Neue Medien im Englischunterricht


Hausarbeit, 2002
21 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Perspektiven Neuer Medien im Englischunterricht
1.1 Neue Medien und konstruktivistisches Lernen
1.2 Vorteile des Computereinsatzes im Fremdsprachenunterricht
1.3 Herausforderungen beim Einsatz Neuer Medien im Englischunterricht

2. Einsatzmöglichkeiten Neuer Medien im Englischunterricht
2.1 Computer als Werkzeug
2.2 Computer als Kommunikationsmedium
2.3 Computer als Informationsmedium

3. Computereinsatz am Beispiel eines Internet-Projekts
3.1 Vorbereitung und Zeitplan eines WWW-Projekts
3.2 Lehrerrolle bei Internetprojekten im Unterricht

4. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Einsatz Neuer Medien im Unterricht gewinnt an immer größerer Bedeutung. Zum einen werden Schüler in ihrer Freizeit regelmäßig mit ihnen konfrontiert und zum anderen gehört der Umgang mit ihnen im späteren Berufsleben schon lange zum Alltag. Eltern und Lehrer sind gefordert, die jüngere Generation einerseits vor dem blinden Konsum der Medien zu bewahren und sie gleichzeitig auf die Vorteile, die der einfache Zugang zu den zahlreichen Medien bietet, aufmerksam zu machen. Andererseits ist es ihre Aufgabe den Schülern dabei Arbeitstechniken mit dem Computer und der gängigen Software zu vermitteln. Damit wird die Zweideutigkeit des Begriffes Medienpädagogik betont, nämlich nicht nur die Erziehung durch Medien, sondern auch die Erziehung zu einer kompetenten Mediennutzung.

Die Fragestellung, die dieser Arbeit zugrunde liegt, beschäftigt sich zunächst mit den Möglichkeiten und Herausforderungen des Einsatzes Neuer Medien im Fremdsprachenunterricht. Dabei soll auf die Vorteile der Neuen Medien im Unterricht eingegangen werden, gleichsam sollen jedoch auch mögliche Schwierigkeiten und Probleme aufgezeigt werden. Der Englischunterricht bildet im Rahmen dieser Problematik die Grundlage, das heißt also, dass insbesondere auf solche digitalen Medien eingegangen wird, deren Einsatz im Englischunterricht sinnvoll ist. Jedoch soll die Fachdidaktik anderer Bereiche dabei nicht gänzlich außer acht gelassen werden, sondern für weitere Möglichkeiten inspirierend sein.

Die Einsatzmöglichkeiten Neuer Medien im Englischunterricht sollen genauer untersucht werden, wobei der Computer nicht nur als Werkzeug, sondern auch als Kommunikations- und Informationsmedium hervorgehoben werden soll. Anhand eines praktischen Beispiels, soll abschließend verdeutlicht werden, welche Auswirkungen die Arbeit mit Neuen Medien auf den Fremdsprachenunterricht haben können, etwa auf die Verschiebung der Rolle des Lehrers und der Schüler im Vergleich zu der Arbeit mit herkömmlichen Unterrichtsmedien.

2. Perspektiven Neuer Medien im Englischunterricht

Schon durch Erkenntnisse aus der Lernpsychologie konnte sich die Einsicht, autonomes Lernen verlaufe in bestimmten Lernsituationen günstiger und für die Lernenden erfolgreicher, bereits vor dem Einsatz Neuer Medien im Unterricht durchsetzen. Lernen als individueller Prozess fordert, dass den Schülern neben gemeinsamen Unterrichtsphasen immer wieder die Möglichkeit gegeben wird, sich eigenständig und individuell Wissen anzueignen und in vorhandene Erfahrungen und Kenntnisse einzugliedern.

2.1. Neue Medien und konstruktivistisches Lernen

Da das in der Schule zu vermittelnde Wissen auf einer ständig anwachsenden Informationsmenge basiert, bedarf es für eine kompetente Unterrichtsplanung, pädagogisch überzeugender inhaltlicher und methodischer Konzepte. Diese veränderten Anforderungen haben zur Öffnung des Unterrichts geführt, d.h. zur Integration offener Lernkonzepte, die sich mit traditionellen Methoden abwechseln und diese ergänzen.

So spricht sich Donath (vgl. 19971: 30f) für eine Verschmelzung von Phasen der Instruktion mit Phasen entdeckenden, aktiven, selbstgesteuerten und kommunikativen Lernens aus. Die Abwechslung gemeinsamer und individueller Phasen trägt der Erkenntnis Rechnung, dass Lernen ein individueller und mentaler Prozess ist, der jedoch im Rahmen von Schule als soziale Lerneinrichtung nur funktioniert, wenn instruktive und konstruktive Lernkonzepte sich ergänzen:

Ein genereller Paradigmenwechsel von der Instruktion zur individuellen Konstruktion wird am Ziel vorbeigehen, denn in der Schule kann es nur um eine gelenkte Entdeckungsreise unter kundiger Anleitung gehen, bis die Lernstrategien erworben sind. [...] Lernende brauchen zwar auf der einen Seite genügend Feiraum für konstruktive Aktivitäten, auf der anderen Seite aber auch gezielte Unterstützung, vor allem wenn Probleme auftreten, die die Lernenden allein nicht bewältigen können. [...] Instruktion und Konstruktion sind allenfalls in ‚ideologischer’ Auseinandersetzung ein Gegensatz, in der Praxis dagegen eine sinnvolle Ergänzung. (Donath 19971: 31)

Idealer Weise sollte das in individuellen Lernphasen erworbenen Wissen im systematischen, vom Lehrer gesteuerten Unterricht zusammengeführt werden. Angesichts dessen, dass es „keine uneingeschränkt beste Lehr- und Lernmethode im Hinblick auf unterschiedliche individuelle Voraussetzungen“ (Donath 19971: 31) gibt, ist eine Kombination gemeinsamer, organisierter Lernperioden mit Phasen eines selbstgesteuert-individuellen oder kooperativen Wissenserwerbs nötig. Neben den verschiedenen Variationen des Frontalunterrichts sollte daher offenen Unterrichtsformen, wie Kleingruppen- und Projektarbeit ein fester Platz eingeräumt werden. Neue, computergestützte Technologien tragen durch die Distribution von Lernangeboten über Internet zur inhaltlichen Öffnung des Unterrichts bei. Sie unterstützen die Flexibilisierung und Individualisierung der Lernprozesse durch interaktive Selbstlernmaterialien, virtuelle Kommunikationsmöglichkeiten und vernetzte Lernumgebungen.

2.2. Vorteile des Computereinsatzes im Fremdsprachenunterricht

Um ein abwechslungsreiches Angebot an didaktisierten und authentischen Materialien anzubieten, muss der traditionelle handlungsorientierte Unterricht schon seit langem auf verschiedene Medien zurückgreifen. Diese können das mentale Lexikon der Schüler über die unterschiedlichen Lernkanäle ansprechen und somit fremdsprachliche Interaktion auf verschiedenartige Weise ermöglichen. Um die geschriebene Sprache zu transportieren, werden neben dem Lehrbuch authentische literarische Texte oder Printmedien aus Zeitschriften genutzt. Hörtexte und Lieder erreichen die Schüler über den auditiven Lernkanal, der sie gleichzeitig für verschiedenen Dialekte und Idiolekte der Fremdsprache sensibilisiert. Abbildungen in verschiedenster Funktion, beispielsweise als Visualisierung von grammatikalischen Regeln oder Darstellung von Bedeutungsunterschieden, erhöhen die Anzahl von Assoziationen im mentalen Lexikon und unterstützen die Vernetzung der zu speichernden Strukturen. Der Einsatz von Videos wiederum transportiert Informationen sowohl über den visuellen als auch den auditiven Kanal (vgl. Lahuerta Galán, Pujol Vila 117ff). „Lernen, das heißt die selbst gesteuerte Integration neuen Wissens in vorhandene Wissensbestände, ist besonders erfolgreich, wenn die Lernumgebung möglichst reichhaltig und authentisch ist sowie selbstbestimmtes und entdeckendes Lernen ermöglicht.“ (Mühlmann 48)

Multimediatechnologien in Form computergestützter Lehr- und Lernmaterialien erfüllen die Forderung nach einer reichhaltigen Lernumgebung (rich learning environment) im Fremdsprachenunterricht, da sie alle traditionellen Medien wie Text, Sound, Graphik und Video integrieren. Sie sprechen unterschiedliche Lernkanäle an und unterstützen den Lernprozess durch multimediale Elemente. „Ein multimediales Programm fördert mehrkanaliges Lernen in höherem Maße als jede andere Unterrichtstechnologie, weil es Informationen über alle Eingangskanäle transportiert, die einzelnen Teilmedien (Bild, Sprache, Musik und Text) richtig dosiert und die Wahrnehmung lernpsychologisch lenkt“ (Kleinschroth in Donath 19972: 255). Für die Lernpsychologie ergibt sich außerdem der Vorteil, dass über die Nutzung der Neuen Medien das Vorgehen und die Lösungswege der Schüler nachvollziehbar werden. Dadurch werden neue Erkenntnisse über den Wissenserwerb ermöglicht.

- Neue Medien als Vorbereitung auf die Informationsgesellschaft

Software und Internet eröffnen den Zugang zu neuen Informationswelten und erlauben neue Formen der Kommunikation (E-Mail, Chat-Foren, Videokonferenzen). Anliegen der Schule muss es sein, mit ihnen kompetent und reflektiert umgehen zu können, weil Sprache als Materie des Fremdsprachenunterrichts über Medien transportiert wird. Der Englischunterricht ist außerdem grundlegend auf Medie]n angewiesen, da dieses Material (Text/Bild/Ton) immer öfter in digitalisierter Form vorliegen wird.

- Steigerung der Motivation im Englischunterricht durch Neue Medien

Wissenschaftlichen Studien zu Folge öffnet die Nutzung des Computers den Unterricht für ein Medium, das gerade Heranwachsende in hohem Maße fasziniert. Die multimedial vernetzte Lernumgebung, wirkt motivierend auf Sprachlernprozesse. Somit erreicht der Unterricht eine neue didaktische Qualität, da sich aus der gleichzeitigen Verfügbarkeit auditiver und visueller Elemente neue Präsentations- und Übungsmöglichkeiten ergeben. Durch problemlose Verlinkung von Texten, Ton, Bildern und Videosequenzen können die Lernenden mühelos Zusatzinformationen zu einem Thema erhalten. Mit Hilfe von Abbildungen können Sachverhalte veranschaulicht bzw. durch Tonsequenzen Ausspracheprobleme beseitigt werden. Computergestützte Lernmaterialien fördern also die selbstständige Auswahl und Sequenzierung von Informationseinheiten im Gegensatz zur Linearität von traditionellen Medien. Neue Medien unterstützen nicht nur, sondern setzen autonomes, entdeckendes Lernen sogar voraus.

- Erhöhung der Methodenvielfalt im Englischunterricht durch Neue Medien

Die Integration computergestützter Medien kann dem Fremdsprachenunterricht neue methodische Impulse geben. Sie tragen zur Bereitstellung vielfältiger Lern- und Arbeitssituationen bei, die durch die Schüler selbstständig bearbeitet werden können und erhöhen somit die Individualisierung des Unterrichts. „Nach unserer Überzeugung bedeuten computergestützte Unterrichtsphasen in erster Line Partner-und Kleingruppenarbeit, die je nach Thema oder Aufgabenstellung von Plenums-und Präsentationsphasen unterbrochen werden.“ (Kallenbach, Ritter 16) Der Einsatz von Computern bei Gruppenprojekten fördert kooperatives Lernen durch Frei- und Projektarbeit und kommt damit dem Charakter des Lernens als autonomer Prozess nach. Neben Kleingruppen- und Einzelarbeit sind andererseits Phasen der Kommunikation und des Erfahrungsaustausches im gesamten Klassenverband wichtig. Nach Kallenbach, Ritter wird dabei der Computer als Werkzeug genutzt um bereitgestellte Informationen zu bearbeiten, und im Rahmen des handlungsorientierten Unterrichts Ergebnisse im Plenum vorzustellen. Neben dem inhaltlichen Arbeiten an Sachthemen handelt es sich beim Lernen einer Fremdsprache immer noch maßgeblich um stetes Üben, Wiederholen und Vertiefen von Sprachstoff. Durch die Anwendung von computergestützten Lernmaterialien, insbesondere Lernsoftwareprodukten, kann in diesem Bereich mehr methodische Abwechslung erreicht werden. Hier fungiert der Computer als tutorieller Lernpartner, der im Rahmen der Freiarbeit als Medium zur Festigung eingesetzt werden kann.

- Zunahme der Schülerorientierung und Veränderung Lehrerrolle durch Neue Medien

Phasen der Computerarbeit im Unterricht erhöhen die Selbsttätigkeit der Schüler, da Eigeninitiative und Verantwortung in der Gestaltung des Lernprozesses gefordert wird und von einer zentralen Instruktion durch den Lehrer Abstand genommen wird. Die Öffnung für konstruktivistische Lernprozesse relativiert so die Lehrerdominanz im Unterricht. Der Lehrer übernimmt hier die Rolle des Beraters oder Moderators, wogegen die Schüler eigenverantwortlich arbeiten und selbst Entscheidungen über Lösungswege bei der Bearbeitung eines Sachverhaltes treffen. Allerdings erfordert der Einsatz computergestützter Lern- und Lehrwerke ebenso wie der traditionelle Unterricht didaktische Vorüberlegungen und eine klare Strukturierung des Ablaufes. Die Aufgabe des Lehrers besteht dabei in der Unterstützung der Schüler während der offenen Unterrichtsphase, sowie in der Koordination der Plenumsphasen bei Vorbesprechung und Ergebniszusammenführung.

- Steigerung der Handlungsorientierung durch Neue Medien

Das Arbeiten und Lernen mit dem Computer kommt der Forderung nach ganzheitlichen und handlungsorientierten Ansätzen entgegen. Kopf, Herz und Hand der Schüler werden hier gleichermaßen angesprochen. Neben der vermittelten Kommunikation über den Computer wird durch den Einsatz von Neuen Medien spielerisches Lernen erreicht, da sich der Lerner die Computeranwendung aktiv erschließen muss. Durch Mausbewegungen werden haptische Erfahrungen und damit nonverbale Aktivität der Schüler ermöglicht. Neue Medien erhöhen außerdem durch konkrete Unterrichtsergebnisse, die mit ihnen erstellt werden können, den praktischen Gebrauchswert des Lernens. Vorteile bieten dabei moderne Textverarbeitungsprogramme, die es für die Erarbeitung eines konkreten Produktes zum Beispiel erlauben, Zwischenstände zu speichern, auszutauschen oder Neues einzufügen.

- Unkomplizierter Zugriff auf aktuelle und authentische Informationen

Unaufwendig, schnell und effizient stellen Computer über Internet oder CD-Rom aktuelle und authentische Informationen für den Englischunterricht bereit und bieten somit Lehrern und Schülern eine reichhaltige Quelle an Materialien. Wichtig ist dabei, dass sich die Schüler Kompetenzen für gezieltes Recherchieren aneignen können. Das Herausfiltern relevanter Informationen aus der Masse erfordert Übung und Disziplin, gerade weil nicht alle WWW-Dokumente seriöse und korrekte Informationen anbieten.

- Erhöhung der Interaktivität

Übergeordnetes Ziel des Fremdsprachenunterrichts ist es, Schüler zur Kommunikation in der Fremdsprache zu befähigen. Für den Unterricht bedeutet das, die unterschiedlichsten Sprechanlässe zu schaffen, um Fremdsprachenkenntnisse auf-und auszubauen. Neue Medien bieten in dieser Hinsicht Lern- und Dialogformen, in denen Schüler zwischen verschiedenen Szenarien wählen können. Interaktives Lernen wird durch E-Mail Kommunikation oder Chat-Foren sowie durch interaktive Lernprogramme erreicht. Gerade bei Lernprogrammen handelt es sich zwar um

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Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Neue Medien im Englischunterricht
Hochschule
Technische Universität Berlin
Note
2
Autor
Jahr
2002
Seiten
21
Katalognummer
V137102
ISBN (eBook)
9783640451807
ISBN (Buch)
9783640451883
Dateigröße
847 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
neue medien, englisch didaktik, medien, englischunterricht
Arbeit zitieren
Silvia Hennig (Autor), 2002, Neue Medien im Englischunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137102

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Titel: Neue Medien im Englischunterricht


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