Das Ziel dieser Seminararbeit ist, die Charakteristika der Geschäftsführung einer GbR aufzuzeigen und Begrifflichkeiten zu präzisieren.
Bei der weitverbreiteten Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR oder auch BGB-Gesellschaft) handelt es sich um die Grundform der Personengesellschaften, die gleichzeitig auch die Basis für Gesellschaftsformen wie die OHG oder KG bildet. Die grundlegenden Regelungen für die GbR finden sich in den §§ 709 bis 740 BGB und sind oft dispositiv anwendbar. Da bei der Gestaltung des Gesellschaftsvertrags breiter Handlungsspielraum besteht, kann er flexibel an die Bedürfnisse der jeweiligen Gesellschaft angepasst werden.
Aufgrund ihrer weiten Definition existieren in der Geschäftswelt zahlreiche Ausprägungsformen der GbR. Beispiele hierfür sind Sozietäten, Freiberufler oder auch projektbezogene Kooperationen im Baugewerbe, die häufig als BGB-Gesellschaften organisiert sind. Auch Wohn- oder Fahrgemeinschaften sind regelmäßig Gesellschaften bürgerlichen Rechts.
Zu den konstituierenden Merkmalen einer GbR zählt, wie deren Geschäftsführung ausgestaltet ist. In diesem Zusammenhang werden in der Praxis wesentliche Begriffe wie „Geschäftsführung“ und „Vertretung“ der GbR oftmals falsch verwendet.
Hierzu wird in Kapitel 2 zunächst der Begriff und Gegenstand der „Geschäftsführung“ näher erläutert. Darauf aufbauend werden die Teilbereiche der Geschäftsführung - "Geschäftsführungsbefugnis" und "Vertretungsmacht" – erörtert, Unterschiede herausgearbeitet und dem Innen- und Außenverhältnis der GbR zugeordnet (Kapitel 3, 4 und 5).
Anhand eines Fallbeispiels wird in Kapitel 6 die Problematik der Haftung der Gesellschafter in der GbR bei unterschiedlicher Ausgestaltung von Geschäftsführung und Vertretung analysiert. Dies geschieht unter Anwendung des BGH Beschlusses vom 09.06.2008, II ZR 268/07 und des BGH Urteils vom 24.09.2013, II ZR 391/12.
In Kapitel 7 wird ein Fazit gezogen. Abschließend wird ein Ausblick auf die Einführung eines Gesellschaftsregisters gegeben, welche das Ziel verfolgt, bestehende Defizite in der Publizität der GbR zu beheben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Geschäftsführung
2.1 Grundlagengeschäfte
2.2 Gegenstand der Geschäftsführung
3 Geschäftsführungsbefugnis
3.1 Grundsatz der Selbstorganschaft
3.2 Arten der Geschäftsführungsbefugnis
3.2.1 Gesamtgeschäftsführung
3.2.2 Mehrheitliche Geschäftsführung
3.2.3 Einzelgeschäftsführung mehrerer oder einzelner Gesellschafter
3.2.4 Gesamtgeschäftsführung Einzelner
3.2.5 Sonstige Gestaltungsmöglichkeiten
4 Vertretungsmacht
4.1 Umfang der Vertretungsmacht
4.2 Grundsatz der Selbstorganschaft
4.3 Überschreitung der Vertretungsmacht
5 Gegenüberstellung der Begriffe „Geschäftsführungsbefugnis“ und „Vertretungsmacht“
6 Haftung in der GbR
6.1 Definition und Gegenstand der Haftung
6.2 Haftung der GbR Gesellschafter bei unterschiedlicher Ausgestaltung der Geschäftsführung und Vertretung
7 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit befasst sich mit den wesentlichen Unterschieden in der Geschäftsführung und Vertretung einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Ziel ist es, die Charakteristika der internen Geschäftsführungsbefugnis und der externen Vertretungsmacht präzise herauszuarbeiten und voneinander abzugrenzen, um Fehlinterpretationen in der Praxis zu vermeiden.
- Grundlagen der Geschäftsführung im Innenverhältnis der GbR
- Differenzierung zwischen Geschäftsführungsbefugnis und Vertretungsmacht
- Analyse verschiedener Gestaltungsformen der Geschäftsführung
- Rechtliche Haftungskonsequenzen bei abweichender Ausgestaltung
Auszug aus dem Buch
Gegenstand der Geschäftsführung
Wie oben erläutert, sind der Geschäftsführung sowohl tatsächliche auch rechtsgeschäftliche Handlungen für die Gesellschaft zuzuordnen. Die Buchführung oder Erstellung des Jahresabschlusses, beschränken sich auf das Innenverhältnis. Das Innenverhältnis ist die Rechtsbeziehung des Gesellschafters zur Gesellschaft sowie zu den anderen Gesellschaftern. Rechtsgeschäftliche Handlungen, wie der Abschluss von Verträgen mit Dritten, betreffen hingegen das Außenverhältnis der Gesellschaft. Hierunter versteht man das Verhältnis der GbR zu Dritten, wie z.B. Kunden oder Lieferanten. Somit lassen sich Tätigkeiten der Geschäftsführung dem Innen- bzw. Außenverhältnis zuordnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung der GbR als Grundform der Personengesellschaft dar und definiert das Ziel der Arbeit, die Begriffe Geschäftsführung und Vertretung systematisch zu klären.
2 Geschäftsführung: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Geschäftsführung als die Förderung des Gesellschaftszwecks und unterscheidet zwischen Grundlagengeschäften und laufender Verwaltung.
3 Geschäftsführungsbefugnis: Hier wird der Grundsatz der Selbstorganschaft erläutert und die verschiedenen Arten der Ausgestaltung der Befugnisse innerhalb der Gesellschafter dargelegt.
4 Vertretungsmacht: Dieses Kapitel widmet sich dem rechtsgeschäftlichen Handeln der GbR nach außen gegenüber Dritten und grenzt dies von der internen Geschäftsführung ab.
5 Gegenüberstellung der Begriffe „Geschäftsführungsbefugnis“ und „Vertretungsmacht“: Diese Gegenüberstellung fasst die Kernergebnisse der vorherigen Kapitel zusammen, um die begriffliche Trennung zwischen „Rechtlichem Dürfen“ und „Rechtlichem Können“ zu verdeutlichen.
6 Haftung in der GbR: Es wird die persönliche und unbeschränkte Haftung der Gesellschafter für Gesellschaftsschulden analysiert sowie der Einfluss individueller Regelungen auf diese Haftung untersucht.
7 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf die Einführung des Gesellschaftsregisters, um bestehende Defizite in der Publizität der GbR zu beheben.
Schlüsselwörter
Gesellschaft bürgerlichen Rechts, GbR, Geschäftsführung, Geschäftsführungsbefugnis, Vertretungsmacht, Selbstorganschaft, Innenverhältnis, Außenverhältnis, Haftung, Personengesellschaft, BGB, Rechtsgeschäft, Gesamtgeschäftsführung, Publizität, Gesellschaftsregister
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt rechtliche Grundlagen der Geschäftsführung und Vertretung in einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) unter Berücksichtigung des Innen- und Außenverhältnisses.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die gesetzlichen Regelungen des BGB zur Geschäftsführungsbefugnis, die Vertretungsmacht gegenüber Dritten, die Haftungsstruktur der Gesellschafter sowie die Abgrenzung dieser Begriffe.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel liegt darin, die Charakteristika der Geschäftsführung einer GbR aufzuzeigen und die oft in der Praxis falsch verwendeten Begriffe „Geschäftsführung“ und „Vertretung“ präzise zu unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer juristischen Literatur- und Rechtsquellenanalyse unter Einbeziehung relevanter BGH-Entscheidungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erläutert theoretische Grundlagen zu Geschäftsführungsbefugnis und Vertretungsmacht, beschreibt verschiedene Organisationsformen und analysiert die Haftungssituation der Gesellschafter.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind GbR, Geschäftsführungsbefugnis, Vertretungsmacht, Selbstorganschaft, Innenverhältnis, Außenverhältnis und persönliche Haftung.
Was zeichnet das Prinzip der Selbstorganschaft aus?
Es besagt, dass bei einer GbR nur die Gesellschafter selbst befugt sind, die Geschäftsführung der Gesellschaft wahrzunehmen, während eine Fremdorganschaft grundsätzlich ausgeschlossen ist.
Welchen Einfluss hat das Gesellschaftsregister auf die GbR?
Die Einführung eines Gesellschaftsregisters soll die Publizität der GbR erhöhen, bestehende Defizite im Rechtsverkehr beheben und die Vertretungsverhältnisse transparenter machen.
Wie unterscheidet sich "Rechtliches Dürfen" von "Rechtlichem Können"?
Das „Rechtliche Dürfen“ bezieht sich auf die interne Geschäftsführungsbefugnis, während das „Rechtliche Können“ die externe Vertretungsmacht gegenüber Dritten betrifft.
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- Anonym (Author), 2022, Die wesentlichen Unterschiede der Geschäftsführung und Vertretung einer GbR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1351248