Lernbeeinträchtigung bei den Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund


Hausarbeit, 2008

24 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einführung in die Thematik

2. Terminologischer Aspekt des Begriffs „Lernbeeinträchtigung“

3.Lernbeeinträchtigungen bei Kindern und Jugendlichen aus Migrantenfamilien.

4. Ursachen der Lernbeeinträchtigung bei den Migrantenkindern.
4.1. Ökonomische und soziale Lage von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Deutschland..
4.2. Psychische Belastungen und psychischer Gesundheitszustand bei den Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund
4.3. Suche nach Identität und ihre Auswirkung auf die Entwicklung der Lernfähigkeiten bei den Migrantenkindern

5. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einführung in die Thematik

Ein Leben ohne Träume ist wie ein trockener Brunnen ohne Wasser

Ein Land ohne Fremde ist wie ein Baum ohne Früchte

Lass dein Leben mit Farben bereichern

Denn die Menschen sind prachtvolle Farben unserer Erde“

(Dr. Hidir E. Çelik, 2006, URL: www.bimev.de).

Migration ist Einwanderung in ein fremdes, unbekanntes Land, die verschiedene Erfahrungen, Schicksale und psychische Herausforderungen mit sich bringt (Frindte 2001). Viele Menschen, die ihre Heimat mit ihren Kindern verlassen, die sich aus ihrer politischen, sozialen und ökonomischen Not befreien wollen und nicht nur für sich, sondern für ihre Kinder bessere Chancen und sichere Lebensbedingungen schaffen wollen, suchen ihre Zukunft in der Bundesrepublik Deutschland als eines der reichsten Länder der westlichen Welt (Müller 2004).

Für einige Kinder, die das Nest der Kindheit verlassen und den elterlichen Wunsch erfüllen sollen, kommt die Entscheidung ihrer Eltern völlig überraschend. Viele Kinder sind von dem Entschluss ihrer Eltern überrollt worden und haben entsprechende Gefühle der Trauer, der Ohnmacht und vielleicht des Zorns erlebt. Der Ausreiseprozess wird vom Kind zum Kind unterschiedlich wahrgenommen (Hurrelmann & Bründel 1996).

Obwohl die Entscheidung zur Auswanderung gut geplant ist und die Aufnahmebedingungen im Aufnahmeland optimal sind, wird die Integration der Jugendlichen von unterschiedlichen Risiken begleitet, so dass es negativ auf die Entwicklung im Lernprozess bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund auswirkt (Weiss 2003).

In diesem Zusammenhang steht im Mittelpunkt der Hausarbeit die Darstellung der Lernbeeinträchtigungen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Diese Hausarbeit ist auf vier verschiedene Kapitel aufgeteilt, sodass der Leser nach der Einführung in die Thematik im zweiten Kapitel einen Überblick über grundsätzliche Nuancen zur Begrifflichkeit der Lernbeeinträchtigung bekommt. Im dritten Kapitel der vorliegenden Arbeit wird auf die Lernschwierigkeiten von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund eingegangen. Der Leser bekommt eine Vorstellung, wie die Suche nach Identität, psychische Belastungen und soziale Lage von Migrantenkindern auf Lernprozesse auswirken und welche Folgen zu erkennen sind. Die Hausarbeit wird mit einer Zusammenfassung zu diesem Thema abgeschlossen.

2. Terminologischer Aspekt des Begriffs „Lernbeeinträchtigung“

Im Verlauf der Geschichte im Bereich der Behindertenpädagogik gab es für keine Personengruppe so unterschiedliche Bezeichnungen wie für die Gruppe mit dem Förderschwerpunkt Lernen: Hilfsschüler, schulbildungsfähige intellektuell Geschädigte, Lernbehinderte, Lernbeeinträchtigte, Debile und Schwachsinnige. Die Vielfältigkeit der Bezeichnungen weist darauf hin, dass die Hilfsschüler von damals und die Schülerinnen und Schüler mit Lernbeeinträchtigungen von heute eine Teilgruppe der Behinderten waren und sind, die stets mit einem gesellschaftlichen Makel verbunden wurde (Siepmann 2008).

Aufgrund dessen, das die deutliche Überpräsentation der Gruppe von Schülerinnen und Schülern mit Lernbeeinträchtigung in der Gesamtheit aller Behinderten vorhanden ist, steht eine nicht zu übersehende Ungenauigkeit und Unschärfe zur Terminologie in der wissenschaftlichen Diskussion des Fachgebietes gegenüber (Siepmann 2008).

Um den terminologischen Aspekt inhaltlich zu kennzeichnen, ist es dabei sehr wichtig, die Empfehlungen der Kultusministerkonferenzen im letzten Jahrzehnt zu erwähnen, die die inhaltlich-begrifflichen Orientierungen beeinflussen. Wenn man diesen Begriff auf die Population der Lernbehinderten bezieht, bedeutet es: „Es sind Schülerinnen und Schüler mit Beeinträchtigungen im schulischen Lernen, in der Leistung sowie im Lernverhalten „ (Siepmann zitiert nach KMK (1994), 2008). Im Jahr 1999 erschienen ganz spezielle in der Ergänzung zu diesen Orientierungen „Empfehlungen zum Förderschwerpunkt Lernen“. Es gibt zur Personengruppe der Lernbehinderten folgende Beschreibung: „Bei Schülerinnen und Schülern mit Beeinträchtigungen des Lernens ist die Beziehung zwischen Individuum und Umwelt dauerhaft bzw. zeitweilig so erschwert, dass sie die Ziele und Inhalte der Lehrpläne der allgemeinen Schule nicht oder nur ansatzweise erreichen können. Diesen Kindern und Jugendlichen und ihren Eltern muss Hilfe durch Angebote im Förderschwerpunkt Lernen zuteil werden“ (KMK 1999).

Aus den unterschiedlichen Literaturquellen kann man feststellen, dass im letzten Jahrzehnt Begrifflichkeiten und Bezeichnungen zur Gruppe der Lernbehinderten unter bildungspolitischem Aspekt eindeutig auf Beeinträchtigungen im Lernen und Leisten bzw. auf Lernbeeinträchtigung fokussiert werden (Siepmann 2008).

Die menschliche Entwicklung ist ein komplexer Vorgang, der aus dem Zusammenhang zwischen neurophysiologischen, biochemischen, emotionalen, kognitiven und sozialen Prozessen besteht und zur Verhaltensänderung führen könnte. Die Bedeutung vom Lernen ist eine der grundlegenden Einsichten der pädagogischen Anthropologie. Wenn es um eine Beeinträchtigung im Lernen geht, dann sind diese Einsichten genauso komplex und mehrdimensional wie der Lernprozess uns das Lernen selbst. Aus diesem Grund ist es außerordentlich schwierig, die mehrdimensionale Darstellung einer Lernbeeinträchtigung in eine strukturierte Ordnung zu bringen, die für pädagogisches Handeln gut interpretierbar ist (Siepmann 2008). Die Beeinträchtigung des Lernens ist ein Phänomen, das jeder bis zu einem gewissen Grade kennt (Werning & Lütje-Klose 2003). Bach (1999) hat mit zunehmender Akzeptanz vorgeschlagen, unter dem Oberbegriff „Beeinträchtigung“ zwischen folgenden Graden zu unterscheiden: Behinderungen, Störungen, Gefährdungen (Siehe Abb.1):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2. Arten zu Lernstörungen (Siepmann, 2008 URL: http://www.uni-potsdam.de).

Aus den Klassifikationsangeboten kann man feststellen, dass eine Lernbehinderung vorliegt, wenn es sich um eine intensiv ausgeprägte Lernbeeinträchtigung oder Lernstörung handelt. Der Ausprägungsgrad ist dabei entscheidend, der nach den Dimensionen Schwere, Dauer und Umfang zu fixieren und zu unterscheiden ist. Die entwickelten Begriffssysteme sind für das pädagogische Handeln erst dann nützlich, wenn man leichte, mittelschwere und hochgradige Beeinträchtigungen oder Störungen definieren könnte. Die Klassifikationsmodelle stützen sich auf unterschiedliche Basisbegriffe (Lernbeeinträchtigung – Lernstörung), dass es im pädagogischen Handeln recht ungünstig ist. Festzustellen ist, dass es in der deutschen Sprache keine klare deutliche Abgrenzung zwischen den Begriffen Beeinträchtigung, Behinderung und Störung gibt, und zu Verunsicherungen und Missverständnissen in wissenschaftstheoretischen und bildungspolitischen Diskussionen ebenso wie in der pädagogischen und sonderpädagogischen Praxis führt. Während der Begriff der Beeinträchtigung im Bereich der Bildungs-, Schul- und Sozialpolitik relevant ist, wird im Bereich der Medizin und Psychologie der Begriff Störung verwendet (Siepmann 2008).

Für eine präzise Definition ist es sinnvoll, dass der Zusammenhang zwischen der Lernbeeinträchtigung und Lernstörung zum Ausdruck gebracht wird. Unter dem Begriff Lernbeeinträchtigung werden verschiedenartige Lernstörungen zusammengefasst, die sich im Ausprägungsgrad nach Schwere, Dauer und Umfang unterscheiden lassen. Der Begriff „Lernbehinderung“ und der Begriff „Lernbeeinträchtigung“ sind nicht wissenschaftliche, sondern eher pragmatisch geprägte Begriffe, die dazu entwickelt wurden, um für Schülerinnen und Schüler Bildungsalternativen anzubieten, die im Lern- und Leistungsverhalten in der allgemeinen Schule versagten (Siepmann 2008). Werning und Lütje-Klose (2003) sind der Meinung, dass Schülerinnen und Schüler, die in der Schule versagen, nicht grundsätzlich oder generell in ihrem Lernen behindert sind. Bei aller Unterschiedlichkeit und Unstimmigkeit in der Fachwissenschaft, Bildungs- und Schulpolitik ist eines klar, dass diese Schülergruppe mit dem Förderschwerpunkt Lernen das Recht auf Bildung und Erziehung in Lernprozessen in der Schule und im Unterricht einfordert. (Siepmann 2008).

Zusammenfassend ist es deutlicher geworden, dass die Veränderung der Terminologie von der Lernbehinderung zur Lernbeeinträchtigung durch die Empfehlung der Kultusministerkonferenzen von 1994 und 1999 festgeschrieben wurde. Dabei wird der größere Wert nicht auf die Begrifflichkeit und Definition gelegt, sondern auf diese Schülergruppe mit ihren spezifischen Lern- und Leistungsschwierigkeiten, die durch die wirksame Förderung von kompetenten Pädagogen unterstützt wird (Siepmann 2008).

Aus dieser Sicht muss man immer berücksichtigen, dass sich hinter dem Begriff „Lernbeeinträchtigung“ ein schweres Schicksal eines Kindes versteckt. Es ist eine Benachteiligung, die die Betroffenen und die Familienmitglieder vor eine völlig neue Situation stellt. In vielen Fällen bedeutet die Lernbeeinträchtigung ein schweres Leid, das die Lebensqualität der Betroffenen deutlich verändert.

3. Lernbeeinträchtigungen bei Kindern und Jugendlichen aus den Migrantenfamilien

Lernbeeinträchtigungen bei den Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist ein aktuelles Thema, das in der letzten Zeit mehr an Bedeutung gewinnt. Der Themenkomplex der Lernbeeinträchtigung bei den Migrantenkinder ist eine Verbindung von unterschiedlichen Systemen, die im Grenzbereich von Medizin, Psychologie, Pädagogik, Migration und Soziologie angesiedelt sind.

Weit über 500.000 Menschen in Deutschland leben mit einer Lernbehinderung bzw. Lernbeeinträchtigung, die unterschiedlichen Ursachen wie z.B. genetische Bedingungen, hirnorganische Schädigungen oder ungünstige soziale Bedingungen haben könnte (Schmalstieg 2003).

Die Schulsituation behinderter Kinder aus Migrantenfamilien im Sonderschulbereich zeigt, dass im Jahr 2000 62.751 ausländische Kinder Sonderschulen in Deutschland (deutsche Kinder: 356.993), darunter 41.792 ausländische Kinder die Sonderschulen für Lernbehinderte (deutsche Kinder: 189.128) besuchten (Siehe Tabelle 3). Lernbehinderte Menschen mit Migrationshintergrund haben in der Gesellschaft mehr Schwierigkeiten als Einheimische, weil sie als Ausländer, als Behinderte, als Kind oder als Frau in mehrfacher Hinsicht der Diskriminierung ausgesetzt sind (Ucar 2003).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3. Verteilung der deutschen und ausländischen Schüler auf die Sonderschulen in Deutschland im Jahr 2000 (Ucar modifiziert nach KMK-Statistik 2002).

Die Aufteilung von den ausländischen Schülern in Schulen für Lernbehinderte in allen Bundesländern überproportional dargestellt ist (Siehe Abb. 2) (Ucar 2003).

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Lernbeeinträchtigung bei den Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
24
Katalognummer
V138512
ISBN (eBook)
9783640469208
ISBN (Buch)
9783640469383
Dateigröße
585 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lernbeeinträchtigung bei Kindern, Migration, Gesundheit, Kinder und Migration
Arbeit zitieren
Master of Education, Bachelor of Science (BSc), Dipl.Ing. Margarita Esterleyn (Autor), 2008, Lernbeeinträchtigung bei den Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138512

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