Um die Semantik von Fragesätzen zu verstehen und vor allem beschreiben zu können, ist es notwendig, sich zunächst mit der Semantik von Aussagesätzen auseinander zusetzen.
Die Bedeutung, also die Semantik, von Aussagesätzen, wird auf den Begriff der Wahrheit zurückgeführt, wodurch jeder Satz unter Berücksichtigung der Umstände (mögliche Welten) als
wahr oder falsch deklariert werden kann. Das heißt, wir können jedem Satz einen Wahrheitswert zuordnen. Ein Satz kann folglich mit der Menge dieser Umstände identifiziert werden, in denen er
wahr ist. Diese Mengen werden Propositionen genannt.
Doch welche Bedeutungen haben die Wörter und vor allem Konstituenten innerhalb des Satzes?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Rahmen
2.1 Semantik von Aussagesätzen
2.2 Funktionen und Lambda-Terme
2.3 Kompositionalitätsprinzip
3. Fragetheorien
3.1 Higginbothams Ansatz
3.2 Hamblins propositionale Theorie
3.3 Karttunens Erweiterung und Kritik
4. Formale Analyse von Entscheidungsfragen
4.1 Syntax und Semantik der Einbettung
4.2 Multiple wh-Fragen
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die semantische Struktur indirekter Entscheidungsfragen und vergleicht dazu die theoretischen Ansätze von Higginbotham, Hamblin und Karttunen, um die formale Repräsentation von Fragewörtern und ihre Einbettung in natürliche Sprache zu klären.
- Semantische Grundlagen von Aussagesätzen und Funktionen
- Die propositionale Theorie der Fragewörter nach Hamblin
- Karttunens Unterscheidung zwischen direkten und indirekten Fragen
- Formale Methoden der Kompositionalität und Lambda-Kalküle
- Analyse von Einbettungsverben und Indikativsätzen
Auszug aus dem Buch
Karttunens Theorie der indirekten Fragen
Karttunen (1977) unterscheidet zunächst zwei Arten von Fragesätzen: direkte Fragen (Regnet es?) und indirekte Fragen (..., ob es regnet.). Karttunen geht dabei von der Annahme aus, dass direkte Fragen semantisch äquivalent zu Aussagesätzen sind, wobei indirekte Fragen durch ein einbettendes Verb gekennzeichnet sind. Beide drücken jedoch dieselbe Proposition aus. In seiner Theorie der indirekten Fragen unterscheidet er daher zunächst eine Reihe von frageeinbettenden Verben: Verben der Erkenntnis (wissen, erinnern, vergessen), Verben zur Wissensaufnahme (lernen, herausfinden, erforschen), Verben der Kommunikation (erzählen, aufzeigen, informieren), Entscheidungsverben (entscheiden, kontrollieren, spezifizieren), Verben der Vermutung (glauben, vorhersagen, erwarten), Meinungsverben (überzeugen, ahnen, eine Vorstellung haben), Verben der Neugierde (fragen, wundern, untersuchen), Bedeutungsverben (beachten, kümmern, sorgen und) sowie Abhängigkeitsverben (beeinflussen, differenzieren, abhängig von).
Karttunen folgt dann einer Beobachtung Hintikkas, nämlich der, dass die Frage, in vielen Fällen von Frageeinbettungen, durch einen Indikativsatz paraphrasiert werden kann: z.B. John erinnert sich, ob es regnete. → Wenn es regnete, dann erinnert sich John, dass es regnete, und regnete es nicht, dann erinnert sich John, dass es nicht regnete. Da aber nicht alle Verben die Einbettung von Indikativsätzen erlauben (v.a. Abhängigkeitsverben, Verben der Neugierde), ist das paraphrasieren nicht immer möglich. z.B. John wundert sich, dass es regnete.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Interrogativsemantik und der Relevanz indirekter Fragen.
2. Theoretischer Rahmen: Erläuterung der formalen Grundlagen, insbesondere der Aussagesatzsemantik, der Lambda-Kalküle und des Kompositionalitätsprinzips.
3. Fragetheorien: Detaillierte Betrachtung der Ansätze von Higginbotham und Hamblin zur Definition von Fragen als Mengen von Propositionen.
4. Formale Analyse von Entscheidungsfragen: Anwendung der Karttunenschen Theorie auf konkrete Beispiele und Analyse der syntaktischen sowie semantischen Einbettungsprozesse.
Schlüsselwörter
Interrogativsemantik, Indirekte Entscheidungsfragen, Kompositionalitätsprinzip, Lambda-Kalkül, Propositionale Theorie, Syntax, Semantik, Fragesätze, Einbettung, Karttunen, Hamblin, Higginbotham, Wahrheitswert, Indikativsatz, Semantische Regeln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der formalen semantischen Analyse von indirekten Entscheidungsfragen in der natürlichen Sprache unter Berücksichtigung verschiedener linguistischer Theorien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Semantik von Fragesätzen, der formalen Repräsentation durch Lambda-Terme und der Frage, wie eingebettete Sätze semantisch interpretiert werden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Ansätzen von Higginbotham, Hamblin und Karttunen aufzuzeigen und zu prüfen, wie indirekte Fragen formal abgeleitet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die Methode der formalen Semantik angewendet, insbesondere unter Rückgriff auf die Montague-Grammatik und das Kompositionalitätsprinzip.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definition von Fragen als Mengen von Propositionen und die spezifische Klassifikation von frageeinbettenden Verben nach Karttunen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Interrogativsemantik, Kompositionalität, Propositionen, Karttunen und Entscheidungsfragen sind die zentralen Begriffe.
Warum unterscheidet Karttunen verschiedene Arten von Verben?
Die Unterscheidung ist notwendig, um zu erklären, warum manche Verben Indikativsätze einbetten können, während dies bei anderen (wie Verben der Neugierde) grammatisch oder semantisch eingeschränkt ist.
Inwiefern verbessert Karttunen Hamblins Ansatz?
Karttunen verbessert Hamblin, indem er die Ableitung komplexer Fragen präzisiert und sicherstellt, dass nur wahrheitsgemäße Antworten in der Objektposition der Analyse stehen.
- Arbeit zitieren
- Nadja Kloß (Autor:in), 2009, Indirekte Entscheidungsfragen bei Higginbotham, Hamblin und Karttunen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138554