Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Sociology - General and Theoretical Directions

Sündenböcke und Blitzableiter - Theorien des Antisemitismus

Title: Sündenböcke und Blitzableiter - Theorien des Antisemitismus

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 31 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Johannes Doll (Author)

Sociology - General and Theoretical Directions
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Auf die Frage, wie sich der moderne Antisemitismus entwickelt hat, und ob es grundlegende Unterschiede zu dem Begriff „Judenfeindschaft“ (der ja auch einfach als Übersetzung stehen könnte) gibt, lassen sich verschiedene Erklärungsansätze als Antwort anführen. Die kurze Definition im soziologischen Wörterbuch baut einen Fragenkomplex auf, der anhand historischer Texte untersucht werden soll: Wie und ob überhaupt unterscheiden sich Judenfeindschaft und Antisemitismus und in welcher Zeit wird der moderne Antisemitismus angesiedelt? Unterscheidet er sich grundlegend von früheren Formen des Judenhasses? Wie sind die „historischen, religiösen und psychologischen Ursachen, um Juden als ‚Sündenbock’ und ‚Verschwörer’ zu diffamieren“, gegeneinander zu gewichten? Werden auch andere Faktoren (etwa gesamtgesellschaftliche oder ökonomische), die den Judenhass begünstigen, in Betracht gezogen?
Es geht einerseits um die Definition und den Begriff „Antisemitismus“ und seine Abgrenzung zu „Judenfeindschaft“ als auch darum, welche gesellschaftstheoretischen Grundlagen die untersuchten Autoren als maßgeblich für die Entstehung, Verbreitung und Radikalisierung des Antisemitismus annehmen. Letzteres ist von hohem Interesse, da die Gewichtung der Faktoren und Strömungen der besprochenen Zeit durch den jeweiligen Autor, die seiner Meinung nach besonders mit „modernem“ Antisemitismus zusammenhängen, erkennen lassen, in welcher Richtung der Verfasser die Ursachen für das Aufleben des Antisemitismus verortet, worauf er Schwerpunkte setzt und welche theoretischen Ebenen er seinen Ausführungen zugrunde legt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung – Themenbeschreibung

2. Zu: „Sozialdemokratie und Antisemitismus“ (August Bebel, 1893)

2.1. Judenfeindschaft im Gewand der Politik

2.2. Ursachenbestimmung des Antisemitismus und Herangehensweise

2.3. Abschließende Betrachtungen

3. Zu: „Emanzipation und Krise – Zur Geschichte der „Judenfrage“ in Deutschland vor 1890“ (Reinhard Rürup, 1976)

3.1. Antisemitismus als neue Form der Judenfeindschaft

3.1.1. Die Frage nach der „Judenfrage“

3.1.2. Der Begriff „Antisemitismus“ und seine Bedeutung

3.2. Ursachen für die Entstehung des Antisemitismus

3.2.1. Der Prozess der Emanzipation in seinen drei Phasen

3.2.2. Die Emanzipation als Resultat der allgemeinen Umstände

3.2.3. Negative Begleiterscheinungen der Emanzipation

3.3. Fazit und Kritik

3.3.1. Betrachtungen des Erklärungshorizontes

3.3.2. Zum Theorem Reinhard Rürups

4. Zu: „Rezension von: Ueber die Ansprüche der Juden an des deutsche Bürgerrecht von Fr. Rühs“ (Jakob Fries, 1816)

4.1. Fries und Rürup

4.2. Die Rezension von Jakob Fries als eine erste Ideologie des Antisemitismus

5. Abschließende Betrachtungen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und theoretische Fundierung des Antisemitismus, indem sie verschiedene zeitgenössische und historische Ansätze kritisch analysiert und auf ihre Kontinuität hin überprüft. Dabei steht die Frage im Zentrum, ob der moderne Antisemitismus als völlig neue Erscheinung nach der jüdischen Emanzipation zu werten ist oder eine kontinuierliche Fortsetzung früherer Judenfeindschaft darstellt.

  • Theoriebildung zum modernen Antisemitismus aus Sicht von August Bebel
  • Analyse der historischen Einordnung von Emanzipation und Antisemitismus durch Reinhard Rürup
  • Überprüfung der Diskontinuitäts-These anhand einer radikalen Rezension von Jakob Fries (1816)
  • Diskussion der Kontinuität judenfeindlicher Motive und Stereotypen über die Jahrhunderte

Auszug aus dem Buch

Die Rezension von Jakob Fries als eine erste Ideologie des Antisemitismus

Im Jahre 1816 wurde eine Rezension der Schrift „Ueber die Ansprüche der Juden an das deutsche Bürgerrecht“, verfasst von Friedrich Rühs, veröffentlicht und sorgte für große Aufregung und Proteste. Nicht der Originaltext, sondern die Rezension dieser Schrift wurde durch die baden-württembergische Regierung verboten, weil der Verfasser, Jakob Fries, den brisanten Text von Rühs nicht nur besprochen hatte, sondern durch eigene Forderungen erweitert und mit dieser Meinungskundgebung in seiner Radikalität verschärft hat.

Warum dieser Text verboten, warum dieses Verbot wieder aufgehoben wurde und welche Umstände dies bewirkten, soll bei diesen Betrachtungen jetzt im Hintergrund stehen – obwohl es bestimmt sehr interessant wäre, die Gründe für die Aufhebung des Verbots der Schrift mit den Gründen für den reißenden Absatz der als Sonderausgabe erschienenen Rezension in Zusammenhang zu bringen.

Inhaltlich geht es in der Thematik, mit der sich Fries und Rühs beschäftigt haben, um die Gründe, warum den Juden eine volle Gleichstellung als Bürger zu verwehren sei. Schriften dieser Art waren zu dieser Zeit viele erschienen, doch sticht v.a. die Rezension von Jakob Fries einerseits in ihren radikalen Forderungen als auch bezüglich des Aufsehens, dass sie erregte, heraus.

In dieser Rezension schließt sich Fries den von Rühs erarbeiteten Gründen, weshalb die Juden nicht den Status gleichberechtigter Bürger erlangen sollten, an und knüpft an diese mit sehr nachdrücklicher Radikalität seine Forderungen bezüglich der Behandlung der Juden.

„Das Wesen der Judenschaft“ (241) verhindere geradezu die Eingliederung der Juden als Bürger; es liege in ihrer Natur, „wo sie zugelassen wird, (...) eine fürchterliche demoralisierende Kraft“ (256) freizusetzen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung – Themenbeschreibung: Die Einleitung legt den Fokus auf die Differenzierung zwischen Judenfeindschaft und modernem Antisemitismus und stellt die Forschungsfrage nach der Kontinuität dieser Phänomene.

2. Zu: „Sozialdemokratie und Antisemitismus“ (August Bebel, 1893): In diesem Kapitel wird Bebels Parteitagsrede analysiert, in der er den Antisemitismus als politisches Phänomen im Kontext der ökonomischen Krise von 1873 betrachtet.

3. Zu: „Emanzipation und Krise – Zur Geschichte der „Judenfrage“ in Deutschland vor 1890“ (Reinhard Rürup, 1976): Hier wird Rürups These einer neuen Form des Antisemitismus nach der Emanzipation kritisch untersucht und hinsichtlich ihrer historischen Argumentation hinterfragt.

4. Zu: „Rezension von: Ueber die Ansprüche der Juden an des deutsche Bürgerrecht von Fr. Rühs“ (Jakob Fries, 1816): Anhand der Rezension von Jakob Fries wird die Theorie der Diskontinuität des Antisemitismus empirisch geprüft, um die Kontinuität von judenfeindlichen Stereotypen aufzuzeigen.

5. Abschließende Betrachtungen: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der Antisemitismus nicht von seiner langen Vergangenheit als Judenfeindschaft abgetrennt werden kann.

Schlüsselwörter

Antisemitismus, Judenfeindschaft, Emanzipation, Judentum, Sozialdemokratie, August Bebel, Reinhard Rürup, Jakob Fries, Kapitalismus, Ideologie, Kulturkritik, Kontinuität, Diskontinuität, Vorurteile, Gesellschaftstheorie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung und der theoretischen Einordnung des Antisemitismus, insbesondere mit der Frage, wie sich dieser von früheren Formen der Judenfeindschaft abgrenzt oder mit ihnen in Verbindung steht.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Geschichte der jüdischen Emanzipation, der Einfluss sozioökonomischer Krisen auf die Verbreitung antisemitischer Ressentiments sowie die Analyse zeitgenössischer politischer Schriften des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit hinterfragt die wissenschaftliche Hypothese, dass der moderne Antisemitismus eine vollständig neue, vom traditionellen Judenhass abgrenzbare Strömung darstellt, und sucht nach Beweisen für eine historische Kontinuität.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin/der Autor wendet eine textanalytische und historische Methode an, bei der ausgewählte Primär- und Sekundärquellen (August Bebel, Reinhard Rürup, Jakob Fries) im Hinblick auf ihre theoretische Konsistenz und ihre Aussagen zur Kontinuität des Antisemitismus untersucht werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Positionen von August Bebel und Reinhard Rürup sowie die Rezension von Jakob Fries, um die Argumente für eine Diskontinuität des Antisemitismus kritisch zu prüfen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Antisemitismus, Emanzipation, Judenfeindschaft, Kontinuität, Ideologie und Kapitalismuskritik charakterisiert.

Warum spielt die Rezension von Jakob Fries aus dem Jahr 1816 eine so wichtige Rolle?

Die Rezension dient als Prüfstein für die Theorie von Reinhard Rürup. Sie zeigt, dass radikale antisemitische Ideologien und kulturelle Ängste bereits lange vor der durch Rürup postulierten „modernen“ Phase existierten.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor in Bezug auf die „Kontinuitäts-These“?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Antisemitismus nicht isoliert von seiner Vergangenheit betrachtet werden kann, da er maßgeblich auf tradierten judenfeindlichen Stereotypen aufbaut, die bis ins Mittelalter zurückreichen.

Excerpt out of 31 pages  - scroll top

Details

Title
Sündenböcke und Blitzableiter - Theorien des Antisemitismus
College
University of Freiburg  (Institut für Soziologie)
Course
Theorien des modernen Antisemitismus
Grade
2,0
Author
Johannes Doll (Author)
Publication Year
2002
Pages
31
Catalog Number
V13700
ISBN (eBook)
9783638192804
ISBN (Book)
9783638643108
Language
German
Tags
Sündenböcke Blitzableiter Theorien Antisemitismus Theorien Antisemitismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Johannes Doll (Author), 2002, Sündenböcke und Blitzableiter - Theorien des Antisemitismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13700
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  31  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint