Die Sonette Paul Zechs


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001

25 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Die Sonette Paul Zechs

1 Ein paar Eckpunkte zu Paul Robert Zechs Leben

2 Strophenform, Reimschema und Versmaß bei der Sonettdichtung Zechs
Die erste Lerche
Dorf im Mittag
Schwarz hub sich ein Tannenwald
DEUTSCHLAND?
Heilige Winternacht
Vorspruch

3 Industrie und Großstadt, die Aktualität der Sonette im Expressionismus
3.1 Die Industriewelt in Zechs Sonetten
Fabrikstraße tags
3.2 Aktualität der Sonettform im Expressionismus
Einfahrt
Park an der Fabrik
3.3 Der Grauen der Großstädte in den Sonetten Georg Heyms
Die Stadt

4 Die Naturlyrik Zechs
4.1 Die Naturlyrik
ICH WILL DIR eine Wiesenlandschaft malen,
4.2 Die Welt der Indianer
Totentanz (Nordperu)

5 Der Beobachter und Dichter Paul Zech
Der Dichter

Fazit

Literaturverzeichnis

Die Sonette Paul Zechs

Paul Robert Zech (1881-1946) ist noch heute einer der unbekanntesten deutschen Dichter. Er lebte in einer Zeit, die von starken Veränderungen geprägt war. So erlebte Zech historisch betrachtet das Kaiserreich, den ersten Weltkrieg, die Weimarer Republik, die Machtergreifung der Nazis und später das Exil in Südamerika.

Dennoch blieb er seinem Stil in der Lyrik in dieser turbulenten Zeit weitgehende treu, was die Beschäftigung mit dem Autor Paul Robert Zech besonders interessant macht.

Ich möchte zunächst einen kurzen Blick auf sein Leben werfen und mich dann näher mit seinen Sonetten befassen. Erst aus formaler, dann auch aus inhaltlicher Sicht.

Den Schwerpunkt wird die Betrachtung der Industrie- und Naturgedichte bilden.

Ein Exkurs zu Georg Heyms Großstadtlyrik soll repräsentativ für die Lyrikproduktion der Zeitgenossen Zechs durchgeführt werden. Abschließend betrachte ich die Thematisierung des „Dichters“ in Zechs Sonett „Der Dichter“.

Die Frage nach der Eignung der Sonettform für Zechs Lyrik und die Zeit, in der er lebte, wird stets im Vordergrund stehen und die gesamte Arbeit durchziehen.

1 Ein paar Eckpunkte zu Paul Robert Zechs Leben

Ich habe in der Überschrift absichtlich das Wort „Eckpunkte“ gewählt, da man über Paul Zechs Leben wirklich nur wenige Angaben machen kann, die außer Zweifel stehen. Erstens will ich nur kurz auf sein Leben eingehen und zweitens hat Zech sich seiner Zeit sehr gut darauf verstanden, seine eigene Lebensgeschichte nach Gutdünken stets aufs Neue umzudichten, teils auch weil es ihm finanzielle Vorteile besonders in seiner Exilzeit in Argentinien brachte. Das hat unter anderem dazu geführt, dass viele wichtige Angaben in Literaturgeschichten entweder ganz fehlen oder sich zum Teil stark widersprechen. Ich möchte mich im Folgenden hauptsächlich auf den Artikel von Bert Kasties „Paul Zech – Annährung an einen Verwandlungskünstler“ beziehen, da mir dieser als der am besten recherchierte und am glaubwürdigsten erscheint.

Außer Frage steht jedoch, dass Paul Robert Zech am 19. Februar 1881 im einst westpreußischen Briesen geboren wurde und seine Eltern Adolf Zech und Emilie Zech, geborene Lebrecht, hießen[1]. Viel mehr ist schon nicht mehr belegbar. Paul Zech selbst beschreibt sich beispielsweise mal als Sohn eines Lehrers, mal eines Seilermeisters, in anderen Schriften gibt er für den Beruf des Vaters „Bahnmeister“ oder auch „Beamter“ an oder bezeichnet sich selbst bäuerlicher Herkunft. Obwohl er behauptete eine abgeschlossene Gymnasialausbildung zu haben und anschließend an den Universitäten Bonn, Zürich und Heidelberg studiert zu haben, konnte das nie verifiziert werden. Den Doktortitel führte er zudem jahrelang unrechtmäßig. Angeblich wohnte er an mehreren Orten und übte die verschiedensten Tätigkeiten aus, unter anderem soll er in den Kohlerevieren Nordfrankreichs und Belgiens gearbeitet haben. Parallel dazu war er stets literarisch tätig und wurde allmählich zu einem „Vollzeitschriftsteller“.

Gute Freundschaften pflegte er besonders zu Stefan Zweig und Else Lasker-Schüler, die ihm den Weg in die Künstlerszene von Berlin ebnete. Am erfolgreichsten war Zech in der Zeit des literarischen Expressionismus, das heißt etwa von 1910 bis 1920. 1918 kann man als den Höhepunkt seiner Karriere bezeichnen, denn er erhielt zusammen mit Leonhard Frank den Kleistpreis aus den Händen Heinrich Manns.

Nach der Machtergreifung der Nazis soll er 1933 aus politischen Gründen nach Argentinien geflohen sein, woran aber inzwischen die Forschung zweifelt. Nach Bert Kasties hatte seine Flucht eher gewöhnliche kriminelle Hintergründe, denn Zech wurden mehrere Plagiatesfälle, Diebstahl, Selbstrezension und andere Dinge vorgeworfen. Zudem schien er bei den Nazis als „harmlos“ eingestuft worden und er sowieso am Tiefpunkt seiner Karriere angekommen zu sein.[2]

Nichts desto trotz war Zech einer der produktivsten Dichter bis heute, der mit vielen literarischen Gattungen arbeitete. Er verfasste unter anderem 33 Dramen, weit über hundert Werke der Kurzprosa, ein gutes Dutzend Romane, zahlreiche literaturkritische Essays, Hunderte von Nachdichtungen, vor allem französischer Dichter wie Balzac, Baudelaire, Mallarmé, Rimbaud, Verhaeren und Villon, und eine beinahe unfassbare Menge lyrischer Erzeugnisse.[3] Am auffälligsten ist hierbei die äußere Form seiner Gedichte: er verfasste einen sehr großen Teil seiner Lyrik in der Form des Sonettes.

2 Strophenform, Reimschema und Versmaß bei der Sonettdichtung Zechs

Der größte Teil der Sonette Paul Zechs weist die „klassische“ Sonettform auf, die auf Petrarca zurückgeht, das heißt, die Gedichte bestehen aus der aus zwei Quartetten zusammengesetzten Oktave und zwei darauf folgenden Terzetten, die das Sextett bilden.

Ihre Form ist demnach 4 /4 /3 /3.

Zech hat die Form dennoch mehrfach variiert. Es finden sich Sonette mit dem Aufbau 3 /3 /4 / 4/, 5 /5 /4, 5 /3 /3, 1 /2 /2 /3 /3 /3 oder auch wie das englisch Sonett 4 /4 /4 /2.[4]

Wenden wir uns zunächst der Variation 3 /3 /4 /4 zu. Diese scheint noch die geringste Abwandlung vom traditionellen Schema zu sein, da sie lediglich die Reihenfolge Quartette – Terzette umdreht. Als Beispiel sei hierfür das Sonett „Die erste Lerche“ aus der Gedichtsammlung „Die eiserne Brücke“ von 1914[5] genannt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Neben einer mannigfaltigen Strophenform haben die Gedichte Paul Zechs auch vielfältige Reimschemata. Üblicherweise baute er die Oktave aus dem alternierenden Reim abab/cdcd oder dem umschlingenden Reim abba/cddc und die Sextette aus ded/fef, dee/dff, dde/eff oder ded/eff auf.[6]

Im vorliegenden Sonett „Die erste Lerche“ haben wir in den Terzetten eine durchaus übliche Form des Reimes und zwar aab/bcc. In den Quartteten haben wir zunächst die Form des umarmenden Reimes d - e - e - d vorliegen, im zweiten Quartett jedoch die alternierende Form
f - g - f - g.

Betrachten wir ein weiteres Beispiel für Paul Zechs Variationen der Sonettform. Es handelt sich hierbei um ein weiteres Beispiel aus „Der eisernen Brücke“.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In diesem Sonett haben wir die Form 5 /5 /4 vorliegen. Das Reimschema ist ebenfalls verändert, doch nicht so stark wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Lässt man stets den ersten Vers weg, natürlich nur zur Betrachtung des formalen Aufbaus, erkennt man in der Oktave zwei umarmende Reime. Andererseits könnte man ebenso gut einen der innen liegenden Verse, die sich jeweils auf den ersten Vers der Strophe reimen, weglassen und erhielte ein genauso „gültiges“ Reimschema a - b - a - b und c - d - c - d.

Das folgende Quartett hat ein „übliches“ Reimschema, den alternierenden Reim e - f - e - f. Auch ist zu bemerken, dass die beiden Verse der ersten Strophen sich jeweils auf den im umarmenden Reim innen liegenden reimen und so eine Verbindung zu den anderen Versen aufbauen. Es könnten auch die ersten drei Verse zu einem Terzett zusammengefasst werden und man bekäme auf diese Art und Weise das Reimschema a - b - a. Würde man die letzten drei Zeilen der Strophe zu einem Terzett zusammenfassen, wäre das Resultat a - a - b. Beide Versionen sind übliche Reimschemata für Terzette. Für die zweite Version spräche außerdem die Tatsache, dass die beiden ersten Verse jeweils aus einem Satz bestehen und die darauf folgenden drei Verse ebenfalls einen Satz bilden und so die „Terzette“ ein wenig isolieren beziehungsweise sie als selbständiges Element dastehen.

Doch wenden wir uns weiteren Beispielen für die vielfältigen Sonettformen Zechs zu, hierbei bedienen wir uns wieder eines Gedichtes aus „Der eisernen Brücke“. Bei dem folgenden Sonett ist die Form sehr stark variiert.

In diesem Fall liegt die Strophenform 1 /2 /2 /3 /3 /3 vor. Diese Form wird zusätzlich dadurch bekräftigt, dass jede Strophe nur einen einzigen Satz beinhaltet. So besteht die erste Strophe aus gerade einmal einem Vers, aber auch nur aus einem Satz. Die zweite, genauso wie die dritte Strophe, besteht zwar aus zwei Zeilen, aber ebenfalls nur aus einem Satz. Die Strophen vier und fünf verfügen über drei Zeilen, dennoch bleiben auch sie jeweils auf einen Satz beschränkt.

Wie sieht es bei diesem Beispiel mit dem Reimschema aus? Bis auf das letzte Terzett, dessen Form f - f - g ist, scheint kein bestimmtes Reimschema vorzuliegen. Interessant ist auch, dass sich für den vierten Vers kein „Reimpartner“ ergibt, wohingegen der erste dreimal vorkommt. Alle anderen Reime kommen zweimal vor, wobei im vierten Vers eventuell der vermisste Reim versteckt sein könnte. Hier haben wir das Wort „verletzte“, das den fehlenden Reim auf „gehetzte“ darstellen könnte. Ebenso könnte es sich aber bei dem vermissten Reim um das Wort „zerfetzte“ im dritten Vers handeln.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kommen wir zu einem weiteren Beispiel für die mannigfaltigen Sonettformen Zechs. Hierbei handelt es sich um ein Sonett, dessen Strophenform fast der des englischen Sonettes entspricht, dass heißt, dass wir drei Quartette mit einem abschließenden Reimpaar vorliegen haben. Die Abweichung zum traditionellen englischen Sonett besteht darin, dass im dritten Quartett anstatt des Wechselreimes ein umarmender Reim vorliegt.

[...]


[1] Kasties, Bert: Paul Zech – Annährung an einen Verwandlungskünstler. (Vorwort der Auswahlausgabe, Bd. I, Gedichte), Online-Information vom 13.08.2001. http://members.aol.com/PaulRobertZech/Page 4.html (Im Folgenden abgekürzt mit: Kasties: Paul Zech – Annährung an einen Verwandlungskünstler )

[2] Kasties: Paul Zech – Annährung an einen Verwandlungskünstler.

[3] Ebd.

[4] Schlütter, Hans-Jürgen (Hrsg.): Sonett. Mit Beiträgen von Raimund Borgmeier und Heinz Wittschier, Stuttgart 1979, S.129. (Im Folgenden: Schlütter: Sonett)

[5] Zech, Paul: Die Erste Lerche. In: ders: Die eiserne Brücke. Neue Gedichte, Leipzig 1914, S. 9. (Reprint Nedeln/Liechtenstein 1973.) (Im Folgenden: Zech: Die eiserne Brücke)

[6] Mönch, Walter: Das Sonett. Gestalt und Geschichte, Heidelberg 1955, S. 191. (Im Folgenden: Mönch: Das Sonett)

[7] Zech, Paul: Dorf im Mittag. In: Die eiserne Brücke, S.15.

[8] Zech, Paul: Schwarz hub sich ein Tannenwald. In: Die eiserne Brücke, S. 22.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Sonette Paul Zechs
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Institut für Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Hauptseminar: Das Sonett
Note
1,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
25
Katalognummer
V135119
ISBN (eBook)
9783640431892
ISBN (Buch)
9783640431809
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Paul Zech, Sonette, Industrielyrik, Naturlyrik, Großstadt, Sonett, Lyrik, Gedichte
Arbeit zitieren
Nicole Vollmer (Autor), 2001, Die Sonette Paul Zechs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135119

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