Essstörungen im Kontext von Schönheitsidealen und der medialen Welt


Hausarbeit, 2009
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitende Wort

2. Essstörungen
2.1. Adipositas und Obesitas
2.2. Anorexia nervosa
2.2.1. Exkurs: Geschlechterrolle der Frau
2.3. Bulimia nervosa
2.4. Binge-Eating-Störung

3. Bedeutung von Schönheitsidealen in unserer Gesellschaft

4. Schönheit im Kontext der globalisierten und medialen Welt

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitende Worte

„Essstörungen stellen ein ernst zu nehmendes gesundheitliches Problem dar. Obwohl sich Betroffene der unterschiedlichen Krankheitsbilder u. a. in ihrem Erscheinungsbild beträchtlich unterscheiden, ist es doch allen Essgestörten gemeinsam, dass das lebensnotwendige „Essen“ ein erhebliches psychosomatisches Problem, oft mit körperlichen, psychischen und sozialen Konsequenzen geworden ist.“ Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Anhand dieser Hausarbeit möchte ich versuchen zu erläutern, von welcher Bedeutung Essen und Nahrungsaufnahme für bestimmte Personen sein kann. Hierbei beschreibe ich zunächst Definitionen und Elemente der verschiedenen Essstörungen. Nach der Betrachtung der Krankheiten, diskutiere ich besonders den Faktor Schönheitsideal als Element der Entstehung von Essstörungen.

Besonders in unserer modernen, westlichen Gesellschaft ist dieses Thema von großer Relevanz. In der Arbeit mit jungen und heranwachsenden Mädchen treffe ich oft auf bedenkliches Verhalten und auch Unkenntnis. Ich möchte versuchen, zu einer kritischen Betrachtung von Schönheitsideal und -wahn anzuregen, indem ich einerseits dessen Bedeutung für die Entstehung von Essstörungen erläutere und andererseits versuche, Aufklärung über die Störungen als solche zu bieten.

2. Essstörungen

Die Internationale Klassifikation der Krankheiten – die ICD-10 – ordnet einige Essstörungen in die Kategorie F5 Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren ein. Diese werden in Anorexia nervosa (F50.0), Bulimia nervosa (F50.2), Atypische Bulimia nervosa (F50.3), Essattacken bei sonstigen psychischen Störungen (F50.4), Erbrechen bei sonstigen psychischen Störungen (F50.5), Sonstige Essstörungen (F50.8) und Nicht Näher Bezeichnete Essstörung (F50.9) differenziert.

Adipositas hingegen gehört nicht in die Kategorie der psychischen Verhaltensstörungen, sondern ist den „Endokrinen, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten“ zugeordnet. Laut dieser Definition ist Adipositas im eigentlichen Sinne keine Essstörung, sondern bezeichnet lediglich ein höheres als das normale Gewicht, welches nicht immer auf pathologische Ursachen zurück zu führen ist (Vgl. Reich 2003, S.5). Sofern Übergewicht eine psychische Störung auslöst, wird mit der Kategorisierung des ICD-10 die dadurch entstandenen Störung benannt[1]. Der Unterpunkt Adipositas und sonstige Überernährung (E65 – E68) unterscheidet nochmals in die Subtypen Lokalisierte Adipositas (E65), Adipositas durch übermäßige Kalorienzufuhr (E66.0), Arzneimittelinduzierte Adipositas (E66.1), Übermäßige Adipositas mit alveolärer Hypoventilation (E66.2), Sonstige Adipositas (E66.8) und Adipositas, nicht näher bezeichnet (E66.9).

Kategorisiert und bestimmt werden Essstörungen häufig anhand des Body Mass Index (BMI), so lassen sich die Störungen, insbesondere wird dies bei Adipositas gehandhabt, nochmals in verschiedene Schweregrade unterteilen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gemäß der ICD-10 Definition bezeichnet eine Anorexie ein Gewicht 15% unter einem BMI von 17,5. Das heißt im Umkehrschluss, nicht jeder, der Untergewicht hat, ist automatisch von Magersucht betroffen. Ab einem BMI von 30 liegt eine Adipositas des Schweregrades 1 vor. Insgesamt wird diese in drei Schweregrade unterschieden. Anhand der Tabelle lässt sich auch erkennen, dass das Krankheitsrisiko mit zunehmendem BMI steigt. Die gesundheitlichen Folgen von Adipositas werde ich im weiteren Text erläutern.

Quelle: Radzun, 2005, Universität Göttingen

Unabhängig der ICD-10 Definitionen, ließe sich auch eine folgende Erklärung darstellen:

„Als 'essgestört' werden Menschen beschrieben, 'für die das Essen eine missbräuchliche Funktion hat, Probleme, die ansonsten unlösbar erscheinen, auf diese Art zu bewältigen' (Bruch, 1991, S. 13).“ (Reich 2003, S. 5 aus Bruch 1991, S. 13) Hierbei wird vor allem die Komplexität der Ursachen für Essstörungen deutlich, es verweist auf psychische Ursachen der Störungen.

2.1. Adipositas und Obesitas

Adipositas bezeichnet einen Fettreichtum, Obesitas eine Fettleibigkeit, beides resultiert aus einem unbalancierten Energiehaushalt. Die Ursachen dafür sind in drei Bereichen anzusiedeln. Zum einen kann eine Störung des Hunger-Appetit-Sättigungs-Mechanismus das Ernährungsverhalten beeinflussen, zum anderen genetische, biologische Voraussetzungen des Körperbaus und der -funktionen (in Wechselwirkung mit psychologischen und sozialen Faktoren), ebenso wie auch Fehlfunktionen der Stoffwechselorgane und -prozesse. Durch die Kombination mehrerer Aspekte sind Kausalitätsbeziehungen nicht immer eindeutig zu benennen. Daher gibt es auch keine einheitliche Therapieform und -ablauf (Gniech, 2002, S. 206).

Unterschieden wird die Adipositas, wie einführend oben erläutert, in verschiedene Schweregrade. Schweregrad I beginnt bei einem BMI von 30,0. Ab einem BMI von 35,0 handelt es sich um einen Schweregrad II und von einer extremen Adipositas, Schweregrad III spricht man ab einem BMI größer als 40 (Vgl. Tabelle S. 4).

Untersuchungen des Essverhaltens ergaben Unterschiede zwischen normal- und übergewichtigen Personen. So sei bei übergewichtigen Menschen die Außenreizabhängigkeit wesentlich stärker ausgeprägt, als bei schlanken. Dies bedeutet, die Wahrnehmung von Nahrung durch verschiedene Sinne führe zu einem großen Verlangen nach Essen, dem auch – unabhängig von Appetits-, Hunger- oder Sattheitsgefühl - nachgegangen wird. Frau Prof. Dr. Gniech stellt eine These zur Entstehung dessen auf, es sei durch Sozialisierungsprozesse ausgebildet, als eine Art Ersatzbefriedigung für einen Mangel an Liebe und Zuwendung (Vgl. Gniech, 2002, S. 207).

Folgeerkrankungen[2] von Adipositas können sein:

- Insulinresistenz und Diabetes mellitus Typ 2
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Hypertonie, Cholesterinanstieg, Arteriosklerose, Koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, Thrombose)
- Gallensteine
- Atemstörungen
- Gicht
- Fettleber
- Gelenkerkrankungen
- Krebs

Neben einem erhöhten Krankheitsrisiko sind die Betroffenen auch psychisch gefährdet. Als Folge von Adipositas und Obesitas können soziale Ausgrenzung, Verspottungen, Abfälligkeiten und Negativbewertungen des Umfeldes zu einer psychischen Belastung werden. Hierbei hat nicht nur die Inkongruenz mit dem ästhetischen Schönheitsideal, sondern auch die Stigmatisierung als krank wesentlichen Einfluss auf die Psyche und das Selbstwertgefühl des übergewichtigen Menschen. Dies kann zur Ausbildung von Zurückgezogenheit, Isolation, Ängsten und Depressionen führen.

Die Rolle des Schönheitsideals ist dabei nicht zu unterschätzen. Der gesellschaftliche Druck und die aus Fettleibigkeit entstehende (bereits benannte) Ausgrenzung können nach meiner Auffassung zusätzlich als Katalysatoren wirken. Anstelle einer möglichen Inangriffnahme des Problems der Adipositas, führt es in vielen Fällen zu einer weiteren Ausgrenzung und zu einem anhaltenden Rückzug der Betroffenen. Die ständige Auseinandersetzung mit abfälligen Bemerkungen oder gar Mobbing bekräftigen die ausbleibende Teilhabe am gesellschaftlichen, soziokulturellen Leben. Einschränkungen herrschen in diesem Falle nicht nur körperlicher Art vor, sondern auch bezogen auf das Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein und Akzeptanz des eigenen Körpers. Die Unzufriedenheit ist regelrecht vorprogrammiert.

Die Behandlung von Adipositas und Obesitas sollte interdisziplinär erfolgen, um alle Aspekte, die die Krankheiten mit sich führen, adäquat zu therapieren[3]. Von medizinischer Seite aus können medikamentöse (z.B. zur Stabilisierung der Schilddrüsenfunktion), physiotherapeutische und chirurgische Maßnahmen (z.B. Magenresektion) eingeleitet werden. Psychologisch betrachtet spielt eine Kombination aus gruppen- und individualtherapeutischen Interventionen eine wichtige Rolle. Dabei geht es sowohl um das kontrollierte Essverhalten an sich (z.B. in Selbsthilfegruppen oder angeleiteten Kochgruppen), als auch um die Therapierung der psychischen Auswirkungen und gegebenenfalls Ursachen.

2.2. Anorexia nervosa

Anorexia nervosa bezeichnet die Essstörung Magersucht mit nervösem und psychisch determiniertem Krankheitsbild durch Nahrungsverweigerung, -entzug oder -einschränkung. Konkret bedeutet dies, dass ein Hungersyndrom mit verlangsamten Stoffwechsel vorliegt. Anorexia nervosa ist eine psychische Erkrankung (da keine körperlichen Ursachen nachweisbar sind[4] ) mit körperlichen Krankheitsfolgen. Überwiegend tritt diese bei heranwachsenden Mädchen und jungen Frauen auf.

Der ICD-10 klassifziert die Anorexia nervosa in zwei Typen. Zum einen die Anorexie ohne aktive Maßnahmen zur Gewichtsabnahme (F50.00) und die Anorexie mit aktiven Maßnahmen zur Gewichtsabnahme (F50.01).

Als charakteristische Eigenschaften gelten eine Gewichtsminimierung um mindestens 25% des Ausgangsnormalgewichts (Gniech 2002, S. 215). In der ICD-10 wird ein anderer Richtwert angegeben. So heißt es, dass das „Körpergewicht mindestens 15% unter dem erwarteten oder Quetelets-Index (BMI) von 17,5 oder weniger“ (Reich, 2003, S. 8) liegen muss. Das Körpergewicht wird bewusst unter dem alters- und körpergrößenentsprechenden Richt- oder Normalwert gehalten. Oft wird versucht, dies mit Hilfe von erzwungenem Erbrechen, Abführmitteln, Appetitzüglern oder Diuretika zu erreichen[5]. Das Essverhalten ist geprägt von einer veränderten Einstellung zur Nahrung/-saufnahme, die die maximale Körpergewichtsreduktion und körperliche Abmagerung anstrebt. Dieses Ziel manifestiert sich am Schönheitsideal des extrem dünnen Körpers. Allerdings lässt sich bei anorektischen Personen ein verzerrtes und unrealistisches Selbstbild feststellen, das bedeutet, dass die erkrankten Personen ihren Körper immer noch als zu dick wahrnehmen und somit der Krankheitsverlauf in einem Kreislauf mündet, der zu einer immer größer werdenden Gewichtsreduktion führt. Daraus können Entwicklungsrückschritt und sogar eintretender Tod resultieren.

[...]


[1] Jacobi, Paul, Thiel, 2004, S. 2

[2] Radzun, 2005, S. 1-2

[3] Gniech, 2002, S. 209

[4] Gniech, 2002, S. 218

[5] Reich, 2003, S. 8

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Essstörungen im Kontext von Schönheitsidealen und der medialen Welt
Hochschule
Alice-Salomon Hochschule Berlin
Veranstaltung
Sozialmedizinische und Sozialpsychiatrische Grundlagen
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V137443
ISBN (eBook)
9783640460304
ISBN (Buch)
9783640460434
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bulimie, Magersucht, Anorexia Nervosa, Essstörung, Schönheitsideal, Soziale Arbeit, Adipositas, Geschlechterrolle, Gesellschaft
Arbeit zitieren
Dana Süß (Autor), 2009, Essstörungen im Kontext von Schönheitsidealen und der medialen Welt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137443

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