In der vorliegenden Bachelorarbeit soll sich mit folgender Fragestellung auseinandergesetzt werden: Inwiefern werden interkulturelle Fremderfahrungen in der Comicserie "Asterix" seit der Erstveröffentlichung der Comics dargestellt und in welchem Ausmaß korreliert diese Darstellung mit realen gesellschaftlichen Veränderungen im Bereich der interkulturellen Kommunikation?
Um dies zu beantworten, werden mehrere Szenen aus unterschiedlichen Asterix-Comicbänden beispielhaft einer Analyse unterzogen. Zur Strukturierung der Analyse dienen bestimmte Analysekategorien, mithilfe derer sich die Comicszenen koordiniert nacheinander begutachten lassen. Diese werden im weiteren Verlauf der Arbeit konkret vorgestellt.
Sowohl die Stereotype als auch andere Interkulturalitätsmerkmale zeugen von einer gewissen Beständigkeit: Sie ziehen sich konsequent durch die Handlungsstränge der Comics und sind somit in den älteren Comics aus den 1960er Jahren sowie in den neueren Comics der Serie zu finden. Da der Zeitraum, in dem die Comicbände bislang veröffentlicht wurden jedoch relativ groß ist – er beträgt 62 Jahre –, lässt dies die Frage aufkommen, ob sich die in der Comicserie dargestellte Interkulturalität nicht trotzdem im Hinblick auf die zuvor genannten Merkmale geändert hat.
Diese Frage ist zum Beispiel deshalb interessant, da Comics die Fähigkeit zugeschrieben wird, "Meinungen, Verhaltensregeln, Selbstdarstellungen und Deutungen von Ereigniszusammenhängen" in Bezug auf eine bestimmte Zeitperiode zu konservieren. So gesehen können sie wie eine Art Spiegel der Gesellschaft gelesen oder, wie Ksenia Kuzminykh es nennt, als "kulturelle Erinnerungsmarker" interpretiert werden. Diese Zuschreibung impliziert, dass die in den Asterix-Comics dargestellte Interkulturalität nicht zwingend gleichbleibend ist, sondern wie auch die Gesellschaft eine stetige Entwicklung durchmacht.
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
1.1) Einführung in die Thematik
1.2) Plausibilisierung der Fragestellung
2) Begriffsklärungen: Interkulturalität, Fremdheit und Kultur
2.1) Interkulturalität
2.2) Fremdheit
2.3) Kultur
3) Forschungsstand
4) Methodik
4.1) Der Analyseansatz
4.2) Beschreibung des Analysekorpus
4.3) Methodisches Vorgehen
4.3.1) Analysekategorien
4.3.2) Zeichenmodalitäten
5) Comics
6) Hypothesen
7) Analyse
7.1) Szene 1: Asterix und Grautvornix interagieren mit Olaf Maulaf
7.2) Szene 2: Stellartoix lädt Majestix, Asterix und Obelix zum Essen ein
7.3) Szene 3: Asterix, Obelix und Troubadix lernen Washupdah kennen
7.4) Szene 4: Tuun warnt die Gallier vor den Nagmas
7.5) Szene 5: Der Mac Aphon-Clan feiert mit Asterix und Obelix
7.6) Szene 6: Asterix interagiert mit Matrjoschkowa
8) Auswertung
9) Evaluation
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern interkulturelle Fremderfahrungen in der Comicserie Asterix seit der Erstveröffentlichung dargestellt werden und in welchem Ausmaß diese Darstellungen mit realen gesellschaftlichen Veränderungen im Bereich der interkulturellen Kommunikation korrelieren.
- Analyse der Interkulturalitätsdarstellungen in ausgewählten Comicszenen über verschiedene Zeitperioden hinweg.
- Anwendung eines integrativen Analyseansatzes bestehend aus multimodaler Comicanalyse und multimodaler Interaktionsanalyse.
- Untersuchung von Schlüsselkonzepten wie Interkulturalität, Fremdheit, Kultur, Stereotype und Othering.
- Reflexion der Comic-Bände als Konservierungsmedien und kulturelle Erinnerungsmarker.
Auszug aus dem Buch
1.1) Einführung in die Thematik
Die Vorstellung von Nationen als abgeschlossene homogene Entitäten ist durch das Phänomen der Globalisierung immer wieder aufs Neue herausgefordert worden (vgl. Holmes 2015, 241). Besonders in den letzten Jahrzehnten haben nationale Grenzen aufgrund der vielen technischen Errungenschaften, die es einem ermöglichen trotz weiter Entfernungen miteinander zu kommunizieren und schnell von einem Ort zum anderen zu gelangen, für viele Menschen an Bedeutung verloren. Mit der erweiterten Mobilität und digitalen Vernetzung ist nicht nur die Anzahl der internationalen Reisen oder der internationalen Verbände, sondern gleichzeitig auch die der Kulturkontakte rasant angestiegen (vgl. Stenger 1998, 20). Fast täglich begegnen sich mittlerweile Menschen, die aus verschiedenen sozialen Schichten, Regionen oder Ländern, genauer gesagt, Kulturräumen stammen und dadurch teilweise unterschiedliche Ansichten und Lebensstile besitzen. Dies führt dazu, dass zwischen Ihnen sowohl kulturelle Praktiken als auch Sprachen, Religionen und Wertesysteme miteinander verglichen, rekonstruiert, verlagert, angefochten und neu ausgehandelt werden (vgl. Holmes 2015, 241).
Die Interaktionen, in dessen Rahmen solche Aushandlungsprozesse stattfinden, lassen sich häufig als interkulturell und somit als Interkulturalität bezeichnen. Interkulturalität liegt dann vor, wenn die Interagierenden sich ihrer kulturellen Eigenheiten und Unterschiede im Laufe der Interaktion bewusst werden oder sie diese gezielt zum Ausdruck bringen (vgl. van Maele / Schelkens / Mertens 2021, 81). Das lateinische Präfix des Begriffs, Inter-, steht hierbei für das Dazwischen bzw. für die spannungsgeladene Überschneidungsebene, die sich während des wechselseitigen Austausches zwischen den Angehörigen der verschiedenen Kulturräume bildet (vgl. Nazarkiewicz 2016, 26).
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Legt den Grundstein durch die theoretische Einbettung des Phänomens Globalisierung und führt in die Fragestellung und Relevanz der Untersuchung von Interkulturalität in Asterix-Comics ein.
2) Begriffsklärungen: Interkulturalität, Fremdheit und Kultur: Definiert die zentralen theoretischen Säulen der Arbeit, um eine wissenschaftliche Basis für die Analyse der interkulturellen Begegnungen zu schaffen.
3) Forschungsstand: Gibt einen Überblick über bisherige wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit der Thematik und identifiziert Forschungslücken, die durch diese Arbeit adressiert werden sollen.
4) Methodik: Erläutert den integrativen Analyseansatz sowie die Auswahl des Analysekorpus und die spezifischen Kategorien, die zur Untersuchung eingesetzt werden.
5) Comics: Bietet eine grundlegende Einführung in das Medium Comic und seine spezifischen formalen Gestaltungselemente.
6) Hypothesen: Formuliert vorab aufgestellte Vermutungen über die Darstellung von Interkulturalität, die in der abschließenden Evaluation auf Basis der Analyseergebnisse überprüft werden.
7) Analyse: Wendet die theoretischen Analysekategorien konkret auf sechs ausgewählte Comicszenen an, um die interkulturellen Interaktionen detailliert zu untersuchen.
8) Auswertung: Synthetisiert die Ergebnisse der Szenenanalysen, stellt Vergleiche an und diskutiert die Auswirkungen der verschiedenen Entstehungszeiten der Comics auf die Darstellung.
9) Evaluation: Vergleicht die in der Analyse gewonnenen Erkenntnisse mit den vorab formulierten Hypothesen, um diese zu bestätigen, zu widerlegen oder zu differenzieren.
Schlüsselwörter
Interkulturalität, Asterix, Fremdheit, Kultur, Comic-Analyse, Multimodalität, Stereotype, Othering, Identitätskonstruktion, Wissensasymmetrien, interkulturelle Kommunikation, zeichentheoretische Untersuchung, soziale Interaktion, nationale Stereotype, Medientheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie in der Comicserie Asterix interkulturelle Begegnungen und Fremderfahrungen dargestellt werden und inwiefern diese Comic-Darstellungen als Spiegel realer gesellschaftlicher Veränderungen dienen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Begriffen Interkulturalität, Fremdheit und Kultur, analysiert durch das Medium Comic und unter Anwendung soziologischer und kulturwissenschaftlicher Perspektiven.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird erforscht, inwiefern interkulturelle Fremderfahrungen in den Comics seit deren Erstveröffentlichung dargestellt werden und wie stark diese Darstellung mit gesellschaftlichen Veränderungen im Bereich der interkulturellen Kommunikation korreliert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung nutzt einen integrativen Analyseansatz, der multimodale Comicanalyse mit Instrumenten der multimodalen Interaktionsanalyse verbindet, um sowohl die bildliche Gestaltung als auch die soziale Dynamik in Comicszenen zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse von sechs ausgewählten Asterix-Comicszenen, unterteilt in Kategorien wie soziales Handeln, Emotionen, Identität, Wissensasymmetrien, Stereotype und Othering.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Interkulturalität, Comic-Analyse, Stereotype, Othering, Identitätskonstruktion, Wissensasymmetrien und die Untersuchung als kulturelle Erinnerungsmarker.
Wie unterscheidet sich die Arbeit von anderen Comic-Analysen?
Anstatt sich auf einzelne Aspekte wie Kleidung oder Mimik zu beschränken, kombiniert diese Arbeit verschiedene Zeichendimensionen, um das Zusammenspiel von Sprache, Bildgestaltung und zwischenmenschlicher Dynamik in interkulturellen Kontexten umfassend zu entschlüsseln.
Welche Rolle spielen die verschiedenen Wissensasymmetrien bei der Analyse?
Sie dienen als Analysekategorie, um Missverständnisse und critical incidents zwischen den Comicfiguren zu erklären, die entstehen, wenn Individuen aufgrund unterschiedlicher kultureller oder persönlicher Hintergründe nicht von einer verständnisvollen Reziprozität ihrer Perspektiven ausgehen können.
- Arbeit zitieren
- Hanna Schroer (Autor:in), 2022, Interkulturelle Fremderfahrungen in der Comicserie "Asterix". Darstellung und Korrelation mit gesellschaftlichen Veränderungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1351720