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Die Soziologie des Trinkgelds. Sozialer oder ökonomischer Austausch?

Title: Die Soziologie des Trinkgelds. Sozialer oder ökonomischer Austausch?

Essay , 2023 , 8 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Philipp Wandelt (Author)

Sociology - Miscellaneous
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In unserem alltäglichen Leben geben wir Trinkgeld. Roland Girtler beschreibt das Geben von Trinkgeld im Restaurant allgemein "als freiwillige Gabe des Gastes für den Kellner, die diesem anzeigen soll, dass man mit ihm und seiner Arbeit zufrieden ist. Kellner, die kein oder nur wenig Trinkgeld bekommen, müssen dies als Zeichen dafür ansehen, dass ihre Tätigkeit vom Gast nicht geschätzt wird". Michael Lynn geht noch weiter und attestiert dem Geben vom Trinkgeld, auf Basis diverser empirischer Studien, die Intention, den:die Kellner:in finanziell zu unterstützen, soziale Anerkennung durch die Gabe zu erlangen und den "Internalized Tipping Norms" gerecht zu werden. In beiden Definitionen lassen sich unterschiedliche Argumentationsstrukturen finden. Hierbei stellt sich nun die Frage, inwiefern sich das Geben von Trinkgeld soziologisch erklären lässt.

Um diese Forschungsfrage beantworten zu können, sollen zunächst das ökonomische und das soziale Tauschmodell nach Peter M. Blau vorgestellt und verglichen werden. Anschließend soll eine Überprüfung, gebunden an die Empirie Lynns, stattfinden, in welchen Aspekten sich das Geben von Trinkgeld mithilfe dieser Modelle erklären lässt. Daran anknüpfend soll durch eine alternative Erklärung des Trinkgeldgebens von André Kieserling die theoretische Paradoxie jener Modelle abschließend aufgelöst und mit der Empirie vereinbar gemacht werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ökonomischer Austausch

3. Sozialer Austausch

4. Erklärungsvorschlag für die Soziologie des Trinkgelds

5. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die soziologische Fundierung des Trinkgeldgebens und hinterfragt, ob es sich hierbei primär um einen ökonomischen Austausch, einen sozialen Austausch oder vielmehr um eine Form der Selbstdarstellung handelt.

  • Analyse des Trinkgeldgebens mittels der Tauschmodelle nach Peter M. Blau
  • Kritische Auseinandersetzung mit der ökonomischen Austauschtheorie
  • Untersuchung des sozialen Austauschs und der Bedeutung von Anerkennung
  • Diskussion des Ansatzes von André Kieserling zur supererogatorischen Handlung
  • Perspektivwechsel hin zum sekundären Austausch zwischen Gast und Begleitung

Auszug aus dem Buch

Ökonomischer Austausch

Eine Art des Tausches ist der ökonomische Tausch. Dieser beschreibt den Austausch eines Guts oder einer Dienstleistung gegen einen im Vorhinein von beiden Tauschpartnern angenommene, festgelegten Wert. Entscheidend ist hier der manifeste Charakter des Tauschs und, dass Gabe und Gegengabe im Vorhinein festgelegt sind. Ein „Vertrag legt […] fest, welche Verpflichtung jede Vertragsseite in der Zukunft erfüllen muss“ (Blau 2005: 130).

Das Geben von Trinkgeld kann mit dem ökonomischen Tauschmodell beschrieben werden, weil es als eine von dem Gast erfolgende Belohnung der Bevorzugung durch den Kellner gelte, denn mit dem Trinkgeld dankt man eben jenem für den ‚guten‘ Service (vgl. Lynn 2001: 14ff.). Außerdem erhebt man, nach Lynn, damit gleichzeitig den Anspruch auf zukünftig ‚guten‘ Service (vgl. Lynn 2015: 75f.). Für die Beschreibung des Trinkgeldgebens als Realisierung des ökonomischen Austausches nach Blau spricht des Weiteren auch die Tatsache, dass der Zeitpunkt der Gegenleistung informell festgelegt ist, nämlich beim Begleichen der Rechnung.

Gegen eine Erklärung des Trinkgelds durch das ökonomische Tauschmodell spricht jedoch der Grund, dass „auch der beflissene Durchschnittskellner, der sich nicht sonderlich anstrengt, und zwar auch von Gästen, die er nie mehr wiedersieht“ (Kieserling 2020), Trinkgelder empfängt. Daran anschließend könnte die These aufgestellt werden, dass die Figur des Kellners nicht die zentrale Motivation des Trinkgeldgebens innehat, anders wie bei Girtler, der das Trinkgeldgeben vom Kellner abhängig macht (vgl. Girtler 2008: 321).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Trinkgeldgeben als gesellschaftliches Phänomen und stellt die zentrale Forschungsfrage nach dessen soziologischer Erklärbarkeit.

2. Ökonomischer Austausch: In diesem Kapitel wird das ökonomische Modell nach Blau theoretisch erläutert und anhand empirischer Befunde von Lynn kritisch auf das Trinkgeldgeben angewendet.

3. Sozialer Austausch: Dieses Kapitel vergleicht das Trinkgeldgeben mit dem Konzept des sozialen Austauschs, wobei die Erwartung auf Reziprozität und die Bedeutung sozialer Anerkennung im Vordergrund stehen.

4. Erklärungsvorschlag für die Soziologie des Trinkgelds: Hier wird Kieserlings Ansatz der „supererogatorischen Handlung“ diskutiert und um die Perspektive des sekundären Austauschs zwischen Gast und Begleitern erweitert.

5. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass herkömmliche Austauschmodelle die Varianz des Trinkgeldverhaltens nur unzureichend erklären und favorisiert den Ansatz des indirekten Tauschs zur Erlangung von sozialer Anerkennung.

Schlüsselwörter

Trinkgeld, Soziologie, Peter M. Blau, Ökonomischer Austausch, Sozialer Austausch, Reziprozität, Anerkennung, Dienstleistung, Restaurant, André Kieserling, Supererogatorische Handlung, Sekundärer Austausch, Social Approval, Motivation

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das alltägliche Phänomen des Trinkgeldgebens aus soziologischer Perspektive und prüft, ob es sich dabei um ökonomischen oder sozialen Austausch handelt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind die Tauschtheorien nach Peter M. Blau, die empirischen Studien von Michael Lynn sowie alternative soziologische Erklärungsansätze für non-obligatorische Zuwendungen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel der Arbeit ist es zu klären, inwiefern sich das Geben von Trinkgeld theoretisch modellieren lässt und ob diese Modelle mit der vorliegenden Empirie vereinbar sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die vorhandene soziologische Tauschmodelle (Blau) mit bestehenden empirischen Metastudien (Lynn) vergleicht und kritisch synthetisiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Ausarbeitung der Austauschmodelle, deren Anwendung auf das Trinkgeldgeben und die anschließende Diskussion neuerer Ansätze, wie etwa der supererogatorischen Handlung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Ausarbeitung?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Trinkgeld, Soziologie, Reziprozität, Austausch-Modelle und soziale Anerkennung maßgeblich bestimmt.

Warum hinterfragt der Autor die Eignung des ökonomischen Tauschmodells?

Der Autor argumentiert, dass Trinkgeld auch bei unzufriedenen Gästen oder gegenüber Kellnern, die man nie wieder trifft, gegeben wird, was den ökonomischen Charakter eines direkten Vertrages widerlegt.

Was bedeutet in diesem Kontext eine „supererogatorische Handlung“?

Darunter wird eine Handlung verstanden, die zwar gesellschaftlich geschätzt wird, aber keine explizite Pflicht darstellt, wodurch das Trinkgeldgeben als freiwilliger Akt der Selbstdarstellung gedeutet wird.

Welchen Stellenwert nimmt der „sekundäre Austausch“ ein?

Der sekundäre Austausch verschiebt den Fokus vom Kellner hin zu den Anwesenden (Begleitung, Fremde), um durch das Trinkgeldgeben soziale Anerkennung und Charakterstärke im sozialen Gefüge zu demonstrieren.

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Details

Title
Die Soziologie des Trinkgelds. Sozialer oder ökonomischer Austausch?
College
Bielefeld University  (Fakultät für Soziologie)
Grade
1,0
Author
Philipp Wandelt (Author)
Publication Year
2023
Pages
8
Catalog Number
V1372809
ISBN (PDF)
9783346909664
Language
German
Tags
soziologie trinkgelds sozialer austausch Peter M. Blau
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Philipp Wandelt (Author), 2023, Die Soziologie des Trinkgelds. Sozialer oder ökonomischer Austausch?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1372809
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