Diese Bachelorarbeit thematisiert den Wandel des Nordwollegeländes in Delmenhorst. Fokussiert wird dabei der "Wollepark", welcher als Modellsiedlung in bahnhofsnähe im 20. Jahrhundert eröffnet wurde. Allerdings sorgte der Wandel der Zeit für verschiedene Einflussfaktoren, die dem Wollepark zu einem "Schrecken der Stadt" umgewandelt haben. Welche Ursachen und Konsequenzen daraus einhergehen, wird thematisch aufbereitet.
In einer Stadt zu leben, die stetig zunehmende Abneigung von der Nachbarbevölkerung erfährt und als Heimatstadt in Verruf gerät, ist erdrückend. Wenn bundesweite Nachrichten kursieren, wird über die Zurückbildung des wirtschaftlichen Kerns der Innenstadt oder die hohe Kriminalitätsrate berichtet, wodurch das negative Image verstärkt wird. Aus diesem Grund wird in dieser Bachelorarbeit ein Bereich der Stadt fokussiert, der den schlechten Ruf und die abschätzige Außenwahrnehmung maßgeblich ausgelöst hat.
Es handelt sich um die Stadt Delmenhorst, die im Norden von Deutschland liegt und westlich an das Bundesland Bremen angrenzt. In der niedersächsischen Ortschaft ist in den letzten Jahren aufgrund einer enormen Zuwanderung eine Einwohnerzahl von über 82.059 Personen zu verzeichnen. Das zu begutachtende Delmenhorster Areal ist der Wolleparkbezirk in der Stadtmitte, auf dem in den 70er Jahren eine komplexe Modellsiedlung errichtet wurde. Heutzutage gilt dieser Bereich als sozialer Brennpunkt, obwohl die Gründung als positives Ereignis in die Stadtgeschichte eingegangen ist. Der Verruf geht mit unterschiedlichen Faktoren einher, die kapitelweise erforscht werden.
Die Ursachen für die negativen Assoziationen gegenüber des Wolleparkareals werden erschlossen und mit der angrenzenden Nordwolle (Norddeutsche Wollkämmerei & Kammgarnspinnerei), die als eines der größten Industriedenkmale Europas gilt, in Verbindung gesetzt. Aus welchen Gründen die Modellsiedlung Wollepark gescheitert ist, wird in dieser Bachelorarbeit in Form einer Literaturarbeit untersucht und mit dem Wandel des Nordwollegeländes verknüpft. Zielorientiert wird anhand von einzelnen Aspekten induktiv begutachtet, wie es dazu gekommen ist, dass sich der aufblühende Stadtteil zu einem Problemgebiet entwickelt hat.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Untersuchung der Modellsiedlung Wollepark in Delmenhorst
2.1 Der Aufbau des Geländes
2.2 Die Entwicklung des Wolleparks
2.2.1 Gründung des Wolleparks
2.2.2 Entwicklung bis zu der Jahrtausendwende
2.2.3 Das 21. Jahrhundert
2.2.3.1 Rettungsversuche von Bund und Ländern
2.2.3.2 Abriss von den ersten Wohnblöcken
2.2.3.3 Derzeitige Sachlage der Modellsiedlung
2.2.4 Einwohnerentwicklung
3 Das Nordwollegelände in Delmenhorst
3.1 Die Gründung der Nordwolle
3.2 Ein Einblick in den Wandel des Geländes
3.3 Der Status des Geländes nach der Schließung
3.4 Bezugnahme auf den Wollepark
4 Genauere Betrachtung von Einflussfaktoren auf die Entwicklung des Wolleparks
4.1 Private Eigentümer und Eigentümergemeinschaften
4.2 Entwicklung der Neue-Heimat-Siedlungen von umliegenden Städten
4.3 Kriminalität als negativer Einfluss
4.4 Begutachtung der Architektur des Wolleparks
5 Prognose für das Gelände des Wolleparks
5.1 Maßnahmen zur Erreichung der Entwicklungsziele
5.2 Zukunftsvorhersage mittels Berücksichtigung der Einflussfaktoren
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht die Ursachen für das Scheitern der Modellsiedlung Wollepark in Delmenhorst, indem sie die historische Entwicklung des Wohngebiets analysiert und sie mit dem Wandel des angrenzenden Nordwollegeländes in Beziehung setzt. Das Ziel ist es, unter Einbezug von sozioökonomischen Faktoren, Architektur und städtebaulichen Maßnahmen zu erörtern, wie aus dem einstigen Prestigeprojekt ein sozialer Brennpunkt wurde und welche Prognosen für eine positive zukünftige Entwicklung bestehen.
- Analyse der städtebaulichen Entwicklung und Sanierungsgeschichte des Wolleparks
- Untersuchung des sozioökonomischen Wandels und der demografischen Bewohnerstruktur
- Bewertung von Einflussfaktoren wie Kriminalität, Wohnraumpolitik und Architektur
- Vergleich der Modellsiedlung mit dem Nordwollegelände als Industrie- und Kulturstandort
- Prognose möglicher zukünftiger Lösungsansätze durch städtebauliche Konzepte
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Aufbau des Geländes
Um einen gesamtheitlichen Überblick über das Gelände des Wolleparks in Delmenhorst zu erhalten, wird in diesem Kapitel die Lage der Modellsiedlung innerhalb der Stadtstruktur begutachtet. Anhand dieser Übersicht wird der Aufbau der Wohnblöcke zu der Gründungzeit dargestellt. Inwiefern sich die Wohnkomplexe bis zu dem aktuellen Jahr 2020 strukturell verändert haben, wird in den folgenden Kapiteln aktualisiert.
Das über 45.000 qm große Gelände des Wolleparks liegt im Nord-Osten der Stadt Delmenhorst an der zentralen Nord-Süd-Achse. Westlich angrenzend befindet sich die Stedinger Straße und südlich die Nordwollestraße, auf der der Bahnhof domiziliert ist. An der östlichen Seite ist das Nordwollegelände beheimatet, das durch einen ein Meter hohen Maschendrahtzahn und eine dornige Hecke abgeschottet wurde. Die Zufahrtsstraße wurde über die Nordwollestraße eingeleitet und mit der Bezeichnung „Am Wollepark“ eröffnet. Die Modellsiedlung beinhaltete im Süden drei langgestreckte, in sich gestaffelte [...] Wohnblöcke, die bis zu neun Etagen aufwiesen.
Mit ausreichenden Stellplätzen und einer dreigeschossigen Großgarage sollte der Wohnraum für insgesamt 400 Familien konfiguriert werden. Im Ganzen befinden sich 14 Wohnblöcke auf dem südlichen Wolleparkareal, die unterschiedliche Größen aufweisen. Das äußere Erscheinungsbild ist mit hohen, grauen Häuserfassaden als Plattenbauarchitektur einzuordnen, die mit weißen Balkonen an jeder Wohnung unterbrochen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Wolleparkbezirks in Delmenhorst ein und formuliert die Leitthese, dass eine Kombination aus Imageproblemen, Kriminalität und architektonischen Mängeln zur Stigmatisierung als sozialer Brennpunkt führte.
2 Untersuchung der Modellsiedlung Wollepark in Delmenhorst: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte historische Aufarbeitung der Siedlung, von der Gründung in den 70er Jahren über die Krisen bis hin zur gegenwärtigen Sanierungssituation.
3 Das Nordwollegelände in Delmenhorst: Hier wird der historische Wandel des angrenzenden Nordwollegeländes von der industrialisierten Wollkämmerei bis zu dessen heutigen Nutzung als denkmalgeschütztes Areal mit Kultur- und Wohnfunktion dargestellt.
4 Genauere Betrachtung von Einflussfaktoren auf die Entwicklung des Wolleparks: In diesem Teil werden spezifische Faktoren wie Eigentumsverhältnisse, die gescheiterte Strategie der „Neuen Heimat“, Kriminalitätsentwicklungen und die architektonische Wirkung von Betonbauten kritisch beleuchtet.
5 Prognose für das Gelände des Wolleparks: Ausgehend vom Sanierungskonzept werden Maßnahmen zur Aufwertung sowie eine zukunftsorientierte Prognose entwickelt, wie eine Stabilisierung des Stadtteils erreicht werden kann.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass das Scheitern des Wolleparks auf ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren zurückzuführen ist, wobei die Hoffnung auf eine positive Zukunft bestehen bleibt.
Schlüsselwörter
Wollepark, Delmenhorst, Nordwolle, Modellsiedlung, Stadtentwicklung, Sanierungsgebiet, Sozialer Brennpunkt, Wohnungsnot, Kriminalität, Architektur, Brutalismus, Eigentümergemeinschaft, Neue Heimat, Stadtplanung, Urbanität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ursachen für den Niedergang und die Stigmatisierung des Wollepark-Viertels in Delmenhorst und untersucht, warum das ursprünglich als Modellvorhaben geplante Viertel als sozialer Brennpunkt gescheitert ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Untersuchung umfasst die städtebauliche Genese, die soziologische Entwicklung der Bewohnerstruktur, die Auswirkungen von Eigentümerinteressen sowie die architektonische Gestaltung und deren Wahrnehmung.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die Forschungsfrage lautet: „Weshalb ist die Modellsiedlung Wollepark in Anknüpfung an den Wandel des Nordwollegeländes in Delmenhorst gescheitert?“
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich primär um eine Literaturarbeit, die induktiv Aspekte verschiedener Zeitabschnitte und Einflussfaktoren aufbereitet, um eine sachliche Begründung des Scheiterns zu liefern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Analyse der Siedlungsentwicklung, einen Vergleich mit dem Nordwollegelände, eine detaillierte Untersuchung negativer Einflussfaktoren (wie Kriminalität und Architektur) sowie eine Prognose für die Zukunft des Geländes.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlüsselwörter umfassen den Wollepark, soziale Brennpunkte, Stadtentwicklung, Sanierung, Kriminalitätsstatistik, Architektur des Brutalismus und die historische Bedeutung der Nordwolle für Delmenhorst.
Welche Rolle spielt das ehemalige Industrieareal der Nordwolle für den Wollepark?
Die Nordwolle dient als Kontrastpunkt: Während das Industriedenkmal nach einer aufwendigen Restauration zum Aushängeschild der Stadt wurde, entwickelte sich der räumlich benachbarte Wollepark zum Problemgebiet.
Welchen Einfluss hatte das Unternehmen „Neue Heimat“ auf das Projekt?
Die „Neue Heimat“ wird für die Initiierung des Projekts zur Linderung der Wohnungsnot verantwortlich gemacht, jedoch auch für eine mangelnde Nachhaltigkeit in Planung und Instandhaltung, die später zum Verfall beitrug.
- Quote paper
- Neele Dubiel (Author), 2020, Der Wandel des Nordwollegeländes in Delmenhorst. Weshalb ist die Modellsiedlung Wollepark gescheitert?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1392403