Online-Strategien von Printmedien im Vergleich

Eine interkulturelle Fallstudie von britischen, deutschen und französischen Tages- und Online-Zeitungen - Stand 2001


Magisterarbeit, 2001
115 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I EINLEITUNG

II THEORETISCHER UND METHODOLOGISCHER RAHMEN
II.1 Konzeption und Funktion von Printmedien in Großbritannien, Deutschland und Frankreich
II.1.1 Situation der Presse
II.1.1.1 Nationale Besonderheiten der Pressemärkte
II.1.1.1.A Zeitungslandschaft
II.1.1.1.B Vertriebssysteme
II.1.1.1.C Staatlicher Einfluß
II.1.1.1.D Rechtliche Rahmenbedingungen
II.1.1.1.E Konzentration
II.1.1.1.F Werbemarkt
II.1.1.2 Tageszeitungen in Zahlen
II.1.1.3 Elektronische Zeitungen in Zahlen
II.1.2 Mediennutzung
II.1.2.1 Finanzieller Aufwand
II.1.2.2 Zeitlicher Aufwand
II.1.2.3 Substitution vs. Komplementarität.
II.1.2.4 Nutzen und Belohnung
II.1.2.5 Kulturelle Tendenzen
II.1.3 Zielgruppen
II.1.3.1 Zeitungsleser
II.1.3.2 Internetuser
II.1.3.3 Onlineleser
II.2 Medienspezifika und begriffliche Abgrenzung
II.2.1 Medienbegriff
II.2.2 Zeitung
II.2.3 Neue Medien
II.2.4 Elektronisches Publizieren
II.2.5 Online-Zeitung
II.3 Ein Medium im Wandel – Implikationen der Internetpräsenz von Zeitungen ...
II.3.1 Technologisch
II.3.2 Inhaltlich
II.3.3 Kulturell
II.4 Methodologisches Vergleichs- und Analyseinstrumentarium
II.4.1 Inhaltliche Konzeption
II.4.2 Kulturgebundenheit
II.4.3 Präsentation
II.4.4 Wirtschaftliche Konzeption

III FALLSTUDIE: PRINTVERSIONEN UND INTERNETAUFTRITTE IM VERGLEICH
III.1 Internetauftritte regionaler Tageszeitungen
III.1.1 Marktübersicht.
III.1.2 Detaillierte Analyse
III.1.2.1 The Journal und the-journal.co.uk
III.1.2.2 Die Rheinpfalz und ron.de
III.1.2.3 Le Républicain Lorrain und republicain-lorrain.fr
III.1.3 Fazit
III.2 Internetauftritte überregionaler Tageszeitungen
III.2.1 Marktübersicht.
III.2.2 Detaillierte Analyse
III.2.2.1 The Times und thetimes.co.uk
III.2.2.2 Süddeutsche Zeitung und sueddeutsche.de
III.2.2.3 Le Monde und lemonde.fr
III.2.3 Fazit
III.2.4 Online-Journalismus im Vergleich

IV EVALUATION DER STRATEGISCHEN ONLINE-KONZEPTE
IV.1 Online-Zeitung: Konkurrent oder Komplement?
IV.2 Konvergenz der Kulturen?

V SCHLUSSBETRACHTUNG

VI LITERATURVERZEICHNIS

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Abb.1: Bezugsarten der Tagespresse im Vergleich

Abb.2: Verkaufsstellen je 1000 Einwohner

Abb.3: Verteilung der Werbeinvestitionen auf Medien/sonstige Branchen

Abb.4: Verteilung der Werbeinvestitionen nach Medien

Abb.5: TV, PC und Onlineausstattung europäischer Haushalte

Abb.6: Zeitbudget

Abb.7: Tägliche Rezeption von Nachrichten

Abb.8: Internetnutzung je Land

Abb.9: Zweck der Nutzung des Internet

Abb.10: Zeitungsleser im Internet

Abb.11: Technische Ausprägungen des institutionellen Mediums Zeitung

Abb.12: Wertschöpfungskette des Elektronischen Publizierens

Abb.13: Startseite von thejournal.co.uk

Abb.14: Startseite von ron.de

Abb.15: Startportal und Startseite von republicain-lorrain.fr

Abb.16: Startseite von thetimes.co.uk

Abb.17: Startseite von sueddeutsche.de

Abb.18: Startseite von lemonde.fr

Tab.1: Verteilung der Werbeinvestitionen nach Medien

Tab.2: Verhältnis zwischen Gesamtauflage und erwachsener Bevölkerung

Tab.3: Anteil der Leserschaft an der Bevölkerung über 15 Jahre

Tab.4: Ranglisten der Tageszeitungen

Tab.5: Ranglisten der Zeitungshomepages

Tab.6: Nutzungsdauer der Medien in Minuten pro Tag

Tab.7: Regionale Print- und Online-Zeitungen im Vergleich

Tab.8: Überregionale Print- und Online-Zeitungen im Vergleich

I EINLEITUNG

„Notre époque voit un accroissement prodigieux des moyens d’information, qui a modifié et modifie, dans une mesure incalculable, les conditions faites à la culture.

Quelles seront les conséquences de cette sorte de bouleversement apporté par les diverses techniques dont dispose l’homme contemporain?

[...] Il est normal de s’interroger sur les avantages et les inconvénients de ces moy- ens nouveaux, dont l’influence est immense, sans commune mesure avec celle d’aucune autre époque. [...] Ne se produit-il pas, du fait de la commercialisation des procédés de diffusion, une exploitation organisée d’instincts humains que la culture, jusqu’ici, s’efforçait de maîtriser? [...] Comment le respect de la vérité, comment le

souci de la beauté, peuvent-ils conserver leurs droits?“1

Der Umgang mit neuen Technologien und Medien bestimmt in zunehmendem Maße unse- ren Alltag und entfacht die Diskussion über ihren tatsächlichen Nutzwert, ihren Einfluß auf die Kultur und somit auf das gesellschaftliche Zusammenleben der Menschen. Das einlei- tende Zitat, das diese Problemaspekte in eindringlichen Worten umreißt, stammt jedoch nicht aus einer aktuellen Debatte über die Auswirkungen der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien, sondern von einem Symposium über die Zukunft der Medi- en angesichts des „neuen“ Mediums Fernsehen aus dem Jahre 1955.

Ungeachtet der weitverbreiteten Skepsis, mit der auch schon damals das Aufkommen ei- nes neuen Mediums begleitete wurde, unternimmt die vorliegende Arbeit den Versuch, weder mit verklärender Euphorie, noch mit kulturpessimistischer Voreingenommenheit, anhand einer interkulturellen Fallstudie die Auswirkungen der Übertragung von Printmedi- en in das neue Medium Internet zu analysieren.

Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Online-Auftritten von britischen, deutschen und französischen Tageszeitungen. Vordergründiges Anliegen ist die Beschreibung von Krite- rien für die Darbietung journalistischer Inhalte im Netz, nach denen bestehende Online- Angebote beurteilt werden können: Wie setzt man eine Zeitung im Netz mediengerecht um und wie präsentieren sich regionale und überregionale Verlage in Großbritannien, Deutschland und Frankreich tatsächlich?

Bei der Identifikation der Verlagsstrategien stellt sich gleichzeitig die Frage, ob einerseits diesbezüglich länderübergreifende Gemeinsamkeiten existieren und welche Unterschiede andererseits in der Konzeption einer Online-Zeitung zutage treten.

Während über die starke, nationale Verankerung der Tageszeitung und ihre daraus resul- tierenden kulturspezifischen Besonderheiten kaum ein Zweifel besteht, verändert der glo- bale Marktplatz Internet, auf dem auch die internationale Konkurrenz nur „einen Mausklick entfernt“2 ist, die Bedingungen für Verlage und Medienrezipienten so grundlegend, daß radikale Veränderungen für das Medium und sein Umfeld zu erwarten sind. Aus diesem Grund liegt der Schwerpunkt dieser Arbeit nicht nur auf dem Vergleich der Merkmale ver- schiedener Online-Zeitungen, sondern sie versucht darüber hinaus, die dynamischen Ver- änderungen zu erfassen, denen das Medium Zeitung und seine Rezipienten unterworfen sind. Neben inhaltlichen und technologischen Aspekten stehen dabei die Auswirkungen der Existenz neuer Medien auf die Medienkultur und die Mediennutzung im Vordergrund.

Die rasant zunehmende Bedeutung des Internet bringt zusätzliche Brisanz in die Frage nach der Zukunft der Institution Zeitung und der „Mediengesellschaft“ insgesamt: Wird die Zeitung im Internet noch eine Zeitung sein? Wird sie die herkömmliche Papierzeitung er- setzen? Wird jeder in Zukunft seine individuelle Bildschirm-Zeitung lesen? Werden künftig die Online-Ausgaben der Süddeutschen und der Times mehr Gemeinsamkeiten bezie- hungsweise weniger Unterschiede haben als ihre jeweiligen Print-Ausgaben? Werden nur noch wenige internationale Multimediakonzerne über die Inhalte bestimmen? Und ver kommen die Inhalte zu „Lockvögeln“ für kommerzielle Angebote?3

Die exemplarische Untersuchung von zwölf Print- und Onlinezeitungen, die im Februar 2001 durchgeführt wurde, soll einen Eindruck von den aktuellen Entwicklungen der euro- päischen Presse vermitteln und zur Klärung ihrer langfristigen Perspektiven beitragen, auch wenn ein interkultureller Vergleich nicht unproblematisch ist:

„Das spezifische Operationalisierungsproblem international vergleichender Studien [liegt] vor allem darin, daß die zu untersuchenden sozialen Phänomene in differie- rende Systemkontexte eingebunden sind.“4

Um dieser Schwierigkeit Rechnung zu tragen, bildet die Darstellung und Illustration der gegenwärtigen Situation der Printmedien und ihre Einreihung in die jeweiligen gesell- schaftlichen Kontexte das theoretische Fundament dieser Arbeit. Die umfassende Berück- sichtigung der nationalen Besonderheiten der Medienproduktion und -nutzung schaffen somit die Voraussetzung für einen aussagefähigen länderübergreifenden Vergleich von Online-Publikationen.

Folglich werden im ersten Abschnitt des Kapitels II die kulturellen Bezugsrahmen des Me- diums und seiner Nutzer erläutert. Im Anschluß daran werden die begrifflichen Grundlagen gelegt (II.2), um in Abschnitt II.3 den Wandel des Mediums unter technologischen, inhaltli- chen und kulturellen Gesichtspunkten zu erörtern. Daraus abgeleitet wird das Vergleichs- und Analyseinstrumentarium definiert (II.4), das als Kriterienkatalog für die empirische Untersuchung der Internetauftritte regionaler und überregionaler Tageszeitungen in Kapitel III dient. Abschließend werden die strategischen Online-Konzepte der Verlage im Hinblick auf das Medium selbst und auf deren Konsequenzen für die Nutzer evaluiert.

II THEORETISCHER UND METHODOLOGISCHER RAHMEN

Im folgenden wird der Grundstein für das Verständnis des Mediums Zeitung, der We- sensmerkmale seiner Rezipienten und seiner in den nationalen Kontext eingebetteten Be- deutung gelegt. Damit wird der Rahmen zur Analyse der vielschichtigen Auswirkungen geschaffen, die die Existenz des neuen Mediums Internet für die Tageszeitung und seine Leser hat und welche gesellschaftlichen Folgen der Wandel im Mediensektor zeitigt.

Zunächst konzentriert sich die Untersuchung auf die nationalen Presselandschaften und die Bedingungen der Zeitungsproduktion in Großbritannien, Deutschland und Frankreich. Daran anknüpfend werden die Nachfrage nach medialen Angeboten sowie die Bestim- mungsfaktoren der Medienrezeption analysiert.

Die Erläuterung der medienspezifischen Charakteristiken bildet das Grundgerüst zur Dis- kussion der technologischen, inhaltlichen und kulturellen Implikationen des Publizierens im Internet. Anschließend werden die bei der empirischen Analyse der Online-Zeitungen ver- wendeten Kategorien dargestellt und illustriert.

II.1 Konzeption und Funktion von Printmedien in Großbritannien, Deutschland und Frankreich

Die drei größten europäischen Medienmärkte Frankreich, Deutschland und Großbritannien kennzeichnen sich nach wie vor durch eine große Heterogenität. Die Printmedien, deren aktuelle Situation und Zukunftsperspektiven Gegenstand der Untersuchung sind, weisen nationale Besonderheiten und kulturspezifische Charakteristiken auf. Diese Einschätzung hatte schon vor mehr als zwei Jahrhunderten Bestand, was folgende Beschreibungen über das Wesen einer Zeitung nahelegen:

„Gazette [is] a news-paper, or printed account of the transactions of all the countries in the known world, in a loose sheet, or half-sheet. This name is with us confined to that paper of news published by authority.“

Encyclopædia Britannica, Edinburgh, 1768-1771

„Zeitungen sind gedruckte Blätter, so in grossen, sonderlich Handels-Städten, wö- chentlich ein oder mehrmalen ausgegeben werden, und darinnen zu lesen ist, was merckwürdiges in der Welt vorgefallen. [...] Der Inhalt der Zeitungen sollte freylich von lauter merckwürdigen Begebenheiten, Veränderungen, und Vorfällen handeln: allein man kriegt täglich Blätter in die Hände, welche mit nichtswürdigen Kleinigkeiten, oder mit Nachrichten angefüllt sind, woraus sich kein Mensch etwas nehmen kann.“

Universal-Lexikon aller Wissenschaften und Künste, Leipzig, 1749

„Une espèce de gazette très-utile [...] est celle dans laquelle on annonce aux ci- toyens tout ce qui doit se faire dans la semaine pour leur intérêt ou pour leur amu- sement; les spectacles, les ouvrages nouveaux en tout genre; tout ce que les parti- culiers veulent vendre ou acheter; le prix des effets commerçables, celui des den- rées; en un mot tout ce qui peut contribuer aux commodités de la vie.“

Encyclopédie des Sciences, des Arts et des Métiers, Paris, 1757

Kulturelle Faktoren, die auf historische Ursprünge zurückzuführen sind, prägen das natio- nale Zeitungswesen. Vor allem was die Marktbearbeitung, den staatlichen Einfluß und die rechtlichen Rahmenbedingungen anbelangt, kann von einem einheitlichen europäischen Medienmarkt keine Rede sein. Damit einher gehen eine verschiedenartige gesellschaftli- che Rolle der Presse und eine national unterschiedliche Nutzung der diversen Medien.

II.1.1 Situation der Presse

Die Presse ist neben dem Buch eines der ältesten Medien und kann in den untersuchten Ländern auf eine z.T. lange Geschichte und Tradition zurückblicken. Ein kurzer Abriß über die aktuelle Situation soll den Blick schärfen für die Ausgangslage der Zeitungsverlage zu Beginn des 21. Jahrhunderts und für die Bedingungen, unter denen die europäischen Ta- geszeitungen die Herausforderungen annehmen, die ihnen die Digitalisierung der Me- dienlandschaft heute stellt.

II.1.1.1 Nationale Besonderheiten der Pressemärkte

Nachfolgend werden die Marktsituation für Tageszeitungen in Großbritannien, Deutsch- land und Frankreich untersucht, wobei der Markt für sonstige Presseerzeugnisse wie Pu- blikumszeitschriften etc. unberücksichtigt bleiben muß.

II.1.1.1.A Zeitungslandschaft

Großbritannien kann als klassisches Zeitungsland bezeichnet werden, in dem die ersten großen Zeitungen in Europa gegründet wurden (z.B. Observer 1791) und dessen Presse eine traditionell herausragende Position einnimmt5.

Die auflagenstarke nationale Presse6, die bis Ende der 80er Jahre fast gänzlich in der be- rüchtigten Londoner Fleet Street produziert wurde7, umfaßt elf Tages- und elf Sonntags- zeitungen, wobei sich der Markt in „quality“, „mid market“ und „tabloid papers“ (Qualitäts- zeitungen, mittleres Segment und Regenbogenpresse) aufteilt.

Die regionale Presse der britischen Inseln nimmt in der europäischen Medienlandschaft gleichfalls eine exklusive Stellung ein und umfaßt einschließlich kostenloser Zeitungen, Sonntagsblättern und unregelmäßig erscheinenden Publikationen über 1300 Titel.

Obgleich die Leserschaft insgesamt seit Beginn der 90er Jahre leicht abnimmt, lesen noch immer ca. zwei Drittel der britischen Bevölkerung regelmäßig eine Tageszeitung8. Dabei handelt es sich vorwiegend um ein regionales Blatt, während Sonntagszeitungen ebenfalls einen großen Anteil ausmachen9. Die Lesertreue zu den nationalen Blättern ist laut einer Studie des Marktforschungsinstituts Taylor Nelson AGB von 1994 sehr gering, dennoch hat die nationale Presse im politischen und öffentlichen Leben Großbritanniens eine ein- flußreiche Stellung.

Neben dem Wiedererstarken der Regionalpresse kennzeichnet sich der britische Zei- tungsmarkt vor allem durch eine starke Konzentration und Restrukturierung. Der 1994 vom australischen „Medienmogul“ Rupert Murdoch (News International) in Gang gesetzte Preiskrieg ist deren Folge und zugleich Katalysator für eine weitere Oligopolisierung des Marktes.

In Deutschland spielt der Zeitungsmarkt ebenso eine bedeutende Rolle, doch ist die Auf- lage gemessen an der Bevölkerungsgröße geringer als in Großbritannien. Die Ge- samtauflage hat sich (in Westdeutschland) zwischen 1954 und 1987 fast verdoppelt und ist im Zuge der deutschen Einheit nochmals sprunghaft angestiegen, doch seither sta- gniert sie bzw. ist in jüngster Zeit sogar leicht rückläufig10. Charakteristisch für die deut- sche Presselandschaft ist das Fehlen einer nationalen Presse im Sinne einer Hauptstadt- presse. Überregionale Organe existieren nur sechs, darunter die angesehene Wochen- zeitung Die Zeit und die BILD-Zeitung, die als größtes deutsches Boulevardblatt eine Son-

derstellung einnimmt. Dementsprechend bedeutsam ist die regionale Presse, die 355 Titel mit einer Vielzahl lokaler Ausgaben umfaßt11.

Nach Angaben des Bundes deutscher Zeitungsverleger (bdzv) lesen bis zu 70% der deut- schen Bevölkerung über 14 Jahre regelmäßig eine Zeitung12. Signifikante Merkmale der deutschen Presse sind außer der stark regionalen Akzentuierung die Bedeutung des Abonnements als dominierender Vertriebsweg und die Existenz einer alternativen Presse, deren überregionales Flaggschiff die erst 1979 gegründete Berliner taz ist. Im Gegensatz zu Großbritannien oder auch Frankreich erscheinen fast alle deutschen Zeitungen als Morgenausgaben.

Abgesehen von diversen Übernahmen ehemals staatseigener Verlage der DDR war die große Welle der Medienkonzentration und eine damit verbundene Modernisierung der Verlage in Deutschland im vergangenen Jahrzehnt bereits weitgehend abgeschlossen.13

Die Zeitungspresse ist in Frankreich weit weniger gewichtig als in Großbritannien oder Deutschland. Die nationale Tagespresse umfaßt zwölf Titel14, die sich jedoch durch den Druck sinkender Verkaufszahlen immer mehr zu einer „Regionalpresse für den Pariser Raum gewandelt hat“15. Ausnahmen bilden die linksliberale Libération und natürlich Le Monde, die als Forum für große nationale Debatten einen Sonderstatus innehat. Frank- reich kennt zudem keine Boulevardpresse im Stile von BILD oder The SUN. Die regionale Presse, die 91 Titel herausgibt16, gewinnt im Vergleich zur Pariser Tagespresse in zuneh- mendem Maße an Bedeutung, obschon die Gesamtauflage aller Zeitungen, ohnedies sehr niedrig, rückläufig ist. Eine wichtige Position nimmt das Regionalblatt Ouest France als landesweit auflagenstärkste Zeitung17 ein.

Sonntagsausgaben sind ähnlich wie in Deutschland gering verbreitet, sie weisen jedoch eine leicht steigende Tendenz und eine Zunahme der Titel auf18. Insgesamt gesehen ge- nießen Tageszeitungen in Frankreich jedoch einen geringeren Zuspruch als Zeitschriften und andere Medien19. Die Leserschaft ist dementsprechend klein und schwankt zwischen 20% und 30% der Gesamtbevölkerung über 15 Jahre.

Besonderes Kennzeichen der französischen Medienlandschaft ist ein stark zentralisiertes Pressesystem - angefangen bei den Pressegruppen, der Mehrzahl der Journalisten, über die Agenturen, das Hauptvertriebsorgan bis zu den Verbänden, die allesamt ihren Sitz in Paris haben. Des weiteren sind die Werbeinvestionen, die der Presse zufließen, im inter- nationalen Vergleich gering und die Verbraucherpreise dementsprechend hoch20.

II.1.1.1.B Vertriebssysteme

Die Distribution wird in Großbritannien hauptsächlich von sog. „dump points“, also Ver- triebsgesellschaften übernommen. Diese Absatzmittler, deren Beziehungen zu den Verle- gern vertraglich geregelt sind, beliefern und kontrollieren ca. 200 der insgesamt etwa 500 Großhändler21 und etwa 6.000 Einzelverkaufsstellen (Newsagents). Darüber hinaus exi- stiert ein exklusiver Vertrieb für festgelegte Regionen, wobei nicht immer alle Titel erfaßt sind, was häufiger zu Wettbewerb zwischen Großhändlern und Einzelverkaufsstellen führt. Das kommerzielle Risiko tragen die Einzelverkaufsstellen, die im Gegenzug einige Son- derrechte eingeräumt bekommen. Der Direktvertrieb zwischen Verlag und Verkaufsstelle spielt vor allem bei der Distribution der regionalen Tagespresse eine Rolle.22

In Deutschland existieren als Vertriebskanäle, neben dem eigenen Vertrieb durch Zu- stelldienste, das Verlagsabonnement, der Buch- und Zeitschriftenhandel, Bahnhofsver- kaufsstellen und der Groß- und Einzelhandel. Die ca. 90 Großhändler vertreiben alle Titel im Exklusivvertrieb. Das kommerzielle Risiko für unverkaufte Exemplare trägt allein der Verleger23. Zur Bedeutung des Abonnements siehe Abbildung 1.

Wie fast das gesamte Pressewesen, so ist auch die Distribution in Frankreich stark zen- tralisiert. Der zentrale Verteildienst NMPP (Nouvelles Messageries de la Presse Parisien- ne), der zu 49% in Händen des Verlagshauses Hachette liegt, distribuiert etwa 2500 Print- Titel in ganz Frankreich und erfüllt damit quasi die gleiche Funktion wie der gesamte Groß- und Einzelhandel in Deutschland24. Mittels vertikaler Integration kontrollieren die NMPP die Mehrzahl der über 2500 Grossisten und ein Vertriebsnetz von über 50000 Verkaufs- stellen25. Die NMPP haben damit trotz der Existenz lokaler Verteildienste und der theore- tischen Möglichkeit des Direktvertriebs eine monopolartige Stellung innerhalb der französi- schen Pressedistribution. Das kommerzielle Remissionsrisiko tragen wie in Deutschland die Verlage.

Auffällig im Vergleich der Vertriebssysteme ist weiterhin eine ungleich ausgeprägte Be- deutung der jeweiligen Distributionskanäle. Kulturelle Eigenheiten und der Stellenwert des Mediums kommen im Kaufverhalten der Leserschaft zum Ausdruck. Folgende Darstellung veranschaulicht das unterschiedliche Verhältnis von Einzelverkauf und Abonnement26 in den jeweiligen Ländern:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Bezugsarten der Tagespresse im Vergleich

Quelle: World Association of Newspapers (WAN) – World Press Trends 2000

Was die Kaufgewohnheiten der Zeitungsleser anbelangt, so scheint eine Trennlinie zwi- schen nord- und südeuropäischen Ländern zu verlaufen, wobei sich diese Dichotomie vornehmlich durch den Grad der Zentralisierung bzw. Dezentralsierung der Vertriebssy- steme und nicht durch eine unterschiedliche Dichte der Einzelverkaufsstellen erklären läßt, da in den Ländern Südeuropas das Verkaufsstellennetz am dünnsten ist27. Großbritannien nimmt allerdings eine Mittelstellung ein:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2:Verkaufsstellen je 1000 Einwohner über 15 Jahre

Quelle: FAEP/Europäische Kommission/NOP Research Group 1997 und Aktualisierung NMPP 2000

II.1.1.1.C Staatlicher Einfluß

Der Einfluß des Staates auf die Presse ist nur bedingt meßbar, er macht sich jedoch im unterschiedlichen Verhältnis von Presse und Staat in Großbritannien, Frankreich und Deutschland bemerkbar. Die verschiedenartige Bedeutung und Auslegung der Pressefrei- heit und ihr Gewicht gegenüber dem Persönlichkeitsschutz, der den Rechtsanspruch auf Pressefreiheit einschränkt, spiegeln dies ebenso wider wie die von Land zu Land differie- rende Gewährung von Subventionen.

Trotz europäischer Harmonisierungsbemühungen und zahlreicher Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs existieren noch keine einheitlichen Regelungen bezüglich der Pressefreiheit. Selbst der entsprechende Artikel der beim Europäischen Rat in Nizza ver- öffentlichten, vorerst noch rechtsunverbindlichen Europäischen Grundrechtscharta, der zunächst die Pressefreiheit garantieren sollte, erhielt nach endlosem Feilschen folgenden, unverbindlichen Wortlaut:

„Die Freiheit der Medien und ihre Pluralität werden geachtet“ (Art. 11, (2))

Da Großbritannien, bedingt durch seine vom restlichen Europa abweichende Rechtstra- dition, über keine schriftliche Verfassung verfügt, exisitieren auch keine rechtlichen Rege- lungen, die die Pressefreiheit garantieren. Der Freiheit der Meinungsäußerung wird durch die allgemeine Rechtsprechung Geltung verschafft. Weil auch sonst keine rechtlichen Re- gelungen zum Statut der Medienunternehmen oder zum Persönlichkeitsschutz existieren, besitzt die Presse im europäischen Vergleich formal die wohl größte Unabhängigkeit vom Staat. Erkennbar ist dies außerdem daran, daß sie keinerlei Subventionen oder indirekte Hilfen in Form von Sonderkonditionen bei Postzustellung etc. vom britischen Staat erhält.

In Deutschland ist die Pressefreiheit durch die Verfassung geschützt und nicht zuletzt aufgrund der negativen Erfahrungen während des Nazi-Regimes als Grundrecht veran- kert:

„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“ (Art. 5, (1))

Ausdrücklich garantiert das Grundgesetz demnach die Freiheit zu informieren und infor- miert zu werden.

Hinsichtlich staatlicher Hilfen werden in Deutschland zwar keine direkten Subventionen gewährt, doch erhält die Presse Vorzugstarife der Post28, und es existieren rechtliche Re- gelungen zur Vereinfachung des Abonnementvertriebs29.

Der Staat garantiert auch in Frankreich die Freiheit der Presse durch Artikel 11 der Erklä- rung der Menschen- und Bürgerrechte vom 26. August 1789, dem die Präambel der Kon- stitution verfassungsrelevante Bedeutung zuschreibt:

„La libre communication des pensées et des opinions est un des droits les plus précieux de l’homme: Tout citoyen peut donc parler, écrire, imprimer librement sauf à répondre de l’abus de cette liberté dans le cas déterminés par la loi.“

Der französische Gesetzestext weist jedoch schon gleich auf die Einschränkungen hin, die sich durch Mißbrauch dieser Freiheit ergeben. Genau hierin liegen auch die Unterschiede im Vergleich zu Großbritannien und auch Deutschland, die sich im kulturell verankerten, besonderen Status des Persönlichkeitsschutzes gegenüber der Pressefreiheit in Frank- reich manifestieren.

Insgesamt gesehen kennzeichnet sich die Presse in Frankreich durch eine vergleichswei- se starke Verflechtung mit dem Staat. Neben der Abhängigkeit von halbstaatlichen Orga- nisationen wie der Presseagentur AFP (Agence France Press) und der bereits erwähnten NMPP gewährt die französische Regierung umfassende Steuervergünstigungen, Ermäßi- gungen bei Postgebühren, Subventionsleistungen an die Berufsgenossenschaft, Sonder- konditionen bei der Benutzung von Telekommunikationsanlagen und direkte Zuwendun- gen an Zeitungen mit geringen Werbeeinnahmen30.

II.1.1.1.D Rechtliche Rahmenbedingungen

Neben dem verfassungsrechtlichen Rang der Pressefreiheit bildet i.d.R. eine spezifische Gesetzgebung den rechtlichen Rahmen für die Medienunternehmen. Außer einem Über- blick über die geltende Rechtslage soll im folgenden kurz die Bedeutung des Urheber- rechts im Kontext des elektronischen Publizierens Erwähnung finden. Auf die rechtlichen Besonderheiten hinsichtlich der Pressekonzentration wird im nächsten Kapitel näher ein- gegangen.

Wie bereits erwähnt, kennt Großbritannien aufgrund des Fehlens spezifischer rechtlicher Regelungen auch keine Pressegesetze. Vielmehr vertraut der Staat auf die Selbstregulie- rung der Medien. Der zur Durchsetzung ethischer Standards 1953 eingesetze Press Council wurde jedoch infolge offenkundiger Mißachtungen der Privatsphäre etc. 1991 durch die Press Complaints Commission abgelöst31. Diese Kommission, bei der seither ca. 30000 Beschwerden eingingen, überwacht einerseits die Freiheit der Presse und versucht andereseits auf der Grundlage eines Code of Practice den Respekt vor der Privatsphäre oder den Schutz von Kindern und Jugendlichen durchzusetzen.

In Deutschland wurde 1956 mit dem Deutschen Presserat ebenfalls ein Organ der Selbstkontrolle gegründet und ein Pressekodex mit Richtlinien für die redaktionelle Arbeit aufgestellt, doch existieren darüber hinaus gesetzliche Regelungen sowohl für die Presse

als auch für den Persönlichkeitsschutz. So gibt es neben Art.1 und 2 GG (Menschenwür- de, Freiheit der Person) umfassende Regelungen z.B. zum Schutze der Jugend, ein Recht auf Gegendarstellung oder ein sogenannter Ehrenschutz. Wegen der grundlegenden Be- deutung der Pressefreiheit als Grundrecht sind den allgemeinen Gesetzen jedoch eindeu- tige Schranken gesetzt. Da die Gesetzgebungskompetenz im Pressewesen bei den deut- schen Bundesländern liegt, sind die fast gleichlautenden Landespressegesetze, die zwi- schen 1964 und 1966 (bzw. nach 1990) erlassen wurden, maßgeblich32.

Die Presse in Frankreich unterliegt weit detaillierteren und rigideren Gesetzen als in Großbritannien oder Deutschland. Ausgehend von Artikel 11 der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte definiert das 1881 erlassene Loi sur la liberté de la presse (einschl. zahl- reicher Modifikationen) das Statut der Presse, während eine Vielzahl von Gesetzen be- stimmt, was unter dem Mißbrauch der Pressefreiheit zu verstehen ist. Dem Schutz der Persönlichkeit wird dabei ein großes Gewicht beigemessen. Dementsprechend bedeutsam ist der Eingriff des Gesetzgebers, der mitunter eine zensurähnliche Vorabkontrolle bein- haltet.

Zusammenfassend lassen sich zwar inhaltlich ähnliche Rechtspositionen konstatieren, dennoch existieren kulturell bedingte Unterschiede in der Verfahrensart und im staatlichen Eingriff: Während Großbritannien den Selbstregulierungskräften der Medien vertraut und lediglich allgemeines Recht Anwendung findet, ist das Medien- und Rechtssystem in Deutschland von Dezentralisierung und geringer staatlicher Kontrolle geprägt, wohingegen man beim französischen Pressewesen z.T. sogar von „übermächtiger Bevormundung durch den Regierungsapparat“33 sprechen kann.

Der rechtliche Rahmen bleibt beim Übergang vom Publizieren im Printbereich auf das Me- dium Internet zunächst unberührt, da der Online-Ausgabe einer Zeitung die grundsätzlich gleiche rechtliche Bedeutung zukommt wie der Print-Ausgabe.

Dennoch wirft die Nutzung digitaler Technologie vor allem urheberrechtliche Fragen und Probleme auf, die auf der Grundlage bestehender Gesetze oder im Rahmen nationaler bzw. internationaler Vereinbarungen gelöst werden müssen, damit „die information high- ways“ nicht zu „leeren Geisterbahnen“34 werden. Folgende Aspekte stellen aufgrund der technischen Möglichkeiten (Anfertigung verlustfreier Kopien, Absenz eines materiellen Trägers etc.) veränderte Anforderungen an den Schutz geistigen Eigentums35:

- Werkcharakter: bestimmt die Urheberrechtsschutzfähigkeit eines pressejournalisti- schen Werks (digitale Werke sind oftmals nur Bearbeitungen vorhandener Werke)
- Verwertungsrechte: umfassen Verfielfältigungsrechte, Verbreitungsrechte, das Recht der öffentlichen Wiedergabe, Vermiet- und Verleihrechte
- Urheberrechtsinhaberschaft: legt die Nutzungsberechtigung fest (ist der Verlag oder der Journalist Inhaber des Urheberrechts?)
- Verantwortung für illegale Inhalte

Für Zeitungsverlage bedeutsam sind primär die Verwertungsrechte im Zusammenhang mit digitalen Archiven (Datenbanken), sowie die Beschaffung, Verwertung und Vergütung multimedialer Werke. Viele dieser Problembereiche werden bereits durch nationale Ge- setzgebungen gelöst. In Großbritannien maßgeblich ist vor allem die 1988 verabschiedete Copyright, Designs and Patents Act (CDPA88), in Deutschland das Urheberrechtsgesetz (UrhG) und in Frankreich der Code de la Propriété Intellectuelle von 1992. Grundlegender Unterschied in der Rechtsauffassung ist die Frage nach der Urheberrechtsinhaberschaft. Während in Deutschland und Frankreich die Gesetzeslage vom „droit d’auteur“ bestimmt ist, d.h. das Urheberrecht steht allein dem Schöpfer, in diesem Fall dem Journalisten zu und ist generell nicht übertragbar, ist in Großbritannien der Verlag als Arbeitgeber primärer Inhaber des Urheberrechts (producer-copyright).

Weitere relevante Regelungen hinsichtlich der Nutzung elektronischer Dienste sind das deutsche Informations- und Kommunikationsdienste-Gesetz von 1997, sowie im interna- tionalen Rahmen eine Reihe von EG-Richtlinien, als auch der Copyright Treaty der World Intellectual Property Organization (WIPO) von 1996.

Mithin bestehen schon weitreichende Regelungen in diesem Bereich, obgleich aufgrund der weltweiten Verfügbarkeit der Inhalte des Internet weiter harmonisierte, internationale Rechtsabkommen, auch im Hinblick auf die Verantwortung für illegale Inhalte, Geltung finden sollten.

II.1.1.1.E Konzentration

Vergleichbar mit der Entwicklung in anderen Wirtschaftsbereichen waren die 90er Jahre auch für die Printmedien das Jahrzehnt der „Mergers&Acquisitions“, d.h. ein Trend zur wirtschaftlichen und publizistischen Konzentration beherrschte die Medienmärkte in Euro- pa. Neben dem Zusammenschluß von Zeitungen und Verlagsgruppen auf allen Ebenen haben sich einige wenige Multimediakonzerne herausgebildet, was dazu geführt hat, daß sich die Pressevielfalt insgesamt in den vergangenen Jahren stark reduziert hat.

Auf den neuen Trend zur Bildung strategischer Partnerschaften hinsichtlich der Herausfor- derungen des Internetgeschäfts wird später eingegangen36.

Die herausragenden Figuren in der Presselandschaft Großbritanniens sind zweifelsohne der 1991 verstorbene Robert Maxwell (Mirror Group) und Rupert Murdoch (News Interna- tional). Durch Übernahmen bereits in den 60ern bereiteten die beiden Verleger dem Auf- stieg ihrer Konzerne und einer damit verbundenen Medienkonzentration den Weg. Inzwi- schen beherrschen News International und die Mirror Group zusammen mehr als die Hälfte des britischen Zeitungsmarkts37.

Auch die regionale Presse blieb vom Fusionstrend nicht verschont. So wechselten alleine in den Jahren 1996 bis 1999 drei Viertel aller Titel den Besitzer38, darunter die vier Milliar- den DM schwere Übernahme der Liverpooler Trinity Verlagsgruppe durch die Mirror Group 1999. Mittlerweile kontrollieren die fünf größten regionalen Zeitungsverleger mit 514 Titeln knapp die Hälfte des Marktes39.

Die Pressekonzentration ist in Deutschland ähnlich stark, wobei hier eine größere Zahl von einflußreichen Konzernen und Verlagsgruppen existiert; allen voran die Axel Springer- Verlag AG, die mit einem Marktanteil von 23,6% mit großem Abstand die auflagenstärkste Verlagsgruppe ist. Insgesamt umfaßt der Marktanteil der zehn größten Gruppen 55,9 Pro- zent40.

Aufgrund der Bedeutung der Regionalpresse befinden sich unter diesen Konzernen auch regionale Verlagsgruppen wie die der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung WAZ, Essen

(Marktanteil 6 %) oder der Stuttgarter Zeitung/Die Rheinpfalz/Südwest Presse (5%). Ver- lierer der fortgeschrittenen Konzentration sind sowohl in Deutschland als auch in Frank- reich eine Vielzahl kleiner Lokalblätter, wodurch den überlebenden Tageszeitungen oft eine Monopolstellung auf regionaler Ebene zufällt.

Nach dem Verdrängungswettbewerb der 60er und 70er Jahre befindet sich der Zeitungs- markt in Deutschland zunehmend in einer Konsolidierungsphase. Bedingt durch die stark lokal orientierten Strukturen sind die Marktverhältnisse in den vergangenen Jahren ver- gleichsweise stabil41.

In Frankreich konnten ebenfalls einige wenige Konzerne ihre Dominanz ausbauen. Sie beherrschen heute weitgehend den Markt, wenngleich sich die Konzentrationstendenzen vornehmlich auf den Zeitschriftenmarkt beschränken und die französischen Presseunter- nehmen in Europa nicht die Bedeutung wie beispielsweise Springer oder Mirror erlangt haben. Zu den größten Verlagsgruppen zählen Hachette und die Hersant Gruppe, die so- wohl Pariser Titel als auch mehrere Provinzblätter (u.a. auch in Übersee) verlegt. In die öffentliche Kritik geriet der mittlerweile verstorbene Besitzer Robert Hersant, als er sich Anfang 1986 mit dem Erwerb weiterer Lokalzeitungen über das 1984 erlassene Gesetz zur „Einschränkung des Konzentrationstrends und Gewährleistung finanzieller Transpa- renz und pluralistischer Gestaltung der Presse“42 mit den Worten „Je suis en avance d’une loi“43 hinwegsetzte. Seit 1979 drängen auch zunehmend ausländische, darunter vor allem deutsche (Gruner+Jahr, Bauer) und britische Medienkonzerne auf den französischen Markt, was die vergleichsweise schwache Position der französischen Pressegruppen zu belegen scheint44.

Die Presse in der Provinz blieb bislang von einer großen Übernahmewelle verschont und ist nach wie vor größtenteils in den Händen unabhängiger Gesellschaften45. Dennoch fie- len bereits viele Lokalblätter unter die Rentabilitätsgrenze, so daß auch in Frankreich die Medienkonzentration zur Uniformierung der Informationen beiträgt.

II.1.1.1.F Werbemarkt

Betrachtet man den europäischen Werbemarkt als Ganzes, so sind die Einnahmen in den letzten Jahren weiter gestiegen, der Anteil der Zeitungen am Werbeinvestitionsvolumen nimmt hingegen beständig ab. Lag die Quote im Vergleich mit anderen Medien in Westeu- ropa 1985 noch bei 44%, so sank dieser Wert bis 1998 auf 38%. Trotz zunehmender Kon- zentration ist die fallende Tendenz in Europa z.T. auf die weiter bestehende Fragmentie- rung der Zeitungslandschaft zurückzuführen, die es den Investoren erschwert, landeswei- te, qualitativ einheitliche Werbekampagnen in Tageszeitungen zu schalten. Bei genauerer Betrachtung fällt zudem auf, daß auch der Werbemarkt im Ländervergleich sehr unter- schiedliche Strukturen aufweist, die mit den bereits erwähnten kulturellen Besonderheiten der Zeitungslandschaft insgesamt korrelieren.

Der Anteil der Werbeinvestitionen, die auf die Medien generell entfallen, ist in Deutschland und Frankreich mit nicht viel mehr als einem Drittel des gesamten Werbeinvestitionsvolu- mens in etwa gleich niedrig. Bemerkenswert hoch ist der Anteil in Großbritannien, wo die Hälfte der Werbegelder den Medien zufließen46:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3: Verteilung der Werbeinvestitionen auf Medien/sonstige Branchen

Quelle: France PUB 1999, EUROPUB 1998

Ein differenzierter Blick auf das Werbeinvestitionsvolumen im direkten Vergleich der Medi- en bringt Klarheit über die national unterschiedliche Bedeutung der jeweiligen Bereiche:

Während das Fernsehen in Großbritannien den Löwenanteil an Geldern verschlingt und eine exponierte Stellung als Werbeträger

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4 (Tab.1): Verteilung der Werbeinvestitionen nach Medien

Quelle: IREP 1999, IP Status Report 2000, European Key Facts Issue 42

Auffällig ist zudem der hohe Anteil, den die Radiowerbung in Frankreich vereinnahmen kann48. Plakatwerbung nimmt in Frankreich und auch in Großbritannien ebenfalls eine be- deutendere Stellung als in Deutschland ein. Das Kino spielt in allen drei Ländern als Wer- beträger eine untergeordnete Rolle.

Um den geringen Werbeanteil der französischen Zeitungen zu steigern, gründeten Le Monde, Les Echos und L’Equipe 1995 eine Werbeallianz (Plein Cadre), die den Inserenten ein Werbepaket mit größerer Marktdurchdringung anbietet. Le Figaro, Libération und La Tribune zogen anschließend nach.

Auf regionaler Ebene schlossen sich bereits 1991 66 französische Provinzzeitungen zu- sammen (SPQR), um eine Vereinheitlichung des Werbemarkts zu erreichen49.

Nationale englische Zeitungen finanzieren sich zu 42 %, regionale zu 58% durch Wer- bung. In Deutschland ist das Anzeigengeschäft mit durchschnittlich 66% Hauptumsatzträ- ger, während Werbung bei französischen Zeitungen etwa 40% der Einnahmen aus- macht50.

II.1.1.2 Tageszeitungen in Zahlen

Der unterschiedliche Rang, den die Tagespresse in Großbritannien, Deutschland und Frankreich hat, schlägt sich natürlich auch in der Zeitungsdichte und im Leserzuspruch nieder. Ein direkter Vergleich der Auflagenzahlen ist jedoch nahezu unmöglich, da sich die Zählweise national unterscheidet und je nach Statistik verschiedene Presseerzeugnisse berücksichtigt werden51. Folgende Darstellung beruht auf einem standardisierten Index der World Association of Newspapers52, der die Gesamtauflage mit der erwachsenen Bevölke- rung in Relation setzt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab.2: Verhältnis zwischen Gesamtauflage und erwachsener Bevölkerung (Mio. Exemplare/Mio. Personen)

Am sinnvollsten erscheint in diesem Zusammenhang jedoch eine Gegenüberstellung des Leserzuspruchs, den die Tageszeitungen genießen. Die folgende Tabelle gibt Aufschluß nicht nur über den Stellenwert des Mediums Zeitung, sondern auch über das Verhältnis von regionaler und nationaler Presse in der Lesergunst:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

* Sonntagszeitungen

** davon lesen 63% zusätzlich noch eine nationale Zeitung

Tab.3: Anteil der Leserschaft an der Bevölkerung über 15 Jahre53

Quelle: Newspaper Society, BDZV, EUROPQRN54, Stand 1999

Frappierend ist der insgesamt sehr hohe Anteil an Zeitungslesern in Großbritannien, ebenso auffällig die niedrige Leserschaft in Frankreich und die Bevorzugung der regiona- len Presse in Deutschland.

Unberücksichtigt bleibt bei dieser Betrachtung die Zeit, die mit Lesen verbracht wird, und die Anzahl der Folgenutzer. In Deutschland, wo die Zahl der Abonnentenhaushalte sehr groß ist, liegt diese Ziffer wahrscheinlich höher als im Vereinigten Königreich, wo die Zei- tung vorwiegend am Zeitungsstand gekauft wird und (z.B. in der Londoner U-Bahn) häufig auf dem Weg zur Arbeit konsumiert wird.

Nachstehend eine Auflistung der auflagenstärksten Tageszeitungen, nach Ländern sor- tiert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(1) London Evening Standard * N= National/Überregional; R=Regional
(2) Bild am Sonntag ** in Tausend
(3) Verlagsgruppe Westdeutsche Allgemeine Zeitung
(4) Frankfurter Allgemeine Zeitung
(5) Le Parisien/Aujourd‘hui
(6) Le Progrès/La Tribune
(7) La Nouvelle République Centre Ouest

Tab.4: Ranglisten der Tageszeitungen

Quelle: WAN – World Press Trends 2000

II.1.1.3 Elektronische Zeitungen in Zahlen

Der Markt für elektronische Zeitungen existiert seit etwa Mitte der 90er Jahre. Seither steigt die Anzahl der Online-Ausgaben von Zeitungsverlagen sprunghaft an. Derzeit sind weltweit rund 4400 Zeitungen im Netz55, wobei alle nationalen bzw. überregionalen Titel in Großbritannien, Deutschland und Frankreich im World Wide Web in irgendeiner Form prä- sent sind. Seit Anfang November 2000 existiert darüber hinaus eine in Berlin ansässige, reine Online-Zeitung, die sich ausschließlich durch Werbung finanziert56.

Bei den regionalen Zeitungen sind in Großbritannien 85% der Verlage online57. In etwa

genauso hoch liegt der Anteil in Deutschland (rund 300 Blätter)58, während sich in Frank- reich die Zahl der redaktionellen Online-Seiten in diesem Sektor auf etwa 40 beläuft (ca. 44%)59.

Seit den ersten Anläufen haben viele Verlage ihr Design und ihr Angebot z.T. mehrfach verändert, um dem technischen Fortschritt und den internetspezifischen Möglichkeiten Rechnung zu tragen, und nicht zuletzt um ihre Erfahrungen mit dem neuen Medium und seinen Lesern einfließen zu lassen.

Die folgende Übersicht umfaßt die beliebtesten Zeitungshomepages in den untersuchten Ländern:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(1) mit sunday-times.co.uk * das Ranking für GB beruht auf einer Umfrage des
(2) mit observer.co.uk Marktforschungsinstituts BRMB, alle Angaben sind
(3) mit express.lineone.net Eigenauskünfte
(4) umfaßt mehrere Seiten wie z.B. big-brother.bild.de ** Stand 11/2000

Tab.5: Ranglisten der Zeitungshomepages

Quelle: BMRB (1999), bdzv (2000), Médiamétrie (2000)

II.1.2 Mediennutzung

Historische und kulturelle Entwicklungen bestimmen nicht nur die Strukturen der Medien und des Zeitungswesens, sondern auch und vor allem die Denkweisen und Verhaltens- muster der Mitglieder einer Gesellschaft auch als Medienrezipienten.

Die Nutzung der Medien wird von einem Bedürfnis nach Information bestimmt61, dessen

Befriedigung zunächst von den Möglichkeiten zur Nutzung, vom Angebot und vom Nutzen- Kosten-Kalkül der Rezipienten abhängig ist. Neben den Vorleistungen, die zur Nutzung bestimmter Medien erforderlich ist, sowie den finanziellen und zeitlichen Restriktionen der Mediennutzung, werden in diesem Kapitel ferner die Bedürfnisse der Rezipienten und die Bedeutung des Medienkonsums als soziales Handeln in einem kulturellen Kontext unter- sucht.

II.1.2.1 Finanzieller Aufwand

Zur Nutzung der Massenmedien Radio, Fernsehen, Zeitungen und Internet62 sind finan- zielle Aufwendungen erforderlich, die unterschiedliche Investitionen darstellen. Im folgen- den werden einerseits die erforderlichen Vorleistungen und andererseits die laufenden Kosten betrachtet, die bei der Mediennutzung entstehen.

Die Rezipienten verfügen über ein Geldbudget, das sie zur Befriedigung ihrer Informati- onsbedürfnisse verwenden und um das die Anbieter medialer Angebote direkt oder indi- rekt konkurrieren63. Zu den Medienausgaben hinzuzurechnen sind alle finanziellen Vorlei- stungen, die zur Nutzung eines Mediums erforderlich sind. Bei diesen Vorleistungen han- delt es sich in erster Linie um die technische Ausstattung. Mit Ausnahme der Printmedien benötigt der Rezipient elektronische Geräte wie beispielsweise Radio, Fernseher, Com-

puter, Modems usw.. Diese einmaligen Investitionen sind für die Nutzung des Internet mit Abstand am größten, obgleich die tatsächlichen Kosten nicht eindeutig zugerechnet wer- den können, da PCs normalerweise nicht ausschließlich zur Nutzung elektronischer Infor- mationsangebote gekauft werden64. Nachstehende Darstellung zeigt die Ausstattung eu- ropäischer Haushalte mit Fernsehern, PC und Online-Anschluß:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.5: TV, PC und Onlineausstattung europäischer Haushalte in Mio, Jahresmitte 2000

Quelle: SES/ASTRA, Satellite Monitors65

Zwar sind sämtliche Erhebungen zum Internet aufgrund methodischer Unterschiede66 mit Vorsicht zu genießen, dennoch zeigen alle Studien, unabhängig von den absoluten Zah- len, daß die Ausstattung mit multimediafähigen Computern in allen drei Ländern bereits beträchtlich ist, wobei Großbritannien in Relation zur Bevölkerungsgröße am fortgeschrit- tensten ist. Frankreich liegt, nicht zuletzt aufgrund der immer noch anhaltenden Popularität des elektronischen Dienstes Minitel, deutlich unter dem europäischen Durchschnitt.67 Dem digitalen Fernsehen wird eine wichtige Rolle für die weitere Marktdurchdringung des Inter- net zugesprochen, doch muß sich diese Technik erst noch durchsetzen.

Neben dem bloßen Erwerb muß der Rezipient zudem den Umgang mit den technischen Geräten und den Medieninhalten erlernen.68

Während das Lesen als Rezeptions- und Kulturtechnik zur Nutzung z.B. einer Zeitung oder von Online-Angeboten zumindest in westlichen Ländern weitgehend verbreitet ist, bedarf es zur effizienten Nutzung eines Computers weitreichender Kenntnisse (Umgang mit Betriebssystemen, Anwendungssoftware etc.). Zum Erlernen dieser Rezeptionstechni- ken sind zeitliche und ggf. finanzielle Aufwendungen (Kursgebühren, Lehrmittel etc.) erforderlich69.

Des weiteren müssen die Rezipienten Nutzungsroutinen im Umgang mit einem Angebot entwickeln70, wie beispielsweise Kenntnisse zur Auffindung von gewünschten Inhalten, über Sendeschemata etc., wenngleich dieser Lernprozeß hauptsächlich dem Kostenfaktor Zeit zuzurechnen ist. Dieser Aufwand entsteht i.d.R. bei der Nutzung eines neuen Medi- ums, bei einem veränderten Nutzungsverhalten oder bei veränderten Angebotsstrukturen und reduziert sich im Zeitablauf.

Die Kosten der tatsächlichen Nutzung sind bei Zeitungen der Kaufpreis (u.U. als Abonne- ment), für Radio- und Fernsehen Gebühren, sowie für Internetuser nutzungsabhängige auch die rasante Verbreitung von Modems (1998: 8,6 Mio, 1999: 11,3 Mio, 2000: 14,7 Mio, Q: www.statistik-bund.de/basis/d/evs/budtab2.htm)

[...]


1 Thèmes de réflexions proposés par les organisateurs des Rencontres Internationales de Genève, in: Duhamel, Georges et al., S. 9

2 Schmidt, Holger, in: FAZ, 26.11.1997, S.17

3 vgl. „L’info emballe la pub“, Libération, 29.1.1999, Beilage Multimédia

4 Niedermayer, Oskar, in: Sievert, Holger (1998), S.162

5 vgl. Schroeder, Michael (1994), S.53

6 dazu wird auch der aus Manchester stammende Guardian gerechnet, der 1959 von „Manchester Guardian“ in „The Guardian“ umbenannt wurde.

7 der Umzug der wichtigsten Verlagshäuser ging einher mit der technologischen Erneuerung der Zeitungs-

produktion, die zugleich einen enormen Bedeutungsverlust der britischen Medien-Gewerkschaften nach sich zog

8 laut Department for Culture, Media and Sport (DCMS) (2000)

9 Details vgl. Kapitel II.1.1.2 Tageszeitungen in Zahlen

10 vgl. Schroeder, Michael (1994), S. 54 und Details Kapitel II.1.1.2 ~

11 hinzu kommen noch 10 Straßenverkaufszeitungen, vgl. Schütz, Walter (2000), S. 30, Stand 1999 und Bundesregierung (1998)

12 vgl. bdzv, Markttrends+Daten 1999

13 vgl. Bergsdorf, Wolfgang (1990), S. 98

14 vgl. Albert, Pierre (1998), S. 94; einschließlich spezialisierter Tageszeitungen sind es 23 Titel (Service Juridique et Technique de l'Information et de la Communication (SJTIC), Tableaux statistiques de la Presse, 1999)

15 vgl. Grosse/Lueger (1997), S. 279

16 einschließlich Sonntagsausgaben, vgl. SJTIC, Tableaux statistiques de la Presse, 1999

17 laut Diffusion Contrôle - Observatoire Annuel de l’Ecrit, Résultats 1999

18 ebd.

19 vgl. Kapitel II.1.1.2 Tageszeitungen in Zahlen und II.1.2 Mediennutzung

20 vgl. Albert, Pierre (1990), S. 109 ff.

21 trotz der geringeren Zahl entspricht deren Umsatz ca. 70% des Gesamtumsatzvolumens dieser Branche

22 vgl. Schroeder, Michael (1994), S. 85 f.

23 ebd., S. 80 f.

24 vgl. Schroeder, Michael (1994), S. 83

25 vgl. Albert, Pierre (1990), S. 114 f.

26 einschließlich Direktzustellung, deren Umfang i.d. Regel nicht von den Abonnementzahlen zu trennen ist

27 A.P.P.M. (2000), S.14

28 nach der Privatisierung der Deutschen Bundespost ist dies allerdings nicht mehr als staatliche Subvention zu werten

29 vgl. Schroeder, Michael (1994), S. 94 ff.

30 Fromont, Michel (1990), S. 35

31 vgl. Press Complaints Commission (2001), www.pcc.org.uk/students/info3.htm; der sog. Calcutt Report (1990) der britischen Regierung drohte der Presse mit dem Erlaß gesetzlicher Regelungen, woraufhin sich die Medienunternehmen auf dieses unabhängige, weit effektivere Organ zur Selbstregulierung ver- ständigten

32 vgl. Schaffeld, Burkhard (2001), S. 3ff.

33 Fromont, Michel (1990), S. 41

34 Kreile/Becker (1994), S. 904

35 vgl. Niemann, Fabian (1998), S. 201ff.; Lehr, Thomas (1998), S. 117ff.; Zahrt, Michael (1999), S. 70

36 vgl. Kapitel II.4.4 Wirtschaftliche Konzeption (der Online-Zeitungen)

37 gemessen an der Auflage der nationalen Presse, vgl. DCMS, Keynote Newspaper Industry Report 1996

38 vgl. Central Office of Information (2000)

39 dies entspricht ca. 40% der Gesamtauflage der Regionalpresse, vgl. Reaching the Regions, Newspaper Society 1997

40 Röper, Horst (2000), S. 297

41 ebd., S. 300: „Ein spezifisches Problem für den mangelnden Wettbewerb im Zeitungsmarkt ist seit Jahrzehnten der fehlende Marktzutritt von neuen Anbietern und Angeboten. [...] es fehlt auch an ausländischen Wettbewerbern, die im Zuge der Globalisierung für Alternativen sorgen könnten.“

42 aus Fromont, Michel (1990), S. 36

43 aus Grosse/Lueger (1997), S. 289; tatsächlich wurde dieses Gesetz 1986 durch die konservative Parlamentsmehrheit abgeschafft und durch das Gesetz zur „Neuordnung der rechtlichen Pressebestimmungen“ ersetzt (vgl. Fromont, Michel (1990), S. 36)

44 Albert, Pierre (1990), S. 110

45 Albert, Pierre (1998), S. 97

46 Zu berücksichtigen ist dabei die Tatsache, daß die Gelder, die den Medien zufließen, in absoluten Zahlen gemessen in Deutschland am höchsten und sogar doppelt so hoch wie in Frankreich sind; vgl. Tabelle zu Abb. 4

47 Die Medien in Deutschland, Großbritannien und Frankreich verfügen im europäischen Vergleich über die mit Abstand größten Werbeetats, Italien folgt auf Rang vier mit 7 111 Mio. Euro

48 vgl. Kapitel II.1.2 Mediennutzung

49 vgl. WAN Report 2000, The challenges for newspaper advertising

50 vgl. Tunstall, Jeremy (1996), S. 60; bdzv, Markttrends+Daten 1999; A.P.P.M (2000)

51 das britische Audit Bureau for Circulation (www.abc.org.uk) unterteilt in nationale, kostenpflichtige und kostenlose regionale Zeitungen (einschließlich Sonntagszeitungen), ganz gleich wie oft sie veröffentlicht werden. Der Bund deutscher Zeitungsverleger (www.bdzv.de) unterteilt in Tages-, Wochen- und Sonntagszeitungen. Die Tageszeitungen wiederum werden aufgegliedert in lokale und regionale Abonnementszeitungen, überregionale Blätter und Kaufzeitungen. Der französische Service Juridique et Technique de l'Information et de la Communication (SJTIC) gliedert in regionale Tageszeitungen einschließlich der 7. Ausgabe und nationale Tageszeitungen, unter denen allgemeine, politische und spezialisierte Blätter zusammengefaßt sind.

52 vgl. WAN – World Press Trends 2000

53 für GB: Bevölkerung über 14 Jahre

54 Etudes et Unité de Recherche Opérationnnelle de la Presse Quotidienne Régionale et Nationale

55 vgl. Ingendaay, Paul (2000), S.62

56 www.netzeitung.de, vgl. Thomann, Jörg (2000), S.45

57 Kategorie regional paid daily, vgl. Newspaper Society (1999)

58 vgl. bdzv (2000), Stand 15.12.2000, zum Vergleich: Anfang 1996 waren es 15 Homepages

59 vgl. A.M.P.P. (2000), S.32, darüber hinaus unterhalten frz. Regionalzeitungen ca. 110 weitere Homepa- ges wie regionale Portale, sog. City Guides wie maville.com etc.)

60 Visits (Zahl der Besuche beliebiger Benutzer) und PageImpressions (angesehene Seiten) haben sich als international standardisierte Meßgröße zur monatlichen Ermittlung der Werbewirkung etabliert und bis lang geltende, technisch ungenaue Kriterien wie Hits (Anzahl erfolgreicher Datenübertragungen) abgelöst

61 zur Diskussion des Informationsbegriffes siehe u.a. Ang, Ein: Living Room Wars, Rethinking Media Au diences for a Postmodern World, London,1996; Minnig, Ch.: Einfluß der computergestützten IuK auf das menschliche Informationsverhalten, 1991

62 Massenmedien definieren sich dadurch, daß sie ihre publizistischen Inhalte an eine breite Öffentlichkeit richten. Nach Sennewald (1998, S. 8ff. und 163) ist zur Klassifikation eines Mediums als Massenmedium das Erreichen einer „kritischen Masse“ erforderlich.

63 nach einer Studie der Europäischen Kommission (Electronic Publishing, 1997) machen die Medienausga-

ben der 15 EU-Staaten 3-5% des verfügbaren Einkommens aus, davon entfallen 45-50% auf Printpro- dukte (Zeitungen 11%), 10-15% aufs Fernsehen und 20-25% für die technische Ausstattung

64 vgl. Lehr, Thomas (1999), S. 193; zur Nutzung des Internet ist zusätzlich ein Telefonanschluß notwendig

65 in: Media Perspektiven 10/2000; (Keinath, Anette (2000), S. 456), die Erhebungen des Stat. Bundesam- tes kommen für Deutschland zu identischen Ergebnissen; bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang

66 „Nul ne sait si „l’Internet est l’avenir de l’Homme“, mais nombreuses sont les études qui cherchent à

quantifier et qualifier cette population avec des différences de méthodologie et parfois de vocabulaire qui rendent difficiles la comparaison des résultats et la description précise d’une réalité qui ne cesse d’évoluer.“ (A.P.P.M. (2000), S. 28)

67 (GB: 30% der Haushalte, D: 20%, F: 14%); vgl. tatsächliche Nutzung in Kap. II.1.3.2 Internetuser

68 die Betriebswirtschaftslehre unterscheidet in diesem Zusammenhang Sachkapitalinvestitionen und Investitionen in Humankapital, vgl. Kaas, K.P. (1992), S. 16ff.

69 vgl. Lehr, Thomas (1999), S. 184

70 vgl. Carey, J. (1982), S. 83

Ende der Leseprobe aus 115 Seiten

Details

Titel
Online-Strategien von Printmedien im Vergleich
Untertitel
Eine interkulturelle Fallstudie von britischen, deutschen und französischen Tages- und Online-Zeitungen - Stand 2001
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Romanistische Fakultät)
Note
1,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
115
Katalognummer
V138
ISBN (eBook)
9783638100977
ISBN (Buch)
9783656059967
Dateigröße
1418 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine interkulturelle Fallstudie von britischen, deutschen und französischen Tages- und Online-Zeitungen
Schlagworte
Online-Strategien, Printmedien, Vergleich, Online-Zeitungen, Online Publishing, Interkulturell, Tageszeitungen
Arbeit zitieren
Stefan Bernhart (Autor), 2001, Online-Strategien von Printmedien im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138

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