Zur Verbindung zwischen Suffragetten und Kurzfilmkomikerinnen der 1910er Jahre in Anlehnung an das Programm des „Cinema Ritrovato“ in Bologna 2008


Hausarbeit, 2008

36 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe


Inhalt

1. Einleitung

2. Suffragetten
2.1. Politischer Hintergrund
2.2. Dokumentaraufnahmen

3. Der Komische Kurzfilm um 1910 in Europa

4. Weibliche Komödien in Bologna 2008
4.1. „Brillanti, cattive, britanniche“
4.2. „Francia – Rosalie, Léontine e le altre“
4.3. „Italia: Passo a duetretroppi“

5. Figurenbetrachtung
5.1. Körper und Kleidung
5.2. Gestik, Mimik, Taten

6. Film vs. Realität: Identifikation mit der Protagonistin

7. Fazit

8. Literatur- bzw. Filmverzeichnis

9. Anhang

1. Einleitung

Die im Ausblick des Bologna Filmfestivals zusammengesteckten Begriffe der „Suffragette“ und der „Komikerin“ im Kontext der zeitlichen Periode von 1910 – 1915 scheinen im ersten Moment keine Einheit zu ergeben. Stand doch die Suffragette für den Kampf um das Frauenwahlrecht, während sich die weibliche Komikerin – im heutigen Gedächtnis eher unbekannt – wohl einen Spaß aus der Gesellschaft machte.

Auf meine Frage nach dieser Auswahl, entgegnete die Kuratorin Mariann Lewinsky, dass es natürlich ein zeitlicher Aspekt gewesen sei, der eine thematische Zusammenfassung der politisch-engagierten Frauen und der auf den ersten Blick unpolitischen Komikerinnen nahelegte. Ein weiteres Argument von ihr betraf die Verknüpfung der beiden Gruppen durch den Aufgriff der frauenrechtlichen Themen in den Komödien. Diese Hausarbeit wird sich vor allem mit der Untersuchung dieser Parallelen beschäftigen.

Hierzu werden die verschiedenen, in Bologna vorgeführten Kurzfilme, bei denen es sich teilweise um Originalaufnahmen und andernteils um inszenierte Komödien handelte, als Ausgangspunkt dienen. Grundsätzlich handelt es sich bei all diesem filmischen Material um Kurzfilme, deren Längen zwischen 35 Sekunden und 15 Minuten lagen. Gleichwohl existierte zu damaliger Zeit keine Tonaufnahme, weshalb die Filme in Bologna mit musikalischer Live-Begleitung vom Klavier dargeboten wurden. Leider ergab sich nicht die Möglichkeit Bildmaterial der gezeigten Filme zu erhalten, so dass ich mich auf anschauliche Beschreibungen einzelner Szenen stützen muss. Aufgrund ihrer diese Arbeit übersteigenden Fülle – an fünf Tagen wurde jeweils ein Block von ca. einer Stunde Länge präsentiert – sind hier die Filme gewählt, die am eindrucksreichsten in Erinnerung blieben.

Die dokumentarisch aufgezeichneten Filme diverser Suffragetten-Demonstrationen werden nach einer politischen Einführung kurz erfasst. Der folgende Überblick über die allgemeine Entwicklung der komischen Kurzfilme um 1910 bereitet die Vorstellung der mit weiblichen Protagonisten besetzten Komödien vor, auf die sich die Begriffe „Kurzfilm“ oder „Komödie“ nachfolgend auch lediglich beziehen. Männlich konnotierte Kurzfilme werden explizit angegeben.

Sofern dann eine Idee von den Eigenheiten der damaligen „weiblichen“ Kurzfilme entstanden ist, stellt sich die Frage wodurch sie ihren komischen Reiz bekamen. Allen anderen Kriterien voran steht hierfür die Hauptfigur, die filmübergreifend hinsichtlich der markantesten Merkmale untersucht werden soll. Als einführende Literatur bietet sich zunächst Claudia Preschls ebenfalls in Bologna vorgestelltes Buch „Lachende Körper“, in dem sie auf die italienischen und französischen weiblichen Komödien ausführlich eingeht, an. Hierin findet sich der weiterleitende Verweis auf Henri Bergson, dessen Lachtheorie sich als adäquat auf den Stummfilm beziehbar erwies. Schließlich schreibt er in seinem ersten, überwiegenden Kapitel von Körperkomik, die wohl auch im Zentrum der kurzen Humoresken stehen wird, da verbale Witze nicht möglich waren.

Die weibliche Filmfigur steht im Mittelpunkt des Geschehens und ist somit wahrscheinlich Dreh- und Angelpunkt der Verknüpfung von Suffragetten und Komikerinnen, oder anders ausgedrückt: von Wirklichkeit und Film. Über die Fragen nach den Gemeinsamkeiten der Figur mit der Frau im realen Leben und nach der Verbindung des Films mit dem zusehenden Publikum soll letztlich die Erklärung für die Komposition des Blocks „Komikerinnen und Suffragetten im Kino in den 1910er Jahren“ für das Filmfestival in Bologna 2008 augenscheinlich werden. Zur Publikumsforschung wird Emilie Altenlohs Studie „Zur Soziologie des Kino“[1] eine Grundlage sein, obwohl sie sich mit ihrer Umfrage auf Mannheim in den 10er Jahren bezieht. Sie geht aber mehrfach auf andere Städte, so auch Berlin, wo die Entwicklung des Kinos allen voran ging[2], ein, so dass eine Universalität zumindest für Deutschland vorausgesetzt werden kann.

2. Suffragetten

2.1. Politischer Hintergrund

Die Suffragettenbewegung stellt einen Schritt auf der Zeitlinie der weiblichen Emanzipation dar. Selbstverständlich umfasst der Begriff der Emanzipation nicht nur die Frauenbewegung, doch soll der Ausdruck hier ausschließlich diese betreffend gefärbt sein.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, genauer zwischen 1903 und 1914, organisierten sich Gruppen von Frauen, die darum kämpften wählen zu dürfen. In verschiedensten Ländern auf nahezu allen Kontinenten formierten sich die Frauen um sich Gehör zu verschaffen.

Schon 1890 begründeten sich Frauenbewegungen, die vorrangig im Kontext des internationalen Sozialismus argumentierten. Clara Zetkin übernahm hierbei die maßgebliche weibliche Rolle in der Führungspartei der „Zweiten Internationalen“[3]. Die Ziele, die diese Seite der Frauenbewegung verfolgte, beinhalteten das Wahlrecht, gleiche Bildung, freie Arbeit, den gleichen Status vor dem Gesetz, die Abschaffung der häuslichen Dienste und das schützende Arbeitsrecht[4]. Bis auf einige Ausnahmen wurden diese Ziele ebenfalls von den nicht-sozialistischen Frauen verfolgt. Doch statt zusammen für einen Gedanken einzutreten, erschwerten sich diese beide Formierungen das Vorankommen gegenseitig. Damals war von Übergriffen der nicht-sozialistischen gegenüber den arbeitstätigen Frauen die Rede, während Clara Zetkin in hetzerischen Reden gegen eine Kollaboration mit den bourgeoisen Gruppierungen wetterte[5].

Letztere nannte man auch „Suffragetten“, abgeleitet vom lateinischen Wort „suffragium“, was soviel wie „Wahlrecht“ bedeutet[6]. Die Tatsache der Feindschaft beider Gruppierungen ist – abgesehen von einschneidenden Gegebenheiten wie unterschiedlicher politischer Gesinnung und Klasse – insofern verwunderlich, als die Ursprünge der nicht-sozialen Frauen-Bewegung mit den Arbeiterfrauen verknüpft waren. Großbritannien als Ausgangspunkt der Suffragetten bot schon 1890 Raum für weibliche Organisationen wie die “Women’s Trade Union “ oder die „Women’s Cooperative Guild“. Um eine Arbeiterfrauen-Suffragetten-Bewegung zu schaffen wurden Organisationen gegründet, die 1903 in der Bildung der „Women’s Social and Political Union“ (WSPU) mündeten. Vorsitzende waren Christabel und Emmeline Pankhurst, deren Familienname als Tragender in die Geschichte eingegangen ist. Im Zuge weiterer Differenzierungen in kleinere Gruppen entfernten sich die Suffragetten mehr und mehr von ihrer vormaligen Verbundenheit mit den Arbeiterfrauen. Auch wenn sie selbst nie sozialistisch gesinnt waren, so schöpften sie dennoch ihre Inspiration aus dem Aktivismus der Gegenspielerinnen. Nichtsdestoweniger brachte die Verlagerung der WSPU von Manchester nach London die Umgestaltung der Interessen und Taktiken[7].

Nach jahrelangem Misserfolg, vor allem aufgrund der von Premierminister Herbert Asquith exponierten Gleichgültigkeit[8], wurden die Suffragetten immer radikaler. Was mit öffentlichen Reden in der Speakers-Corner begann und sich in sogenannten „monster demonstrations“[9] fortsetzte, endete bei Würfen auf Fensterscheiben und brennenden Häusern[10]. Im Selbstmord von Emily Davison, die sich 1913 beim Sommerderby in Epsom vor das königliche Pferd warf[11] um für das Wahlrecht zu demonstrieren, kulminierte schließlich die Suffragetten-Bewegung. Die Regierung sah sie zeitweise als „the biggest threat to the British Empire“[12].

Von Großbritannien aus nahm die Gesinnung Einfluss auf Frauen in Irland und Amerika. Deutsche Frauen gehörten größtenteils der sozialistischen Emanzipationsbewegung an, welche sich 1916 kennzeichnend durch den Erhalt des Wahlrechts auszahlte. Währenddessen blieben französische und italienische Frauen verhalten. Zwar existierte in Frankreich die „Solidarité des Femmes“, eine Organisation von Suffragetten. Allerdings reagierten die Frauen im Volk nicht auf deren Aktivismus. Sozialistische Frauengruppen der beiden Länder hatten aufgrund fehlender Akzeptanz der sozialistischen Parteien keine Chance auf Gehör. Oft wird der damals vorherrschende Katholizismus für die Verschlossenheit von Frankreich und Italien gegenüber gesellschaftlichen Neuerungen angeführt[13], wobei dieser – wie DuBois folgerichtig argumentiert – in Irland auch kein Hindernis war. Zumindest dient ihr die ausbleibende Verbissenheit als Begründung für die späte Einführung des Frauenwahlrechts in Frankreich (1944) und Italien (1946).

Heute gibt es zwei Ausdrücke, die Kämpfer für das Frauenwahlrecht unterscheiden. Neben den hier beschriebenen radikaleren Suffragetten spalten sich die sogenannten „Suffragisten“ ab. Diese vertraten die gleiche Meinung, wirkten aber eher passiv. Außerdem zählten zu ihnen auch gleichgesinnte Männer. Der Begriff war allerdings vorrangig in den USA verbreitet und wird auch heute nicht immer korrekt verwendet.

2.2. Dokumentaraufnahmen

Die in Bologna gezeigten dokumentarischen Aufnahmen enthielten lediglich kurze Sequenzen und waren nie länger als acht Minuten. Das liegt wahrscheinlich daran, dass einerseits nicht mehr Material erhalten ist und andererseits filmische Mitschnitte um 1910 noch kostenintensiv und komplex waren. Die Sequenzen wurden größtenteils in die Blöcke zu Großbritannien eingefügt, was mit der oben explizierten Vorreiterolle der britischen Frauen-Bewegung begründbar ist.

Der Anfangsblock am Sonntag, den 29.06.2008, wurde passend mit der „Suffragette im Kino“ überschrieben. Untertitel war „Öffentlicher und privater Raum“, wobei der private Raum stets eher in den noch zu erläuternden, komischen Filmen die Grundlage bot. Die in diesem Kapitel fokussierten Aufnahmen originaler Szenen spielten sich vorrangig auf der Straße ab. Der Kernpunkt waren die oben bereits genannten „monster demonstrations“[14].

Aufgrund der Ähnlichkeit und der Kürze der verschiedenen Dokumentationen lassen sie sich knapp zusammenfassen. Sie sollen für diese Hausarbeit zwar eine vergleichende Rückgriffmöglichkeit bieten, genügen aber nicht zur ausführlichen Analyse, zumal sie den vormals bereits detailliert dargestellten, historischen Hintergrund der Komödien repräsentieren.

Der erste aufgezeichnete Mitschnitt am Sonntag hieß „La femme doit voter“. Dieser 1912 in Frankreich produzierte Film kann nahezu gleichgesetzt werden mit „Londres“ von 1908, „Mass meeting of suffragettes“ (1910), „Suffragette Pageant in London 17 June 1911“ oder „England. Scenes outside the house of commons 28 January 1913“, wobei diese Liste noch fortgesetzt werden könnte.

Man sieht in jedem Film Frauen mittleren Alters in weißen, langen Kleidern. Außerdem wurden übergroße Hüte mit Blumendekor getragen[15]. Die einheitliche Kleidung sollte Disziplin verdeutlichen und aufgrund der reinen Farbe Respekt einflößen[16]. Sie gingen zu Zehntausenden gut organisiert durch die Straßen, an allen Orten mit einer Nachricht auf ihren Plakaten: Vote to Women. Zu ihrer Taktik gehörte ebenso das Wissen um die Medienwirksamkeit. Anschließend an die Demonstrationen wurden Fotoaufnahmen der Aufmärsche als Postkarten herausgegeben[17]. Es ist vorstellbar, dass die filmischen Aufnahmen denselben Zweck verfolgten, also nicht privat oder zufällig gedreht, sondern in Auftrag gegeben wurden. Die Suffragetten wollten auch visuell im Gedächtnis bleiben.

Eine hier fortführende, interessante Überlegung betrifft die Haltbarkeit des damaligen Films. Es ist klar, dass die Suffragetten mit Hilfe des Films für den aktuellen Zeitraum und an vielen Orten gleichzeitig präsent sein wollten. Doch war schon in den 1910er Jahren ein Bewusstsein für den langanhaltenden Film vorhanden? In Emilie Altenlohs Studie zur Soziologie des Kinos aus dem Jahre 1914[18] macht das beschriebene Publikum den Eindruck den Film als kurzfristige Unterhaltung anzusehen. Das Verlangen nach den immer neuesten Filmen und die gleichzeitige Ablehnung von bereits Gesehenem[19] weisen auf den entwertenden Blick der Zuschauer auf den Film hin. Schließlich ist kein Kunstbewusstsein vorhanden, wenn man sich im Sensationswahn von einem Film zum nächsten hangelt um das Vergangene sofort zu vergessen. Der Film war mehr noch Konsumgegenstand als ein Kunstwerk, das für die Ewigkeit gemacht ist. Womöglich gab es schon damals am Film weitergehend Interessierte, doch hatten auch sie nicht die Möglichkeit einen Streifen öfter zu sehen. Die Kinos richteten sich nach der Masse des Publikums und wechselten dementsprechend häufig das Programm[20]. Obwohl es um 1914 eine langsame Entwicklung hin zur Qualität als Wertmesser eines Films gab[21], war das Publikum weitgehend noch nicht soweit ihn als überdauerndes Medium anzusehen. Das bedeutet, dass wohl auch die Suffragetten-Dokumentationen vorrangig für das gegenwärtige Publikum und nicht als Historie gedreht wurden.

Der Kurzfilm zum Sport der Frauen „Gaumont News: Sport féminins 1911 – 1917“ fiel ein wenig aus dem Konzept der Demonstrationsmitschnitte. Hier sah man die Frauen turnen, schwimmen und Ball spielen. All das geschah innerhalb verschiedener Sportverbände, in die, wie Mariann Lewinsky es in ihrer Vorrede erläuterte, die Frauen um 1910 vordrangen. Somit ist auch die sportliche Betätigung im öffentlichen Raum ein Zeichen der Emanzipation, das filmisch festgehalten wurde. Allerdings besteht hier keinerlei Verbindung zum Kampf um das Wahlrecht, also ebenso keine zu den Suffragetten. Das Programm Bolognas beschäftigte sich insofern nicht ausschließlich mit der Suffragetten-Bewegung, sondern behandelte, wie in den nachfolgend veranschaulichten Komödien auch klar wird, zugleich die Schritte der weiblichen Emanzipation im Allgemeinen.

3. Der Komische Kurzfilm um 1910 in Europa

Wenn vom komischen Stummfilm die Rede ist, denkt man heute zuerst an die bekannten Slapstick-Filme aus Amerika. Deren Produktion begann um 1912. Oft wird unterschlagen[22], dass in Europa schon seit 1907 Komödien in Serie produziert wurden.

Die ersten komischen Figuren orientierten sich an den Traditionen des Clowns. Diese Figur existierte schon seit dem Mittelalter in Gestalt des Hofnarren und wandelte sich im 19. Jahrhundert zum Zirkusartisten, der die Rolle des Missverstandenen mimte, der sich gegen eine Obrigkeit behauptete. Im frühen Film des 20. Jahrhunderts nun hatte die Clown-Figur alle Freiheiten. Es gab keine klassisches Drehbuch oder andere literarische Vorlagen und es wurden kurze, alltägliche Szenen gedreht. Dabei bewegte sich ausschließlich der Clown, während die Kamera meist in einer starren Position verharrte, was seine exzessive Selbstdarstellung unterstützte[23].

Der europäische Film wurde zu dieser Zeit mit der Groteske gleichgesetzt[24]. Claudia Preschl beschreibt diese als ein „kulturelles Phänomen […], das Grenzüberschreitungen oder -verschiebungen sowie die Perspektive einer Neuordnung gesellschaftlicher Machtverhältnisse und symbolischer Ordnungen […] bereithält.“[25] Sie formuliert aus diesem Genre den dort angesiedelten Körper des Protagonisten als „Grotesken Leib“. Dieser ist ein Gebilde, das stetig über sich hinaus wächst und nie einen geschlossenen, ruhigen Eindruck macht. Wesentliche Gestaltungselemente stellen dazu die Extremitäten, wie Arme, Hände und Beine, sowie Körperöffnungen, wie der Mund oder die Augen, dar[26]. Die KomikerInnen um 1910 fanden – wie später hinsichtlich der weiblichen Schauspieler charakterisiert wird – ihre individuellen, wie auch gemeinsamen Praktiken um diesen Vorstellungen nachzukommen.

Der europäische, komische Film wurde anfangs noch hochgelobt, was allerdings einen schnellen Abfall der Begeisterung zur Folge hatte. Die goldenen Jahre der europäischen Komödie beliefen sich auf ein Jahrzehnt (1906 – 1916), doch schon 1910 erlag die Filmindustrie einem Wandel hin zu Langspielfilmen, Werbekampagnen und dem Starkonzept. Die komischen Kurzfilme standen in ihrer Hochzeit auch schon wieder im Schatten[27]. Sie waren zu dieser Zeit lediglich Programmteil oder im Vorprogramm des Hauptfilms. Parallel zu dieser Entwicklung erlang die amerikanische Komödie mit ihren „Kings of comedy“ ein höheres Ansehen[28]. Der Staffelstab war weitergegeben.

Der Beginn der europäischen Komödie wird 1906 in Frankreich bestimmt, wo André Deed bei der Produktionsfirma „Pathé“ die Figur des „Boireau“ entwickelte[29]. Diese Filmfabrik hatte in den 10er Jahren und darüber hinaus eine Monopolstellung in Europa und teilweise auch in Amerika[30]. Insgesamt zählte „Pathé“ ungefähr 300 Millionen Zuschauer weltweit. Hier war auch Frankreichs berühmteste weibliche Komikerin Sarah Duhamel mit ihrer Rolle der „Rosalie“ angestellt. Romeo Bosetti als Leiter der Außenstelle „Pathé Comica“ produzierte mit ihr ganze Reihen von Komödien. Das Prinzip der Fortsetzung sollte den Zuschauer immer wieder in das Kino locken[31]. Mit über 80 Serien – darunter zehn mit weiblichen Hauptrollen – erklomm Frankreich den Thron der Filmkomik, während es gleichzeitig in anderen Genres eine Vormachtstellung inne hatte. „…neben der guten finanziellen Grundlage kam eine besondere Begabung der französischen Rasse dieser Industrie zugute.“[32] Leider sind nur ca. 5 – 10 % der damals entstandenen Filme erhalten, wobei diese Statistik für andere europäische Länder noch schlechter aussieht.

[...]


[1] Altenloh, Emilie: Zur Soziologie des Kino. Die Kino-Unternehmung und die sozialen Schichten ihrer Besucher. Eugen Diederichs: Jena 1914.

[2] Vgl. Ebd. S. 50.

[3] = Second International (SI): Internationale Organisation sozialistischer und sozialdemokratischer Arbeiterparteien. 1889 in Paris gegründet. 20 Mitgliedsländer.

[4] Vgl. DuBois, Ellen Carol: Women suffrage and women’s rights. New York/ London. New York University Press: 1998. S. 263.

[5] Vgl. Ebd. 262f.

[6] Vgl. Fischer, Laura/ Hartmann, Eike/ Hollerbach, Bettina/ Krause, Gunnar/ Nagel, Christoph/ Spiegel, Reimund: Frauenemanzipation. Am Beispiel der englischen Suffragettenbewegung, 1903 – 1928. http://www.cjfnagel.com/suffragetten/frauenemanzipation_suffragetten.pdf (27.07.2008).

[7] Vgl. DuBois, E. C.: Women suffrage and women’s rights. S. 266.

[8] Vgl. Fischer, L./ Hartmann, E./ Hollerbach, B./ Krause, G./ Nagel, C./ Spiegel, R.: Frauenemanzipation.

[9] DuBois, E. C.: Women suffrage and women’s rights. S. 266.

[10] Vgl. Fischer, L./ Hartmann, E./ Hollerbach, B./ Krause, G./ Nagel, C./ Spiegel, R.: Frauenemanzipation.

[11] Siehe Anhang: Bilderreihe 1.

[12] Casciani, Dominic: Spy pictures of suffragettes revealed. http://news.bbc.co.uk/1/hi/magazine/3153024.stm (26.07.2008).

[13] Vgl. DuBois, E. C.: Women suffrage and women’s rights. S. 269.

[14] DuBois, E. C.: Women suffrage and women’s rights. S. 266.

[15] Siehe Anhang: Bild 2.

[16] Vgl. DuBois, E. C.: Women suffrage and women’s rights. Centrefold.

[17] Vgl. Fischer, L./ Hartmann, E./ Hollerbach, B./ Krause, G./ Nagel, C./ Spiegel, R.: Frauenemanzipation.

[18] Altenloh, E.: Zur Soziologie des Kino.

[19] Vgl. Altenloh, E.: Zur Soziologie des Kino. S. 15.

[20] Vgl. Ebd. S. 18.

[21] Vgl. Ebd. S. 17.

[22] Vgl. Preschl, Claudia: Rebellische Clowns oder der Ausbruch des Körpers. http://www.sixpackfilm.com/archive/veranstaltung/festivals/earlycinema/symposion/symposion_preschl.html (15.05.2008).

[23] Vgl. Ebd.

[24] Vgl. Preschl, Claudia: Lachende Körper. Komikerinnen im Kino der 1910er Jahre. SYNEMA: Wien 2008. S. 57ff.

[25] Ebd. S. 51.

[26] Vgl. Ebd. S. 52f.

[27] Vgl. Ebd. S. 64.

[28] Vgl. Ebd. S. 59.

[29] Vgl. Ebd. S. 63.

[30] Vgl. Altenloh, E.: Zur Soziologie des Kino. S. 14ff.

[31] Vgl. Preschl, C.: Lachende Körper. S. 64.

[32] Altenloh, E.: Zur Soziologie des Kino. S. 11.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Zur Verbindung zwischen Suffragetten und Kurzfilmkomikerinnen der 1910er Jahre in Anlehnung an das Programm des „Cinema Ritrovato“ in Bologna 2008
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Exkursionsseminar „Il Cinema Ritrovato Bologna“
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
36
Katalognummer
V137683
ISBN (eBook)
9783640468348
ISBN (Buch)
9783640468171
Dateigröße
2149 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verbindung, Suffragetten, Kurzfilmkomikerinnen, Jahre, Anlehnung, Programm, Ritrovato“, Bologna
Arbeit zitieren
Marlen Richter (Autor:in), 2008, Zur Verbindung zwischen Suffragetten und Kurzfilmkomikerinnen der 1910er Jahre in Anlehnung an das Programm des „Cinema Ritrovato“ in Bologna 2008 , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137683

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