Karikaturanalyse zur Bildung eines Sachurteils am Beispiel "Adolf in the looking-glass" (Geschichte, 9. bis 10. Klasse)


Unterrichtsentwurf, 2023

18 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe


1. Diagnose der Lernausgangslage

Die Lerngruppe besteht aus 26 Schülerinnen und Schülern (18 w / 8 m) der Jahrgangsstufe 9 und wird vom Studienreferendar seit 2019 im Rahmen des Ausbildungsunterrichts in Zusammenarbeit mit dem Fachlehrer unterrichtet. Die SuS der Klasse sind im Schnitt 15 Jahre alt. An der Gesamtschule wird das Fach Gesellschaftslehre in der Sekundarstufe I fächerintegriert unterrichtet, wobei der Schwerpunkt jedoch auf dem Fach Geschichte liegt.

Im Rahmen der vorliegenden Unterrichtsstunde werde ich auf die vorhandenen und vorausgesetzten methodischen, sozialen und personalen Kompetenzen meiner Schülerinnen und Schüler eingehen. Das Leistungsniveau meiner Klasse ist als heterogen zu bezeichnen, da neben einigen leistungsstarken Schülerinnen und Schülern, die sich regelmäßig am Unterricht beteiligen und ein breites historisches Wissen aufweisen, einige Schülerinnen und Schüler noch Schwierigkeiten haben, historische Sachzusammenhänge zu erkennen. Dies führt dazu, dass ihre Mitarbeit in den einzelnen Phasen des Unterrichts eher zurückhaltend ist. Trotzdem kann die Lernatmosphäre in der Klasse als angenehm und arbeitsorientiert beschrieben werden. Die Schülerinnen und Schüler der Klasse arbeiten in der Regel gerne in Kleingruppen zusammen und helfen sich gegenseitig unaufgefordert bei der Bearbeitung der Aufgaben.

In Bezug auf das Präsentieren von Arbeitsergebnissen vor der Klasse kann gesagt werden, dass die Schülerinnen und Schüler dies in der Regel gut beherrschen. Allerdings muss noch verstärkt darauf geachtet werden, dass sie die Fachsprache korrekt verwenden. Im Umgang mit Tippkarten sind die Schülerinnen und Schüler aufgrund der regelmäßigen Anwendung beispielsweise im Fach Mathematik bereits geübt.

In dieser Klasse werden Bilder und Karikaturen häufig als Einstieg zur Problemfindung verwendet (vgl. Fieberg, 2015). Daher sind die Schülerinnen und Schüler insbesondere mit der Bildbeschreibung vertraut. Allerdings fehlt einigen Schülerinnen und Schülern noch eine Systematik. Aus diesem Grund dient die heutige Unterrichtsstunde, die unter dem Thema "Nationalistische Aufklärung - Einführung in die Analyse von Karikaturen anhand der nationalsozialistischen Karikatur 'Es werde Licht' aus dem Stürmer zur Bildung eines Sachurteils" steht, vor allem dazu, das Methodenwissen der Schülerinnen und Schüler in Bezug auf die systematische Analyse einer Karikatur zu verbessern. Hierbei wird ein Methodenblatt (vgl. Jägers, 2016) als Hilfe herangezogen, das auch in der heutigen Unterrichtsstunde Verwendung finden wird. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten die Schritte der Karikatur-Analyse, wobei der Fokus auf der Versprachlichung der Bildbeschreibung und Einordnung der Bildquelle liegt.

Da für die Entschlüsselung von Bildern ebenso viele kognitive Prozesse angewandt werden müssen wie für Sprachhandlungen und die Schülerinnen und Schüler spezifische Entschlüsselungsstrategien benötigen, die sie mit ihrem Welt- und Kontextwissen verknüpfen können, liegt der Fokus der heutigen Unterrichtsstunde auf der Entschlüsselung verwendeter Symbole und der Intention des Künstlers einer anderen Karikatur (vgl. Jägers, 2016). Wie Gautschi (2005) betont, müssen Betrachter einer Karikatur über ein genügend großes Sachwissen verfügen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Ziele und Kompetenzzuwachs

- Stundenziel: Die SuS beurteilen die Aussageabsicht der Karikatur „Adolf in the looking-glass“ von Bernard Partridge aus dem Jahr 1934, indem sie die Karikatur analysieren.

- Teilziele:

Die SuS ...

-beschreiben die Bildelemente und die formalen Merkmale der Karikatur.
-analysieren die Karikatur, indem sie die verwendeten Symbole der Karikatur entschlüsseln und deuten sowie die Spiegelbildelemente (Symbole) einander zuordnen.
-erklären, welche Bedeutung das Element des Spiegels in der Karikatur hat.
-erläutern die Intention des Künstlers.
-beurteilen die Aussage der Karikatur im Hinblick auf den historischen Kontext.
-reflektieren, welche Vor- und Nachteile die Form der Karikatur im Vergleich zu z. B. einem Zeitungsartikel hat (optional).

- Angestrebter Kompetenzzuwachs:

Urteilskompetenz:

Die SuS .

-beurteilen differenziert fachbezogene Sachverhalte vor dem Hintergrund relevanter [.] Kriterien [.] (UK 2; MSW NRW, 2011, S. 45).
- vollziehen die Intention des Künstlers nach und beurteilen die Aussage der Karikatur im Hinblick auf den historischen Kontext (konkretisiert nach UK 4; MSW NRW, 2011, S. 35).

Methodenkompetenz:

Die SuS analysieren und interpretieren komplexere diskontinuierliche Texte wie [.] Karikaturen [.] (MK 8; MSW NRW, 2011, S. 44).

3. Didaktische Analyse

- Sachanalyse des Unterrichtsgegenstandes

Im vorliegenden Entwurf für eine Unterrichtsstunde geht es um die politischen Ziele und Absichten von Adolf Hitler, die er bereits 1925 in seiner Programmschrift "Mein Kampf" dargelegt hat. Hitler war davon überzeugt, dass die Deutschen einer "Herrenrasse" angehören und somit auf Kosten "niederer Rassen" den eigenen Lebensraum erweitern konnten. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 begannen sie, getreu der Programmschrift, systematisch einen Krieg vorzubereiten.

Um die hohe Arbeitslosenzahl zu verringern, wurden ab 1933 viele neue Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie geschaffen. Zudem wurde die Wehrpflicht am 16. März 1935 unter Verletzung internationaler Verträge wieder eingeführt, was nicht nur die Arbeitslosenstatistik schönte, sondern auch das zuvor durch den Versailler Vertrag stark verkleinerte Deutsche Heer wieder aufleben ließ. Die Nationalsozialisten investierten ab 1934 massiv in Wehrmacht und Rüstungsindustrie, was dem Staat enorme Schulden bescherte. Diese Schulden waren so hoch, dass der Staat unter normalen Umständen niemals in der Lage gewesen wäre, sie zurückzuzahlen. In einem internen Schreiben zum "Vierjahresplan" formulierte Hitler, dass die deutsche Armee in vier Jahren einsatzfähig sein und die deutsche Wirtschaft kriegsfähig sein müsse. Trotz Bedenken aus der Wirtschaft beschwichtigte Hermann Göring 1936 die Industriellen, dass die Wirtschaft schon genug entschädigt werden würde, sollte Deutschland im geplanten Krieg siegen.

Obwohl die eigene Bevölkerung Hitlers Wirtschaftspolitik und die damit verbundenen Arbeitsplätze als Erfolg feierten, war die Beunruhigung in anderen Teilen der Welt groß. Vor allem in Europa griff die Furcht um sich, dass die NSDAP als "Speerspitze des deutschen Revisionismus" die internationalen Verträge zerreißen, Deutschland aufrüsten und Österreich an das Deutsche Reich anschließen wolle. Hitler setzte zunächst auf eine Verschleierungstaktik, um seine tatsächlichen Absichten so lange wie möglich geheim zu halten und die eigene Bevölkerung sowie das Ausland zu täuschen. Dazu wurde der Eindruck erweckt, dass die bekannte Weimarer Revisionspolitik fortgesetzt werde und die Nationalsozialisten keine spezifische Außenpolitik verfolgten. In seiner vielbeachteten "Friedensrede" 1933 vor dem Deutschen Reichstag schlug Hitler dementsprechend versöhnliche Töne an und betonte, dass die deutsche Regierung sich über alle schwierigen Fragen mit den Nationen friedlich auseinandersetzen wolle.

Ziel der Stunde ist eine umfassende Analyse der Karikatur "Adolf in the looking-glass" des Karikaturisten Bernard Partridge aus dem Jahr 1934, die im britischen Satiremagazin Punch veröffentlicht wurde. Diese Karikatur stellt einen wichtigen Wendepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung von Hitler und seiner Außenpolitik dar und wird daher für den Geschichtsunterricht von großer Bedeutung sein.

Die Karikatur zeigt Adolf Hitler in einem zivilen Anzug vor einem großen antiken Spiegel, der von einem schwarzen Adler gekrönt wird. Während die Körperhaltung von Hitler als offen und selbstbewusst beschrieben werden kann, zeigt sein Spiegelbild einen stolzen Fechter, der bereit ist, zum Angriff überzugehen. Das Spiegelbild trägt einen Stahlhelm, eine militärische Uniform und hält einen Offizierssäbel in der Hand. Der schwarze Adler, der das Pendant zur weißen Taube im Bild darstellt, sitzt aggressiv auf dem Spiegel und symbolisiert Hitlers aggressives und kriegerisches Wesen.

In diesem Kontext ist auch die Wahl der Bildunterschrift von Bedeutung, die dem Hitler vor dem Spiegel in den Mund gelegt wird: "How frightful I look to-day!" Diese Aussage unterstreicht die Bedeutung des Spiegels als Reflexion von Hitlers wahrer Natur und seiner wahren Absichten. Die Inschrift auf dem Spiegel, "Foreign Opinion", weist darauf hin, dass diese Karikatur speziell für den ausländischen Betrachter gedacht ist und dass Hitlers wahres Gesicht international erkannt wird.

Diese Karikatur stellt einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte der politischen Karikatur dar, da sie eine der ersten war, die Hitlers wahre Absichten und seine aggressiven Pläne entlarvte. Sie ist ein eindringliches Beispiel dafür, wie politische Karikaturen dazu beitragen können, die öffentliche Meinung zu beeinflussen und politische Entscheidungen zu beeinflussen. In diesem Zusammenhang werden wir in der Unterrichtsstunde auch diskutieren, wie politische Karikaturen heute eingesetzt werden, um politische Entscheidungen zu beeinflussen und die öffentliche Meinung zu formen.

- Relevanz für die SuS

Die Auseinandersetzung mit politischen Gefahren und der Beobachtung der in- und ausländischen Politik ist auch heute noch ein wichtiger Bestandteil unseres täglichen Lebens. Hierbei spielen Karikaturen eine entscheidende Rolle, da sie komplexe politische Sachverhalte auf eine einfache und pointierte Art und Weise darstellen können. Karikaturen werden in Zeitungen sowie auf vielen Plattformen im Internet veröffentlicht und erreichen dadurch ein großes Publikum, einschließlich Schülerinnen und Schüler. Karikaturen regen laut Gautschi zum Nachdenken an, indem sie das Mittel der Übertreibung, der Parodie und des Lächerlich Machens von karikierten Personen einsetzen. Der Witz in Karikaturen spricht sowohl Schülerinnen und Schüler als auch die breite Öffentlichkeit an. Für Historiker stellen Karikaturen anspielungsreiche historische Quellen dar, die Fragen aufwerfen, Wissen und Nachdenken erfordern und so zur Weiterarbeit mit ergänzenden schriftlichen Zeugnissen aus der Vergangenheit anregen.

Es ist wichtig, dass Schülerinnen und Schüler verstehen, dass Karikaturen immer Mittel zur politischen Auseinandersetzung sind und dass sie ein aktuelles politisches Urteil aus Sicht des Karikaturisten beinhalten. Durch das Erkennen der perspektivischen Verzerrung eines historischen Ereignisses und das kritische Vergleichen mit historischer Evidenz fördert der Umgang mit Karikaturen die eigene Thesen- und Urteilsbildung sowie ein kritisches und reflexives Geschichtsbewusstsein. Dies sind wesentliche Ziele des modernen Geschichtsunterrichts und helfen den Schülerinnen und Schülern dabei, aktiv am politischen Diskurs teilzunehmen.

-Legitimation des Unterrichtsvorhabens

Die geplante Unterrichtsstunde ist gemäß des Kernlehrplans für die Gesamtschule - Sekundarstufe I in Nordrhein-Westfalen für das Fach Gesellschaftslehre sowie des Hauscurriculums der Gesamtschule dem Inhaltsfeld 10: „Nationalismus und zweiter Weltkrieg“ (MSW NRW, 2011, S. 54) zuzuordnen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Karikaturanalyse zur Bildung eines Sachurteils am Beispiel "Adolf in the looking-glass" (Geschichte, 9. bis 10. Klasse)
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,0
Jahr
2023
Seiten
18
Katalognummer
V1356752
ISBN (eBook)
9783346872791
ISBN (Buch)
9783346872807
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entwurf, hitler, unterrichtsentwurf, hitler im spiegel, karikatur, analyse, urteilskompetenz, geschichte, quellenkritik, methodenkompetenz, sachkompetenz, handlungskompetenz, multiperspektivität, urteilsbildung, artikulationsschema, ub, upp, 10. klasse, 9. klasse, sachurteil, werturteil, 2. weltkrieg, briten, aliierte, propaganda, Adolf in the looking-glass, 1934
Arbeit zitieren
Anonym, 2023, Karikaturanalyse zur Bildung eines Sachurteils am Beispiel "Adolf in the looking-glass" (Geschichte, 9. bis 10. Klasse), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1356752

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