des Autors verdeutlicht. Die Gestaltung der Stadt verstärkt somit dessen Intentionsabsichten. So wird der Begriff der Idealstadt in der literarischen Utopie also gleichbedeutend mit dem Begriff der Stadtutopie.

2.1.2. Formprinzipien der utopischen Idealstadt

Die bauliche Gestaltung der typischen utopischen Idealstadt verläuft überwiegend nach drei Formprinzipien. Hervorstechend ist zunächst die Geometrisierung. Einfache geometrische Formen, wie Kreise oder Quadrate prägen den Stadtgrundriss, ebenso wie ein orthogonales und radiales Straßensystem. Dieses ist wiederum ausgerichtet auf eine Mitte, was den nächsten Aspekt der Formprinzipien bestimmt, die Zentrisierung. Beide Punkte weisen auf das dritte Kennzeichen, die Geschlossenheit. Denn sämtliche Elemente der Anlage sind aufeinander bezogen und stehen zu einander in Beziehung. So, wie sie geschaffen sind, sind sie durch die aufeinander ausgerichtete Bezugnahme perfekt und bedürfen weder einer größeren Ergänzung noch würde eine Wegnahme eines Körpers sich förderlich auswirken. Durch die Geschlossenheit, die Zentrisierung und die geometrische Formatierung wird eine unverbesserliche Harmonie erzeugt. Es entsteht ein mustergültiges räumliches Gebilde das symbolisch eine mustergültige Gesellschaft widerspiegelt. Das geometrische Zentrum der Stadt wird zum Mittelpunkt eines Gemeinwesens, das in geordneter Weise in Harmonie zusammenlebt.

2.2. Idealstadt in Thomas Morus´ ,,Utopia”

2.2.1. Raumstruktur Utopias und Amaurotums

Im zweiten Buch der Thomas Morus´ ,,Utopia” charakterisiert der Weltreisende Hythlodeus den Staat der Utopier - im Anschluss an ein Gespräch, welches tatsächlich existierende Probleme zur Zeit der Entstehung des Werkes umreißt, Lösungsvorschläge anbietet und im ersten Buch festgehalten ist. Dabei setzt er gleich zu Beginn eine detaillierte Beschreibung der Insel.

,,Die Insel der Utopier dehnt sich in der Mitte, wo sie am breitesten ist, zweihundert Meilen weit aus, ist eine weite Strecke lang nicht viel schmäler und spitzt sich dann gegen die beiden Enden hin allmählich zu.”1

[...]


1 Thomas Morus: Utopia, in: Klaus Heinisch (hrsg.): Der utopische Staat, Hamburg 2001, Seite 48

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Idealstadt und Stadtutopie in Thomas Morus´ -Utopia- und Thomas Campanellas -Sonnenstaat-
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Historisches Seminar)
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
14
Katalognummer
V13493
ISBN (eBook)
9783638191432
Dateigröße
370 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Idealstadt, Stadtutopie, Thomas, Morus´, Campanellas
Arbeit zitieren
Christine Wendel (Autor), 2003, Idealstadt und Stadtutopie in Thomas Morus´ -Utopia- und Thomas Campanellas -Sonnenstaat-, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13493

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