In der Kapitalmarktforschung wird zwischen Investoren und Managern seit geraumer Zeit die Frage nach der effizienteren Handelsstrategie diskutiert. Während bei passiven Handelsstrategien die Nachbildung eines entsprechenden Marktindex im Vordergrund steht, liegt der Fokus bei aktiven Managementkonzepten darauf, die entsprechende Marktrendite durch Informations- und Managementvorteile zu übertreffen.
Mit der vorliegenden Arbeit wird dieser grundlegenden Fragestellung auf Basis von zwei unterschiedlichen Kapitalmärkten über einen Untersuchungszeitraum von 15 Jahren nachgegangen. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Forschungsfrage, inwieweit risikoadjustierte Mehrrenditen durch aktive Managementkonzepte erzielt werden können. Die Analyse wird mit Hilfe einer Performancemessung durchgeführt. Dabei wird die Performance aus einer Stichprobe von 70 aktiv gemanagten Aktienfonds, welche sich pari auf die untersuchten Märkte aufteilt, einer passiven Handelsstrategie gegenübergestellt. Die Grundlage für diese Analyse bilden mit dem MSCI World und dem MSCI Emerging Markets zwei Kapitalmärkte mit unterschiedlichen Effizienzgraden. Durch den Vergleich der aus der Performancemessung gewonnenen Kennzahlen wird schließlich evaluiert, inwieweit sich risikoadjustierte Mehrrenditen durch aktive Managementkonzepte erzielen lassen. Darüber hinaus werden Indikatoren für potenzielle Investoren abgeleitet, mit deren Hilfe sich schnell ermitteln lässt, welche Anlagealternative ex post die effizientere ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Forschungsfragen
1.2 Verlauf der Untersuchung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Neoklassische Kapitalmarkttheorie
2.1.1 Eigenschaften von Investoren und Kapitalmärkten
2.1.2 Markteffizienz
2.1.3 Portfoliotheorie nach Markowitz
2.1.4 Capital Asset Pricing Model
2.1.5 Mehrfaktormodelle
2.2 Verhaltensorientierte Kapitalmarkttheorie
2.2.1 Behavioral Finance
2.2.2 Ausgewählte Heuristiken
2.2.3 Limits to Arbitrage
2.3 Benchmark und Managementkonzepte
2.3.1 Benchmark
2.3.2 Passive Managementkonzepte
2.3.3 Aktive Managementkonzepte
3 Methodik
3.1 Vorstellung der Untersuchungsmethode
3.2 Untersuchungsgegenstand und Selektion der Stichprobe
3.3 Verarbeitung der Daten
3.3.1 Rendite
3.3.2 Risiko
3.3.3 Sharpe Ratio
3.3.4 Treynor Ratio
3.3.5 Jensen´s Alpha
3.3.6 Information Ratio
4 Ergebnisse und Diskussion
4.1 MSCI World
4.2 MSCI Emerging Markets
4.3 Implikationen für Anleger
5 Fazit
5.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
5.2 Limitationen und weiterführende Forschungsansätze
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob durch aktive Managementkonzepte am internationalen Aktienmarkt risikoadjustierte Mehrrenditen gegenüber passiven Anlagestrategien erzielt werden können, wobei die Effizienzgrade unterschiedlicher Märkte (MSCI World vs. MSCI Emerging Markets) im Fokus stehen.
- Vergleich von aktiven und passiven Handelsstrategien
- Performancemessung mittels risikoadjustierter Kennzahlen (Sharpe Ratio, Treynor Ratio, Jensen's Alpha, Information Ratio)
- Analyse der Markteffizienz und deren Einfluss auf das Renditepotenzial
- Untersuchung von 70 aktiv gemanagten Aktienfonds über einen 15-jährigen Zeitraum (2008–2022)
- Ableitung von Empfehlungen für eine effiziente Depotstruktur für Investoren
Auszug aus dem Buch
2.2.3 Limits to Arbitrage
Arbitrage wird durch irrationale Marktteilnehmer, auch Noise Trader, ermöglicht. Rationale Akteure, auch Arbitrageure, können daraus Profit schlagen.63 Wie, zeigt sich anhand von folgendem Beispiel. Angenommen, der fundamentale Wert einer Aktie A beträgt 30 €. Aufgrund pessimistischer Erwartungen irrationaler Händler fällt der Preis der Aktie durch Verkäufe auf 25 €. Arbitrageure wittern darin Gewinnmöglichkeiten und kaufen die Aktie A. Zur Absicherung von Kursverlusten wird gleichzeitig ein perfektes Wertpapiersubstitut B, das in Zukunft ähnliche Cashflows wie A aufweist, leerverkauft. Damit haben rationale Investoren eine für sie risikose Arbitrage getätigt. Durch den Kaufdruck wird der Kurs von A wieder auf dessen fundamentalen Wert ansteigen, wodurch für den Arbitrageur Gewinne entstehen. Sollte der Gesamtmarkt aufgrund systematischer Risiken wider Erwarten fallen, werden die dadurch entstandenen Verluste aus A mit den Kursgewinnen aus der Absicherung (B) ausgeglichen.64 Damit besteht für Arbitrageure eine vollständig risikofreie Anlagestrategie, mit der sie Gewinne erzielen können und mit der sich jegliche Abweichungen von Fundamentalwerten beseitigen lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Problematik der Entscheidung zwischen aktiven und passiven Anlagestrategien sowie Vorstellung des Untersuchungsziels und -zeitraums.
2 Theoretische Grundlagen: Gegenüberstellung der neoklassischen Kapitalmarkttheorie und der Behavioral Finance als Fundament für das Verständnis von Investmentstilen.
3 Methodik: Beschreibung der verwendeten Performancemessung, der Kennzahlen und des Selektionsprozesses der untersuchten Aktienfonds.
4 Ergebnisse und Diskussion: Analyse und Interpretation der Performance-Daten für den MSCI World sowie den MSCI Emerging Markets im Vergleich zur jeweiligen Benchmark.
5 Fazit: Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse zur Effizienz aktiver Managementkonzepte und Diskussion der Limitationen der vorliegenden Untersuchung.
Schlüsselwörter
Aktives Management, Passive Handelsstrategien, Markteffizienz, Behavioral Finance, Performancemessung, Sharpe Ratio, Treynor Ratio, Jensen’s Alpha, Information Ratio, MSCI World, MSCI Emerging Markets, Kapitalmarkttheorie, Risikoadjustierte Mehrrendite, Portfoliomanagement, Diversifikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der zentralen Frage der Kapitalmarktforschung, ob aktives Fondsmanagement im Vergleich zu einer passiven Indexnachbildung risikoadjustierte Überrenditen erzielen kann.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der neoklassischen und verhaltensorientierten Kapitalmarkttheorie, der Funktionsweise von Benchmarks sowie der Anwendung mathematischer Performance-Kennzahlen zur Fondsbeurteilung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es zu evaluieren, inwieweit aktive Managementkonzepte in zwei unterschiedlich effizienten Märkten (Industrie- vs. Schwellenländer) systematisch Mehrrenditen erwirtschaften können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Es erfolgt eine quantitative Analyse unter Verwendung risikoadjustierter Performancemaße wie Sharpe Ratio, Treynor Ratio, Jensen’s Alpha und Information Ratio auf Basis einer Stichprobe von 70 Aktienfonds.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, methodische Vorgehensweisen zur Datenauswertung und die detaillierte Präsentation und Diskussion der Ergebnisse für die untersuchten Aktienmärkte.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Typische Schlüsselbegriffe sind Aktives Management, Markteffizienz, Behavioral Finance, Performancemessung, Sharpe Ratio und risikoadjustierte Rendite.
Warum ist der Effizienzgrad eines Marktes für das Fondsergebnis entscheidend?
Ein geringerer Effizienzgrad bietet aktiven Managern mehr Möglichkeiten, Informations- und Managementvorteile auszunutzen, um den Markt zu schlagen, wohingegen dies in hochgradig effizienten Märkten sehr schwierig ist.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der Anlageempfehlung?
Für eine zukunftsorientierte Depotstrategie empfiehlt der Autor eine Kombination aus passiven Portfolios (besonders im effizienten MSCI World) und aktiv gemanagten Fonds, bei denen aktive Strategien (oft in ineffizienteren Märkten) einen Mehrwert bieten können.
- Quote paper
- Tobias Geier (Author), 2023, Die Bedeutung aktiver Managementkonzepte am internationalen Aktienmarkt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1375306