Kinderarmut in Deutschland - Bildungsarmut

Warum sind Kinder arm und welche Auswirkungen hat Armut auf den schulischen Alltag von Kindern?


Hausarbeit, 2009
21 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Kinderarmut in Deutschland; welche Familien sind betroffen und welche Auswirkungen hat dies auf den schulischen Alltag der Kinder?
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Der Begriff „Armut“
2.1 Absolute/ Relative Armut
2.2 Relative Einkommensarmut
2.3 Lebenslage
2.4 Fazit

3 Kinderarmut
3.1 Migrationsfamilien
3.2 Alleinerziehende
3.3 Kinderreiche Familien
3.4 Fazit

4 Auswirkungen auf das Leben in der Schule
4.1 Lebensort Schule
4.2 Schlechtere schulische Leistungen
4.3 Benachteiligung schulspezifischer Materialien
4.4 Chancenungleichheit durch die Hauptschule
4.5 Fazit

5 Resümee

6 Interventionsansätze

4 Literaturverzeichnis

1 Kinderarmut in Deutschland; welche Familien sind betroffen und welche Auswirkungen hat dies auf den schulischen Alltag der Kinder?

Die Entscheidung, über dieses Thema zu schreiben, basiert auf der Tatsache, dass die Brisanz um das Thema der Kinderarmut in Deutschland sehr hoch ist. Diesbezüglich erscheinen regelmäßig neue Studien, die sich aus unterschiedlichen Blickrichtungen mit der Problematik der Kinderarmut auseinandersetzen. So auch die Studie des Kinderschutzbundes im März 2007 die feststellte, dass 2,6 Millionen Kinder und Jugendliche in Armut leben. (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, 2007).

Aktualität liegt mitunter auch „(…) angesichts des dramatischen Ausmaßes und der weiter zunehmenden Dauer von Arbeitslosigkeit im vereinten Deutschland (…)“ (Butterwegge (a), 2000, Einleitung) vor. Die schlechte Arbeitsmarktsituation trägt ihren Teil dazu bei, dass der Weg aus der Armut für betroffene Familien ein sehr steiniger ist. Dies wirkt sich indirekt auf die Kinder und Jugendlichen aus, die in diesen Familien aufwachsen.

Armut kann für die betroffenen Kinder in vielerlei Hinsicht Benachteiligung mit sich ziehen, sei es zum Beispiel in der Gesundheit oder auch im Bildungswesen.

Gerade im Bezug auf die schulische Bildung können erhebliche Einschränkungen entstehen. So hat in diesem Zusammenhang das Max-Planck- Institut durch eine Studie herausgefunden, dass Armut den künftigen Bildungsweg bestimmt (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, 2007).

Durch mein freiwilliges soziales Jahr, das ich in dem Jugendhaus „Z“ in Filderstadt Bernhausen absolvierte, habe ich viele Kinder und Jugendliche erlebt, die aus Verhältnissen stammen, die durchaus als arm zu bezeichnen sind. Vielen von ihnen habe ich Nachhilfeunterricht gegeben und festgestellt, dass sie erhebliche Schwierigkeiten in der Schule haben, sei es nur beim Lernen oder mit Klassenkameraden. Dies hat meine Entscheidung bekräftigt, die Auswirkungen der Kinderarmut auf die schulischen Leistungen der Kinder und Jugendlichen näher zu betrachten.

In meiner Hausarbeit werde ich mich zuerst einmal mit der grundlegenden Frage beschäftigen, warum Kinder und Jugendliche in Armut aufwachsen. Wie kann es sein, dass in einem reichen Deutschland Kinder und Jugendliche in Armut aufwachsen müssen? Meine Aufmerksamkeit richtet sich hier hauptsächlich auf die Familien der Betroffenen und die aus der Armut resultierenden Probleme.

Die zweite zentrale Frage meiner Hausarbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Armut auf den schulischen Alltag der Betroffenen, denn Schule nimmt im Leben der Kinder und Jugendlichen einen großen und vor allem wichtigen Raum ein, ist sie doch

mitunter verantwortlich für deren Sozialisation. Des Weiteren trägt das in der Schule erlangte Wissen zur Erschließung des Arbeitsmarktes bei.

Gerade aber der schulische Alltag der Betroffenen ist in starkem Maße von der Armut gekennzeichnet.

In meiner Hausarbeit sollen Bedeutung und Wirkung von Kinderarmut auf den schulischen Alltag der Kinder und Jugendlichen aufgezeigt werden.

1.2 Aufbau der Arbeit

Da es unterschiedliche Definitionen des Armutsbegriffes gibt, beschäftigt sich der erste Teil meiner Arbeit (2.1) mit dem allgemeinen Armutsbegriff und einigen verschiedenen Ansatzweisen, wie dieser nun definiert werden kann.

Im zweiten Teil (2.2) setze ich mich mit der Thematik der Kinderarmut und deren Erscheinungsformen in den Familien auseinander und versuche zu erklären, warum gerade in diesen speziellen Familienformen das Phänomen der Armut häufiger auftritt.

Der dritte Teil (2.3) befasst sich hauptsächlich mit den Auswirkungen der Armut auf das Leben in der Schule der betroffenen Kinder und Jugendlichen. Es werden im Einzelnen spezielle Bereiche näher beschrieben, in denen besonders ärmere Kinder benachteiligt zu sein scheinen.

Der letzte Teil (3.1 und 3.2) enthält ein Resümee und einige verschiedene Vorschläge, wie die Kinderarmut wirksam bekämpft werden kann.

2 Der Begriff „Armut“

Was ist Armut eigentlich und wie wird sie beschrieben? So oder so ähnlich lauten die Fragen, wenn es um die Definition des Begriffes Armut geht, speziell in Deutschland. Die Beantwortung fällt aber weniger leicht als die schlichte Benennung der Frage.

Nun muss man sagen, dass der Begriff der Armut im Zusammenhang mit Deutschland bei manchen Menschen auf Unverständnis stößt. So sollte man doch meinen, dass wir eine hoch entwickelte Industrienation sind und über ein soziales Sicherungssystem verfügen, das „(…) das Risiko der der Armut aus unserer Gesellschaft nahezu verbannt“ (Schniering, 2006, S. 9).

Dennoch gibt es in der Bundesrepublik Menschen die von Armut betroffen sind oder es in naher Zukunft werden.

Vor allem die Kinder und Jugendlichen trifft es hart, denn mittlerweile geht man davon aus, dass diese Altersgruppe diejenige ist, „(…) die am häufigsten und massivsten von Armut bedroht ist“ (Butterwegge (a), 2000, Einleitung). Aber was versteht man nun unter dem weitläufigen Begriff der Armut?

Es gibt keine genaue Beschreibung davon, was Armut nun wirklich ist. Trotzdem existieren verschiedene Ansätze, die allerdings uneinheitliche Meinungen hervorrufen. Einig ist man sich aber darüber, dass Armut „(…) relativ zu den Standards einer jeweiligen Gesellschaft definiert“ (AWO, Sozialbericht 2000, S.20) wird. Das bedeutet, dass die Grenzziehung zwischen arm und nicht arm normativ statt findet, dass sie von Werteentscheidungen abhängig ist (vgl. AWO, Sozialbericht 2000, S.20).

Trotzdem gibt es unterschiedliche Sichtweisen, deren Begrifflichkeit im Zusammenhang mit Kinderarmut erläutert werden müssen.

2.1 Absolute/ Relative Armut

Wichtig ist zunächst einmal die Unterscheidung der Begriffe absoluter und relativer Armut.

Laut Robert Strange Mc Namara, ehemaliger Präsident der Weltbank, wird absolute Armut wie folgt definiert:

„ Armut auf absolutem Niveau ist Leben am äußersten Rand der Existenz. Die absolut Armen sind Menschen, die unter schlimmen Entbehrungen und in einem Zustand von Verwahrlosung und Entwürdigung ums Überleben kämpfen, der unsere durch intellektuelle Fantasie und privilegierte Verhältnisse geprägte Vorstellungskraft übersteigt“ (wikipedia, 2002).

Dieses Zitat wurde hauptsächlich im Zusammenhang mit den Entwicklungsländern und deren Armutsproblemen verwendet. Dementsprechend beschreibt absolute Armut den Zustand, wenn die Güter, die für die Sicherung der Existenz notwendig sind, nicht von den betroffenen Menschen in Anspruch genommen werden können. Solche lebensnotwendigen Güter sind zum Beispiel Nahrung, Kleidung und Wohnung.

Die absolute Armut wird also am physischen Existenzminimum gemessen und ist hauptsächlich in den Ländern der Dritten Welt zu finden (vgl. Schniering, 2006, S.9).

Wenn man den Begriff der Armut im Zusammenhang mit Deutschland verwendet, dann ist meist die relative Armut gemeint.

Relative Armut wird „(…) Raum und Zeit bezogen, sie bemisst sich am konkreten, historisch erreichten Lebensstandard einer Gesellschaft“ (Schniering, 2006, S.9). Somit ist in jeder Gesellschaft der Begriff der relativen Armut anders definiert, da diese den Lebensstandard selbst festlegt. Das heißt, dass die Grundbedürfnisse wie Nahrung, Wohnung und Kleidung vorhanden sind, nicht zuletzt gesichert durch unsere sozialen Sicherungssysteme, wohl aber Einschränkungen in allen Lebensbedingungen vorhanden sind.

Relative Armut meint also, dass „Menschen nicht am kulturellen, gesellschaftlichen und sozialen Leben teilhaben können“ (Schnierling, 2006, S.10), da ihnen die nötigen Mittel dazu fehlen.

Innerhalb des Begriffes der Armut gibt es mehrere Sichtweisen, nach welchen Kriterien nun die Armut bestimmt ist. Diese umfassend wiederzugeben würde über den Rahmen dieser Arbeit hinausgehen, deshalb beschränke ich mich auf zwei Definitionen, die den Begriff der Armut aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten.

2.2 Relative Einkommensarmut

Im Allgemeinen wird Armut erst einmal als relative Einkommensarmut beschrieben. Darunter versteht man, dass ein Haushalt über „(…) weniger als 50 % (Mittelwert) bzw. 60% (Median) des durchschnittlichen Nettoeinkommens im jeweiligen Land verfügt“ (Zander, 2005, S.90).

Eine Familie oder ein Haushalt wird also dann als arm bezeichnet, wenn sie weniger verdient als das durchschnittliche Nettoeinkommen hoch ist, also wenn der Verdienst unterhalb der mittleren Einkommensgrenze liegt (vlg. Schnierling, 2006, S.13).

Die Menschen, die mit weniger als 60 % des durchschnittlichen Einkommens versuchen müssen ihren Lebensalltag zu bewältigen, werden laut Becker als von „(...) milder Armut betroffen“ bezeichnet (Becker 2000, in Schnierling, 2006, S.13).

Mittlerweile geht man davon aus, dass „(…) jedes fünfte Ehepaar mit Kindern unter 18 Jahren mit weniger als 60 % des durchschnittlichen Familieneinkommens auskommen muss“ (Autorengruppe Bildungsberichterstattung, 2008, S.27).

Problematisch hierbei ist, dass es auch viele Menschen gibt, die weniger als 50% des durchschnittlichen Einkommens verdienen und somit Sozialhilfeleistung in Anspruch nehmen könnten, dies aber aufgrund von beispielsweise Scham nicht tun.

Diese Sichtweise wird von Einigen, wie zum Beispiel von dem Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaft und Armutsforscher Amartyra K. Sen, kritisiert, da „hinsichtlich einer Beurteilung, ob Armut vorliegt, genaue Kenntnisse über die Lebensumstände jener Menschen notwendig sind, die im Vergleich zu anderen einen niedrigeren Lebensstandard aufweisen (Sen 1983 in Zimmerman, in Butterwegge (a) S.75).

Wichtig ist ihm vor allem, dass man die einzelnen Lebenslagen der Betroffenen vergleichen muss, und sich nicht nur auf das jeweilige Einkommen der Betroffenen konzentriert.

2.3 Lebenslage

Da das Einkommen nicht der einzige Grund für die Definition von Armut sein kann, gibt es den Begriff der Lebenslage der, im Gegensatz zu der relativen Einkommensarmut die sich nur auf die materielle Ebene beschränkt, eine mehrdimensionale Sichtweise zur Interpretation des Begriffes der Armut ermöglicht.

Laut Otto Neurath, Nationalökonom und Philosoph, bedeutet Lebenslage:

„( …) der Inbegriff aller Umstände, die verhältnismäßig unmittelbar die Verhaltensweise eines Menschen, seinen Schmerz und seine Freude bedingen. Wohnung, Nahrung, Kleidung, Gesundheitspflege, Bücher, Theater, freundliche menschliche Umgebung, all das gehört zur Lebenslage “ (AWO Sozialbericht, 2000, S.24).

Demzufolge bezeichnet Lebenslage folglich die Umstände unter denen einzelne Personen oder Gruppen leben und welche sozialen Positionen sie in der Gesellschaft einnehmen.

Wichtig ist die Tatsache, dass man sich eben nicht nur auf die materielle Ebene bezieht, sondern auch auf andere Einflussfaktoren, wie zum Beispiel: „(…) Bildung, Wohnsituation, Krankheit, Beschäftigung bzw. Arbeitslosigkeit, soziale Netzwerke etc. (Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik, 2006)

Also all jene Dinge, die die Lebenslage eines Menschen beeinflussen und die unter Umständen auch nicht mit mehr finanziellen Mitteln gelöst werden können (vgl. Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik, 2006).

Der Lebenslage liegt der Lebenslagensatz zugrunde, der davon ausgeht, dass es Spielräume gibt, die die Lebenslage bestimmen (vgl. AWO Sozialbericht, 2000, S.24).

Neben Einkommens- und Versorgungsspielraum gehören auch die Spielräume, die „dem Einzelnen im Bereich Interaktion/ Kooperation, Lernen/ Erfahrung, Partizipation/ Disposition sowie Muße/ Regeneration zur Verfügung stehen “ (AWO Sozialbericht, 2000, S.24).

Laut AWO stellt der Lebenslagensatz „kein fertiges Forschungsprojekt, sondern eher eine bestimmte Sichtweise “ dar (AWO Sozialbericht, 2000, S.24).

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Kinderarmut in Deutschland - Bildungsarmut
Untertitel
Warum sind Kinder arm und welche Auswirkungen hat Armut auf den schulischen Alltag von Kindern?
Note
1
Autor
Jahr
2009
Seiten
21
Katalognummer
V138024
ISBN (eBook)
9783640464951
ISBN (Buch)
9783640462100
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kinderarmut, Deutschland, Bildungsarmut, Warum, Kinder, Auswirkungen, Armut, Alltag, Kindern
Arbeit zitieren
Ramona Schwartz (Autor), 2009, Kinderarmut in Deutschland - Bildungsarmut, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138024

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Kinderarmut in Deutschland - Bildungsarmut


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden