Diese Arbeit zielt darauf ab, die Unklarheiten und Kontroversen in den Abschnitten Apg 18,24-19,7 der Apostelgeschichte zu analysieren und zu interpretieren. Insbesondere werden die Handlungen und Einflüsse von Apollos und Paulus, ihre Beziehung zur Taufe des Johannes sowie ihre Auswirkungen auf die christliche Mission und Lehre untersucht. Darüber hinaus wird die religionsgeschichtliche Bedeutung dieser Abschnitte sowie die möglichen Absichten des Autors beleuchtet.
In dieser Arbeit wird ein umfassender Einblick in die Apg 18,24-19,7 der Apostelgeschichte gegeben, welche kontroverse und mehrdeutige Aspekte beinhaltet. Zunächst konzentriert sie sich auf das Wirken des Missionars Apollos, seine Unterweisung durch Priszilla und Aquila, und sein Verhältnis zur Taufe des Johannes, trotz seiner genauen Kenntnis der Lehre von Jesus. Daraufhin wird die Begegnung von Paulus mit zwölf Männern, die ebenfalls nur die Taufe des Johannes kannten, analysiert und in den Kontext eingefügt. Die Arbeit schließt mit einer Untersuchung des religionsgeschichtlichen Hintergrunds und der möglichen Absichten des Autors.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Textanalyse
2.1 Sprachliche Analyse
2.2 Literarkritik: Ein Text oder mehrere Texte
3 Religionsgeschichtlicher Hintergrund
3.1 Apollos
3.2 Die Taufe und die Johannesjünger
3.2.1 Verbindung von Taufe und Geist
3.2.2 Taufe auf den Namen Johannes
3.2.3 Johannesjünger
4 Aussageabsicht des Lukas
5 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den neutestamentlichen Abschnitt Apg 18,24-19,7, um die literarische Einheit der Perikope zu klären und die Intention des Autors Lukas in Bezug auf die dort dargestellten Figuren Apollos und die sogenannten Johannesjünger zu entschlüsseln, insbesondere unter Berücksichtigung des religionsgeschichtlichen Hintergrunds.
- Literarkritische Analyse der Einheitlichkeit des Textabschnitts Apg 18,24-19,7
- Die historische und theologische Bedeutung der Figur des Apollos
- Das Verständnis der Taufe und das Verhältnis zur sogenannten Johannesbewegung
- Untersuchung der lukanischen Aussageabsicht und die Bedeutung von Paulus in der Apostelgeschichte
Auszug aus dem Buch
3.1 Apollos
Eines der Hauptmotive in dieser Perikope ist Apollos. Dieser tritt in den neutestamentlichen Schriften, außerhalb des 1. Korintherbriefes und des Titusbriefes nur an dieser Stelle auf. Hier wird berichtet, dass er aus dem ägyptischen Alexandria, der damaligen Hochburg hellenistisch-jüdischer Schriftgelehrtheit und Philosophie, stammt. Er wird als λόγιος beschrieben, was mit „gebildet“ oder „beredet“ übersetzt werden kann. Es liegt somit nahe anzunehmen, dass die Erwähnung Alexandrias nicht unbedarft geschieht, sondern er hierdurch als ein rhetorisch gebildeter hellenistischer Schriftgelehrter vorgestellt wird.
Das Apollos im „Weg des Herrn“ unterwiesen war (Apg 18,25) führt Zmijewski zur Annahme, dass er bereits in der christlichen Lehre unterwiesen war. Dies liegt nahe, da in der Apostelgeschichte das Christentum regelmäßig als „der Weg“ beschrieben wird. Somit wäre davon auszugehen, dass Lukas auch hier vom Christentum spricht und damit Apollos als einen Christen darstellt.
Pesch geht davon aus, dass Apollos hier als ein Judenchrist vorgestellt wird, dies sei an der Parallele zur Einführung Aquilas erkennbar. Kombiniert man diese beiden Annahmen, kommt man zum Schluss, dass Apollos vermutlich ein Diasporajude war, der in Alexandria, der neben Rom damaligen kulturellen und wissenschaftlichen Metropole des römischen Reiches und zugleich Zentrum des Diasporajudentums, zur neuen Christusbewegung fand.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die exegetische Problematik des Abschnitts Apg 18,24-19,7 ein und formuliert die zentralen Forschungsfragen hinsichtlich der literarischen Einheit und der Aussageabsicht des Autors.
2 Textanalyse: Hier erfolgt eine philologische Untersuchung der griechischen Vorlage sowie eine literarkritische Diskussion darüber, ob es sich um einen kohärenten Text handelt.
3 Religionsgeschichtlicher Hintergrund: Dieses Kapitel beleuchtet die Rolle des Apollos sowie das Verhältnis zwischen frühchristlicher Taufe, der Johannestaufe und der Bewegung der Johannesjünger.
4 Aussageabsicht des Lukas: Untersuchung der Zielsetzung des Autors, wobei insbesondere die Einordnung des Apollos gegenüber Paulus und die Darstellung der apostolischen Gemeinschaft analysiert werden.
5 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, welche die Perikope als zusammenhängende Einheit identifiziert, die primär den Parteienstreit in Korinth verarbeitet.
Schlüsselwörter
Apostelgeschichte, Apollos, Johannesjünger, Johannestaufe, Exegese, Lukas, Paulus, Frühchristentum, Religionsgeschichte, Korintherbrief, Mission, Taufverständnis, Priszilla und Aquila, Weisheits-Theologie, Bibelauslegung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der exegetischen Analyse des Abschnitts Apostelgeschichte 18,24 bis 19,7, in dem das Wirken des Missionars Apollos und die Begegnung des Paulus mit sogenannten Johannesjüngern in Ephesus beschrieben wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der literarkritischen Struktur des Textes, dem religionsgeschichtlichen Kontext der Taufe und der Frage, wie Lukas das Verhältnis zwischen Apollos, Paulus und der historischen Johannesbewegung darstellt.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die zentrale Frage ist, ob die beiden Episoden (Apollos in Ephesus/Korinth und die Taufe der Johannesjünger) eine zusammenhängende Einheit bilden und welche spezifische Aussageabsicht Lukas mit der erzählten Einordnung dieser Personen innerhalb der frühen Kirche verfolgte.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt Methoden der historisch-kritischen Exegese, insbesondere sprachliche Analyse, Literarkritik sowie die Einbeziehung des religionsgeschichtlichen Kontextes und vergleichende Studien zu neutestamentlichen Schriften wie dem 1. Korintherbrief.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine sprachliche und literarkritische Untersuchung der Perikopen, eine historische Analyse der Person des Apollos sowie eine tiefergehende Auseinandersetzung mit der Bedeutung der Taufe und der Bewegung der Johannesjünger.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Apostelgeschichte, Apollos, Johannesjünger, Johannestaufe, Exegese, Aussageabsicht des Lukas, Paulus, Frühchristentum und heilsgeschichtliche Kontinuität.
Warum erscheint die Darstellung des Apollos in Apg 18 für Exegeten irritierend?
Es irritiert, dass Apollos als ein in der christlichen Lehre („Weg des Herrn“) bewanderter Missionar präsentiert wird, der dennoch angeblich nur die Johannestaufe kennt. Dies wird in der Forschung oft als literarisches Mittel des Lukas interpretiert, um Apollos gegenüber Paulus als defizitär darzustellen.
Welche Bedeutung hat die Erwähnung der Johannesjünger für die Interpretation der Apostelgeschichte?
Sie dient Lukas vermutlich dazu, die Abgrenzung der christlichen Gemeinde von anderen Täuferbewegungen deutlich zu machen und zu unterstreichen, dass die volle Geistempfang-Erfahrung nur innerhalb der von Paulus repräsentierten apostolischen Gemeinschaft möglich ist.
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- Florian Stern (Author), 2017, Apollos, Paulus und die Taufe des Johannes. Eine gründliche Untersuchung der Kontroversen in Apg 18,24-19,7 der Apostelgeschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1371493