Die politische Lyrik Heinrich Heines unter besonderer Berücksichtigung des Gedichtes "Die schlesischen Weber"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003
26 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Biographische Angaben zu Heinrich Heine

2. Die Epoche des Vormärz

3. Zeitgedichte aus dem Jahre 1844
3.1. Der Kaiser von China, Der neue Alexander, Zur Beruhigung
3.2. Die schlesischen Weber
3.2.1. Formale Analyse
3.2.2. Inhaltliche Analyse
3.2.3. Vergleich mit der ersten Fassung des Weberlieds (Vorwärts! 1844)
3.2.4. Wirkung des Gedichtes

Fazit

Literaturverzeichnis

Primärliteratur

Sekundärliteratur

Zeitschriftenaufsätze

Einleitung

In meiner Arbeit möchte ich mich mit der politischen Lyrik Heinrich Heines befassen. Insbesondere seine Zeitgedichte aus dem Jahre 1844 sollen hierbei von Interesse sein. Nach einer kurzen Einführung zu Heinrich Heine und der Epoche des Vormärz, werde ich repräsentativ die Gedichte Der Kaiser von China, Der neue Alexander und Zur Beruhigung untersuchen, bevor ich mich mit den Erkenntnissen aus diesen dann meinem Schwerpunkt zuwende. Heines bekanntestes politisches Gedicht Die schlesischen Weber stellt ein Ausnahmegedicht in mehrerer Hinsicht dar. Nach einer formalen Analyse werde ich den Inhalt in Augenschein nehmen und die beiden Varianten des Weberliedes Heines gegenüberstellen. Abschließend soll die Wirkung und der Erfolg des Gedichtes betrachtet werden.

1. Biographische Angaben zu Heinrich Heine

Heinrich Heine wurde unter dem Namen Harry Heine als erster Sohn des jüdischen Kaufmanns Samson Heine am 11. Dezember 1797 in Düsseldorf geboren. Mit 6 Jahren tritt er in die israelische Privatschule Rintelsohns ein, wechselt ein Jahr später auf die Normalschule und schließlich 1809 aufs Lyzeum in Düsseldorf. Das Lyzeum verlässt Heine auf Wunsch seiner Mutter 1914 ohne Reifezeugnis, um eine kaufmännische Lehre bei seinem Onkel Salomon Heine aufzunehmen. Heines ersten Gedichte werden bereits 1817 in einer Hamburger Zeitschrift veröffentlicht. Ein literarischer Werdegang des Sohnes kommt für die Eltern Heines absolut nicht in Betracht. Heine bekommt kurzfristig ein Manufakturwarengeschäft von seinem Onkel eingerichtet, welches aber kurze Zeit später bankrott geht.

Trotz seiner literarischen Neigungen nimmt Heine 1819 das Studium der Rechts- und Kameralwissenschaften an der Universität Bonn auf. Er wechselt ein Jahr später nach Göttingen und schließlich aufgrund unerlaubten Duellierens nach Berlin. Sein Studium finanziert hierbei stets sein Onkel Salomon Heine. Heinrich Heine selbst besucht zahlreiche Vorlesungen im philosophischen und literarischen Bereich, schließt jedoch trotzdem sein Jurastudium in Göttingen mit der Promotion im Jahre 1825 ab.

1820 arbeitet er an seiner Tragödie Almansor und 1821 erscheint sein Buch Gedichte. 1822 beginnt der Abdruck seiner Briefe aus Berlin und 1823 erscheint Tragödien, nebst einem lyrischen Intermezzo.

Er unternimmt schon während seiner Studienzeit zahlreiche Reisen. 1825 konvertiert Heine zum protestantischen Glauben. In den weiteren Jahren erscheinen seine Werke Reisebilder, das Buch der Lieder 1827 und die Neuen Allgemeinen politischen Annalen. 1831 entschließt sich Heine aufgrund der Julirevolution als freier Schriftsteller und Korrespondent nach Paris zu gehen. Ab 1831/32 druckt die Augsburger Allgemeine Zeitung Heines Berichte aus Paris. Zudem werden Heines literaturhistorische Aufsätze im Europe littéraire abgedruckt.

Das Jahr 1835 bringt einen Beschluss gegen das junge Deutschland, was zu einem Verbot aller unzensierten Schriften Heines in Preußen führte. 1843 reist er nach zwölf Jahren wieder nach Hamburg. Im Dezember des gleichen Jahres lernt Heine Karl Marx kennen, der ihn stark beeinflusst. Im Jahre 1844 werden Grenzhaftbefehle und Ausweisungsanträge gegen die Pariser Mitarbeiter der Deutsch-Französischen Jahrbücher und des Vorwärts! erlassen, in denen Heines Zeitgedichte und Deutschland. Ein Wintermärchen erschienen waren. Im Vorwärts! erscheint unter anderem auch sein berühmtes Zeitgedicht Die schlesischen Weber, mit welchem ich mich im Laufe der Arbeit noch näher befassen werde.

1848 muss Heine wegen zunehmender Lähmungserscheinungen eine Heilanstalt aufsuchen und verbringt die letzten Jahre seines Lebens bettlägerig. In diesem Jahr wird er Zeuge der Pariser Februarrevolution. 1851 erscheint sein Lyrikband Romanzero. Ab Dezember 1854 arbeitet er an der französischen Gesamtausgabe seiner Werke. Am 17. Februar 1856 stirbt Heinrich Heine in Paris.[1]

2. Die Epoche des Vormärz

Heines schriftstellerisches Schaffen fällt im Wesentlichen in eine Epoche, die einerseits durch die Restauration der partikularen deutschen Fürstenstaaten und somit durch den Wiener Kongress 1814/1815 und andererseits durch die bürgerliche Revolution 1848/49 gekennzeichnet ist. In Analogie zur Geschichtswissenschaft wird meist der Begriff „Vormärz“ für die Epoche verwendet.

In den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts kam es zu verstärkten Klassenkämpfen zwischen deutschem Bürgertum und Feudalsystem. In dieser Zeit trat Heine sein „öffentliches Tribunat“ auch als lyrischer Dichter an. Er erneuerte die Versepik mit einer neuen Gedichtform, den „Zeitgedichten“, und griff so mit in die Auseinandersetzung ein.

Der Beginn der industriellen Revolution brachte zudem tiefgreifende, politische und soziale Veränderungen. Die Epoche war durch starke Gegensätze charakterisiert. So gehörten die gediegene, häusliche Welt mit gepflegtem Blumengarten und geselligen Soireen der Bourgeoisie ebenso dazu wie die nackte Fabrikwelt mit Dampfmaschinen und Klassenkämpfen des sich entwickelnden Proletariats. Das Nebeneinander von politischem Stillstand und sozialem Wandel durchdrang das gesamte gesellschaftliche Leben.[2]

Heine hat die Widersprüche dieser Umbruchs- und Krisenzeit bewusster erfahren, reflektiert und ausgedrückt als andere Schriftsteller seiner Zeit.

In Heines Texten dominieren Bilder und Metaphern von Stillstand und Lethargie, von Schlaf und Träumen, von Ruhe und Schweigen, von Schutt und Fäulnis. Im Anschluss an die Krise gegen Napoleon hatte das alte Deutschland nichts mehr zu bieten, stattdessen hat es sich „erschöpft und ermüdet ins Bett gelegt“.[3]

Weiterer Hauptangriffspunkt Heines war das Herrschaftssystem, das auf dem Wiener Kongress unter Metternich entstanden war. Der deutsche Bund umfasste 41 Mitglieder in einer lockeren, staatenbündischen Ordnung. Laut Artikel 57 der Schlussakte von 1820 wurde das „Monarchische Prinzip“ erneuert, nachdem die gesamte Staatsgewalt im monarchischen Staatsoberhaupt vereinigt bleiben sollte.

Am 26. September 1815 formierten sich Österreich, Preußen, Russland und England zur „Heiligen Allianz“, um alle künftigen demokratischen revolutionären Bewegungen zu unterbinden. Sie bildeten eine theokratische Verbindung von Religion und Politik. Die liberalen Kritiker bezeichneten diese Allianz als eine „Allianz von Thron und Altar“. Dem Adel gelang es auf diese Weise nach 1815 seine ökonomischen und politischen Schlüsselpositionen noch zu stärken.

Die Karlsbader Beschlüsse von 1819 legten die nationale Einheitsbewegung schließlich endgültig lahm und bemühten sich um eine Konservierung des alten Systems. Ihre Beschlüsse waren berüchtigt und umfassten unter anderem die strenge Überwachung der Universitäten durch Kommissare und das Verbot der Burschenschaften. Zeitschriften und Zeitungen sowie alle Druckschriften unter 20 Bogen fielen unter die Vorzensur. Eine Zentraluntersuchungskommission in Mainz zur Überwachung aller „revolutionären Umtriebe und demagogischen Verbindungen“ wurde eingesetzt.[4]

Besonders die Innenpolitik des Bundes widersprach den Ansichten Heines und seiner Zeitgenossen. Sie wurde zum Instrument bürokratischer Repression gegen jegliche politische Opposition. Es waren die Auswirkungen dieser Politik, die Heine angeprangert hat. Für ihn verursachte sie eine allgemeine Lähmung, Lethargie und Stagnation. Heine kritisierte vor allem die Unterdrückung von Geistesfreiheit, die feudalen Privilegien, die adlige Volksverhetzung, die jesuitische Lüge und den religiösen Obskurantismus.

Er glaubte an den Fortschritt zu bürgerlichen Verhältnissen, zu Freiheit, Gleichheit und Menschenrechten. Die bisher erfolgten sozialen Unruhen Anfang der 30er Jahre reichten für einen Umsturz aber bei Weitem noch nicht aus.[5]

So sehr sich die staatliche Repressionspolitik auch um die Aufrechterhaltung des alten Systems und die Unterbindung der emanzipatorischen Machtansprüche des Bürgertums bemühte, konnte sie nicht verhindern, dass sich in den 30er und 40er Jahren die Ständegesellschaft verstärkt aufzulösen begann. Starke Bevölkerungszunahme mit folgendem Massenelend einer eigentumslosen Unterschicht, eine veränderte Agrarstruktur und die sich entwickelnde Industrialisierung stellten die Basis für den Veränderungsprozess dar.[6]

In den 40er Jahren herrschten in Deutschland verschärfte, schließlich vorrevolutionäre Auseinandersetzungen zwischen liberaler Bewegung und feudaler Bürokratie. In dieser Zeit ereigneten sich die ersten Konflikte, die gerade auf den negativen Auswirkungen der ökonomischen Modernisierung beruhten und den Widerstand der proletarisierten Schichten hervorriefen. In diesen Zeitraum fällt auch der Aufstand der schlesischen Weber im Jahre 1844, der Signalcharakter für Politik, aber auch Literatur annehmen sollte.[7]

3. Zeitgedichte aus dem Jahre 1844

Das Jahrzehnt zwischen 1840 und 1850 ist als Blütezeit der politischen Lyrik Deutschlands anzusehen. Nachdem Heine in den 30er Jahren fast nur Prosa geschrieben hatte, widmete er sich nun mehr der Lyrik und dem Verfassen von Zeitgedichten. Ich möchte mich im Folgenden auf einige wenige im Jahre 1844 erschienenen Gedichte beschränken. Zum einen sind es solche, welche im fast schon typischen Stil der Zeitgedichte Heines verfasst sind, zum anderen das Gedicht Die schlesischen Weber, welches vom üblichen „Schema“ abweicht.

Heine legte auch bei seinen Zeitgedichten im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen hohen Wert auf eine ästhetisch-künstlerische Gestaltung. Weiterhin ist charakteristisch, dass er seiner politischen Lyrik stets die Tendenz verleiht, Illusionen zu zerstören. Heine verzichtete in der Regel von vorneherein auf die bei vielen seiner Zeitgenossen typische Mischung von Devotion und Rebellion in seiner Lyrik.[8]

1844 erschienen Deutschland, ein Wintermärchen sowie mehrere politische Zeitgedichte Heines im Vorwärts!, der Pariser Emigrantenzeitschrift. Sie kritisierten die überlebten Zustände Deutschlands, wo die industrielle Revolution bereits begonnen hatte und der Konflikt zwischen Bourgeoisie und Proletariat daher schon zutage trat, während noch vorbürgerliche, feudalständische Institutionen das politische Leben bestimmten.

3.1. Der Kaiser von China, Der neue Alexander, Zur Beruhigung

Im Vorwärts! wurden unter anderem die Zeitgedichte Der Kaiser von China, Der neue Alexander, Zur Beruhigung und Die schlesischen Weber abgedruckt. Die drei erstgenannten Gedichte könnte man zu einer Gruppe von Zeitgedichten zusammenfassen. In ihnen legt Heine die persönlichen Schwächen der Hauptpersonen offen dar.

So gibt Heine in der Satire Der Kaiser von China dem Gottesgnadenherrscher Friedrich Wilhelm IV. der Lächerlichkeit preis, indem er die persönlichen Schwächen des Herrschers, wie Impotenz und Trunksucht, rücksichtslos enthüllt: „Sobald ich getrunken meinen Schnaps/Steht China ganz in Blüte […] / Ich selber werde fast ein Mann/Und meine Frau wird schwanger.“[9]

Heine wendete einen weiteren Kunstgriff an. Er verlegt den Schauplatz seiner Geschichten an entfernte Orte, um so auf politische Strukturen und Missstände besser hinweisen zu können. In Der Kaiser von China verlegt er diesen nach China, ins klassische Land des Absolutismus, der Knute und der Priesterbonzen.

Heine pflegte außerdem ein ironisches Gegenbild der Realität zu entwerfen, indem er das Negative zum Positiven, das Mangelhafte zum Vollkommenen und das Hässliche zum Schönen verkehrte. Dieser Verfremdungseffekt wird in seinen Texten konsequent durchgehalten.[10] So wird zum Beispiel aus dem realen schwerverständlichen Philosoph Schelling, den der König nach Berlin berufen hatte, im Gedicht der „Hofweltweise Confusius“, welcher nun „klarste Gedanken“ bekommt: „Mein Hofweltweiser Confusius / Bekömmt die klarsten Gedanken“.[11]

[...]


[1] Schell, Ralf: Heinrich Heine. Zur Einführung, S. 245-247.

[2] Höhn, Gerhard: Heine-Handbuch, S. 4f.

[3] Ebd., S. 5.

[4] Höhn, Gerhard: Heine-Handbuch, S. 6f.

[5] Ebd., S. 7ff.

[6] Ebd., S. 9.

[7] Ebd. S. 10.

[8] Grab, Walter: Heinrich Heine als politischer Dichter, S. 73.

[9] Heine, Heinrich: Sämtliche Gedichte in zeitlicher Folge, S. 460.

[10] Grab, Walter: Heinrich Heine als politischer Dichter, S. 74.

[11] Heine, Heinrich: Sämtliche Gedichte in zeitlicher Folge, S. 460.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die politische Lyrik Heinrich Heines unter besonderer Berücksichtigung des Gedichtes "Die schlesischen Weber"
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Institut für Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Hauptseminar: Heinrich Heines Lyrik
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
26
Katalognummer
V135474
ISBN (eBook)
9783640442942
ISBN (Buch)
9783640443277
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heinrich Heine, Politische Lyrik, Die schlesischen Weber, Der Kaiser von China, Der neue Alexander, Zur Beruhigung, Zeitgedichte, Vormärz, Weberaufstand, Weberlied
Arbeit zitieren
Nicole Vollmer (Autor), 2003, Die politische Lyrik Heinrich Heines unter besonderer Berücksichtigung des Gedichtes "Die schlesischen Weber", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135474

Kommentare

  • Gast am 7.3.2010

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