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Die Herausforderung des Werkbegriffs bei John Cage

Titel: Die Herausforderung des Werkbegriffs bei John Cage

Seminararbeit , 2008 , 23 Seiten , Note: 1

Autor:in: Steffen Rother (Autor:in)

Musik - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

John Cage war richtungsweisend für die Verortung einer musikalischen Ästhetik im 20. Jahrhundert. Mit seinem Konzept der Indeterminacy forderte er nicht nur den Interpreten heraus, der sich in einer gänzlich neuen Position wiederfindet, sondern stellt auch das Publikum vor die Herausforderung, sich mit einer so radikal anderen Musik auseinanderzusetzen, wie es kaum ein anderer Komponist in der Musikgeschichte gewagt hat. Damit einher geht auch eine radikale Infragestellung des traditionellen Werkbegriffs. Dieser lässt sich nicht mehr ohne Weiteres auf die Musik von John Cage anwenden.
Zunächst wird in dieser Arbeit der musikalische und intellektuelle Werdegang von Cage beleuchtet, und der Einfluss wichtiger Weggefährten dargestellt. Daran schließt sich eine genauere Betrachtung dreier ausgewählter musiktheoretischer Schriften Cages an. Dann werden zwei seiner Werke genauer betrachtet; in 4'33'' und dem Zyklus Variations zeigt sich die Abkehr vom traditionellen Werkverständnis besonders deutlich.
Insbesondere hat dieser Bruch auch ganz praktische Auswirkungen. Daher wurde ein Exkurs den Problemstellungen des Urhebergesetzes im Umgang mit Avantgardekunst gewidmet.
Wie vor dem Hintergrund einer künstlerischen Wertschätzung der Musik von John Cage nun mit dem Werkbegriff zu verfahren ist, und welche Probleme dieser in sich birgt, wird in einigen abschließenden Gedanken diskutiert, die ein Lösungsvorschlag zu einem erweiterten Umgang mit Werkhaftigkeit und Musikalität abrundet.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Ausbildung und Einflüsse

3. Theoretische Schriften

4. Beispiele aus Cages Schaffen

5. Konsequenzen aus der Herausbildung seiner musikalischen Extreme

5.1. Cage und das Urheberrecht

5.2. Cage und die Musik

6. Forderungen an die Werkästhetik

7. Zusammenfassung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Herausforderung des traditionellen Werkbegriffs durch das Schaffen von John Cage. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Cages radikale Abkehr von intentionalen, geschlossenen Musikwerken und seine Hinwendung zu prozesshaften, unbestimmten Klangereignissen die bisherigen musikästhetischen und rechtlichen Kategorien in Frage stellt.

  • Analyse des musikalischen Werdegangs und der maßgeblichen Einflüsse auf John Cage.
  • Untersuchung theoretischer Schriften zur Definition von Stille, Zufall und Nicht-Intentionalität.
  • Betrachtung exemplarischer Werke wie "4'33''" und "Variations" hinsichtlich ihrer Struktur.
  • Diskussion der urheberrechtlichen Problematik im Umgang mit avantgardistischer Kunst.
  • Reflexion über die Notwendigkeit einer neuen werkästhetischen Terminologie.

Auszug aus dem Buch

4. Beispiele aus Cages Schaffen

„There's no such thing as silence. What they thought was silence was full of accidental sounds. You could hear the wind stirring outside during the first movement. During the second, raindrops began pattering on the roof, and during the third the people themselves made all kinds of interesting sounds as they talked or walked out.“

In diesem Zitat von John Cage über die Reaktion des Publikums während der Uraufführung von 4'33'' wird deutlich, welch radikalen Umsturz Cage hier vollzog. Das Publikum schien überfordert mit dieser Konfrontation und zeigte sein Unverständnis durch Ablehnung. Das Werk mit der Besetzungsempfehlung „for any instrument or combination of instruments“ ist formal in drei Sätze gegliedert, welche in der einseitigen Partitur durch römische Ziffern angezeigt sind, und alleinig aus der Spielanweisung „Tacet“ bestehen. Auf der Seite daneben schrieb Cage über einer Widmung an den Freund und Psychologen Irwin Kremen, dass der Titel des Stückes die totale Spieldauer anzeige, und wie der Pianist David Tudor in der Uraufführung diese Zeitspanne auf die drei Sätze aufgeteilt habe, deren Beginn und Ende er durch Zuklappen des Klavierdeckels angezeigt habe.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort: Einleitung in die Thematik der Werkhaftigkeit in der Moderne und Ankündigung der methodischen Untersuchung von Cages Schaffen.

2. Ausbildung und Einflüsse: Darstellung der prägenden Begegnungen mit Komponisten wie Satie, Cowell, Varèse und Schönberg sowie dem Zen-Buddhismus.

3. Theoretische Schriften: Untersuchung von Cages Vorlesungen, insbesondere der „Lecture On Nothing“, als performative Texte zur Ästhetik des Nichts.

4. Beispiele aus Cages Schaffen: Analyse der radikalen Abkehr vom traditionellen Werkbegriff anhand der Werke „4'33''“ und „Variations“.

5. Konsequenzen aus der Herausbildung seiner musikalischen Extreme: Erörterung der urheberrechtlichen Schutzfähigkeit von Zufallswerken und der Herausforderung an die Aufführungspraxis.

6. Forderungen an die Werkästhetik: Kritische Reflexion über die normativen Definitionskriterien des Werkbegriffs und die Notwendigkeit einer Relativierung.

7. Zusammenfassung: Resümee über die Tragfähigkeit des Musikbegriffs und Plädoyer für einen erweiterten Umgang mit dem Begriff des „Stücks“.

Schlüsselwörter

John Cage, Werkbegriff, Musikästhetik, Indeterminacy, Zufall, 4'33'', Variations, Urheberrecht, Avantgarde, Aleatorik, Werkhaftigkeit, Stille, Prozesshaftigkeit, Interpret, Aufführungspraxis.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Infragestellung des traditionellen, abendländischen Werkbegriffs durch die Kompositionen und ästhetischen Ansätze von John Cage.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Mittelpunkt stehen die Begriffe der Unbestimmtheit (Indeterminacy), die Rolle des Zufalls, die Abkehr von Intentionalität und die Auswirkungen dieser künstlerischen Haltung auf das Musikverständnis und das Urheberrecht.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, zu zeigen, dass Cages Musik mit herkömmlichen Werk-Kategorien nicht mehr adäquat erfasst werden kann und eine Revision dieser Begriffe notwendig ist.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Es handelt sich um eine musikästhetische Analyse, die Werkanalysen, die Untersuchung theoretischer Schriften sowie einen rechtswissenschaftlichen Exkurs zum Urheberrecht umfasst.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert Cages Werdegang, seine theoretischen Vorlesungen, die Konzeption seiner Werke „4'33''“ und „Variations“ sowie die daraus resultierenden Konflikte mit der traditionellen Werkästhetik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Indeterminacy, Werkbegriff, Zufall, Avantgarde und Prozesshaftigkeit maßgeblich bestimmt.

Wie beeinflusste der Zen-Buddhismus Cages Verständnis von Musik?

Die buddhistische Philosophie förderte bei Cage die Zurücknahme des eigenen Willens und die Einräumung einer inneren Gelassenheit, wodurch Klänge als eigenständige Phänomene ohne manipulative Steuerung wahrgenommen werden konnten.

Warum sind Werke wie „4'33''“ urheberrechtlich problematisch?

Da das Urheberrecht an den Begriff der „persönlichen geistigen Schöpfung“ und an eine erkennbare Formgestalt gebunden ist, fallen reine Zufallswerke, bei denen der Komponist steuernde Eingriffe minimiert, aus dem traditionellen Schutzrahmen heraus.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Herausforderung des Werkbegriffs bei John Cage
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Musikwissenschaft)
Veranstaltung
Seminar Der Werkbegriff in der Moderne
Note
1
Autor
Steffen Rother (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2008
Seiten
23
Katalognummer
V138752
ISBN (eBook)
9783640481903
ISBN (Buch)
9783640481774
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Herausforderung Werkbegriffs John Cage
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Steffen Rother (Autor:in), 2008, Die Herausforderung des Werkbegriffs bei John Cage, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138752
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  23  Seiten
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