Sachlernen im Kindergarten So lautet der Titel der Seminarveranstaltung an der Goethe Universität in Frankfurt am Main, in dessen Rahmen die vorliegende Hausarbeit entstanden ist. Der Fokus des Seminars ist auf die Vermittlung und Aneignung naturwissenschaftlichen Wissens bei Kindern im Vorschulalter gerichtet. Es werden insbesondere Fragen, bezüglich der politischen Begründung und der theoretischen Legitimierung naturwissenschaftlichen Wissens erörtert. Hierbei gilt es sich zu fragen, wie sich Kinder im Vorschulalter Wissen über Sachzusammenhänge aneignen und welche Möglichkeiten es gibt, sie dabei zu unterstützen. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich dabei in einer eigenen empirischen Erwerbsforschung vor allem mit der zweiten Frage nach der Aneignung von Wissen im Vorschulalter. Unsere Aufmerksamkeit richtet sich dabei ausschließlich auf ein einzelnes Kind und dessen Handlungen im Rahmen einer „Spiel“-Phase. Was macht ein Kind, wenn es nicht in eine inszenierte Lehr-Lern-Situation eingebunden ist, sondern lediglich ‚spielt’? Werden Bildungsprozesse des Kindes erkennbar? Wie eignet sich das Kind die Welt selbst an?
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Hauptteil
1. Die Beobachtung: Rahmenbedingungen und Beschreibung des Kindes
2. Beschreibung des Ablaufs und der Beobachtungen
3. Auswertung und Analyse der Videosequenz
4. Abschließende Interpretation und Deutung
III Schluss – Resümee und Ausblick
IV Literaturangaben
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht in einer empirischen Erwerbsforschung die natürlichen, selbstgesteuerten Lernprozesse eines dreijährigen Kindes im Vorschulalter außerhalb inszenierter Lehr-Lern-Situationen, um zu verstehen, wie Kinder sich Sachzusammenhänge eigenaktiv aneignen.
- Beobachtung und Analyse von kindlichem Handeln in freien Spielphasen
- Die Rolle des Kindes als Konstrukteur seiner eigenen Bildungsprozesse
- Natürliche Lernprozesse versus geplante pädagogische Instruktion
- Bedeutung der kindlichen Neugier und Selbstmotivation beim Sachlernen
Auszug aus dem Buch
3. Auswertung und Analyse der Videosequenz
Im Anschluss einer genauen Beschreibung dessen was geschehen ist, lassen sich einige Schlüsse ziehen.
Anfänglich beschäftigt sich der Junge nur nebenbei mit dem neuen Gegenstand - den Ampullen. Das unverständliche Gerede und der undeutliche Gesang dominiert augenscheinlich die Situation. Mehr und mehr geraten die Ampullen in den Fokus seines Interesses und rücken in den Vordergrund.
Zunächst fällt auf, dass er singt, während er die Ampullenpalette über die Anrichte gleiten lässt und damit spielt als wäre es ein fahrendes Auto. Ein Wendepunkt in seinem Verhalten stellt der Zeitpunkt dar, ab dem er feststellt, dass sich die Ampullenpalette biegen lässt. Er hört auf zu singen und fängt stattdessen an, mit sich selbst zu reden. Der Gegenstand hat jetzt sein besonderes Interesse geweckt. Durch das Reden kommentiert er sein Handeln und artikuliert Verwunderungen und Erkenntnisse. Geräusche von außerhalb, wie z. B. die von seiner Schwester, nimmt er nun gar nicht mehr wahr. Sein Entdeckungsdrang ist geweckt, was durch lautliche Untermalung verstärkt wird und dem Beobachter dadurch ein Stück weit einen Einblick in seine kindliche Deutung gibt. Er konzentriert sich stärker auf den neuen Gegenstand und vertieft sich in seine eigene Welt.
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Einführung in das Seminarthema und Darlegung der Leitfrage bezüglich der Aneignung naturwissenschaftlichen Wissens im Vorschulalter.
II Hauptteil: Detaillierte Darstellung des Beobachtungskontextes, des Spielverhaltens des Kindes sowie die Analyse der gewonnenen Erkenntnisse aus der Videosequenz.
III Schluss – Resümee und Ausblick: Zusammenfassende Reflexion über die Bedeutung freier Entdeckungsprozesse und Impulse für die Gestaltung pädagogischer Lernumgebungen.
IV Literaturangaben: Auflistung der verwendeten fachwissenschaftlichen Quellen und Literatur.
Schlüsselwörter
Sachlernen, Vorschulalter, Selbstbestimmtes Lernen, Empirische Erwerbsforschung, Spielsituation, Natürliche Lernprozesse, Bildungsprozesse, Beobachtung, Weltkonstruktion, Kindliche Neugier, Situationsansatz, Pädagogisches Handeln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der empirischen Erforschung von kindlichen Sachlernprozessen, insbesondere damit, wie sich Kinder ohne angeleitete Lehrsituationen Wissen aneignen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind das entdeckende Lernen im Kindesalter, die Rolle des Kindes als aktiver Gestalter der eigenen Umwelt und die kritische Auseinandersetzung mit arrangierten Lernumgebungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Einblicke in die Gedanken und Handlungen eines dreijährigen Kindes zu gewinnen, um zu verstehen, wie Lernprozesse durch eigenständige Auseinandersetzung mit Objekten entstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine empirische Beobachtungsmethode angewandt, die auf der Analyse einer Videosequenz und hermeneutischen Vorgehensweisen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Schilderung der Rahmenbedingungen, die detaillierte Beschreibung der Spielsequenz, eine tiefergehende Analyse des Verhaltens und eine abschließende pädagogische Interpretation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Sachlernen, kindliche Lernprozesse, Selbstbestimmung, Neugier, Entdeckendes Lernen und pädagogische Selbstreflexion.
Warum spielt der Junge in der beobachteten Sequenz mit Plastikampullen?
Für den Jungen stellt der Gegenstand ein unbekanntes Phänomen dar, das durch das Biegen, Zerbrechen und Aufstellen in seiner Beschaffenheit erforscht werden kann, wodurch ein natürlicher Lernprozess ausgelöst wird.
Welche Schlussfolgerung ziehen die Autoren für den pädagogischen Alltag?
Die Autoren plädieren dafür, kindliche Interessen in den Mittelpunkt des pädagogischen Handelns zu stellen und Lernumgebungen so zu gestalten, dass sie eigenständiges Forschen anregen, statt nur vorgefertigte Inhalte zu vermitteln.
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- Sita Hermand (Author), Anne Hofmann (Author), Kathrin Stauber (Author), Leyla Yigitgüden (Author), 2009, Empirische Erwerbsforschung: Wenn Kinder sachlernen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135012