In dieser Arbeit wird Nichtwissen zunächst (durch Rückgriff auf Schütz, Berger und Luckmann, sowie weitere klassische Soziologen) als neuer Gegenstand der Wissenssoziologie in seiner soziale Konstruiertheit dargestellt. Es wird ausgeführt, dass der Umgang mit Nichtwissen durch verschiedene soziokulturelle Faktoren beeinflusst wird, dass Nichtwissen wichtige Funktionen erfüllt und der öffentliche Diskurs über die Corona-Pandemie mitunter durch eine gesellschaftliche Einforderung eines Rechts auf Nichtwissen beeinflusst wurde.
Nichtwissen birgt auch immer den Kampf um Machtpositionen und ist stets im Kontext von Kontingenz zu betrachten. Der Umgang mit Nichtwissen während der Corona-Pandemie wird anhand von Fallbeispielen zu den 4 Nichtwissens-Formen (Bekanntes Nichtwissen, unbekanntes Nichtwissen, unbekanntes Wissen, unbekanntes Nichtwissen) dargestellt. Die Ausführungen schließen mit Überlegungen zur methodischen Erhebung des Nichtwissens mittels Fragebogen und Wissenssoziologischer Diskursanalyse (WDA).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der soziologische Gegenstand des Nichtwissens
2.1 Konzepte von Nichtwissen
2.2 Nichtwissen: mehr als nur die Kehrseite der Wissensproduktion
2.3 Soziale Konstruktion des (Nicht-)Wissens
2.4 Nichtwissen, Unsicherheit und Risiko
3. Der Umgang mit Nichtwissen in der Corona-Pandemie
3.1 Nichtwissensformen und Fallbeispiele
3.1.1 Bekanntes Wissen
3.1.2 Bekanntes Nichtwissen
3.1.3 Unbekanntes Wissen
3.1.4 Unbekanntes Nichtwissen
3.2 Methodische Annäherung
3.2.1 Analyse des Umgangs mit und der Funktionen von Nichtwissen mittels Fragebogen
3.2.2 Analyse der Beeinflussung des Diskurses durch das Recht auf Nichtwissen mittels Wissenssoziologischer Diskursanalyse
3.3 Methodologische Reflektion und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den individuellen und gesellschaftlichen Umgang mit Nichtwissen im Kontext der Corona-Pandemie, wobei Nichtwissen nicht als bloßer Mangel, sondern als soziales Phänomen analysiert wird. Ziel ist es, verschiedene Nichtwissensformen zu differenzieren und deren Funktionen bei der Dissonanzreduktion sowie deren Einfluss auf den öffentlichen Diskurs zu beleuchten.
- Soziologische Konzepte des Nichtwissens
- Nichtwissensstrategien während der Corona-Pandemie
- Methodik zur Erhebung des individuellen Umgangs mit Nichtwissen
- Wissenssoziologische Diskursanalyse gesellschaftlicher Pandemie-Diskurse
Auszug aus dem Buch
3. Der Umgang mit Nichtwissen in der Corona-Pandemie
Smithson (2008) konstatiert, dass Nichtwissen "understood; represented, quantified or estimated, and communicated; eliminated or reduced; accepted or tolerated; and controlled, harnessed or exploited" (Smithson 2008, S. 22) werden kann und legt damit Handlungsoptionen im Umgang mit Nichtwissen fest. Je nach Kategorie des Nichtwissens variieren jedoch die Reaktionsmöglichkeiten, sodass ein "reflektierte[r] Umgang mit dem Spannungsverhältnis von Wissen und Nichtwissen" (Wehling 2008, S. 32) für rationales Handeln notwendig wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Thema Nichtwissen in der Wissenssoziologie, stellt die theoretische Herangehensweise dar und führt die Corona-Pandemie als zentrales Fallbeispiel ein.
2. Der soziologische Gegenstand des Nichtwissens: Dieses Kapitel erarbeitet die theoretischen Grundlagen, indem es Nichtwissen als Ergebnis sozialer Konstruktionsprozesse und als Gegenbegriff zur reinen Wissensakkumulation definiert.
3. Der Umgang mit Nichtwissen in der Corona-Pandemie: Im Hauptteil werden verschiedene Formen des Nichtwissens auf das Pandemiegeschehen angewendet und methodische Ansätze (Fragebogen und Diskursanalyse) zur Untersuchung des Umgangs damit konzipiert.
Schlüsselwörter
Nichtwissen, Wissenssoziologie, Corona-Pandemie, soziale Konstruktion, Dissonanzreduktion, Entscheidungen unter Unsicherheit, Expertokratie, Wissensproduktion, Diskursanalyse, Grounded Theory, Medienkonsum, Risikogesellschaft, Kontingenzbewältigung, Reflexivität, Wissensgesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den soziologischen Blick auf das Nichtwissen und wie Individuen sowie die Gesellschaft in der Corona-Pandemie mit dem Spannungsfeld zwischen Wissen und Nichtwissen umgehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen in der theoretischen Fundierung des Nichtwissens, der Kategorisierung von Nichtwissensformen und der empirischen Analyse des medialen und individuellen Umgangs damit in der Krise.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Funktionen von Nichtwissen als Strategie zur Dissonanzreduktion zu erfassen und zu analysieren, wie die gesellschaftliche Einforderung eines Rechts auf Nichtwissen den Pandemie-Diskurs beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin kombiniert eine standardisierte Fragebogenerhebung auf Mikroebene mit einer wissenssoziologischen Diskursanalyse auf Mesoebene, um sowohl individuelles Verhalten als auch mediale Deutungsmuster zu erfassen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Differenzierung von Nichtwissensformen (Bekanntes/Unbekanntes Wissen/Nichtwissen) und die methodische Konzeption zweier Forschungsansätze zur Anwendung auf das Pandemie-Fallbeispiel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Nichtwissen, Soziale Konstruktion, Wissenssoziologie, Krisendiskurs, Dissonanzreduktion und die methodischen Ansätze der Diskursanalyse sowie der Grounded Theory.
Wie unterscheidet sich "bekanntes Nichtwissen" von "unbekanntem Nichtwissen"?
Bekanntes Nichtwissen umfasst bewusste Wissenslücken, die zum Lernen oder Handeln anregen können, während unbekanntes Nichtwissen latent ist und erst durch unerwartete Ereignisse ins Bewusstsein tritt.
Welchen Einfluss spielt das Medienkonsumverhalten laut der Arbeit?
Das Medienkonsumverhalten dient als Indikator für die Bereitschaft, unbekanntes Nichtwissen in Wissen zu wandeln; eine negative Veränderung hierbei wird als Indiz für ein gesellschaftlich eingefordertes "Recht auf Nichtwissen" gewertet.
Warum ist das gewählte methodische Vorgehen für das Thema angemessen?
Die Kombination erlaubt es, sowohl die psychologischen Dissonanzmomente auf individueller Ebene mit dem Fragebogen als auch die kollektiven Sinnstiftungsprozesse in der öffentlichen Berichterstattung mit der Diskursanalyse nach Keller abzubilden.
- Citar trabajo
- Dorothée Leroy (Autor), 2021, Kontingenzbewältigung in der Corona-Pandemie. Zum individuellen und gesellschaftlichen Umgang mit Nichtwissen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1373816