In der Hausarbeit soll der Frage nachgegangen werden, ob Heinrich Brüning zum Zeitpunkt der Reichspräsidentenwahl noch die Möglichkeit gehabt hätte, Konsens und Kompromissbereitschaft im Reichstag zu erreichen, um so eine Machtergreifung und Sturz des demokratischen Systems zu verhindern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Heinrich Brüning
3.1 Politischer Werdegang bis 1932
3.2 Herausforderungen als Reichskanzler
4. Konflikte bei der Reichspräsidentenwahl
4.1 Auftreten bei der Reichspräsidentenwahl
4.2 Reaktionen auf Brünings Rede
4.3 Kritik an der Regierung unter Brüning
5. Handlungsfähigkeit der Regierung unter Brüning
5.1 Bewertung
5.2 Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle von Heinrich Brüning in der Endphase der Weimarer Republik, insbesondere im Kontext der Reichspräsidentenwahl 1932. Ziel ist es zu analysieren, ob Brüning zu diesem Zeitpunkt noch Handlungsspielräume besaß, um durch Konsens und Kompromissbereitschaft im Reichstag eine Destabilisierung des demokratischen Systems und die drohende Machtübernahme der Nationalsozialisten zu verhindern.
- Politischer Werdegang von Heinrich Brüning bis 1932
- Die wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen der Kanzlerschaft
- Analyse der Reichstagsdebatte zur Reichspräsidentenwahl 1932
- Ursachen für die mangelnde Konsensfähigkeit im Parlament
- Bewertung der Handlungsfähigkeit der Regierung Brüning
Auszug aus dem Buch
3.2 Herausforderungen als Reichskanzler
Heinrich Brüning stand als zwölfter Reichskanzler vor schweren Aufgaben. Die Auswirkungen des 1. Weltkrieges waren in der Weimarer Republik immer noch zu spüren. Durch die Alliierten und „besonders durch den Druck der französischen Öffentlichkeit […] [wurde] den Besiegten eine Rückkehr zu politischer, wirtschaftlicher und militärischer Stärke unmöglich gemacht“. Durch den Versailler Vertrag und dem damit verbundenen Anerkennen der vollen Kriegsschuld, wurde der deutsche Nationalstolz untergraben. Somit stand auch besonders Heinrich Brüning als Reichskanzler zwischen den Interessen der Bevölkerung und den Forderungen der Alliierten.
Zum Zeitpunkt seines Amtsantritts wirkte sich der Zusammenbruch der US-amerikanischen Börse stark negativ auf die Wirtschaft der Weimarer Republik aus. Das Jahr 1930 war „ein dramatisches Krisenjahr mit fallender Produktion, sinkenden Einkommen und steigender Arbeitslosigkeit“. Die Bevölkerung kritisierte aufgrund der sinkenden Lebensqualität das System der Weimarer Republik und insbesondere dessen Regierung. Die NSDAP, „die sich sich bis dahin in einer völlig isolierten Außenseiterposition befunden hatte, war nun in der Lage, unter Ausnutzung dieser Krisensituation zum Frontalangriff auf die politischen und gesellschaftlichen Grundlagen der staatlichen Ordnung anzutreten“. Die Teile der Bevölkerung die von der Weimarer Republik enttäuscht oder sogar verbittert waren, wendeten sich der NSDAP zu. Die NSDAP sammelte und bündelte so alle Gegner der Weimarer Republik. Die Wirtschaftskrise „hat die Errichtung der NS-Diktatur 1933 keineswegs verursacht, aber doch ermöglicht und beschleunigt“.
Ein weiterer elementarer Bestandteil war die Debatte über die Reparationszahlungen und Brünings Sparpolitik, welche ihn als Reichskanzler sehr unbeliebt machte. Erst kurz nach seiner Entlassung als Reichskanzler wurden die Reparationszahlungen an die Alliierten beendet. Somit konnte er nicht mehr von der Abschaffung der Reparationszahlungen und der daraus resultierenden Anerkennung der Bevölkerung profitieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die angespannte politische Lage der Weimarer Republik vor 1932 ein und formuliert die Forschungsfrage zur Handlungsfähigkeit Brünings.
2. Forschungsstand: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die wissenschaftliche Literatur zu Brünings Regierungshandeln und arbeitet das Defizit einer detaillierten Analyse der Reichspräsidentenwahl heraus.
3. Heinrich Brüning: Es werden der Lebensweg Brünings bis zum Reichskanzleramt und die massiven Belastungen durch die Weltwirtschaftskrise und das Erbe des Ersten Weltkrieges dargestellt.
4. Konflikte bei der Reichspräsidentenwahl: Der Fokus liegt auf der hitzigen Reichstagsdebatte, dem Boykott der Nationalsozialisten und der Kritik der übrigen Parteien an Brünings politischem Kurs.
5. Handlungsfähigkeit der Regierung unter Brüning: Dieser Abschnitt bewertet abschließend, inwiefern Brüning trotz der extremen Blockadehaltung im Reichstag politische Ziele wie Hindenburgs Wiederwahl erreichen konnte und zieht Bilanz über das Scheitern des Konsensversuchs.
Schlüsselwörter
Heinrich Brüning, Weimarer Republik, Reichspräsidentenwahl 1932, Reichstag, Nationalsozialismus, NSDAP, Wirtschaftskrise, Reichskanzler, Paul von Hindenburg, parlamentarisches System, Reparationszahlungen, Konsens, politische Opposition, Demokratie, Notverordnungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die politische Rolle und Handlungsfähigkeit von Heinrich Brüning während der Endphase der Weimarer Republik, insbesondere mit Blick auf die Reichspräsidentenwahl von 1932.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentrale Themen sind der politische Werdegang Brünings, der Umgang mit der Weltwirtschaftskrise, die Spannungen im Reichstag und die Konfrontation mit der aufstrebenden NSDAP.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist zu untersuchen, ob Brüning als Kanzler zum Zeitpunkt der Reichspräsidentenwahl 1932 tatsächlich noch realistische Handlungsspielräume hatte, um das demokratische System vor dem Kollaps zu retten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung historischer Quellen, insbesondere der Reichstagsdebatten rund um die Reichspräsidentenwahl.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung Brünings, die Detailanalyse der Konflikte im Reichstag während der Wahlkampagne sowie eine kritische Bewertung seiner Regierungsfähigkeit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Weimarer Republik, Heinrich Brüning, NSDAP, Hindenburg, Weltwirtschaftskrise und das Scheitern des parlamentarischen Konsenses.
Warum konnte Brüning im Reichstag kaum noch Konsens erzielen?
Aufgrund der wirtschaftlichen Not und der ideologischen Polarisierung zwischen Faschismus und Kommunismus war die gesellschaftliche Basis für demokratische Kompromisse in den politischen Parteien weitgehend verloren gegangen.
Welche Rolle spielte die NSDAP in Brünings Reden?
Die NSDAP nutzte die Krisensituation für Frontalangriffe und Boykottaktionen im Reichstag, was Brünings Bemühungen um parlamentarische Zusammenarbeit massiv erschwerte.
Welches Fazit zieht die Autorin bzw. der Autor zur Handlungsfähigkeit?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Brüning der komplexen Situation nicht mehr gewachsen war und die Zerstörung der Demokratie bestenfalls verzögern, aber nicht mehr aufhalten konnte.
- Arbeit zitieren
- Johannes Löhr (Autor:in), 2015, Heinrich Brüning und das Ende der Weimarer Republik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1369855