Suggestion als Heilmethode


Hausarbeit, 2006
9 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition des Suggestionsbegriff

3 Die Suggestionslehre

4 Der moderne Suggestionsbegriff

5 Die Placebohypothese

6 Die Autosuggestion

7 „Prayerisation“ und Positives Denken

8 Untersuchung von Meredith McGuire
8.1 Christliche Gruppen
8.2 Metaphysische Gruppen
8.3 Östliche Meditationsgruppen/ “Human Potential” Gruppen
8.4 Psychische und okkulte Gruppen
8.5 Gemeinsamkeiten

9 Literatur

1 Einleitung

Im Rahmen des Seminar Religion, Gesundheits- / Krankheitskonzepte, Heilsysteme bei Frau Dr. Löhr beschäftigte ich mich mit dem Thema Suggestion und Glaubensheilung, wobei der Kommilitone und ich uns das Thema aufteilten. In den verschiedenen Sitzungen erfuhren wir vieles über verschiedene Religions- und Glaubensgemeinschaften, deren Verständnis von Gesundheit und Krankheit und die Ansätze wie dem einzelnen Mitglied Heilung wiederfahren kann.

Meine Aufgabe war es, zu recherchieren, welche Heilmethoden dem Bereich der Suggestion zuzuordnen sind.

Vorweg möchte ich darauf hinweisen, dass es nicht einfach war Suggestion und Glaubensheilung thematisch von einander abzugrenzen, da auch Suggestion als Glaubensheilung zu sehen ist, nicht unbedingt im Zusammenhang mit einer religiösen Gruppen, sondern im Sinne der Voraussetzung, dass Suggestion nur Heilung bewirken kann, wenn der Patient an diese glaubt.

Im Folgenden werde ich versuchen, anhand verschiedener Theorien, Suggestion im Allgemeinen und die konkreten Handlungsweise zu beschreiben.

2 Definition des Suggestionsbegriff

Beginnen möchte ich mit der Definition des Suggestionsbegriff. Dieser hat seinen Ursprung im Lateinischen,(sub- gerere) was übersetzt wird er mit von unten herantragen, unter der Hand beibringen. (Wolf- Braun, Barbara; Suggestion und Glaubensheilung. In: Hoheisel, Karl; Heil und Heilung in den Religionen, S.135)

Erstmals verwendet wird der Begriff im 16. Jahrhundert und hat die Bedeutung beibringen, hinzufügen. Im 18. Jahrhundert wandelt sich allerdings der Wortsinn des Begriffes; er hat nun die Bedeutung einflüstern, einblasen, anraten. Im Zuge des zeitgenössischen Interesses an Hypnose wird Suggestion im 19. Jahrhundert zum Modewort. (vgl. edb S.135)

3 Die Suggestionslehre

In den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts entwickelt der Internist Hippolyte Bernheim die Suggestionslehre. Diese besagt, Suggestion sei „im weitesten Sinne der Vorgang, durch welchen eine Vorstellung in das Gehirn eingeführt und von ihm angenommen, d.h. geglaubt wird“.(Schott 1984, S.32) Suggestion nach Bernheim kann nur Heilung bringen, wenn die Fremdsuggestion in Auto- bzw. Selbstsuggestion umgewandelt wird. Doch es besteht bei diesem Vorgang das Risiko, dass der Empfänger die Suggestion bewusst oder unbewusst ablehnt. Um diese Gefahr zu umgehen findet die Suggestion unter Hypnose statt, welche wiederum der eine Suggestion eingeleitet wird, dem Patienten wird hierbei durch das Sprechen beruhigender Worte die Vorstellung des Schlafes eingegeben. Nach Bernheims Theorie mobilisiert dieser Vorgang die innerpsychischen Kräfte des Patienten, welche reflektorisch in eine körperliche Reaktion umgesetzt werden. Praktisch ist dies so zu verstehen, dass dem Patient suggeriert wird, wie er empfinden soll oder was er konkret tun muss um gesund zu werden. Wenn der Patient aus der Hypnose erwacht, wird er die Anweisungen befolgen. Somit wird das Verschwinden der Krankheitssymptome bewirkt. Dieses Phänomen nennt Bernheim die Vorstellungsdynamik. (vgl. edb S.135/ 136)

4 Der moderne Suggestionsbegriff

Die modernen Suggestionsdefinitionen betonen vor allem den Kommunikationsaspekt, der mit der Suggestion verbunden ist. Im Mittelpunkt steht der prozesshafte Charakter und der Glaube an die Heilung durch die Suggestion. Suggestion wird als Vorgang bezeichnet, der das Verhalten oder das Erleben durch die Aufforderung, einer angebotenen Lösung zu folgen, lenkt. Suggestion soll beim Empfänger Motivationen und Erwartungshaltungen aktivieren, welche das Verhalten ändern. Die Wirkungsweise von Suggestion ist vielfach untersucht worden, vor allem die Experimente mit Hypnose wurden als empirische Grundlage herangezogen. Allerdings gibt es keine wissenschaftlichen Belege für das Eintreten von Heilung auf Grund von Suggestion. Suggestion wird sehr kritisch betrachtet und als Manipulation und Verhaltenskontrolle bezeichnet. Nach dem Milton Erickson sei nicht Heilung die Reaktion auf Suggestion, sondern die eigene Aktivität des Empfängers; Suggestion öffnet den Menschen für neue Denkweisen, neue Ideen tun sich auf, auch in Bezug auf Krankheit. (vgl. edb S. 136/ 137)

Vor allem an der Erklärung von Erickson wird aufklärerische Idee deutlich: nicht mehr die Vorstellung, Gott oder der Teufel seien für alles Glück und Unglück verantwortlich, sondern einzig und allein der Mensch. Auch Sigmund Freud ist ein Vertreter dieser Vorstellung. Er führt die Wirkungsweise von Suggestion, welche er in einem seiner Aufsätze als wilde Medizin bezeichnet, auf den psychischen Faktor zurück. (vgl. edb S.137- 139)

5 Die Placebohypothese

Entwickelt wurde diese Theorie von Herbert Benson. Dieser beschreibt die Wirkung des Arztes, der Scheinbehandlung und des Scheinmedikaments auf die Gesundheit des Menschen als so positiv, dass sie fester Bestandteil jeder Behandlung sein sollte. Dieser positive Einfluss rührt von einem Phänomen her, welches Benson als erinnertes Wohlbefinden bezeichnet. Damit meint er eine kindliche Erwartungshaltung, welche bei jedem Menschen wiederbelebt werden kann. Diese fördert das körperliche Wohlbefinden und die Gesundheit in hohem Maße.(vgl. Grom, Bernhard; Gesundheit und „Glaubensfaktor“. In: Beck, Joachim, Dein Glaube hat dir geholfen. S.87/ 88)

Des weiteren spricht Benson von der Entspannungsreaktion. Die Entspannung wird durch die Wiederholung von Bewegungsabläufen geschaffen, welche in Form von Schwimmen oder Yoga stattfindet. Diese Bewegungsabläufe fördern die Spiritualität des Menschen, was auch als Nähe zu Gott bezeichnet wird. Diese transzendente Energie fördert nach Benson die Gesundheit. Diese Theorie setzt zwar keinen religiösen Glauben voraus, wird aber in hohem Maße von ihm begünstigt, so Benson. (vgl. edb S.88/ 89)

6 Die Autosuggestion

Die Autosuggestion wurde von Emile Coue entdeckt. Diese Theorie basiert auf der Grundlage des New Thought und des Positiven Denkens. Sie besagt, dass man alles erreichen kann, wenn man nur positiv denkt und daran glaubt, dass das Gewünschte eintritt. Ein Beispiel hierfür ist die Scientology. Diese Gruppe ist der Ansicht, dass sich 70% aller Krankheiten auf diese Weise heilen lassen. (Wolf, Bernhard: Geistiges Heilen als Lebenshilfe zwischen Theorie und Spiritualität. In: Ritter, Werner H.; Heilung, Energie, Geist S.139)

7 „Prayerisation“ und Positives Denken

Norman Vincent Peale ist wohl der wichtigste Vertreter dieser Theorie. Ähnlich wie bei dem Modell Coues ist es auch hier möglich, dass nur der Gedanke an Gesundheit gesund macht. Allerdings ist das positive Denken nur ein Teil dieser Theorie. Ein zweiter ist die „prayerisation“, übersetzt mit „Transformation ins Gebet“. (Wolf, Bernhard: Geistiges Heilen als Lebenshilfe zwischen Theorie und Spiritualität. In: Ritter, Werner H.; Heilung, Energie, Geist S.140) Das bedeutet, dass der Patient seine Gesundheit bezogenen positiven Gedanken ins Gebet bringt. „Gott erfüllt meinen Geist mit Mut, Friede, Glaube an mich selbst. Gott schützt mich vor allem Unglück.“ (edb S. 140)

Diese Idee verbindet sich mit der des „New Thought“, woraus sich die Theorie Quimbys und später Baker Eddys entwickelt, nämlich die der Christian Science.

8 Untersuchung von Meredith McGuire

Im Folgenden möchte ich eine Untersuchung der Soziologin Meredith McGuire vorstellen. McGuire hat sich in New Jersey, USA mit Heilern und Heilgruppen beschäftigt. Im Zuge dessen führte sie 313 Interviews mit Mitgliedern dieser Gruppen.

Zwar ist bei dieser Untersuchung keine Übertragung auf deutsche Verhältnisse möglich, allerdings gibt sie spannende Einblicke in die verschiedenen Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit und die Heilkonzepte. (Wolf- Braun, Barbara; Suggestion und Glaubensheilung. In: Hoheisel, Karl; Heil und Heilung in den Religionen, S.140 ff)

Vorab möchte ich darauf hinweisen, dass fast alle Befragten in Ausnahmefällen auch die schulmedizinischen Angebote nutzen, allerdings dem Arzt eine andere Rolle zukommt als in unserer Gesellschaft: er ist nur unterstützender Assistent und nicht Hauptakteur. Außerdem wird in allen Gruppen davon ausgegangen, dass der Körper des Menschen prinzipiell in der Lage ist sich selbst zu heilen. (vgl. edb S. 140-142)

8.1 Christliche Gruppen

Krankheit wird in diesen Gruppen in erster Line zum einen als Aufgabe angesehen, die eigene Abhängigkeit von Gott anzuerkennen, zum anderen ist sie die Folge der Erbsünde oder der Sünde der Gemeinde. Auch der Einfluss Satans kann Krankheiten auslösen. Voraussetzung für die Heilung ist das Einsehen seiner Fehler. Der Kranke muss seine Sünden anerkennen und sie bereuen. Erst wenn die Sünden vergeben sind kann Heilung beginnen. Heilung tritt ein wenn man die göttliche Heilkraft erfahren hat, zum Beispiel in Form von Handauflegen oder durch den Heilkreis. Es werden Objekte gesegnet, Wasser, Öl oder auch Medikamente. Außerdem gilt es als heilsam, Worte der Kraft auszusprechen, Gebete oder Bibelverse. Ein eindrückliches Beispiel ist das Gebet:

„Schwellung beuge deine Knie, Rötung beuge deine Knie, roter Stich beuge deine Knie vor dem Namen Jesu.“ Dieses Gebet heilte eine Frau nach einem Spinnenstich. (vgl. edb.S. 142- 144)

8.2 Metaphysische Gruppen

Hier wird Krankheit als Irrtum oder Denkfehler begriffen. Der Mensch ist perfekt, muss nicht krank werden. Der geistigen Ebene wird eine große Bedeutung beigemessen: Krankheit ist die Folge der Negativität, des falschen Denkens des Menschen. Heilung kann nur stattfinden, wenn der Denkfehler behoben wird. Man tritt mit einer universellen Kraft oder kreativen Energie in Kontakt, welche dem Kranken ermöglicht, die negativen durch positive Gedanken zu ersetzen. Unterstützt wird dies durch Entspannungsmeditation, Handauflegen, Yoga Fasten oder vegetarische Ernährung. (vgl. edb S. 144- 145?

8.3 Östliche Meditationsgruppen/ “Human Potential” Gruppen

Diese beiden sind zwar von zwei Richtungen beeinfluss, allerdings gibt es so viele Überschneidungen, dass es McGuire nicht möglich war sie zu trennen. Grundlage für Gesundheit wird die Selbstwahrnehmung gesehen. Nur wer sich und seinen Körper gut kennt, kann gesund sein oder im Krankheitsfall Heilung erfahren. Der Körper ist bei diesen Gruppen weitaus wichtiger als bei den anderen: der Körper spiegelt dem Menschen wieder, in welchem sozialen oder emotionalen Zustand er sich befindet. Krankheiten entwickeln sich aufgrund ungesunder Beziehungen und falschem Lebensstil. Um geheilt zu werden muss man sich anpassen, sich seinem Schicksal unterwerfen. Dazu gehört es, Entscheidungen treffen, die unguten Beziehungen lösen. Die Quelle der Heilkraft ist eine universelle Kraft, an dieser haben alle Menschen teil. Sie wird auch als Liebe und Harmonie bezeichnet. Diese Energie kann von einem zum anderen Menschen übertragen werden über Atem oder Berührung. Des weiteren wird Meditation, Kristalltherapie, Naturverfahren, Tanztherapie und Rebirthing im Heilprozess benutzt. (vgl. edb S. 145- 146)

8.4 Psychische und okkulte Gruppen

„Liebe für alle Wesen auf dem Planeten und zum Planeten“ (edb S.147) ist bei den Mitgliedern dieser Gruppen die Voraussetzung für gesundheitliches Wohlbefinden, außerdem Spontaneität, Flexibilität, Güte und Vitalität. Schmerz ist nichts was unbedingt vermieden werden muss, denn Schmerz wird als Bedingung für Wachstum angesehen oder als Alarmsignal wenn man auf dem falschen Weg ist. Heilung kann nur stattfinden, wenn Einsicht in die Krankheitsursache besteht, wenn der Kranke Verantwortung für sein Leben übernimmt und dieses ändert. Auch bei diesen Gruppen steht eine transzendente, kosmische Heilkraft im Zentrum des Heilprozess. Die Energie kann durch ein Medium kanalisiert werden, und so den Kranken heilen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Suggestion als Heilmethode
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Abteilung für Religionswissenschaft)
Veranstaltung
Religion, Gesundheits-/ Krankheitskonzepte, Heilsysteme
Note
1,5
Autor
Jahr
2006
Seiten
9
Katalognummer
V137333
ISBN (eBook)
9783640459643
ISBN (Buch)
9783640459469
Dateigröße
364 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Suggestion, Heilmethode
Arbeit zitieren
Manuela Schulz (Autor), 2006, Suggestion als Heilmethode, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137333

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