Folgende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Beziehung Vogel-Mensch und wie mit dieser in der ausgewählten Literatur umgegangen wird, welche Bedeutung der Vogel für den jeweiligen Autor aufweist und wie sich die Vita der Autoren Marcel Beyer und Norbert Hummelt gestaltete.
Die Vögel faszinieren den Menschen schon seit längerem und spielen in den Gedankenwelten sowie im Leben jener längst eine sehr wesentliche Rolle. Hinzu komme, dass nur „[w]enige Tiere […] die Menschen so sehr wie Vögel [beeindrucken], bestimmt weil sie fliegen können, aber auch weil sie Persönlichkeit haben. […]“ (Gasser 2020). Daneben stellt Tanja van Hoorn die Frage, was denn nun die Kunst der Vögel ausmache und worin die Faszination der Vögel für die Künstler bestehe.
Demnach erfolgt in der hier vorliegenden Arbeit ein kleiner geschichtlicher Abriss der Vögel und der Beziehung zum Menschen, ein aktueller Einblick in die Literatur und den Umgang mit den Vögeln in ihr, anhand ausgewählter Beispiele, wie dem Roman "Kaltenburg", dem Gedicht "mauersegler" sowie der sapphischen Ode an die "Mauersegler" und ein abschließendes Fazit zum Vergleich der beiden Autoren Marcel Beyer und Norbert Hummelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Schriftsteller Beyer und Hummelt
2.1. Marcel Beyer
2.2. Norbert Hummelt
3. Vögel in der Literatur
4. Vorstellung der Werke Beyer und Hummelt
4.1. Beyer – Kaltenburg
4.2. Hummelt – Gedicht ‚mauersegler‘
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Vögeln im literarischen Schaffen von Marcel Beyer und Norbert Hummelt. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die Autoren Vögel als literarisches Motiv und als Spiegel menschlicher Erlebnisse sowie historischer Zusammenhänge einsetzen.
- Historische und kulturelle Bedeutung des Vogels als literarisches Motiv.
- Biografische Hintergründe und das literarische Wirken von Marcel Beyer und Norbert Hummelt.
- Analyse der Darstellung von Vögeln im Roman "Kaltenburg" von Marcel Beyer.
- Untersuchung der poetologischen Umsetzung von Mauerseglern in Norbert Hummelts Werk.
- Vergleichende Betrachtung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden in der literarischen Tierdarstellung.
Auszug aus dem Buch
Beyer – Kaltenburg
Im Roman Kaltenburg handelt es sich um eine von Beyer frei erfundene Romanfigur, namens Kaltenburg (vgl. Schmitz-Emans 2021: 38). Die Lebensgeschichte des Ornithologen und Verhaltensforschers Kaltenburg wird von dem Ich-Erzähler Hermann Funk 2005, während eines Interviews, welches er mit einer jungen Übersetzerin und Journalistin der Wissenschaft führte (vgl. Assmann, 2018: 159f.), wiedergegeben (vgl. Schmitz-Emans 2021: 38). Jedoch ähnelt die Figur Kaltenburg, welche sich mit den Dohlen auseinandersetzte, sehr dem Verhaltensforscher Konrad Lorenz, welcher sich ebenfalls der Beobachtung der Vögel verschrieb und desgleichen den Dohlen Beschreibungen und Untersuchungen widmete (vgl. ebd.).
Der Erzähler Funk (71 Jahre alt), verbrachte sein Leben in drei unterschiedlichen Systemen, davon in zwei deutschen Diktaturen (vgl. Assmann 2018: 160). Gegenwärtig arbeitet er als Vogelpräparator (vgl. Schmitz-Emans 2021: 42). Während des Interviews berichtete er von dem sehr einschneidenden und wegweisenden Erlebnis, in seiner Kindheit, mit einem Mauersegler, welcher ins Elternhaus geflogen und nicht mehr herausgekommen sei. Eben dieses Erlebnis habe ihn auf traumatischer Weise beeinflusst. Nach Jahren könne er nun, aufgrund seiner ornithologischen Berufserfahrungen, ausschließen, dass es sich um einen Mauersegler gehandelt haben müsse („[…] auch wenn der Ornithologe in mir sagt, ein Mauersegler wird niemals durch eine offene Tür ins Haus fliegen […]“ (Beyer 2008: 40)) (vgl. Wunderlich 2008). Anschließend erfährt der/die Leser*In von der ersten Begegnung des jugendlichen Funks mit Kaltenburg in Posen, im späten Herbst 1942. Nachdem Funk 1945 seine Eltern, während der Bombennacht von Dresden, in welcher Hermann Funk als Kind miterlebte, wie verbrannte Vögel vom Himmel fielen und es in jeder Ecke der Stadt nach verbranntem Fleisch roch (vgl. Wunderlich 2008), verlor, wuchs er als Waisenkind auf (vgl. Walcher, o.D.). Als Student trifft Funk Kaltenburg, in dessen Institut, wieder. Kaltenburg wird Funks Mentor und weckt in Funk Erinnerungen zu seinen Eltern sowie an den Tag, an welchem der Name Kaltenburgs zu einem Tabu im Elternhause wurde (vgl. Walcher, o.D.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die menschliche Faszination für Vögel ein und erläutert den geschichtlichen sowie literarischen Kontext der Arbeit.
2. Schriftsteller Beyer und Hummelt: Dieses Kapitel gibt einen Abriss der Vita der beiden Autoren und beleuchtet ihre jahrelange Zusammenarbeit und ihre individuellen künstlerischen Schwerpunkte.
3. Vögel in der Literatur: Hier wird die semiotische und diegetische Darstellung von Tieren in der Literatur sowie die aktuelle Entwicklung der Vogelthematik in der Gegenwartsliteratur beleuchtet.
4. Vorstellung der Werke Beyer und Hummelt: Dieses Hauptkapitel analysiert detailliert den Roman "Kaltenburg" von Marcel Beyer und das Gedicht "mauersegler" von Norbert Hummelt sowie dessen "sapphische Ode".
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Beyer und Hummelt Vögel als Ausgangspunkt für literarische Reflexionen über eigene Erfahrungen und historische Ereignisse nutzen.
Schlüsselwörter
Vögel, Literatur, Marcel Beyer, Norbert Hummelt, Kaltenburg, Mauersegler, Ornithologie, Poetik, Tierdarstellung, Vogelgesang, Naturgeräusche, Gedichtanalyse, Roman, Moderne, Naturerfahrung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Vögeln als literarisches Motiv bei den zeitgenössischen deutschen Autoren Marcel Beyer und Norbert Hummelt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die wissenschaftliche und ästhetische Betrachtung von Vögeln, die Verknüpfung von Tierbeobachtung mit persönlichen Erfahrungen der Autoren sowie die historische Einbettung dieser Motive.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie Beyer und Hummelt die Faszination für Vögel in ihren Texten verarbeiten und welche literarischen Mittel sie dabei verwenden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse, die sowohl den Roman "Kaltenburg" als auch lyrische Texte von Norbert Hummelt unter Einbeziehung relevanter Fachliteratur aus der Ornithologie und den Animal Studies betrachtet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Beyers Roman "Kaltenburg" sowie die Untersuchung von Hummelts Gedichten, wobei insbesondere die Flugmanöver und der Gesang der Vögel thematisiert werden.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie ornithologische Poetik, literarische Tierdarstellung und menschliche Wahrnehmung charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die Darstellung bei Beyer von der bei Hummelt?
Während Beyer eine fiktive Romanfigur (Kaltenburg) nutzt, um wissenschaftlich geprägte Erinnerungen zu verarbeiten, berichtet Hummelt in seinen Gedichten stärker von persönlichen Erlebnissen und wahren Begebenheiten.
Warum spielt der Mauersegler in beiden Werken eine so bedeutende Rolle?
Der Mauersegler dient beiden Autoren als Symbol für ein Leben in der Luft, das sich der menschlichen Kontrolle entzieht, und wird zum Projektionsfeld für Erinnerungen und Reflexionen über das eigene Leben.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2021, Vögel in der Literatur. Ein Vergleich von Marcel Beyer und Norbert Hummelt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1383819