Abriss der iranischen Aussenpolitik nach der Islamischen Revolution, unter Bezug auf den Kalten Krieg. Schwergewicht auf die Politik des Revolutionsexports während der Herrschaft von Ayatollah Khomeini. Kurzer Ausblick auf die Aussenpolitik nach dem Tod Khomeinis und dem Ende des Krieges gegen den Irak.
Inhaltsverzeichnis
Die islamische Revolution im Kontext des Kalten Kriegs
Der Islamismus und Khomeinis Weltsicht
Akteure in Aussenpolitik und Revolutionsexport
Phasen der Aussenpolitik
Ein partieller Neuanfang
Fazit
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit analysiert die iranische Revolution von 1979 als ein Ereignis, das sich unabhängig von der Logik des Kalten Kriegs entwickelte, jedoch massiven Einfluss auf das internationale System und die politische Landschaft im Nahen Osten ausübte. Sie untersucht die ideologischen Hintergründe, die Rolle zentraler Akteure und die Dynamiken des iranischen Revolutionsexports.
- Die Einordnung der iranischen Revolution im Kontext des Kalten Kriegs
- Die Entwicklung und Ausprägung des Islamismus und der Weltsicht Khomeinis
- Die Identifikation und Rolle außenpolitischer Akteure und parastaatlicher Stiftungen (Bonyads)
- Die Phasen der iranischen Außenpolitik seit 1979
- Die Auswirkungen des Versuchs eines Revolutionsexports auf die regionale Stabilität
Auszug aus dem Buch
Die islamische Revolution im Kontext des Kalten Kriegs
Die islamische Revolution im Iran fand an der Schwelle der letzten Phase des Kalten Kriegs statt – der Phase, die nach dem Einmarsch in Afghanistan und der Zerschlagung der Solidarnosc in Polen durch ein wiederum intensiviertes Wettrüsten zwischen den Blöcken, eine drastische Abkühlung der Beziehungen zwischen Moskau und Washington und Spannungen innerhalb der NATO wegen der nuklearen Nachrüstung gezeichnet war und die erst mit der Perestroika beendet wurde.
Ausserhalb Europas, dem eigentlichen Hauptkonfrontationsplatz der zwei Supermächte, hatten allerdings bereits in der vorangegangenen Entspannungsperiode Stellvertreterkonfrontationen kontinuierlich zugenommen. In Vietnam brach 1975 das nie sonderlich populäre Regime im Süden zusammen und beendigte für die USA die eigenen traumatischen Erfahrungen in diesem Land mit einer demütigenden Niederlage. In Zentralamerika kamen in der Mitte der siebziger Jahre die dortigen Oligarchien unter den Druck von linksgerichteten Guerillabewegungen. In Nicaragua stürzte die Familiendiktatur der Somozas und musste den revolutionären Sandinisten Platz machen, während im benachbarten El Salvador sich ein prekäres Bündnis von Generälen und Politikern nur dank massiver amerikanischer Militär- und Wirtschaftshilfe knapp an der Macht halten konnte.
Die Ereignisse in all diesen Ländern hatten in erster Linie ihre Wurzeln in den lokalen Verhältnissen. Kleine Eliten herrschten – zum Teil mit brutaler Gewalt – über das Land und gewannen ihren Reichtum und ihre Macht aus der Ausbeutung weiter Bevölkerungsschichten, die zum Teil in feudalen Abhängigkeitsverhältnissen gehalten wurden. Diese Eliten waren vielfach mit dem Westen verbunden, ihre Regimes galten als pro-westlich. Wer sich gegen diese Regimes stellte, wurde von diesen – und oft, zu oft mit der Billigung Washingtons - als Kommunist denunziert, diffamiert, gefoltert und umgebracht. Kein Wunder, dass die Oppositionskräfte in diesen Ländern „Kommunist“ nicht unbedingt als Schimpfwort empfanden.
Zusammenfassung der Kapitel
Die islamische Revolution im Kontext des Kalten Kriegs: Dieses Kapitel verortet die iranische Revolution im globalen Spannungsfeld des Kalten Kriegs und stellt sie in den Zusammenhang der weltweiten Entkolonialisierung.
Der Islamismus und Khomeinis Weltsicht: Hier werden die soziokulturellen und politischen Ursachen für das Erstarken des Islamismus sowie die spezifische, auf Befreiung ausgerichtete Ideologie Ayatollah Khomeinis analysiert.
Akteure in Aussenpolitik und Revolutionsexport: Das Kapitel beleuchtet die Rolle der Revolutionswächter und parastaatlicher Stiftungen (Bonyads) als einflussreiche Akteure bei der Verbreitung der revolutionären Ideologie im Ausland.
Phasen der Aussenpolitik: Hier werden die verschiedenen Stadien der iranischen Außenpolitik nachgezeichnet, von der unmittelbaren Post-Revolutionszeit über die Isolation bis hin zu Versuchen einer partiellen Annäherung.
Ein partieller Neuanfang: Dieses Kapitel behandelt die außenpolitischen Neuausrichtungen nach dem Tod Khomeinis und die Herausforderungen einer vorsichtigen Öffnungspolitik gegenüber dem Westen.
Fazit: Das Fazit fasst den nachhaltigen Einfluss der Revolution auf das internationale System sowie die Transformationen des Islamismus in den letzten 30 Jahren zusammen.
Schlüsselwörter
Iranische Revolution, Kalter Krieg, Islamismus, Ayatollah Khomeini, Schiiten, Außenpolitik, Revolutionsexport, Revolutionswächter, Bonyads, Naher Osten, Geiselaffäre, Stellvertreterkonfrontationen, Entkolonialisierung, Regionalpolitik, Nuklearprogramm.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der iranischen Revolution von 1979 und ihrer Rolle im internationalen System, insbesondere in Bezug auf den Kalten Krieg und die Verbreitung des Islamismus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entstehungsgeschichte des politischen Islams, die Rolle des Iran in der regionalen Geopolitik, das Verhältnis zu den Supermächten und der Versuch, die Revolution international zu exportieren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Eigenständigkeit der iranischen Revolution gegenüber der bipolaren Logik des Kalten Kriegs aufzuzeigen und die Auswirkungen ihrer Außenpolitik auf den Nahen Osten zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit folgt einer historisch-analytischen Methode, bei der politische Ereignisse in ihren zeitgenössischen Kontext eingebettet und ideologische Strömungen in ihrer Wirkung auf die Außenpolitik untersucht werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Rahmenbedingungen, die ideologische Weltsicht Khomeinis, die wichtigsten innenpolitischen Akteure im Export der Revolution sowie den chronologischen Verlauf der iranischen Außenpolitik in den verschiedenen Phasen nach 1979.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Iranische Revolution, Islamismus, Geopolitik, Schiitentum, Khomeinis Ideologie, Bonyads und internationale Isolation.
Warum war die Außenpolitik des Iran nach 1979 von Spannungen geprägt?
Dies lag vor allem am ideologischen Anspruch des Regimes, seine Revolution zu exportieren, was in direkten Konflikt mit den Interessen regionaler Mächte und dem Westen geriet und den Iran international isolierte.
Welche Rolle spielen die sogenannten "Bonyads"?
Die Bonyads sind mächtige parastaatliche Stiftungen, die nach der Revolution aus enteignetem Vermögen entstanden sind und als Instrumente zur Unterstützung der revolutionären Ideologie sowie der iranischen Wirtschaft dienen.
Wie verhielt sich der Iran gegenüber der Sowjetunion im Vergleich zu den USA?
Trotz der offiziellen Doktrin "Weder Ost noch West" war die Politik gegenüber der Sowjetunion deutlich pragmatischer und passiver, während das Verhältnis zu den USA durch tiefes Misstrauen und Feindseligkeit geprägt war.
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- Dr. phil. hist. Rolf Tanner (Autor:in), 2008, Die iranische Revolution und das internationale System, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135770