In dieser Hausarbeit wird mit Zuhilfenahme der objektiven Hermeneutik ein Unterrichtstranskript analysiert. Bei diesem Unterrichtstranskript handelt es sich um die Dokumentation eines Unterrichtseinstieges im Fach Erdkunde/Physik zu dem Thema Wolkenbildung. Diese Hausarbeit soll darüber hinaus dabei helfen, die objektiv-hermeneutischen Forschungsansätze zu verdeutlichen. Dafür wird zuerst die objektive Hermeneutik charakterisiert und fokussierend auf die damit zusammenhängende Sequenzanalyse eingegangen. Nachfolgend werden 5 selbstgewählte Unterrichtseinstiege zu dem Thema Wolkenbildung vorgestellt, die anschließend als mögliche Lesearten für die Analyse des Unterrichtstranskriptes dienen. Den Hauptteil dieser Hausarbeit wird die objektiv-hermeneutische Sequenzanalyse eines im Anhang angehängtes Unterrichtstranskriptes einnehmen, wobei immer wieder auf die selbstgewählten Unterrichtseinstiege bzw. Lesearten Bezug genommen wird. In einem abschließenden Fazit werden die zuvor vermuteten Unterrichtseinstiege mit der Analyse des Unterrichtstranskriptes verglichen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Objektive Hermeneutik
Der Text als Regelerzeugtes Gebilde
Fall-Struktur-Rekonstruktion
Die Prinzipien der objektiv-hermeneutischen Textinterpretation
1. Kontextfreiheit
2. Wörtlichkeit
3. Extensivität
4. Sparsamkeit
Die Sequenzanalyse
Fünf selbst gewählte Unterrichtseinstiege
1. Wetterlage beurteilen
2. Brainstorming und Mindmap
3. Das Experiment
4. Textbearbeitung
5. Textbearbeitung Expertengruppe
Sequenzanalyse
Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Analyse eines Unterrichtstranskripts aus dem Fach Erdkunde/Physik zur Wolkenbildung mittels der Methode der objektiven Hermeneutik, um die Sinnstrukturen des Unterrichtshandelns aufzudecken und durch den Vergleich mit theoretischen Unterrichtseinstiegen besser zu durchdringen.
- Objektive Hermeneutik als Forschungsmethode
- Prinzipien der textorientierten Interpretation
- Prozess der Sequenzanalyse
- Vergleich von hypothetischen und realen Unterrichtseinstiegen
- Rekonstruktion von Lehr- und Schülerinteraktionen
Auszug aus dem Buch
Die Prinzipien der objektiv-hermeneutischen Textinterpretation
1. Kontextfreiheit
Kontextfreiheit als Prinzip der objektiven Hermeneutik bedeutet nicht, dass bei der Analyse eines Transkriptes oder Ähnlichem der Kontext außer Acht gelassen werden soll, sondern vielmehr, dass die Beachtung des Kontextes erst dann eminent wird, wenn dem voran eine kontextfreie Bedeutungsexplikation vorgenommen wurde. Es muss also zuerst eine kontextfreie Interpretation über die Bedeutungen der Aussagen von Subjekten stattfinden, bevor der Kontext eine Rolle spielt. Diese Interpretation erfolgt in der objektiven Hermeneutik durch gedankenexperimentelle Kontexte, die wir als interpretierendes Individuum den Aussagen beifügen, ohne aber zu wissen, ob diese erdachten Kontexte dem wahren Kontext einer jeweiligen Situation entsprechen (vgl. Wernet, 2009, S. 22)
2. Wörtlichkeit
Das Prinzip der Wörtlichkeit bei objektiv-hermeneutischen Interpretationen fußt auf der Annahme, dass wir als interpretierendes Subjekt den Text so lesen und analysieren sollen, wie wir ihn vorfinden. Auch und gerade dann, wenn „innertextliche Wiedersprüche auftreten“ (Wernet, 2009, S.23). Daraus resultiert, dass der Text, so wie er vorgefunden wird, interpretiert werden muss und selbst wenn offensichtliche Versprecher als diese identifiziert werden, so ist es doch unumgänglich diese kleinlich „auf die Goldwaage zu legen“ (Wernet, 2009, S. 24). Dies begründet sich dadurch, dass man Texte nicht mehr als wissenschaftliche Datenbasis anerkennen kann, wenn die Wörtlichkeit eines Textes ignoriert wird (vgl. Wernet, 2009, S. 23f.)
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit führt in die Zielsetzung ein, ein Unterrichtstranskript zum Thema Wolkenbildung mittels der objektiven Hermeneutik zu analysieren und forschungsmethodische Ansätze zu verdeutlichen.
Objektive Hermeneutik: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen der objektiven Hermeneutik, das Konzept der sozialen Wirklichkeit als textförmiges Protokoll und die Annahme der Regelgeleitetheit sozialen Handelns erläutert.
Fünf selbst gewählte Unterrichtseinstiege: Es werden verschiedene methodische Szenarien für den Einstieg in das Thema Wolkenbildung vorgestellt, die im weiteren Verlauf als Vergleichsfolien (Lesearten) für die Analyse dienen.
Sequenzanalyse: Dieses Kernkapitel führt die praktische Analyse des Transkripts durch, wobei Satz für Satz die Sinnstruktur und die wechselseitigen Bezüge zwischen Lehrkraft und Schülern untersucht werden.
Fazit: Die Ergebnisse der Analyse werden zusammengefasst und die Zuordnung des beobachteten Verhaltens des Lehrers zur Leseart 3 (Experiment) bestätigt.
Schlüsselwörter
Objektive Hermeneutik, Sequenzanalyse, qualitative Forschung, Fall-Struktur-Rekonstruktion, Unterrichtseinstieg, Wolkenbildung, Lehrer-Schüler-Interaktion, Transkriptanalyse, Regelgeleitetheit, Kontextfreiheit, Wörtlichkeit, Extensivität, Sparsamkeit, soziale Wirklichkeit, Unterrichtssituation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Analyse eines Unterrichtstranskripts aus den Naturwissenschaften, wobei die Methode der objektiven Hermeneutik angewendet wird, um die Interaktionen zwischen Lehrkraft und Schülern zu entschlüsseln.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die theoretischen Prinzipien der objektiven Hermeneutik, der Vergleich von methodischen Unterrichtseinstiegen sowie die sequenzanalytische Untersuchung konkreter verbaler Interaktionen im Klassenzimmer.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch die Analyse der Sinnstruktur des Unterrichtstranskripts die verborgenen Beweggründe und Intentionen des Lehrers sowie die Reaktionen der Schüler aufzudecken und zu verstehen, wie Unterrichtsprozesse regelgeleitet funktionieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird die Methode der objektiven Hermeneutik nach Oevermann genutzt, insbesondere unter Anwendung der Sequenzanalyse, die den Text Schritt für Schritt interpretiert.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil widmet sich der praktischen Anwendung der Sequenzanalyse sowie der theoretischen Gegenüberstellung von fünf verschiedenen Unterrichtseinstiegen als mögliche Interpretationsfolien für den konkreten Fall.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt am besten beschreiben?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Objektive Hermeneutik, Sequenzanalyse, Unterrichtseinstieg, Fall-Struktur-Rekonstruktion und soziale Wirklichkeit.
Wie geht der Autor mit der "Künstlichkeit" im Unterricht um?
Der Autor reflektiert, dass Unterricht per se eine künstliche Situation darstellt, und nutzt diese Einsicht, um die methodische Auswahl der Lehrperson kritisch zu hinterfragen.
Warum wird der Lehrer in der Analyse als männlich identifiziert?
Die Identifikation erfolgt durch die im Transkript explizite Beschreibung des Versuchsaufbaus, in der der Begriff "Lehrer" verwendet wird, was im weiteren Verlauf der Sequenzanalyse als Grundlage zur Rollenfestlegung dient.
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- Anonym (Author), 2019, Analyse eines Unterrichtstranskriptes mit Hilfe der objektiven Hermeneutik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1381884