In dieser Unterrichtsstunde sollen die Schülerinnen und Schüler die Karikatur "Adolf in the looking-glass" von Bernard Partridge aus dem Jahr 1934 analysieren und dabei verschiedene Teilziele erreichen.
Dazu gehört die Beschreibung der Bildelemente und der formalen Merkmale der Karikatur sowie die Analyse der verwendeten Symbole und der Spiegelbildelemente. Die Schülerinnen und Schüler sollen auch die Bedeutung des Elements des Spiegels in der Karikatur erklären und die Intention des Künstlers erläutern. Darüber hinaus sollen sie die Aussage der Karikatur im Hinblick auf den historischen Kontext beurteilen und reflektieren, welche Vor- und Nachteile die Form der Karikatur im Vergleich zu einem Zeitungsartikel hat (optional). Der angestrebte Kompetenzzuwachs umfasst die Urteilskompetenz, indem die Schülerinnen und Schüler fachbezogene Sachverhalte differenziert beurteilen, und die Methodenkompetenz, indem sie komplexere diskontinuierliche Texte wie Karikaturen analysieren und interpretieren. Der geplante Verlauf der Stunde beinhaltet einen Einstieg, eine Problematisierung, eine Erarbeitung in Form eines Partnerpuzzles mit Binnendifferenzierung über Tippkarten und weiterführende Aufgaben, eine Präsentation der Arbeitsergebnisse, eine Sicherung und eine gemeinsame Bildung eines Sachurteils. Dabei sollen verschiedene Sozial- und Aktionsformen sowie Materialien und Medien eingesetzt werden, um die Schülerinnen und Schüler aktiv in den Lernprozess einzubinden.
Inhaltsverzeichnis
1. Diagnose der Lernausgangslage
2. Ziele und Kompetenzzuwachs
3. Didaktische Analyse
4. Methodisch-mediale Entscheidungen
5. Geplanter Verlauf der Stunde
6. Literaturverzeichnis
7. Bilderverzeichnis
8. Anhang
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Unterrichtsstunde ist es, die Urteilskompetenz der Schülerinnen und Schüler bei der Analyse politischer Karikaturen zu stärken, indem sie lernen, die Aussageabsicht der Karikatur „Adolf in the looking-glass“ (1934) systematisch durch Symbolentschlüsselung und Kontextualisierung zu beurteilen.
- Systematische Analyse politischer Karikaturen als historische Quellen
- Entschlüsselung visueller Symbole und deren Deutung im historischen Kontext
- Förderung der Urteilsbildung zur NS-Außenpolitik und deren Wahrnehmung durch das Ausland
- Anwendung des "Ich-Du-Wir-Prinzips" zur Steigerung der Schüleraktivität
Auszug aus dem Buch
3. Didaktische Analyse
Im vorliegenden Entwurf für eine Unterrichtsstunde geht es um die politischen Ziele und Absichten von Adolf Hitler, die er bereits 1925 in seiner Programmschrift "Mein Kampf" dargelegt hat. Hitler war davon überzeugt, dass die Deutschen einer "Herrenrasse" angehören und somit auf Kosten "niederer Rassen" den eigenen Lebensraum erweitern konnten. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 begannen sie, getreu der Programmschrift, systematisch einen Krieg vorzubereiten.
Um die hohe Arbeitslosenzahl zu verringern, wurden ab 1933 viele neue Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie geschaffen. Zudem wurde die Wehrpflicht am 16. März 1935 unter Verletzung internationaler Verträge wieder eingeführt, was nicht nur die Arbeitslosenstatistik schönte, sondern auch das zuvor durch den Versailler Vertrag stark verkleinerte Deutsche Heer wieder aufleben ließ. Die Nationalsozialisten investierten ab 1934 massiv in Wehrmacht und Rüstungsindustrie, was dem Staat enorme Schulden bescherte. Diese Schulden waren so hoch, dass der Staat unter normalen Umständen niemals in der Lage gewesen wäre, sie zurückzuzahlen. In einem internen Schreiben zum "Vierjahresplan" formulierte Hitler, dass die deutsche Armee in vier Jahren einsatzfähig sein und die deutsche Wirtschaft kriegsfähig sein müsse. Trotz Bedenken aus der Wirtschaft beschwichtigte Hermann Göring 1936 die Industriellen, dass die Wirtschaft schon genug entschädigt werden würde, sollte Deutschland im geplanten Krieg siegen.
Obwohl die eigene Bevölkerung Hitlers Wirtschaftspolitik und die damit verbundenen Arbeitsplätze als Erfolg feierten, war die Beunruhigung in anderen Teilen der Welt groß. Vor allem in Europa griff die Furcht um sich, dass die NSDAP als "Speerspitze des deutschen Revisionismus" die internationalen Verträge zerreißen, Deutschland aufrüsten und Österreich an das Deutsche Reich anschließen wolle. Hitler setzte zunächst auf eine Verschleierungstaktik, um seine tatsächlichen Absichten so lange wie möglich geheim zu halten und die eigene Bevölkerung sowie das Ausland zu täuschen. Dazu wurde der Eindruck erweckt, dass die bekannte Weimarer Revisionspolitik fortgesetzt werde und die Nationalsozialisten keine spezifische Außenpolitik verfolgten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Diagnose der Lernausgangslage: Analyse der methodischen, sozialen und personalen Voraussetzungen der Schülerschaft sowie Begründung des thematischen Einstiegs über Bildbeschreibungen.
2. Ziele und Kompetenzzuwachs: Definition des Stundenziels der Karikaturanalyse und Festlegung der angestrebten Urteils- und Methodenkompetenzen gemäß Lehrplan.
3. Didaktische Analyse: Thematische Einordnung der NS-Außenpolitik und Herleitung der Relevanz der Karikatur "Adolf in the looking-glass" als Zeitzeugnis.
4. Methodisch-mediale Entscheidungen: Begründung der gewählten Sozialformen und Medieneinsätze zur kognitiven Entlastung und Förderung des aktiven Lernprozesses.
5. Geplanter Verlauf der Stunde: Strukturierte Übersicht der Unterrichtsphasen inklusive Zeitplanung und methodischer Kommentare zum Lernzielerreichungsgrad.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten fachdidaktischen und historischen Quellen.
7. Bilderverzeichnis: Nachweis der verwendeten Karikaturen und Symbole für die Arbeitsblätter.
8. Anhang: Bereitstellung ergänzender Materialien wie Arbeitsblätter und Tippkarten zur Binnendifferenzierung.
Schlüsselwörter
Karikaturanalyse, Nationalsozialismus, Außenpolitik, Urteilskompetenz, Methodenkompetenz, Politikunterricht, Geschichtsunterricht, Symbolik, Medienkompetenz, kognitive Entlastung, Didaktik, Bildquelle, NS-Propaganda, Selbstbild, Fremdwahrnehmung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundlegend?
Die Arbeit fokussiert auf die didaktische Planung und methodische Gestaltung einer Geschichtsstunde zur Analyse politischer Karikaturen im Nationalsozialismus.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die NS-Außenpolitik der 1930er Jahre, die Analyse historischer Bildquellen sowie die Förderung von Urteils- und Analysemethoden bei Lernenden.
Was ist das primäre Ziel der Unterrichtsstunde?
Die Schülerinnen und Schüler sollen Hitler als "Wahrnehmungsfigur" durch die Analyse der Karikatur "Adolf in the looking-glass" historisch einordnen und beurteilen können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es werden Ansätze der Cognitive Load Theory angewendet sowie methodische Konzepte wie das Partner-Puzzle und das Ich-Du-Wir-Prinzip zur Wissenskonstruktion genutzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit dargelegt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine didaktische Sachanalyse und die methodisch-mediale Begründung, mit der die Analysefähigkeit der Schüler gefördert werden soll.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Urteilskompetenz, Bildanalyse, historische Quellenarbeit und Binnendifferenzierung charakterisiert.
Warum wird im Unterricht auf den Untertitel der Karikatur verzichtet?
Der Verzicht dient der Reduktion kognitiver Überforderung, damit sich der Fokus der Schüler rein auf die Entschlüsselung der Symbole und die Urteilsbildung konzentrieren kann.
Wie werden leistungsunterschiedliche Schüler gefördert?
Dies erfolgt durch Binnendifferenzierung mittels Tippkarten und gezielter Partnerarbeitsphasen, die leistungsschwächere Schüler durch soziale Interaktion unterstützen.
Welche Rolle spielt die Karikatur im modernen Geschichtsunterricht?
Karikaturen dienen als anspruchsvolle historische Quellen, die durch Übertreibung und Parodie komplexes politisches Denken schulen und zur eigenen Urteilsbildung anregen.
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- Anonym (Autor:in), 2023, Karikaturanalyse zur Bildung eines Sachurteils am Beispiel "Adolf in the looking-glass" (Geschichte, 9. bis 10. Klasse), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1356752